Erektionsstörung (Erektile Dysfunktion)
Kurz zusammengefasst
Wenn eine Erektion nicht zuverlässig klappt, fühlt sich das für viele Männer sofort wie ein persönliches Versagen an. Medizinisch ist es das fast nie. Eine Erektionsstörung (auch Potenzstörung, Impotenz, medizinisch erektile Dysfunktion, kurz ED) ist in der Regel ein Symptom – und zwar eines, das oft sehr gut behandelbar ist. Noch wichtiger: ED kann ein Hinweis darauf sein, dass im Körper an anderer Stelle etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist, zum Beispiel bei Gefäßen, Stoffwechsel, Hormonen, Nerven oder psychischer Belastung. Genau deshalb lohnt es sich, das Thema nicht zu verdrängen.
Überblick
Was ist eine Erektionsstörung genau?
Von einer erektilen Dysfunktion (ED) sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn ein Mann wiederholt oder über längere Zeit Schwierigkeiten hat, eine für Sex ausreichende Erektion zu bekommen oder zu halten. Es geht nicht um einzelne „Aussetzer“ nach einem stressigen Tag oder nach Alkohol, sondern um ein Muster: Es passiert häufiger, es wird belastend oder es wird schlimmer.
Die International Society for Sexual Medicine (ISSM) – eine weltweit anerkannte wissenschaftliche Fachgesellschaft im Bereich der Sexualmedizin – definiert die Erektionsstörung, medizinisch als erektile Dysfunktion (ED) bezeichnet und umgangssprachlich häufig „Impotenz“ genannt, als: das anhaltende oder wiederholt auftretende Unvermögen, eine für eine zufriedenstellende sexuelle Aktivität ausreichende Erektion zu erreichen und/oder aufrechtzuerhalten.
Diese Definition ist international etabliert und bildet die Grundlage moderner sexualmedizinischer Diagnostik. Nach den präzisierenden Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V. (DGMG) liegt eine erektile Dysfunktion in der Regel dann vor, wenn die Beschwerden über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten bestehen und in mindestens etwa 50 % der Versuche auftreten.
Das Spektrum der Ausprägung kann dabei unterschiedlich sein. In manchen Fällen kommt es zwar zunächst zu einer Erektion, diese verliert jedoch während des Geschlechtsverkehrs an Festigkeit, sodass eine Fortsetzung nicht möglich ist. In anderen Situationen gelingt es von Beginn an nicht, eine ausreichend stabile Erektion zu entwickeln.
Eine Erektion ist kein Schalter, den man „an“ oder „aus“ drückt. Sie ist ein komplexer Körperprozess, der nur funktioniert, wenn Kopf, Nerven, Hormone, Potenzmuskeln, Blutgefäße und Schwellkörpergewebe zusammenarbeiten. Wenn irgendwo in dieser Kette etwas hakt, merkt man das oft zuerst bei der Erektion.
Grundsätzlich unterscheidet man bei der Erektionsstörung (erektilen Dysfunktion) zwischen organischen und psychogenen Ursachen. Organische Erektionsstörungen beruhen auf körperlichen Veränderungen, beispielsweise im Bereich der Gefäße, Nerven oder Hormone. Psychogene Erektionsstörungen hingegen entstehen primär durch seelische oder psychosoziale Faktoren wie Leistungsdruck, Versagensängste oder anhaltenden Stress.
In der klinischen Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass diese Unterscheidung nicht strikt getrennt betrachtet werden kann. Männer mit einer ursprünglich organisch bedingten Potenzstörung entwickeln nicht selten im weiteren Verlauf zusätzlich eine psychogene Komponente.
Wenn ein Mann wiederholt erlebt, dass seine Erektion nicht ausreichend stabil ist oder vorzeitig nachlässt, entsteht verständlicherweise Unsicherheit hinsichtlich der eigenen sexuellen Leistungsfähigkeit. Diese Erwartungsangst kann zu einer verstärkten inneren Anspannung führen, wodurch sich die Erektionsfähigkeit weiter verschlechtert. Es entsteht ein Kreislauf aus Sorge, Leistungsdruck und erneuter Erektionsstörung.
Aus diesem Grund ist eine differenzierte ärztliche Diagnostik entscheidend, um organische und psychische Einflussfaktoren angemessen zu berücksichtigen und gezielt behandeln zu können.
Bis Anfang der 1990er-Jahre – also vor Einführung moderner diagnostischer Verfahren – ging man davon aus, dass der Großteil der Erektionsstörungen (erektilen Dysfunktionen, Impotenz) primär psychogen bedingt sei. In älteren Publikationen wurde der Anteil rein psychologischer Ursachen mit bis zu 90 % angegeben.
Mit der Weiterentwicklung differenzierter diagnostischer Methoden hat sich dieses Verständnis grundlegend verändert. Heute stehen umfangreiche Untersuchungsverfahren zur Verfügung, darunter die Analyse der penilen Gefäßfunktion, die Beurteilung der Nervenleitfähigkeit, die funktionelle Untersuchung der Beckenboden- und Potenzmuskulatur sowie die strukturelle Darstellung der penile Gewebearchitektur.
Auf Grundlage dieser modernen Diagnostik zeigt sich, dass Erektionsstörungen überwiegend organische Ursachen haben oder zumindest primär organisch mitbedingt sind. In vielen Untersuchungen wird beschrieben, dass bis zu 90 % der Fälle eine organische Grundlage aufweisen können.
Gleichzeitig ist zu betonen, dass sich bei zahlreichen Patienten – selbst bei primär organischer Genese – im Verlauf eine sekundäre psychologische Komponente entwickelt. Wiederholte Misserfolge, Leistungsdruck oder Versagensängste können die bestehende organische Erektionsstörung zusätzlich verstärken.
Rein psychologisch bedingte Erektionsstörungen im engeren Sinne sind demgegenüber deutlich seltener zu sein. Zur Einordnung dieser Entwicklung kann eine Untersuchung aus dem Jahr 2022 herangezogen werden, die Erektionsstörungen anhand der Risikofaktoren der EAU (European Association of Urology, Europäische Gesellschaft für Urologie) klassifizierte. In dieser Analyse wurden lediglich 13,8 % der Patienten als „primary psychogenic erectile dysfunction“ eingestuft, also ohne nachweisbare organische Risikofaktoren. Die differenzierte Unterscheidung zwischen organischer und psychogener Erektionsstörung ist entscheidend für eine gezielte Therapieplanung und einem möglichen Wiederherstellungsprozess von defekten organischen Strukturen.
Wie entsteht eine Erektion?
Damit der Penis hart wird, braucht es normalerweise sexuelle Stimulation. Diese kann körperlich sein (Berührung) oder mental (Fantasie, Erregung). Dann senden Nerven Signale in den Penis. Gleichzeitig werden in den Gefäßen und im Gewebe Botenstoffe freigesetzt, vor allem Stickstoffmonoxid (NO). NO sorgt dafür, dass in den Schwellkörpern ein Signalweg aktiviert wird, der die glatte Muskulatur entspannt.
Dadurch können sich die Arterien erweitern, es fließt mehr Blut in den Penis. Entscheidend ist außerdem der „Dichtungseffekt“: Wenn die Schwellkörper sich füllen, verhindert ein funktionstüchtiges Gewebe des Penis, das sogenannte veno-okklusives System und dass die abführenden Venen teilweise zusammengedrückt werden, dass das Blut nicht sofort wieder abfließt. Erst dieses Zusammenspiel macht eine stabile, feste Erektion möglich.
Die maximale Härte (Rigidität) des Penis wird erreicht, wenn neben einer ausreichenden Blutfüllung auch die sogenannte Potenzmuskulatur – also die spezielle Beckenbodenmuskulatur – funktionell intakt ist.
Man kann sich das wie einen länglichen Luftballon vorstellen, der mit Luft gefüllt wird. Wird er vollständig aufgeblasen und am hinteren Ende verschlossen, entsteht ein gewisser Innendruck. Übt man zusätzlich Druck am verschlossenen Ende aus, erhöht sich der Druck im Inneren weiter – die Spitze des Ballons wird dadurch fester und stabiler.
Übertragen auf die Erektion bedeutet dies: Die Blutfüllung der Schwellkörper bildet die Grundlage. Die Potenz- bzw. Beckenbodenmuskulatur sorgt zusätzlich u.a. durch Kompression der venösen Abflusswege dafür, dass das Blut im Penis gehalten wird. Erst dieses funktionierende Zusammenspiel aus Gefäßfüllung und muskulärer Unterstützung ermöglicht eine maximale Rigidität.
Ist dieses System jedoch gestört – etwa durch eine unzureichende Blutfüllung – kann keine ausreichende Härte entstehen. Man kann sich dies wie einen nur teilweise gefüllten Luftballon vorstellen: Selbst wenn man Druck ausübt, wird die Spitze niemals die gleiche Stabilität erreichen wie bei vollständiger Füllung und funktionierendem Verschlussmechanismus.
Das erklärt auch, warum ED so viele Ursachen haben kann: Wenn Gefäße verengt sind, Nerven geschädigt sind, Stress die Erregung blockiert, die sogenannte Potenzmuskulatur im Becken zu schwach ist, Hormone fehlen oder das Gewebe sich verändert hat, kann die Erektion schwächer werden oder abbrechen oder erst gar nicht zu Stande kommen. Je nachdem wie weit eine Erektionsstörung schon ausgeprägt ist.
Symptome
Woran merkt man eine Erektionsstörung?
Typisch für Erektionsprobleme ist, dass Sie durchaus Lust verspüren können, Ihr Körper aber nicht mehr zuverlässig mitmacht. Manche Männer bekommen nur schwer eine Erektion. Andere erreichen sie zunächst, verlieren sie jedoch schnell wieder. Wieder andere merken, dass die Härte nicht mehr ausreicht, um den Geschlechtsverkehr so zu erleben, wie sie es möchten. Häufig funktioniert es nur unter sehr starker Stimulation oder nur in bestimmten Situationen. Relevant wird eine Erektionsstörung für Sie dann, wenn diese Schwierigkeiten mehrmals wiederholt auftreten und zu einer spürbaren Beeinträchtigung der Sexualität oder des persönlichen Wohlbefindens führen.
Mögliche Anzeichen können sein:
- Sie brauchen deutlich länger, bis eine Erektion entsteht. Es fühlt sich so an, als würde Ihr Körper langsamer reagieren als früher, obwohl Sie erregt sind.
- Die Erektion wird nicht mehr so fest wie gewohnt. Der Penis wird zwar größer, ist aber nicht hart genug für befriedigenden Sex – oder die Festigkeit schwankt.
- Die Erektion lässt in bestimmten Momenten nach, zum Beispiel beim Überziehen eines Kondoms, beim Positionswechsel oder sobald Sie anfangen, darüber nachzudenken, ob „es klappt“.
- Sie benötigen mehr oder intensivere Stimulation als früher. Was früher ausgereicht hat, reicht nicht mehr, oder Sie müssen sehr konzentriert bleiben, damit die Erektion stabil bleibt. Morgendliche oder nächtliche Erektionen werden seltener oder deutlich schwächer. Das kann ein wichtiger Hinweis sein, der bei der Abklärung hilft. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum anzunehmen, dass vorhandene morgendliche Erektionen automatisch gegen eine organische Ursache der Erektionsstörung sprechen. Lange Zeit galt dies tatsächlich als wissenschaftlicher Konsens. Heute weiß man jedoch, dass morgendliche Erektionen nicht zwingend ein Beweis für eine intakte Gefäß- oder Nervenfunktion sind. In den frühen Morgenstunden können eine gefüllte Harnblase sowie ein gefüllter Enddarm mechanischen Druck auf die hinteren Anteile der Schwellkörper ausüben. Dieser Druck kann den venösen Blutabfluss vorübergehend vermindern. Dadurch entsteht der Eindruck einer Erektion, obwohl beispielsweise die zugrunde liegende Gefäßfunktion nicht zwangsläufig vollständig intakt sein muss. Vereinfacht kann man sich dies ähnlich wie bei der Anwendung eines Penisrings vorstellen: Durch die Behinderung des Blutabflusses wirkt der Penis fester, ohne dass dies automatisch eine normale funktionierende erektile Funktion widerspiegelt. Aus diesem Grund wird zwar weiterhin nach morgendlichen Erektionen gefragt, sie gelten jedoch nicht mehr als verlässlicher Beweis für eine uneingeschränkt organisch gesunde Erektionsfähigkeit.
- Es funktioniert in manchen Situationen gut und in anderen nicht – zum Beispiel allein besser als mit Partnerin oder Partner oder umgekehrt. Das kann auf Leistungsdruck, Stress oder Beziehungsthemen hindeuten, häufig zusammen mit körperlichen Faktoren. Aber wenn man alleine mit sich ist, braucht man meist nicht so eine große Härte aufbauen, wie es oft beim Geschlechtsverkehr nötig ist, um eine Penetration vollziehen zu können.
- Ihre sexuelle Lust nimmt ab oder fühlt sich weniger intensiv an. Das kann im Zusammenhang mit Stress, Schlafmangel, Depressionen oder hormonellen Veränderungen stehen. Wichtig ist: Libido und Erektion hängen zusammen, sind aber nicht identisch.
- Sie beginnen, Sex zu vermeiden, aus Sorge, erneut enttäuscht zu werden oder jemanden zu enttäuschen. Viele Männer ziehen sich unbewusst zurück, was den inneren Druck zusätzlich verstärken kann.
- Sie spüren Anspannung oder Angst vor dem Geschlechtsverkehr. Gedanken wie „Hoffentlich klappt es diesmal“ oder „Ich muss jetzt funktionieren“ können ein Zeichen für einen Stresskreislauf sein.
- Es treten Schmerzen, eine neu entstandene Krümmung oder ein Ziehen im Penis auf. Das passt nicht zu einer typischen Erektionsstörung allein und sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Sie bemerken Veränderungen beim Orgasmus oder bei der Ejakulation, zum Beispiel weniger Kontrolle, eine Verzögerung oder ein verändertes Empfinden. Das kann mit Medikamenten, Stress oder Veränderungen im Bereich von Prostata oder Beckenboden zusammenhängen und sollte auch immer ärztlich abgeklärt werden. Es wird häufig beobachtet, dass Männer mit einer Erektionsstörung (Impotenz) plötzlich zusätzlich über einen vorzeitigen Samenerguss – medizinisch Ejaculatio praecox – berichten. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Besteht eine erektile Dysfunktion, benötigt der Betroffene häufig eine stärkere sexuelle Stimulation – sowohl auf lokaler Ebene am Penis als auch auf zentraler Ebene im Gehirn –, um überhaupt eine ausreichende Erektion zu erreichen.
Die hierfür notwendige Intensivierung der Reize führt dazu, dass sich der Mann bereits früh in einem erhöhten sexuellen Erregungszustand befindet. Dadurch verkürzt sich der Abstand zwischen dem Erreichen einer ausreichenden Erektion und dem Auslösen des Ejakulations- bzw. Orgasmusreflexes. Mit anderen Worten: Die „Erregungsspanne“ bis zum Höhepunkt wird kleiner. Bei intakter Erektionsfunktion genügt meist eine geringere Stimulation, um eine stabile Erektion aufzubauen.
Der Anstieg der sexuellen Erregung erfolgt gradueller, sodass bis zum Erreichen des Orgasmus in der Regel mehr Zeit vergeht. Im Zusammenhang mit einer Erektionsstörung kann sich dieses Gleichgewicht jedoch verschieben, sodass Erektion und Ejakulation zeitlich enger zusammenrücken.
Ursachen
Wie entsteht eine Erektionsstörung?
In der Realität gibt es selten „die eine“ Ursache. Viele Fälle sind gemischt: ein körperlicher Anteil plus ein psychischer Anteil, die sich gegenseitig verstärken. Leitlinien beschreiben die erektile Dysfunktion deshalb als multifaktoriell, mit besonders häufigen Anteilen aus Gefäß-, Nerven-, Hormon-, Medikamenten-, Beckenboden- und psychischen Faktoren.
Grundsätzlich unterscheidet man also bei der Erektionsstörung (erektilen Dysfunktion) zwischen organischen und psychogenen Ursachen. In der klinischen Realität handelt es sich jedoch häufig um Mischformen, bei denen körperliche und seelische Faktoren ineinandergreifen.
Früher wurde angenommen, dass die Mehrheit der Fälle primär psychogen bedingt sei. Mit der Einführung moderner diagnostischer Verfahren zeigt sich heute, dass Erektionsstörungen überwiegend initial organisch bedingt sind. In vielen neuen wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird beschrieben, dass bis zu 90 % der Fälle eine körperliche Ursache aufweisen können, wie eine aktuelle Analyse auf Basis der Risikofaktoren der EAU (European Association of Urology, Europäische Gesellschaft für Urologie) ergab.
Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass sich selbst bei initialer organischer Ursache im Verlauf häufig eine psychologische Komponente zusätzlich entwickelt. Das ist fast selbsterklärend, bei wiederholtem Misserfolg entsteht meist Leistungsdruck und Erwartungsangst, wodurch sich die Erektionsfähigkeit zusätzlich verschlechtern kann.
Die wichtige Botschaft ist: Bei Potenzstörungen ist es entscheidend, die genaue Ursache zu kennen. Nur wenn man weiß, woher die Beschwerden kommen, kann eine passende und wirksame Behandlung erfolgen. Eine gezielte Therapie hilft nicht nur dabei, die Beschwerden zu verbessern, sondern kann auch verhindern, dass sich bereits geschädigte Strukturen weiter verschlechtern. In manchen Fällen ist es sogar möglich, diese Strukturen wieder zu stärken oder aufzubauen.
Durchblutung und Gefäßgesundheit
Die häufigste organische Ursache sind Durchblutungsstörungen. Der Penis braucht für eine feste Erektion eine deutlich erhöhte Blutzufuhr. Erkrankungen, die Gefäße schädigen, machen das schwieriger. Dazu gehören unter anderem Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Arteriosklerose, Diabetes, Rauchen und starkes Übergewicht. Wenn die Gefäßinnenwand, das sogenannte Endothel, nicht mehr gut arbeitet, wird weniger Stickstoffmonoxid bereitgestellt und die Gefäße entspannen schlechter. Zusätzlich kann sich das Schwellkörpergewebe über Jahre umbauen, sodass es Blut nicht mehr so gut „halten“ kann.
Herz-Kreislauf-Probleme
Ein wichtiger Punkt, der in guter Medizin und guter Aufklärung nicht fehlen darf: Eine Erektionsstörung ist nicht nur ein „Sex-Thema“. Die Princeton-Konsensus-Empfehlungen betonen, dass ED ein Warnhinweis auf still verlaufende Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein kann und in die kardiovaskuläre Risikoeinschätzung gehört.
Das bedeutet nicht, dass jeder Mann mit ED eine Herzerkrankung hat. Es bedeutet aber: Wenn eine Erektionsstörung neu auftritt, lohnt es sich, zumindest Blutdruck, Blutzucker, Blutfette und das allgemeine Herzrisiko seriös prüfen zu lassen – besonders, wenn weitere Risikofaktoren vorliegen oder Sie noch relativ jung sind. Noch besser ist es eine spezielle Untersuchung an den penilen Gefäßen durchführen zu lassen. Anhand der penilen Gefäße kann man meist 4 bis 8 Jahre vorher das Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen erkennen.
Nerven und Signalübertragung
Eine Erektion ist auch ein Nervenprozess. Wenn Nervenbahnen geschädigt sind, kommt das Signal vom Gehirn nicht zuverlässig an. Das kann nach Operationen im Beckenraum passieren, zum Beispiel nach Prostataoperationen. Es kann auch bei Diabetes durch Nervenschäden auftreten oder bei Wirbelsäulenproblemen, bei denen Nervenwurzeln irritiert werden. Je nachdem, wo die Schädigung liegt, kann die Erektion schwächer sein, später einsetzen oder weniger stabil bleiben.
Hormone
Testosteron ist nicht „das Erektionshormon“, aber es beeinflusst Lust, Energie, Stimmung und die Qualität der sexuellen Reaktion. Ein echter Testosteronmangel kann deshalb eine Erektionsstörung verstärken oder parallel dazu auftreten. In der Praxis zeigt sich ein hormonelles Problem oft durch weniger Libido, weniger morgendliche Spontanerektionen, Müdigkeit, Antriebsmangel oder Stimmungstiefs. Leitlinien empfehlen bei passender Symptomatik die Messung eines morgendlichen Testosteronwerts.
Medikamente, Alkohol, Nikotin und andere Substanzen
Bestimmte Medikamente können Erektionsprobleme als Nebenwirkung verstärken. Dazu zählen je nach Wirkstoffklasse einige Blutdrucksenker, manche Antidepressiva oder andere Psychopharmaka. Auch Alkohol kann kurzfristig die Erektionsfähigkeit dämpfen – vor allem in höheren Mengen. Nikotin schädigt Gefäße langfristig und ist einer der stärksten beeinflussbaren Risikofaktoren.
Wichtig ist hier immer: Wenn Sie den Verdacht auf eine Medikamentennebenwirkung haben, ist das ein Gesprächsanlass mit Ihrem Arzt – kein Grund, eigenmächtig etwas abzusetzen.
Psyche, Stress, Leistungsdruck und Beziehung
Stress ist ein sehr häufiger Verstärker. Wenn der Kopf „auf Alarm“ steht, ist sexuelle Erregung schwerer möglich. Leistungsdruck im Sinne von „Ich muss funktionieren“ kann eine Erektionsstörung sogar auslösen, obwohl körperlich alles möglich wäre. Dazu kommen Faktoren wie Angststörungen, Depressionen, Konflikte in der Beziehung, schlechte Kommunikation oder sexuelle Unsicherheit. Besonders typisch ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf – ein sogenannter „circulus vitiosus“, auch bekannt als Teufelskreis.: Einmal klappt es nicht, dann entsteht Angst vor dem nächsten Mal. Diese Angst blockiert die Erregung, und das Problem bestätigt sich scheinbar von selbst.
Schlaf und Schlafapnoe
Schlaf ist ein oft unterschätzter Faktor für die sexuelle Gesundheit. Schlechter Schlaf verändert Stresshormone, Libido und teilweise auch den Testosteronspiegel. Bei einer obstruktiven Schlafapnoe, also nächtlichen Atemaussetzern, treten Erektionsstörungen häufiger auf. Wenn Sie laut schnarchen, morgens unausgeruht sind oder tagsüber stark müde wirken, kann eine medizinische Abklärung sinnvoll sein.
Diagnose
Wie wird eine Erektionsstörung festgestellt?
Eine gute ED Diagnostik hat zwei Ziele. Erstens möchte man herausfinden, warum es passiert. Zweitens möchte man prüfen, ob es Begleiterkrankungen gibt, die behandelt werden sollten – besonders im Bereich Herz-Kreislauf und Stoffwechsel. Leitlinien betonen, dass ED Abklärung nicht nur „ein Rezept“ ist, sondern eine strukturierte medizinische Bewertung.
Welche Fragen wird der Arzt/die Ärztin mir stellen?
In der Regel beginnt alles mit einem Gespräch – hier wird u.a. gefragt:
- Seit wann besteht das Problem?
- Kam es plötzlich oder schleichend?
- Passiert es immer oder nur in bestimmten Situationen?
- Wie ist die Libido?
- Gibt es morgendliche oder nächtliche Erektionen?
- Welche Vorerkrankungen liegen vor?
- Welche Medikamente nehmen Sie ein?
- Wie ist Ihr Stresslevel, Schlaf, Alkohol, Nikotin?
Im Anschluss an das Gespräch, ist es üblich, dass der Arzt Sie bittet, spezielle Fragebögen auszufüllen. Sie helfen, die Schwere einzuordnen und den Verlauf unter Therapie objektiver zu verfolgen. Die europäische Leitlinie nennt als geprüfte (validierte) Fragebögen den IIEF (International Index of Erectile Function, auf Deutsch meist bezeichnet als: Internationaler Index der Erektionsfunktion, bestehend aus 15 Fragen) und EHS (Erection Hardness Score, auf Deutsch meist bezeichnet als: Skala zur Beurteilung der Erektionshärte) ausdrücklich als zuverlässige Instrumente zur Einschätzung der Schwere einer Erektionsstörung.
Der IIEF5 (auch SHIM, Sexual Health Inventory for Men. Dabei handelt es sich um die verkürzte 5-Fragen-Version des IIEF) besteht aus Fragen, die du selbst auf einem Zettel oder gemeinsam mit deinem Arzt beantwortest. Am Ende wird eine Summe gebildet.
Typischerweise bedeutet ein Gesamtwert:
- von 22–25 „keine ED“
- 17–21 „milde ED“
- 12–16 „mild bis moderat“
- 8–11 „moderat“
- und 5–7 „schwer“.
Das ist praktisch, weil Sie so sehen, ob es unter Behandlung wirklich besser wird – auch wenn einzelne Tage schwanken. Der Erection Hardness Score (EHS) ist noch einfacher: Sie ordnen die Härte Ihrer Erektion auf einer Skala ein, von „keine Vergrößerung“ bis „vollständig hart und steif“. Klinisch ist das hilfreich, weil für Penetration meist eine Härte nötig ist, die in dieser Skala im oberen Bereich liegt.
Werde ich im Rahmen des Gesprächs auch untersucht?
Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei der ggf. Blutdruck, HerzKreislaufHinweise, Gewicht/Bauchumfang, Genitalbefund und je nach Situation auch neurologische Hinweise betrachtet werden. Um eine organisch bedingte erektile Dysfunktion zuverlässig zu erkennen, ist eine strukturierte funktionelle Untersuchung erforderlich. Ziel ist es, die wesentlichen körperlichen Einflussfaktoren differenziert zu erfassen und nicht vorschnell von einer rein psychogenen Ursache auszugehen.
Zur grundlegenden organischen Basisdiagnostik gehören insbesondere folgende Untersuchungen:
- Funktion der Potenz- und Beckenbodenmuskulatur Die Beckenbodenmuskulatur spielt eine entscheidende Rolle beim Aufbau und Erhalt der Erektion. Eine eingeschränkte muskuläre Funktion kann die venöse Abdichtung des Penis beeinträchtigen und so zu einer verminderten Rigidität (Härte) führen.
- Strukturelle Beschaffenheit des Penis (Gewebearchitektur) Die Beurteilung der infrastrukturellen Integrität des Penis ermöglicht Rückschlüsse auf mögliche strukturelle Veränderungen, die die Erektionsfähigkeit beeinflussen können.
- Durchblutungsverhältnisse der penilen Gefäße Die arterielle Blutversorgung und der venöse Abfluss sind zentrale Voraussetzungen für eine stabile Erektion. Eine Gefäßdiagnostik erlaubt die Einschätzung möglicher Durchblutungsstörungen oder veno-okklusiver Dysfunktionen.
- Untersuchung der nervalen Strukturen Die Erektion ist ein neurovaskulärer Prozess. Eine intakte Signalübertragung zwischen Gehirn, Rückenmark und Penis ist essenziell. Störungen der Nervenfunktion können daher eine wesentliche Ursache der erektilen Dysfunktion darstellen.
Nur durch die Kombination dieser funktionellen Untersuchungen lässt sich feststellen, ob eine organische Ursache der Erektionsstörung vorliegt und welche therapeutischen Maßnahmen gezielt eingeleitet werden können. Eine rein symptomatische Behandlung ohne vorherige differenzierte Diagnostik greift häufig zu kurz.
Muss ich mich ausziehen?
Wenn der Arzt eine körperliche Untersuchung macht, hängt es davon ab, was genau untersucht werden soll: Für eine allgemeine Untersuchung (Herz/Lunge, Bauch) kann es sein, dass du kurz das Oberteil ausziehst oder hochschiebst. Das ist wie beim normalen Check-up. Für die urologische Untersuchung (Penis/Hoden) musst du in der Regel die Hose ausziehen und die Unterwäsche kurz herunterziehen oder ablegen – aber du bekommst normalerweise ein Tuch beziehungsweise eine Abdeckung, und es dauert meist nur wenige Minuten. Sie werden vorher gefragt, ob das für Sie okay ist.
Wird mir Blut abgenommen?
Im Labor geht es weniger um „eine ED Zahl“, sondern um Ursachen und Risikofaktoren. Die Leitlinie empfiehlt Laboruntersuchungen inklusive Glukose und Lipidprofil sowie GesamtTestosteron, um reversible Risikofaktoren zu erkennen und zu behandeln.
Praktisch heißt das: Man schaut häufig nach Hinweisen auf Diabetes (z. B. über HbA1c), nach Fettstoffwechselstörungen und – abhängig von Symptomen – nach hormonellen Faktoren. Ein Testosteronwert wird typischerweise morgens bestimmt, weil er tageszeitlich schwankt. Wenn ein Wert niedrig ist, wird er in der Regel kontrolliert und bei Bedarf erweitert (z. B. mit LH und FSH, SHBG, Prolaktin oder Schilddrüsenwerten), um zu verstehen, warum er niedrig ist und ob eine behandelbare Ursache dahinter steckt. Die „erweiterte“ Hormondiagnostik gehört in der Regel dann dazu, wenn der Verdacht auf eine komplexere hormonelle Störung besteht.
Mögliche Laborwerte, die der Arzt bestimmt sind unter anderem:
- HbA1c
- Nüchternblutzucker
- Gelegentlich oraler Glukosetoleranztest (oGTT)
- Gesamtcholesterin
- LDL-Cholesterin
- HDL-Cholesterin
- Triglyzeride
- Gesamt-Testosteron (morgendliche Bestimmung)
- Freies Testosteron (der berechnete Wert in Zusammenhang mit SHBG und Albumin)
- SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin)
- Albumin
- LH (Luteinisierendes Hormon)
- FSH (Follikelstimulierendes Hormon)
- Prolaktin
- Estradiol
- TSH
- freies T3 (fT3)
- freies T4 (fT4)
- DHEA-S
- Cortisol (morgendlich)
- ACTH
- Insulin
- Nüchterninsulin
- CRP
- Leberwerte (AST, ALT, GGT)
- Kreatinin
- PSA
- Hb
- Hkt
Welche weiteren Untersuchungen werden durchgeführt?
Nicht jeder Mann mit Erektionsstörungen braucht all diese Labor-Untersuchungen. Die meisten Fälle lassen sich bereits durch Gespräch, körperliche Untersuchung und einfache Basisdiagnostik gut einordnen, um beispielsweise lebensstilverändernde Maßnahmen zu ergreifen. Wenn man die genauen Ursachen der Potenzschwäche kennen möchte, dann sollte man Basisdiagnostik der Nervenfunktion, der penilen Architektur, der Durchblutung des Penis und die Messung der Potenzmuskulatur durchführen lassen. Weitere spezielle Tests, wie beispielsweise die Messung der Nächtlichen Erektionen werden nur dann eingesetzt, wenn sie für die weitere Therapieentscheidung wirklich relevant sind.
RigiScan® / NPTR (Messung der nächtlichen Erektionen)
Der RigiScan® ist ein Verfahren, mit dem man misst, ob nachts spontane Erektionen auftreten. Die Idee dahinter ist einfach: Bei vielen Männern kommt es während bestimmter Schlafphasen, vor allem im sogenannten REM-Schlaf, automatisch zu Erektionen. Das passiert unabhängig von sexuellen Träumen oder bewusster Erregung.
Wenn diese nächtlichen Erektionen normal stark sind und lange genug anhalten, zeigt das, dass die körperlichen Strukturen grundsätzlich funktionieren. Das bedeutet: Nerven, Blutgefäße und Schwellkörper arbeiten mechanisch richtig zusammen.
Für die Untersuchung trägt man nachts ein kleines Messgerät. Zwei flexible Ringe werden um den Penis gelegt – einer an der Basis, einer weiter vorne unterhalb der Eichel. Das Gerät misst, wie stark der Umfang zunimmt und wie fest der Penis wird. Außerdem wird aufgezeichnet, wie oft solche Erektionen auftreten und wie lange sie anhalten.
Wichtig ist, dass der Test an mindestens zwei Nächten durchgeführt wird. Eine einzelne Nacht kann durch schlechten Schlaf, Stress, Alkohol oder Nervosität verfälscht sein.
Als Hinweis auf eine funktionierende Erektionsmechanik gilt, wenn die Erektion an der Penisspitze mindestens 80 Prozent Steifigkeit erreicht und ungefähr 10 Minuten oder länger anhält.
Wenn solche nächtlichen Erektionen mehrmals in der Nacht deutlich vorhanden sind, spricht das eher dafür, dass die körperliche Funktion grundsätzlich intakt ist. In diesem Fall liegt die Ursache der Erektionsprobleme häufiger im psychischen oder situativen Bereich, etwa durch Leistungsdruck, Beziehungsprobleme oder Stress.
Sind die nächtlichen Erektionen dagegen deutlich schwach oder fehlen ganz, kann das ein Hinweis auf eine körperliche Ursache sein. Allerdings hat dieser Test Grenzen. Nächtliche Erektionen sind nicht identisch mit Erektionen beim Sex. Faktoren wie Alter, Depression, Schlafstörungen oder allgemeiner Stress können die Messung beeinflussen. Deshalb wird dieser Test heute nicht mehr bei jedem routinemäßig eingesetzt, sondern eher gezielt in bestimmten Situationen.
Zum Austesten mit welchem Medikament und mit welcher Medikamentendosis man sein nächtliches Schwellkörpertraining durchführen soll, wird der RigiScan® heutzutage auch eingesetzt. Oder auch bei gutachterlicher Tätigkeit von Ärzten, wenn diese differentialdiagnostisch Vorgehen müssen.
Intrakavernöser Injektionstest (SKAT-Test, Schwellkörper-Autoinjektionstherapie-Test)
Bei diesem Test wird geprüft, ob der Penis grundsätzlich in der Lage ist, auf ein gefäßerweiterndes Medikament mit einer stabilen Erektion zu reagieren.
Dafür spritzt der Arzt unter kontrollierten Bedingungen ein Medikament direkt in den Schwellkörper. Dieses Medikament sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße erweitern und die Muskulatur im Schwellkörper entspannt. Wenn die Gefäße gut reagieren, strömt mehr Blut ein und es entsteht eine Erektion.
Anschließend beobachtet man, wie schnell die Erektion eintritt und wie lange sie anhält. Als gutes Zeichen gilt, wenn innerhalb von etwa 10 Minuten eine ausreichend feste Erektion entsteht, die ungefähr 30 Minuten bestehen bleibt. Ob diese Zeiten erreicht werden ist Medikamentendosisabhängig und wie stark die Störungen der Erektionsfähigkeit fortgeschritten sind.
Der Test kann auch einen Hinweise darauf geben, ob schwere Durchblutungsstörungen wahrscheinlich sind. Er zeigt jedoch nicht im Detail, wo genau ein Problem liegt. Deshalb reicht er allein nicht aus, um die Gefäßsituation vollständig zu beurteilen. Daher kombiniert man die SKAT-Gabe mit einer speziellen sonographischen Untersuchung des Penis, der penilen Doppler- und Duplex-Sonografie.
Penile Doppler- und Duplex-Sonografie (dynamischer Penis-Doppler)
Wenn der Verdacht besteht, dass die Ursache der Erektionsstörung in einer Durchblutungsstörung liegt, ist diese Untersuchung besonders wichtig. Das gilt zum Beispiel bei Diabetes, Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen oder wenn Medikamente wie PDE-5-Hemmer nicht ausreichend wirken.
Hier wird zunächst ein Medikament in die Schwellkörper injiziert, um eine möglichst eine Erektion auszulösen. Anschließend untersucht der Arzt mit Ultraschall die Arterien im Penis und misst, wie schnell und wie viel Blut hineinfließt. Dabei werden bestimmte Flusswerte gemessen.
Ein wichtiger Wert ist der sogenannte PSV. Er zeigt, wie stark der Blutzufluss über die Arterien ist. Ist dieser Wert deutlich zu niedrig, bedeutet das, dass nicht genug Blut in den Penis hineinfließt. Man kann sich das wie einen Gartenschlauch vorstellen, durch den zu wenig Wasser kommt. Wenn der Zufluss zu schwach ist, kann sich der Penis nicht ausreichend füllen. Ist dieser Wert unter 25 cm pro Sekunde, besteht eine erhöhte Gefahren in den nächsten Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen.
Ein anderer wichtiger Wert ist der EDV. Er gibt Hinweise darauf, ob das Blut im Penis gehalten wird. Normalerweise wird bei einer Erektion der Blutabfluss stark gebremst. Funktioniert dieser „Dichtungseffekt“ nicht richtig, fließt das Blut zu schnell wieder ab. Man spricht dann von einem erhöhten venösen Abfluss der fälschlicher Weise meist auch als venöses Leck bezeichnet wird. Die Erektion entsteht vielleicht kurz, lässt aber meist schnell wieder nach.
Nach der Untersuchung wird kontrolliert, ob die Erektion wieder normal abklingt. Falls sie ungewöhnlich lange anhält, kann ein Gegenmittel gegeben werden, um sie sicher zu beenden. Die Aussagekraft dieser Untersuchung hängt stark von der Erfahrung des Untersuchers und vom genauen Ablauf ab. Deshalb sollte sie möglichst in spezialisierten Einrichtungen durchgeführt werden.
Cavernosometrie und Cavernosographie (DICC)
DICC steht für Dynamic Infusion Cavernosometry and Cavernosography, auf Deutsch: Dynamische Infusions-Cavernosometrie und Cavernosographie. Diese Untersuchung wird heute nur noch selten durchgeführt. Sie kommt vor allem dann infrage, wenn sehr genau geklärt werden muss, ob ein venöses Leck vorliegt und wo es sich befindet.
Vereinfacht gesagt wird zunächst eine Erektion medikamentös ausgelöst. Anschließend wird Flüssigkeit in die Schwellkörper geleitet, während gleichzeitig der Druck im Inneren gemessen wird. So kann man sehen, wie gut der Penis den Druck halten kann. Zusätzlich wird Kontrastmittel eingesetzt, um bildlich darzustellen, über welche Venen das Blut abfließt. Wenn sehr viel Flüssigkeit nötig ist, um die Erektion aufrechtzuerhalten, oder wenn der Druck schnell wieder abfällt, spricht das für eine Störung des venösen Verschlussmechanismus, also einer Störung des veno-okklusiven Systems. Diese Art der Störung kann ein sehr erfahrener Arzt aber wesentlich weniger belastend für den Mann mittels der farbcodierten Doppler-Duplex-Sonographie gut erkennen.
Da diese Untersuchung invasiv ist und nicht ohne Aufwand durchgeführt wird, wird sie heute nur noch eingesetzt, wenn eine gefäßrekonstruktive Operation überhaupt in Betracht gezogen wird.
Interne Pudendus-Arteriographie
Diese Untersuchung dient dazu, die Arterien im Becken und im Penis sehr genau darzustellen. Sie ist keine Routineuntersuchung bei Erektionsstörungen. Über einen Zugang in der Leiste wird ein dünner Katheter in die entsprechenden Gefäße vorgeschoben. Dann wird Kontrastmittel eingespritzt, sodass Engstellen oder Verschlüsse sichtbar werden.
Der Hauptzweck besteht darin festzustellen, ob es eine klar begrenzte arterielle Engstelle gibt, die man möglicherweise operativ oder durch einen gefäßmedizinischen Eingriff behandeln kann. Deshalb wird diese Untersuchung nur durchgeführt, wenn eine gezielte Gefäßbehandlung überhaupt realistisch erscheint. Normalerweise reicht es vollkommen aus, wenn ein sehr erfahrener Arzt die farbcodierten Doppler-Duplex-Sonographie der penilen Gefäße und gegebenenfalls von vorgeschalteten Gefäßstrukturen durchführt. Diese spezielle Ultraschalluntersuchung ist wesentlich weniger belastend für den Mann.
CT-Angiographie und CT-Cavernosographie
Moderne bildgebende Verfahren wie die CT-Angiographie oder CT-Cavernosographie kommen nur in besonderen Fällen zum Einsatz. Sie liefern sehr detaillierte anatomische Bilder und können bei speziellen Fragestellungen hilfreich sein, etwa bei komplexen Gefäßveränderungen. Für die meisten Männer mit Erektionsstörungen sind diese Verfahren jedoch nicht notwendig. Es handelt sich um Spezialdiagnostik, die in ausgewählten Fällen und meist in spezialisierten Zentren durchgeführt wird.
Behandlung
Wie kann ich meine Gefäße verbessern?
Eine Erektionsstörung ist in den meisten Fällen keine isolierte Störung des Penis, sondern Ausdruck eines komplexen Zusammenspiels aus Gefäßen, Nerven, peniler Gewebsarchitektur, glatter & Beckenboden-Muskulatur, hormoneller Regulation und psychischer Verarbeitung. Eine nachhaltige Therapie beginnt häufig nicht mit einem Medikament, sondern mit der Frage, warum die Gefäße oder Nerven nicht mehr optimal funktionieren. Während sexueller Erregung steigt der Blutfluss in den Penis massiv an. Das bedeutet, die Gefäße müssen in der Lage sein, sich schnell und deutlich zu erweitern. Entscheidend dafür ist die Funktion der Gefäßinnenwand, des sogenannten Endothels. Diese Zellschicht produziert Stickstoffmonoxid. Wenn das Endothel durch Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen oder erhöhte Blutfette geschädigt ist, sinkt die NO-Produktion. Die Gefäße reagieren träger, bleiben enger und können den notwendigen Blutfluss nicht bereitstellen. Genau deshalb ist die Erektionsstörung oft ein frühes Warnsignal für allgemeine Gefäßprobleme.
Körperliche Aktivität
Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert nachweislich die Funktion des Endothels. Bewegung erhöht die Aktivität der endothelialen NO-Synthase, also des Enzyms, das Stickstoffmonoxid produziert. Gleichzeitig werden Entzündungsprozesse reduziert, die Insulinsensitivität verbessert und die Elastizität der Gefäße gesteigert. Diese Veränderungen sind messbar und führen in Studien zu einer signifikanten Verbesserung der erektilen Funktion. Es geht hier nicht um „bessere Stimmung“, sondern um reale vaskuläre Anpassungen. Für das sogenannte Gefäßtraining gibt es auch unterschiedliche Trainingsansätze. Von speziellem Intervalltraining bis hin zu regelmäßigen moderaten Bewegungen gehört alles zur Therapiepalette. Besprechen Sie das bitte sorgfältig mit Ihrem Arzt.
Sex als Therapie
Männer zwischen dem 55. und dem 75. Lebensjahr, die weniger als einmal pro Woche sexuell aktiv sind, leiden doppelt so häufig an Erektionsstörungen wie regelmäßig sexuell Aktive. Zu diesem Ergebnis kommt eine große finnische Studie. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Regelmäßiger Geschlechtsverkehr beugt Erektionsstörungen vor. Aber auch spezielle körperliche Übungen können vorbeugend wirken. Wie heißt es so schön im englischen: Brain – Muscle – Penis, use it or lose it! Der Ausdruck bedeutet sinngemäß: „Nutze es, sonst verlierst du es.“
Viszerales Fettgewebe reduzieren
Übergewicht, insbesondere Bauchfett, beeinflusst die Erektion sowohl hormonell als auch vaskulär. Viszerales Fettgewebe ist hormonell aktiv und fördert Entzündungsprozesse. Zudem enthält es vermehrt das Enzym Aromatase, das Testosteron in Estradiol umwandelt. Dadurch sinkt der freie Testosteronspiegel. Gleichzeitig steigt die Insulinresistenz, was wiederum die Gefäßfunktion beeinträchtigt. Wenn Gewicht reduziert wird, verbessern sich Gefäßreaktivität, Hormonbalance und Stoffwechselparameter. Die Verbesserung der Erektionsfunktion ist die logische Folge dieser Veränderungen.
Diabetes einstellen
Diabetes ist ein besonders komplexer Risikofaktor. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt kleine Blutgefäße und Nerven. Die Mikroangiopathie (das ist eine Schädigung der kleinsten Blutgefäße im Körper) reduziert den arteriellen Zufluss, während die diabetische Neuropathie (eine Schädigung von Nerven, die dazu führen kann, dass Reize nicht mehr korrekt weitergeleitet werden und Empfindungs- oder Funktionsstörungen entstehen) die Signalübertragung zwischen Gehirn und Penis beeinträchtigt. Zusätzlich entsteht oxidativer Stress (ein Ungleichgewicht zwischen schädlichen Sauerstoffradikalen und körpereigenen Schutzmechanismen, wodurch Zellen und Gewebe langfristig geschädigt werden können), der die Bioverfügbarkeit von Stickstoffmonoxid reduziert. Im Verlauf kann es zu strukturellen Umbauprozessen im Schwellkörper kommen, bei denen elastisches Gewebe durch weniger dehnbares Bindegewebe ersetzt wird. Dadurch wird der sogenannte veno-okklusive Mechanismus geschwächt, also die Fähigkeit, das eingeströmte Blut im Penis zu halten.
Medikamente
PDE-5-Hemmer wie Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil oder Avanafil greifen direkt in die biochemische Signalkette der Erektion ein. Wenn Stickstoffmonoxid freigesetzt wird, aktiviert es in den Muskelzellen der Schwellkörper die Bildung von zyklischem GMP. Dieses Molekül bewirkt die Entspannung der glatten Muskulatur. PDE-5 ist ein Enzym, das cGMP wieder abbaut. Die Medikamente hemmen dieses Enzym, sodass cGMP länger wirkt. Das bedeutet, die Gefäßerweiterung wird verstärkt und verlängert. Wichtig ist zu verstehen, dass diese Medikamente keine Erektion ohne sexuelle Stimulation erzeugen. Sie verstärken nur das natürliche Signal. Wenn die NO-Freisetzung stark eingeschränkt ist, beispielsweise bei schwerem Diabetes oder ausgeprägter Nervenschädigung, kann die Wirkung reduziert sein.
Vakuumpumpe
Die Vakuumerektionshilfe verfolgt einen völlig anderen Ansatz. Sie nutzt keinen biochemischen Signalweg, sondern einen physikalischen Mechanismus. Durch Unterdruck wird Blut passiv in die Schwellkörper gezogen. Ein Stauring verhindert dann den sofortigen venösen Abfluss. Diese Methode funktioniert auch dann, wenn die Nervenfunktion eingeschränkt ist, da sie nicht auf NO-Freisetzung angewiesen ist. Die Anwendung einer Vakuumpumpe erfordert zunächst etwas Übung. Ähnlich wie beim Erlernen des Fahrradfahrens kann die Handhabung zu Beginn ungewohnt erscheinen. Mit zunehmender Routine entwickelt sich jedoch ein sicherer und automatisierter Umgang mit dem System. Entscheidend ist insbesondere das korrekte Anlegen des Penisrings an der Penisbasis. Wird die Technik einmal richtig erlernt, gelingt die Anwendung in der Regel unkompliziert und zuverlässig.
Intrakavernösen Injektionstherapie (SKAT)
Alprostadil wirkt lokal gefäßerweiternd, indem es direkt an Rezeptoren der glatten Schwellkörpermuskulatur bindet und eine Entspannung der Gefäßmuskulatur bewirkt – unabhängig vom Stickstoffmonoxid-(NO)-Signalweg. Dadurch kann es auch bei Patienten wirksam sein, bei denen PDE-5-Hemmer wie z.B. Viagra keine ausreichende Wirkung zeigen.
Bei der intrakavernösen Injektionstherapie (SKAT) wird der Wirkstoff direkt in den Schwellkörper appliziert. Auf diese Weise wird der natürliche nervale Signalweg umgangen, sodass in der Regel zuverlässig eine Erektion ausgelöst werden kann.
Zu beachten ist jedoch das Risiko einer prolongierten Erektion, des sogenannten Priapismus. Aus diesem Grund ist eine sorgfältige ärztliche Einweisung sowie eine individuell angepasste Dosiseinstellung zwingend erforderlich. Bei der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) wird das Medikament nach ärztlicher Einweisung selbstständig mit einer sehr feinen Nadel seitlich in den Schwellkörper appliziert. Ziel ist eine gezielte und reproduzierbare Erektionsinduktion.
Standardmäßig kommt Prostaglandin E1 (Alprostadil) zum Einsatz. Abhängig von der individuellen Situation können jedoch auch andere Wirkstoffe wie Papaverin oder Kombinationen mit Phentolamin verwendet werden. In spezialisierten Zentren stehen zudem individuell abgestimmte Wirkstoffmischungen zur Verfügung.
Neben der Injektionstherapie existieren weniger invasive Applikationsformen von Alprostadil. Dazu zählt das MUSE®-System (Medicated Urethral System for Erection), bei dem der Wirkstoff über die Harnröhre eingebracht wird. Alternativ kann ein transurethrales Gel am Harnröhreneingang appliziert und auf der Eichel verteilt werden.
Im direkten Vergleich erzielt die intrakavernöse Injektion jedoch meist die höchste lokale Wirkstoffverfügbarkeit und führt deshalb in der Regel zu einer stärkeren und verlässlicheren Erektionsantwort.
Stoßwellentherapie
Die Stoßwellentherapie versucht, die Gefäßfunktion langfristig zu verbessern. Niedrigenergetische Stoßwellen (Li-ESWT, Low-Intensity Extracorporeal Shock Wave Therapy, auf Deutsch: Niedrigintensive extrakorporale Stoßwellentherapie) erzeugen Mikrotraumata im Gewebe, die Reparaturprozesse und Gefäßneubildung stimulieren sollen. Studien zeigen vor allem bei mild bis moderat gefäßbedingter Erektionsstörung eine leichte bis moderate Verbesserung. Es handelt sich jedoch nicht um eine sofortige Wirkung, sondern um einen biologischen Umbauprozess, dessen Langzeiteffekt noch nicht vollständig geklärt ist. Vor Beginn einer Li-ESWT ist eine sorgfältige und differenzierte Diagnostik zwingend erforderlich.
Nur wenn die zugrunde liegende Ursache der erektilen Dysfunktion klar eingeordnet wurde, kann beurteilt werden, ob diese Therapieform medizinisch sinnvoll und erfolgversprechend ist. Da die Behandlung mehrere Sitzungen umfasst und mit entsprechenden Kosten verbunden ist, sollte sie nicht ohne vorherige strukturierte Abklärung durchgeführt werden. Eine verantwortungsvolle Therapieentscheidung setzt stets eine fundierte Diagnose voraus.
PRP und Stammzelltherapie
PRP (Platelet-Rich Plasma, auf Deutsch: plättchenreiches Plasma oder thrombozytenreiches Plasma) und Stammzelltherapien zielen auf regenerative Prozesse ab. Die Idee besteht darin, Wachstumsfaktoren oder regenerative Zellen in das Gewebe einzubringen, um Reparaturmechanismen zu stimulieren. Das Konzept ist biologisch nachvollziehbar, aber die Datenlage ist bislang nicht ausreichend standardisiert, um eine klare Empfehlung auszusprechen.
Diese Verfahren gelten daher weiterhin als experimentell. Internationale Fachgesellschaften wie die International Society for Sexual Medicine (ISSM) bewerten regenerative Therapieverfahren – etwa PRP oder bestimmte Formen der Stoßwellentherapie – derzeit zurückhaltend. Die wissenschaftliche Datenlage ist noch nicht in allen Bereichen ausreichend, um eine generelle Empfehlung auszusprechen. Nach aktuellem Kenntnisstand scheint lediglich ein klar definiertes Patientenkollektiv von solchen Verfahren zu profitieren.
Umso wichtiger ist eine präzise diagnostische Abklärung der Ursachen. Eine organische, hormonelle, nervale oder vaskuläre Differenzierung sollte immer vor einer kostenintensiven Therapie erfolgen. Nur wenn die zugrunde liegende Pathophysiologie (das ist die Lehre von den krankhaften Veränderungen und Funktionsstörungen im Körper, die zur Entstehung und zum Verlauf einer Erkrankung führen) bekannt ist, kann beurteilt werden, ob eine regenerative Behandlung medizinisch sinnvoll und erfolgversprechend ist.
Bevor erhebliche finanzielle Mittel in solche Verfahren investiert werden, empfiehlt sich daher eine fundierte ärztliche Untersuchung zur genauen Ursachenanalyse der Erektionsstörung.
Operative Möglichkeiten
Wenn konservative Therapien nicht ausreichend helfen, kann eine Penisprothese (ein sogenanntes Schwellkörperimplantat) eine sehr zuverlässige Lösung darstellen. Bei der Verwendung eines hydraulischen Schwellkörperimplantates wird die natürliche hydraulische Funktion mechanisch ersetzt. Aufblasbare Systeme bestehen aus Zylindern im Penis, einer Pumpe im Hodensack und einem Flüssigkeitsreservoir. Durch Betätigung der Pumpe wird Flüssigkeit in die Zylinder gepumpt, wodurch eine stabile Erektion entsteht. Der entscheidende Unterschied ist, dass die Erektion hier nicht mehr von Gefäßen oder Nerven abhängt. Sie ist mechanisch kontrollierbar. Risiken bestehen in Infektionen oder mechanischen Defekten, doch die Zufriedenheit ist bei geeigneter Indikation hoch, weil Planbarkeit und Verlässlichkeit zurückkehren. Eine weitere Möglichkeit ist die Implantation einer sogenannten semirigiden Penisprothese. Im Gegensatz zu hydraulischen Systemen enthält diese keine Pumpmechanik. Der Penis bleibt dauerhaft formstabil und kann für den Geschlechtsverkehr nach oben positioniert und anschließend wieder nach unten geklappt werden. Semirigide Prothesen gelten als technisch weniger komplex, sind jedoch hinsichtlich Komfort und Natürlichkeit der Erektion eingeschränkter als hydraulische Systeme.
In sehr ausgewählten Fällen können auch gefäßchirurgische Eingriffe durchgeführt werden. Prinzipiell ähnelt dieses Verfahren dem Bypass-Prinzip in der Herzchirurgie: Bei ausgeprägter arterieller Durchblutungsstörung wird versucht, die Blutversorgung des Penis operativ zu verbessern.
Solche Eingriffe kommen jedoch äußerst selten in Betracht und erfordern eine sehr strenge Indikationsstellung. Sie sind nur bei klar definierten, isolierten Gefäßveränderungen sinnvoll.
Früher wurden bei sogenannten veno-okklusiven Dysfunktionen – die heute fälschlicherweise immer noch als venöses Leck bezeichnet werden - operative Verfahren angewendet, bei denen Venen chirurgisch unterbunden (Venenligatur) oder radiologisch mittels Coils verschlossen wurden, um den venösen Abfluss zu reduzieren.
Inzwischen zeigen Langzeitergebnisse jedoch, dass diese Verfahren häufig nur vorübergehend wirksam sind. In vielen Fällen tritt nach ein bis zwei Jahren erneut eine Erektionsstörung auf, teilweise in stärkerer Ausprägung als vor dem Eingriff.
Aufgrund der begrenzten Nachhaltigkeit und der potenziellen Verschlechterung wird diese Form der operativen Therapie heute nur noch in absoluten Ausnahmefällen empfohlen. Eine sorgfältige Diagnostik und differenzierte Ursachenanalyse ist daher vor jeder invasiven Maßnahme zwingend erforderlich.
Wann solltest man mit ED zum Arzt?
Wenn Erektionsprobleme nicht nur gelegentlich auftreten, sondern sich über mehrere Wochen hinweg wiederholen oder Sie zunehmend psychisch belasten, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Eine Erektion kann durch Stress oder Müdigkeit vorübergehend ausbleiben – das ist normal. Wenn sich jedoch ein Muster entwickelt, sollte man genauer hinschauen. Das gilt besonders dann, wenn bei Ihnen Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, starkes Übergewicht oder Rauchen vorliegen oder wenn bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung bekannt ist. In diesen Fällen kann eine Erektionsstörung ein Hinweis darauf sein, dass die Gefäße insgesamt belastet sind.
Gerade wenn die Erektionsprobleme neu auftreten und Sie das Gefühl haben, dass „etwas anders ist als früher“, lohnt sich eine medizinische Einschätzung. Die Gefäße im Penis sind sehr fein und reagieren empfindlich auf Durchblutungsstörungen. Deshalb kann eine Erektionsstörung manchmal früher auftreten als Beschwerden am Herzen oder im Gehirn. Genau darauf weisen auch die sogenannten Princeton-Empfehlungen hin: Sie betonen, dass eine neu aufgetretene Erektionsstörung als möglicher Marker für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko ernst genommen werden sollte. Mit anderen Worten: Die Potenz kann ein Frühwarnsystem für die Gefäßgesundheit sein.
Unabhängig davon gibt es Situationen, in denen sofortige medizinische Hilfe notwendig ist. Eine Erektion, die länger als vier Stunden anhält und nicht von selbst abklingt, ist ein Notfall (ein sogenannter Priapismus), weil das Gewebe durch die anhaltende Minderdurchblutung Schaden und durch einen Sauerstoffmangel nehmen kann. Auch starke Schmerzen, Verletzungen im Genitalbereich oder ernsthafte Symptome wie Brustschmerz oder Luftnot im Zusammenhang mit sexueller Aktivität sollten umgehend medizinisch abgeklärt werden. In solchen Fällen geht es nicht mehr um eine reine Funktionsstörung, sondern um potenziell gefährliche Zustände, die rasch behandelt werden müssen.
Die Erektion ist kein isoliertes Ereignis, sondern das Ergebnis eines hochkomplexen neurovaskulären Zusammenspiels. Damit eine stabile und ausreichend harte Erektion entstehen kann, müssen mehrere Systeme präzise ineinandergreifen:
- Arterielles Blut muss ungehindert in die Schwellkörper einströmen.
- Das Blut muss sich gleichmäßig im Gewebe verteilen.
- Der venöse Abfluss muss im richtigen Moment effektiv gedrosselt werden (veno-okklusiver Mechanismus).
- Die nervale Signalübertragung vom Gehirn über das Rückenmark bis in den Penis muss intakt sein.
- Die Beckenboden- und Potenzmuskulatur muss den intrakavernösen Druck stabilisieren und das Blut im Penis halten.
Störungen können an jeder dieser Stellen auftreten – isoliert oder kombiniert. Eine verminderte arterielle Perfusion führt zu unzureichender Füllung. Eine Störung des veno-okklusiven Mechanismus bewirkt, dass das Blut nicht im Penis gehalten werden kann. Neurologische Beeinträchtigungen verhindern die adäquate Signalweiterleitung. Eine funktionelle Schwäche der Beckenbodenmuskulatur reduziert die mechanische Stabilisierung der Erektion.
Ohne eine differenzierte Analyse dieser einzelnen Funktionsbereiche bleibt jede Therapie zwangsläufig unspezifisch. Eine gezielte Behandlung setzt voraus, genau zu verstehen:
- Wie viel Blut fließt ein?
- Wie wird es im Schwellkörper verteilt?
- Wie effektiv wird der venöse Abfluss kontrolliert?
- Wie reagieren Nerven und Muskulatur funktionell?
Erst wenn diese Parameter strukturiert erfasst sind, kann entschieden werden, ob eine medikamentöse Therapie ausreicht, eine regenerative Maßnahme sinnvoll erscheint oder ob muskuläre, vaskuläre oder neurologische Ansätze im Vordergrund stehen müssen. Eine präzise Diagnostik ist daher nicht nur eine formale Voraussetzung, sondern die Grundlage für eine individuell abgestimmte und nachhaltige Therapie der erektilen Dysfunktion.
Prävention
Was kann ich machen, um einer Erektionsstörung vorzubeugen?
Prof. Sommer hat mit eine Methode entwickelt, mit der die sexuelle Funktion verbessert und die Sexualität genussvoller erlebt wird. Das einzigartige Professor Sommer Programm wurde an über 10 000 Patienten getestet und bestet aus:
- Entspannung: Stress, Ängste oder Erschöpfungszustände führen oft dazu, dass es Schwierigkeiten beim Sexualakt gibt oder dieser nicht befriedigend ist. Das Trainingsprogramm beinhaltet sowohl mental als auch körperlich entspannende Übungen – für den besten Sex überhaupt.
- Verbesserung des Blutzuflusses am Genital: Durch spezielle Trainingsübungen wird die Durchblutung zum Penis verbessert. Die Durchblutung ist extrem wichtig. Bei der sexuellen Stimulation fließt 40 bis 100 Mal so viel Blutvolumen pro Zeiteinheit in den Penis. Erst dadurch kann eine gute, große und harte Erektion entstehen. Übrigens: Für Frauen ist eine gute Durchblutung ebenfalls wichtig. Denn eine gut durchblutete Vagina bedeutet mehr Gefühl und eine gute Lubrikation.
- Mehr kardiovaskuläre Gesundheit: Im Training von Prof. Sommer ist ein spezielles Intervalltraining integriert. Es führt dazu, dass die Blutgefäße des Penis und seine Infrastruktur verbessert werden. Obendrein wirkt sich das Training auf das gesamte Herz-Kreislaufsystem aus. Eine Forschergruppe aus Nordamerika hat die Einflüsse eines solchen Trainings auf das Herz-Kreislaufsystem erforscht. Danach haben 2 x 30 bzw. 3 x 30 Sekunden-Intervalle dieselben metabolischen und Herz-Kreislauf-Veränderungen wie ein kontinuierliches Ausdauertraining von 45 Minuten. Unter dem Strich führen die Potenz-Übungen dazu, dass Erkrankungen wie metabolisches Syndrom, Zuckererkrankungen oder Arteriosklerose verhindert werden oder weniger selten auftreten.
- Achtsamkeit: Das Training beinhaltet unter anderem auch ein spezielles mentales Training – für mehr Achtsamkeit gegenüber der eigenen Gefühlswelt und dem Ich. Die Übungen helfen der Sexualität und fördern die Freude daran. Probieren Sie es aus!
- Gelenkigkeit/Beweglichkeit: Wer die Übungen inklusive der Aufwärm- und Abkühlphase (Warm-up / Cool Down) gewissenhaft ausführt, wird beweglicher und gelenkiger. Das kann sich natürlich auch sehr positiv auf die Sexualität auswirken.
- Potenzmuskulatur: Die im Becken verankerte Potenzmuskulatur wird bei den Übungen ebenfalls gezielt angesteuert. Gut zu wissen: Männer, die eine trainierte Potenzmuskulatur haben und diese zu nutzen wissen, können härtere und längere Erektionen aufbauen und intensivere Orgasmen erleben.
