PDE-5-Hemmer
Kurz zusammengefasst
PDE-5-Hemmer sind verschreibungspflichtige Medikamente, die vor allem zur Behandlung von Erektionsstörungen eingesetzt werden. Die Medikamente erweitern die Blutgefäße, sodass mehr Blut in den Penis fließen kann. Das geschieht, indem sie ein bestimmtes Enzym im Körper blockieren, das normalerweise den Erektionsvorgang wieder abbaut. Zu den PDE-5-Hemmern gehören Medikamente wie Sildenafil (Viagra), Tadalafil (Cialis), Vardenafil (Levitra) und Avanafil (Spedra).
Überblick
Die Wirkung der verwendeten Wirkstoffe Sildenafil (Viagra), Vardenafil (Levitra) und Tadalafil (Cialis) ist sehr ähnlich. Sie sorgen dafür, dass sich die Blutgefäße im Penis erweitern und dadurch der Blutzufluss in den Schwellkörper verstärkt wird. Gleichzeitig hemmen sie ein Enzym namens Phosphodiesterase-5 (PDE-5). Dieses Enzym würde ansonsten dazu beitragen, die bestehende Erregung wieder abzubauen. Daher werden diese Wirkstoffe auch als PDE-5-Hemmer oder PDE-5-Inhibitoren bezeichnet.
Aber Studien haben ergeben, dass sich bei etwa 40 bis 50% der Patienten bei der Einnahme sogenannter PDE-5-Inhibitoren keinerlei Erfolg zeigt.
Wann sollte man PDE-5-Hemmer einnehmen?
- Viagra: Bei Viagra wird empfohlen, die hellblaue Filmtablette etwa 45 Minuten vor dem gewünschten Sex einzunehmen. Bei stark fetthaltiger Nahrungsaufnahme vor der Tablettenaufnahme sollte man mehr Zeit bis zum Eintritt der Wirkung (bis zu zwei Stunden vorher) rechnen.[1]
- Cialis: Cialis bereits etwa zwei Stunden vor dem gewünschten Sex-Erlebnis eingenommen werden.
- Spedra: Im Gegensatz dazu hilft Spedra aus dem Hause Berlin-Chemie bereits in etwa 15 bis 30 Minuten beim Erlangen einer Erektion und sollte daher ungefähr eine viertel Stunde vor dem Sex-Erlebnis eingenommen werden.
Wirkung
Wie wirken PDE-5-Hemmer?
Die PDE-5-Inhibitoren helfen bei der Umsetzung des Wunsches nach sexueller Vereinigung. Ist also ein sexueller Impuls (dieser ist nervenabhängig) vorhanden, unterstützt die Tablette den gesamten weiteren biochemischen Ablauf der Erektion. Nimmt der Mann hingegen keine sexuellen Reize wahr, kommt es nicht zu Erektion.
Die versteifende Wirkung von PDE-5-Inhibitoren auf den Penis ist einem kleinen Molekül zu verdanken - dem Stickstoffmonoxid, das für eine Weitstellung von kleinen Gefäßen im Penis sorgt und dadurch zu einer besseren Füllung der Schwellkörper mit Blut führt.[2]
Der Wirkstoff der Tablette greift in den Stickstoffhaushalt der Schwellkörperzellen ein und blockiert die Wirkung eines "Erektionsverhinderers": Die PDE-5-Inhibitoren hemmen das Enzym Phosphodiesterase Typ 5 (PDE 5). PDE 5 ist der Gegenspieler zur erektionsfördernden Substanz cGMP (Cyclo-Guanosinmonophosphat), einem Produkt des NO-Stoffwechsels, das die feinen Muskelfaserzellen in den Schwellkörpern "entspannt", so dass das Blut leichter fließen kann. Bei Männern mit Erektionsstörungen ist das Gleichgewicht zwischen erektionsfördernden und erektionsverhindernden Substanzen aus der Balance geraten. PDE 5 - und verwandte Enzyme - bauen das cGMP wieder ab, noch bevor überhaupt eine Erektion erfolgen konnte. Dadurch, dass die PDE-5-Inhibitoren diese PDE 5-Wirkung hemmen, kann das erektionsfördernde cGMP länger wirken, d.h. der Penis richtet sich auf und bleibt länger erigiert. Entscheidend ist, dass diese Wirkung der PDE-5-Inhibitoren gezielt und gut steuerbar erfolgt.
Mehr Blutzufluss bei gleichzeitig geschlossenen Abflussventilen bedeutet eine stärkere und anhaltendere Erektion.
Wie lange wirken PDE-5-Hemmer?
- Viagra: Die Wirkungsdauer von Viagra beträgt vier bis sechs Stunden.
- Cialis: Der bei Cialis verwendete Wirkstoff Tadalafilhat eine ganz ähnliche Wirkung wie Sildenafil. Der entscheidene Unterschied zu Viagra ist die deutlich längere Wirkungszeit, weil Tadalafil als PDE-5-Hemmer deutlich langsamer im Körper abgebaut wird. Die Halbwertszeit liegt bei 17,5 Stunden. Cialis, das in Deutschland nur auf Rezept erhältlich ist, wird deshalb auch als Wochenendpille ("Weekend-Pill") bezeichnet: Männer, die das Medikament am Freitagabend einnehmen, spüren teilweise sogar noch am Montagmorgen die Wirkung. Einem vergnüglichen Wochenende steht somit nichts im Weg!
- Spedra: Die Wirkungsdauer liegt mit sechs bis 17 Stunden zwischen denen von Viagra und Cialis.
Verbessern PDE-5-Hemmer den Libido?
PDE-5-Inhibitoren sind keine Aphrodisiaka. Das heißt, sie stimulieren nicht das Sexualzentrum des Gehirns und führen von selbst zu einer Erregung. Dies ist ein weitverbreitetes Vorurteil. Vielmehr wirkt der in der Tablette enthaltene Wirkstoff in erster Linie als durchblutungsfördernde Substanz. Das heißt, durch PDE-5-Inhibitoren werden keine sexuellen Phantasien oder die Libido des Mannes stimuliert.
Dosierung
Welche Dosis ist die richtige?
Die Dosierung und die Auswahl des passenden Medikamentes ist von Mann zu Mann unterschiedlich und sollte vom Facharzt vorgenommen werden. Je gezielter die Dosierung einsetzt wird und je besser die Wahl des Medikaments, desto besser sind die Resultate.
Erreiche ich bei mehr Dosis eine bessere Wirkung?
Grundsätzlich sollte man Vorsicht bei der Dosierung walten lassen. Bleibt die gewünschte Wirkung aus, wäre es gefährlich, ohne Rücksprache mit dem Arzt die Dosis zu erhöhen. Meist wird dadurch nämlich keinesfalls eine bessere Wirkung erzielt, sondern allenfalls das Risiko von Nebenwirkungen erhöht.
Zuviel des Guten kann böse Folgen haben. Das zeigt der Fall eines Patienten, der etwa das Zehnfache der maximal empfohlenen Tagesdosis des in Viagra enthaltenen Wirkstoffs Sildenafil aufnahm.[3] Nach dem Schlucken des Potenzmittels entwickelte er eine Nachblindheit, seine Augen reagierten übermäßig empfindlich bei Lichteinfall (Fotophobie) und er bekam ringförmige Gesichtsfeldausfälle, die über Monate anhielten.
Nach eingehender Untersuchung diagnostizierte der Augenarzt schließlich eine Schädigung der Retinazellen (Retina = Netzhaut). Besonders prekär: Allen Erkenntnissen zum Trotz gibt es heute dafür noch keine gesicherte Therapie, der Patient musste also mit seinen optischen Problemen so gut es geht klarkommen.
Eines zeigt dieser Fall sehr deutlich: Die maximal empfohlenen Tagesdosen sollten bei der Einnahme von Potenzmitteln nicht überschritten werden.
Nebenwirkungen
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Die Nebenwirkungen sowohl der Wirkstoffe Sildenafil (Viagra), Vardenafil (Levitra) und Tadalfil (Cialis) sind zum Glück überschaubar. Alle PDE-5-Hemmer haben alle ähnliche Nebenwirkungen, in unterschiedlicher intensiver Ausprägung.
Bei Viagra gelten als die häufigsten Nebenwirkungen leichte Kopfschmerzen, eine verstopfte Nase, Hitzewallungen und Hautrötungen. In selteneren Fällen kann es auch zu Schmerzen im Oberbauch, Erbrechen, Sodbrennen oder einem Völlegefühl kommen. Auch vorübergehende Sehstörungen sowie muskuläre Beschwerden, etwa in Form von Rückenschmerzen, sind nicht auszuschließen. Die Konsultation eines Arztes ist aber so gut wie nie erforderlich, weil sich alle Nebenwirkungen nach einer gewissen Zeit von ganz alleine wieder abklingen.
Bei Cialis gelten Kopf- und Magenschmerzen als die häufigsten Nebenwirkungen: bei etwa jedem Vierten treten sie auf. Deutlich seltener – nämlich nur in etwa jedem 20. Fall – wird von leichten Schwindelgefühlen, einer verstopften Nase, Hautötungen oder Muskelschmerzen, die aber sehr heftig sein können berichtet.
Nebenwirkungen können von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Manche Nebenwirkungen sind sehr, sehr selten. Dazu gehört unter anderem:
- Blutdruckabfälle
- Ohnmacht (Synkope)
- Herzrhythmusstörungen
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- Plötzlicher Hörverlust
- Tinnitus
- Verlängerte schmerzhafte Erektion (Priapismus)
- Allergische Reaktionen (Hautausschlag, Juckreiz, Schwellungen)
- Gesichtsschwellung (Angioödem)
- Vorübergehender Gedächtnisverlust
Risiken
Wie gefährlich sind rezeptfreie Potenzmittel?
Eigene Untersuchungen haben ergeben, dass rezeptfrei verkaufte Potenzmittel in über 80% der Fälle Medikamentenfälschungen sind.[4] Darüber hinaus ist bei den rezeptfreien Medikamenten in mehr als 70% der Fälle nicht der Wirkstoff enthalten, der auf der Packung steht. Zudem zeigten sich in einem Großteil der untersuchten Tabletten schädliche Stoffe für den Mann, beispielsweise Schwermetall-Verunreinigungen. Hier ist höchste Vorsicht geboten. Gefährden Sie nicht Ihre Gesundheit, um ein paar Euro zu sparen. Am Ende ist der Schaden, den Sie sich hierdurch zufügen, wesentlich größer und langfristig teurer.
Wechselwirkungen
Mit welchen Medikamenten sollten PDE-5-Hemmer nicht kombiniert werden?
- Nitrate (z. B. Nitroglycerin, Isosorbidmononitrat, Isosorbiddinitrat): können in Kombination mit PDE-5-Hemmern zu gefährlichen Blutdruckabfällen führen.[1]
- Alpha-Blocker (z. B. Tamsulosin, Doxazosin, Alfuzosin): Die Kombination aus Alpha-Blockern und PDE-5-Hemmern kann zu starken Blutdruckabfällen, Schwindel und Ohnmacht führen
- Blutdruckmedikamente (z.B. Ramipril, Metropolol, Amlodipin): Da beide Mittel den Blutdruck senken, kann die Kombination zu sehr starken Abfällen führen.[1]
- CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Johanniskraut): Durch die Kombination kann die Wirkung der Potenzmittel abgeschwächt werden.[5]
- Proteasehemmer (HIV-Therapie) (z. B. Ritonavir, Saquinavir): Durch die Kombination kann es zu einer starken Wirkungsverstärkung kommen.[1]
- Alkohol: Alkohol kann die Nebenwirkungen verschlechtern.
Kontraindikation
Wer sollte keine PDE-5-Hemmer zu sich nehmen?
Die Wirkstoffe sollten nur durch einen erfahrenen Arzt/Ärztin verschrieben werden. Für jeden Patienten muss individuell geprüft werden, ob er das Medikament erhalten kann.
Mögliche Kontraindikationen sind:
- Gleichzeitige Einnahme von Nitraten oder NO-Donatoren
- Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Kürzlich erlittenen Herzinfarkt oder Schlaganfall
- Schwere Leberinsuffizienz
- Sehr niedriger Blutdruck (< 90/50 mmHg)
- Netzhauterkrankungen (z. B. Retinitis pigmentosa)
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
Wirkstoffe
Welche Wirkstoffe kommen bei Potenztabletten am häufigsten vor?
- Sildenafil (z. B. Viagra)
- Tadalafil (z. B. Cialis)
- Vardenafil (z. B. Levitra)
- Avanafil (z. B. Spedra)
