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Sexualität in der Partnerschaft - So wichtig ist Sex wirklich

8 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 15. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Sexualität in der Partnerschaft ist für über 80% aller Männer und Frauen ein wichtiger Bestandteil der Beziehung. Regelmäßiger Sex stärkt nicht nur die Partnerschaft, sondern auch die Gesundheit: Wer mehr als zwei Orgasmen pro Woche hat, verringert sein Herzinfarkt-Risiko um die Hälfte. Mit zunehmender Beziehungsdauer nehmen jedoch sexuelle Aktivität und Zufriedenheit oft ab.

Das Sexualleben und die damit oft verbundenen Probleme sind bereits in zahlreichen Studien erforscht worden. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass durchschnittlich 40 Prozent aller Menschen im geschlechtsfähigen Alter von temporären oder sogar langfristigen Sexualstörungen betroffen sind.

Zu unterscheiden ist zwischen medizinisch bedingten Störungen und solchen, die sich auch ganz ohne ärztliche Hilfe beheben lassen können – vorausgesetzt, die Partner sprechen offen darüber.

Die wissenschaftlichen Studien zeigen interessanterweise, dass sich Frauen deutlich häufiger über Sexualstörungen beklagen – wobei diese Störungen meistens weniger von technischer Natur sind, sondern vielmehr auf die Gefühle bezogen. Bei Männern ist der vorzeitige Samenerguss (prämature Ejakulation) das am weitesten verbreite Problem beim Sex. An zweiter Stelle folgt die erektile Dysfunktion. Das Lost Penis Syndrom gehört ebenso zu den verbreiteten Sexualstörungen.

Bedeutung

Wie wichtig ist Sex für die Beziehung?

Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil der Partnerschaft: Mehr als 80% aller Männer und Frauen empfinden Sexualität als sehr wichtigen bzw. wichtigen Bestandteil der Partnerschaft.

Die sexuelle Zufriedenheit mit vaginalem Geschlechtsverkehr, Küssen und Petting ist bei beiden Geschlechtern verknüpft mit der Zufriedenheit in der Beziehung. Die Beziehungsqualität verbessert sich, wenn das Paar miteinander schläft. Umgekehrt ist die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs oftmals ein Hinweis auf die Beziehungsqualität.

Eine aktuelle Studie der Universität Jena, gemeinsam mit internationalen Partnern aus Kanada und den USA, untersuchte rund 2.100 deutsche heterosexuelle Paare zwischen 20 und 39 Jahren. Das Ergebnis: 86 % der Paare berichteten, sie seien sehr zufrieden mit ihrer Beziehung und hätten etwa einmal pro Woche Geschlechtsverkehr. Bei gezielter Suche nach Paaren, die selten Sex haben, aber trotzdem sehr glücklich sind, wurden nur 49 Paare (2,3 %) gefunden. Fazit der Forscher: „Eine signifikante Gruppe der ‚Happy Sexless Couples' gibt es nicht."

Hält Sexualität gesund?

Doch Sexualität ist wichtig für beide Geschlechter und nicht nur für die Beziehung und Kommunikation der beiden Partner, sondern auch für die Gesundheit. Studien haben gezeigt, dass die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs ein signifikanter Vorhersagewert für die Lebensdauer von Männern ist. Wer mehr als 2 Orgasmen pro Woche hat, lebt länger und verringert sein Risiko, am Herztod zu versterben, um die Hälfte. Auch bei Frauen zeigt sich, dass peniler Geschlechtsverkehr gesund ist. Frauen, die regelmäßig Geschlechtsverkehr haben, haben einen niedrigeren Blutdruck und ein geringeres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden.

Ursachen

Welche Probleme haben Paare in Langzeitbeziehungen?

In einer wissenschaftlichen Studie wurden jetzt heterosexuelle Paare untersucht, die bereits seit längerer Zeit zusammen sind und nach eigener Einschätzung eine romantische Beziehung führen. Außer den individuellen Sexualstörungen kamen dabei auch gemeinsame Sexualstörungen zu Tage. Das bedeutet: Selbst wenn bei beiden Partnern aus rein medizinischer Sicht alles in Ordnung ist, kann es in der Beziehung trotzdem zu Problemen im Liebesleben kommen. Ein häufig genanntes Beispiel sind etwa Unstimmigkeiten darüber, auf welche sexuelle Aktivität die größte Lust verspürt wird. Wenn es hier unterschiedliche Präferenzen gibt, die nicht durch eine offene Kommunikation gelöst werden. kann dies auf Dauer eine Beziehung belasten. In der Studie waren es 27 Prozent der Männer, die davon berichteten, dass sie gerne Sexpraktiken ausüben würden, die ihre Partnerin ablehnt. Zu einem ähnlichen Konflikt kann es mittel- bis langfristig kommen, wenn es immer wieder unterschiedliche Wünsche zur bevorzugten Zeit gibt, zu der die Partner gerne den Sex haben wollen.

In der Studie gaben es viele Frauen als belastend an, wenn sie das Gefühl haben, dass sich ihr Mann auch zu anderen Frauen hingezogen fühlt. Außerdem gaben immerhin 47 Prozent der befragten Frauen an, dass sie nicht in der Lage sind, beim Sex richtig zu entspannen. 21 Prozent der Frauen sagten, dass ihnen das Vorspiel zu kurz oder zu gering ist, bevor es dann zum eigentlichen sexuellen Akt kommt.

Warum nimmt die sexuelle Aktivität mit der Zeit ab?

Dennoch sinken die sexuelle Aktivität und Zufriedenheit mit Zunahme der Partnerschaftsdauer. Während bei Frauen der Wunsch nach Zärtlichkeit steigt, sinkt er bei den Männern mit zunehmender Dauer der Partnerschaft. Umgekehrt sinkt bei den Frauen jedoch die Lust auf Sexualität, während sie bei den Männern unverändert vorhanden ist. Hier ist die Herausforderung, beide Partner auf eine gemeinsame und beide zufriedenstellende Ebene zu bringen!

Können Schmerzen beim Sex die Lust verringern?

Wenn Frauen weniger Lust auf Sex haben, kann ein häufig übersehener Grund dahinterstecken: Schmerzen im Genitalbereich. Studien haben gezeigt, dass etwa 10-15% aller Frauen Schmerzen/Brennen/Jucken/Unwohlsein im Genitalbereich (Scheideneingang, Scheide, Schamlippen, Klitoris, Dammbereich) haben, die länger als 3 Monate anhalten.

Das sind sehr ernstzunehmende Zahlen, denn der Leidensdruck ist groß und viele Frauen haben Angst/Scham, sich mit diesen Beschwerden einem Arzt zu offenbaren – oder auch dem Partner davon zu erzählen. Für Männer ist es daher wichtig zu wissen: Wenn die Partnerin sich sexuell zurückzieht, können körperliche Beschwerden die Ursache sein. Ein offenes, einfühlsames Gespräch kann hier der erste Schritt sein.

Schmerzen im Genitalbereich betreffen Frauen aller Altersklassen und können viele Ursachen haben, z. B. Entzündungen mit Pilzen oder Bakterien, aber auch virale Erkrankungen wie Genitalherpes oder andere Viren können ursächlich sein. Hormonelle Veränderungen durch die Pille bei jungen Frauen oder die Wechseljahre spielen ebenso eine Rolle wie Verletzungen im Genitalbereich, Operationen, Erkrankungen der Haut (häufig übersehen!), Allergien und Tumoren. Die Behandlung dieser Beschwerden richtet sich nach der Ursache und kann von krankengymnastischer Therapie über Salben, Medikamente bis hin zu operativen Eingriffen reichen.

Auswirkungen

Was passiert, wenn im Bett nichts läuft?

Insgesamt weiß man, dass bei Männern die Quantität, also die Häufigkeit, eine Rolle für den gesundheitsfördernden Effekt des Geschlechtsverkehrs spielt, während es bei Frauen die Qualität ist. Leidet der Mann unter einer Potenzstörung, so ist auch die Sexualität seiner Partnerin negativ betroffen.

Frauen, deren Männer impotent sind, fühlen sich besorgt, schuldig, hilflos, frustriert, unattraktiv und zurückgewiesen. Leidet die Frau unter einer Sexualstörung, so ist auch ihr Partner betroffen, denn Sexualstörungen betreffen immer das Paar und nicht nur eine einzelne Person.

Viele Betroffene ziehen sich aus Unsicherheit oder Scham aus der Partnerschaft zurück und vermeiden körperliche Nähe wie Umarmungen oder Küsse. Für die Partnerin entstehen daraus häufig Unsicherheiten: „Bin ich nicht mehr attraktiv?" oder „Hat mein Partner jemand anderen?" Wie Professor Dr. Frank Sommer betont: „Auch bei sexuellen Störungen sollten Zärtlichkeiten wie Umarmungen und Küsse unbedingt weiterhin gepflegt werden. Sie zeigen dem Partner, dass Gefühle und Zuneigung bestehen bleiben."

Wichtig: Erektionsstörungen sollten frühzeitig untersucht werden. Besonders wenn die Ursache arteriell, also durch Durchblutungsstörungen bedingt ist, kann dies ein Frühwarnzeichen für schwerwiegende Erkrankungen wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall sein.

Selbsthilfe

Warum ist Experimentieren beim Sex wichtig?

Die Studie hat gezeigt, dass es in einer Beziehung grundsätzlich wichtig ist, auf die sexuellen Bedürfnisse des Partners einzugehen. Speziell in einer schon länger währenden Beziehung sollten sich die Partner auch immer wieder gegenseitig zeigen, Interesse an sexueller Aktivität zu haben. Eine gewisse Experimentierfreudigkeit ist zudem ein gutes Mittel, um sozusagen keinen grauen Alltag ins Sexleben einkehren zu lassen. Beim Experimentieren können schöne Anziehsachen (Dessous), Sexspielzeuge oder vielleicht auch der gemeinsame Konsum eines Pornofilms helfen. Ungewöhnliche Orte beim Sex – sei es im Haus oder außer Haus – bringen ebenfalls neuen Schwung in eine Langzeitbeziehung. Nicht vergessen werden sollte, dass zum Sex nicht nur ein schönes Vorspiel gehören kann, sondern auch eine gewisse Fürsorge nach der sexuellen Aktivität. Das gemeinsame Sex-Erleben wird dadurch noch intensiver, wodurch wiederum die Beziehung zusätzlich gestärkt wird.

Inwieweit die Einnahme von Medikamenten (Lustpillen) das Sexleben attraktiver gestalten können, ist individuell verschieden. Wenn sich auf diese Weise eine medizinische Störung beheben oder zumindest lindern lässt, sollte es einen Versuch wert sein. Ein vorheriges Gespräch mit einem Arzt zur Verträglichkeit ist aber in jedem Fall ratsam.

Häufige Fragen

Kann eine Beziehung auch ohne Sex glücklich sein?

Ja, aber es ist sehr selten. Eine Studie der Universität Jena fand nur 2,3 % der untersuchten Paare, die trotz sehr seltener sexueller Kontakte hoch zufrieden waren. Die Daten stammen aus der repräsentativen Langzeitstudie „pairfam", bei der von 2008 bis 2022 jährlich etwa 12.000 Menschen in Deutschland befragt wurden.

Muss häufiger Sex sein, damit eine Beziehung glücklich bleibt?

Häufigerer Sex – etwa einmal pro Woche – wird in der Mehrheit der Fälle mit größerer Beziehungszufriedenheit in Verbindung gebracht, aber er ist nicht das einzige Kriterium.

Ändert sich die Bedeutung von Sex im Laufe des Lebens?

Ja, mit zunehmendem Alter wird Sexualität oft anders bewertet, wobei emotionale Nähe und Vertrauen wichtiger werden können als körperliche Intimität. Trotzdem spielt körperliche Nähe eine große Rolle, wie beispielsweise eine liebevolle Umarmung oder eine sanfte, sinnliche Berührung.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

In einer spezialisierten Sprechstunde wird der Ursache auf den Grund gegangen: Sind Nerven im Penisbereich gestört? Ist die Potenzmuskulatur geschwächt? Wie gut ist die Durchblutung bei sexueller Stimulation? Wird das Blut im Schwellkörper ausreichend gehalten oder fließt es zu schnell wieder ab? Gibt es genügend gesundes Gewebe für eine erfüllende Sexualität? Je früher die Ursache gefunden wird, desto gezielter und erfolgreicher kann therapeutisch eingegriffen werden.

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