Erektionsstörungen und Diabetes
Kurz zusammengefasst
Erektionsstörungen sind eine häufige Folge eines Diabetes (Zuckerkrankheit). Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte der betroffenen Männer im Verlauf ihrer Diabeteserkrankung eine Erektionsstörung entwickelt. Das Risiko für Erektionsstörungen ist daher bei Männern mit Diabetes deutlich erhöht. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann über Jahre hinweg sowohl die Blutgefäße als auch die Nerven schädigen – beides ist für eine normale Erektionsfunktion von zentraler Bedeutung. Das erklärt, warum Erektionsstörungen bei Männern mit Diabetes häufig zehn bis fünfzehn Jahre früher auftreten als bei Männern ohne Diabetes. Neben einer optimalen Blutzuckereinstellung spielen gezielte Schwellkörperübungen und strukturierte Trainingsprogramme zur Förderung der Potenzmuskulatur eine wichtige Rolle. Der behandelnde Arzt kann die Therapie in geeigneten Fällen auch mit Medikamenten unterstützen.
Überblick
In den letzten Jahren hat die Zahl der Zuckerkranken dramatisch zugenommen. Laut Statistischem Bundesamt leiden ca. 4 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes. 15 % der über 60-Jährigen sind zuckerkrank, und die Hälfte der Betroffenen weiß nichts von ihrer Erkrankung. Erektionsstörungen können auch Vorboten von Stoffwechselstörungen sein. Studien belegen, dass viele Männer mit Erektionsstörungen gleichzeitig auch zuckerkrank sind. Erst bei der Abklärung der Ursache von Erektionsstörungen wurde festgestellt, dass ein Diabetes hier vorlag.
Blutzucker (Glucose) ist ein wichtiger Energielieferant. Damit die Organe ausreichend mit Energie versorgt werden können, ist ein relativ konstanter Blutzuckerspiegel von etwa 70-90 mg/100ml Blut (Nüchternzustand) erforderlich. Bei Gesunden steigt er auch nach dem Essen nicht über 140 mg/100ml Blut.
Der Blutzuckerspiegel wird durch das Hormon Insulin reguliert, das in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet wird. Insulin hilft den Zuckermolekülen, aus dem Blut in die Körperzellen zu gelangen. Bei Diabetes bleibt der Zucker quasi im Blut und die Körperzellen werden unterversorgt. Hohe Blutzuckerwerte verändern zudem die Zellwände und führen zu einem beschleunigten Zellabbau bzw. Zellumbau. Wird ein Diabetes mellitus über längere Zeit nicht erkannt, kommt es u. a. zu Folgeerkrankungen wie Durchblutungsstörungen der Netzhaut, der Nieren, aber auch des Herzens, der Beine und des Penisschwellkörpers. Mehr oder weniger sind alle Organe betroffen.

Symptome
Welche Symptome macht Diabetes?
- Häufiges nächtliches Wasserlassen
- Sehstörungen
- Starkes Durstgefühl
- Müdigkeit und Erschöpfung ohne körperliche Anstrengung
- Schlecht heilende Wunden, Juckreiz und Pilzinfektionen
- Impotenz
Wie macht sich eine diabetesbedingte Erektionsstörung bemerkbar?
Anhaltend erhöhte Blutzuckerwerte können über Jahre hinweg zu einer Schädigung der Nerven und Blutgefäße führen. Diese Veränderungen wirken sich schrittweise auf die Erektionsfähigkeit aus. Häufig zeigt sich zunächst, dass die Erektion beim Geschlechtsverkehr nicht mehr so stabil ist wie früher. Im weiteren Verlauf kann es zunehmend schwieriger werden, eine ausreichende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten, bis Geschlechtsverkehr schließlich kaum noch möglich ist.
Ursachen
Warum führt Diabetes zu Erektionsstörungen?
Bei einer Diabeteserkrankung führt ein anhaltend erhöhter Blutzucker zu einer Schädigung von Nerven (Neuropathie), Gefäßen (Arteriosklerose und endotheale Dysfunktion) und Hormonen (Testosteronmangel).
Nervale Störung (Neuropathie)
Wenn ein Mann sexuell erregt ist, werden normalerweise Informationen über die Nerven vom Gehirn an den Penis weitergeleitet und so eine Erektion ausgelöst. Man geht davon aus, dass bei Diabetikern vermehrt veränderte Eiweiße gebildet werden, die die Nerven schädigen können. Eine solche Schädigung der Nerven wird als Neuropathie bezeichnet. Bei Männern mit einer Neuropathie ist die Weiterleitung (Transmission) der Informationen gestört. Der Penis kann dann nicht mehr ausreichend auf sexuelle Stimulation reagieren.
Arteriosklerose
Bei einer Erektion füllt sich auch der Penis mit Blut. Die Arterien transportieren dabei große Blutmengen in den Penis. Bei sexueller Stimulation und Erregung muss etwa 40- bis 100-mal mehr Blutvolumen pro Zeiteinheit in den Penis einströmen, damit er sich vergrößert und versteift. Bei einer Arteriosklerose kommt es zu einer Verhärtung und Verdickung der Arterien, die das sauerstoffreiche Blut zu den Organen transportieren. Dadurch wird der Blutfluss in den Penis erschwert, häufig reicht die Blutmenge nicht mehr aus. Die Folge ist eine unzureichende Erektion.
Endotheale Dysfunktion
Das Endothel ist eine dünne Gewebeschicht, die die Blutgefäße auskleidet. Auch die zum Penis führenden Blutgefäße sind von Endothel umgeben. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann dieses Gewebe erheblich schädigen. Die Folge ist, dass bei einer Erektion nicht ausreichend Blut in die Schwellkörper einströmt. Zudem kann ein hoher Blutzuckerspiegel dazu führen, dass weniger Stickstoffmonoxid (NO) gebildet wird. NO ist jedoch eine entscheidende Voraussetzung für die Entspannung der Gefäßmuskulatur und damit für eine Erektion. Eine verminderte NO-Konzentration kann wiederum selbst zur Entwicklung einer endothealen Dysfunktion beitragen.
Störung des veno-okklusiven Systems
Von einer Störung des veno-okklusiven Systems spricht man, wenn zwar ausreichend Blut in den Schwellkörper einströmt, dieses dort jedoch nicht gehalten werden kann. Normalerweise wird der venöse Rückfluss während einer Erektion gedrosselt. Ist die Struktur des Schwellkörpers jedoch verändert, kann das Blut während der sexuellen Stimulation nicht ausreichend gespeichert werden und fließt zu stark ab. Unter anderem spielen dabei die glatten Muskelzellen im Penis eine wichtige Rolle. Bei Diabetikern wurde festgestellt, dass sie im Schwellkörper häufig weniger glatte Muskelzellen aufweisen als Nicht-Diabetiker.
Testosteronmangel
Sehr häufig tritt bei Diabetikern auch ein erniedrigter Testosteronspiegel auf. Testosteron – das wichtigste männliche Sexualhormon – ist sowohl für die Libido als auch für die Erektionsfähigkeit von großer Bedeutung.
Diagnose
Wie stellen Ärzte die Ursache fest?
Da Erektionsstörungen bei Diabetikern sehr häufig auftreten, sollte bei betroffenen Patienten eine Störung des Zuckerstoffwechsels ausgeschlossen oder überprüft werden. Eine Diabeteserkrankung lässt sich zuverlässig über den Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) im Blut feststellen. Der Hausarzt kann diesen Wert im Rahmen einer einfachen Blutabnahme bestimmen. Da bei Diabetikern zudem häufig ein erniedrigter Testosteronspiegel vorliegt, sollte auch dieser kontrolliert werden.
Ist die Stoffwechselstörung gut eingestellt, kann im nächsten Schritt geprüft werden, welche Systeme bereits durch den Diabetes beeinträchtigt sind. Häufig betrifft dies die penilen Nerven sowie die kleinen Blutgefäße, die den Penis versorgen. Zur Beurteilung der Durchblutung kommt dabei häufig eine Doppler-Sonographie zum Einsatz. Darüber hinaus sollten auch andere mögliche Ursachen, wie Veränderungen der Schwellkörperstruktur, durch einen spezialisierten Arzt abgeklärt werden.

Behandlung
Welche Medikamente helfen Diabetikern?
Wird ein Diabetes diagnostiziert, sollte zunächst eine gute Einstellung der Blutzuckerwerte angestrebt werden, um starke Schwankungen oder dauerhaft erhöhte Werte zu vermeiden. Zeigt sich anschließend, dass bereits Veränderungen an Nerven oder Gefäßen vorliegen, können gezielte therapeutische Maßnahmen in vielen Fällen zu einer Verbesserung führen. Die Erfolgsrate von Erektionsmedikamenten ist bei Männern mit Diabetes im Vergleich zu Männern ohne Diabetes jedoch insgesamt geringer.
Prävention
Kann man die Erektionsstörung rückgängig machen?
Die Prognose ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Bei Patienten, die sich in sehr frühen Stadien der Erkrankung befinden und rechtzeitig behandelt werden, kann sich eine Erektionsstörung teilweise oder sogar vollständig zurückbilden. Sind die Schädigungen an Nerven und Blutgefäßen jedoch bereits weit fortgeschritten, bleiben häufig dauerhafte Einschränkungen bestehen. Um das Fortschreiten der Erkrankung möglichst zu begrenzen, sollten zusätzliche schädigende Faktoren konsequent vermieden werden und Gefäße geschützt werden.
- Rauchen einstellen: Die Schädigung der Gefäße durch die Zuckererkankung können durch das Rauchen deutlich verschlechtert werden. Rauchen wirkt sich auch auf die NO-Produktion aus. Diese ist wichtig, damit sich die Blutgefäße weiter ausdehnen können.
- Bewegung: Bewegung kann dabei helfen, die Gefäßfunktion zu verbessern. Etwa 10 000 Schritte am Tag können einen spürbaren Unterschied darstellen.
- Gefäßfreundliche Ernährung: Schlechte Fette können sich in Gefäßen ablagern und damit den Durchmesser der Gefäße verringern und diese starrer machen. Starre enge Gefäße verhindern eine Erektion und verschlimmern die Problematik durch die erhöhten Zuckerwerte.
- Achte auf dein Gewicht: Das viszerale Bauchfett ist ein Gegner der Erektion. Nicht für jeden Menschen ist abnehmen einfach. Doch mit der richtigen Strategie können langfristige Veränderungen erreicht werden.
Notfälle & Warnsignale
Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?
Eine erektile Dysfunktion kann nicht nur Folge eines Diabetes sein, sondern ihm in manchen Fällen sogar vorausgehen und erste Veränderungen der Glukosetoleranz anzeigen. Erektionsstörungen können zudem ein frühes Anzeichen einer generalisierten Gefäßerkrankung sein, die später zu schwerwiegenden Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder auch einer Erblindung (z. B. bei Makuladegeneration) führen kann. Jeder Mann mit einer Erektionsstörung sollte sich daher ärztlich untersuchen lassen – auch dann, wenn die Wiederherstellung der Sexualfunktion nicht im Vordergrund steht. Ziel ist es, mögliche Gefäß- oder Stoffwechselerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.





