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Herzinfarkt bei Männern

15 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Ein Herzinfarkt bei Männern entsteht durch eine Verengung oder einen Verschluss der Herzkranzgefäße. Ursache ist meist eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), bei der sich Ablagerungen in den Gefäßwänden bilden und den Blutfluss behindern. Gefäßveränderungen betreffen in der Regel nicht nur das Herz, sondern das gesamte Gefäßsystem im Körper. Die Blutgefäße des Penis sind deutlich kleiner als die Herzkranzgefäße. Dadurch machen sich Durchblutungsstörungen dort häufig früher bemerkbar. Eine Erektionsstörung kann deshalb ein früher Hinweis auf eine beginnende Gefäßerkrankung bei Männern sein – oft Jahre bevor Beschwerden am Herzen auftreten.

Überblick

Was ist ein Herzinfarkt?

Der Herzinfarkt entsteht, wenn ein Teil des Herzmuskels plötzlich nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. Die häufigste Ursache ist ein Verschluss eines Herzkranzgefäßes, also eines Blutgefäßes, das den Herzmuskel versorgt. Ein Herzinfarkt ist ein medizinischer Notfall. In Deutschland sterben daran jährlich ca. 80.000 Menschen. Typische Anzeichen eines Herzinfarkts sind starke Schmerzen oder ein Druckgefühl in der Brust, die in den linken Arm, den Rücken, den Hals oder den Unterkiefer ausstrahlen können. Herzinfarkte gehören zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Männern. Männer erleiden im Durchschnitt früher im Leben einen Herzinfarkt als Frauen.

Je schneller Betroffene behandelt werden, desto größer ist die Chance, schwere Schäden am Herzen zu vermeiden. Eine Erektionsstörung kann in manchen Fällen ein frühes Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Studien zeigen, dass Erektionsprobleme mehrere Jahre vor einem Herzinfarkt auftreten können.

Der Grund dafür liegt häufig in den Blutgefäßen. Eine Erektion entsteht, wenn sich die Blutgefäße im Penis erweitern und die Schwellkörper gut mit Blut gefüllt werden. Sind die Gefäße jedoch durch Ablagerungen oder Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) bereits geschädigt, kann die Durchblutung gestört sein.

Da die Blutgefäße im Penis besonders fein und empfindlich sind, zeigen sich Durchblutungsstörungen dort oft früher als in den größeren Herzkranzgefäßen. Aus diesem Grund kann eine Erektionsstörung Jahre vor einem möglichen Herzinfarkt auftreten und als Hinweis auf bestehende Gefäßprobleme dienen.

Ursachen

Welche Ursachen gibt es für einen Herzinfarkt?

Der Herzinfarkt entsteht durch eine Verlegung oder starke Verengung der Herzkranzarterien. In Deutschland sterben daran jährlich ca. 80.000 Menschen.

Die Engen der Herzkranzarterien (koronare Herzkrankheit) entstehen durch arteriosklerotische Ablagerungen, sogenannten Plaques. Seit langem sind die wesentlichen Risikofaktoren für eine koronare Herzkrankheit bekannt:

  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Zuckerkrankheit
  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • eine ungünstige Blutfettwertverteilung
  • Herzerkrankungen in der Familie

Männer sind bis zum 75. Lebensjahr weit mehr als Frauen gefährdet, einen plötzlichen Herztod zu erleiden.

Symptome

Wie macht sich ein Herzinfarkt bemerkbar?

Vorboten eines Herzinfarkts können Brustengegefühl (Angina pectoris) und Luftnot sein. Typisch sind ebenfalls in den Kiefer und den linken Arm ausstrahlende Brustschmerzen. Die Schmerzen treten keineswegs nur unter besonderer Belastung, sondern in wechselnder Intensität u. U. auch in Ruhe, nach dem Essen oder in der Nacht auf.

Der Betroffene spürt eine Minderversorgung durch eine koronare Enge erst, wenn diese mehr als 70 % des Gefäßdurchmessers blockiert. Die vorbestehenden Plaques der Gefäßwände reißen beim Herzinfarkt ein und ein zusätzliches Gerinnsel verlegt die Herzarterie total – das Vollbild eines Herzinfarktes mit starken Schmerzen und Kreislaufversagen ist die Folge. Jeder Brustschmerz bedeutet „Alarmstufe Gelb“ und muss abgeklärt werden. Ein länger andauernder Brustschmerz signalisiert „Alarmstufe Rot“: Sofort ins Krankenhaus – Lebensgefahr!

Jeder Mensch ist unterschiedlich und deshalb können die Symptome eines Herzinfarktes auch verschieden sein. Ferner wird das Herz von mehreren verschiedenen Gefäßen versorgt. Je nachdem welches Gefäß beim Herzinfarkt verengt wird, können sich die Symptome in Intensität, Art und Dauer unterscheiden.

Mögliche Symptome mit denen sich ein Herzinfarkt bemerkbar macht sind:

  • starke, anhaltende Schmerzen oder Druckgefühl in der Brust
  • Ausstrahlende Schmerzen in linken
  • Schmerzen im Rücken (zwischen den Schulterblättern)
  • Enge- oder Druckgefühl hinter dem Brustbein
  • Atemnot
  • Kalter Schweiß
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Ohnmacht
  • Angstgefühl oder „Todesangst“
  • Unruhe
  • Herzstolpern oder Herzrasen
  • Blasse Haut

Diagnose

Ist eine Erektionsstörung eine Warnung für einen Herzinfarkt?

Ein wichtiger Vorbote für einen Herzinfarkt sind gefäßbedingte Erektionsstörungen. Betroffene Männer sollten unbedingt die Chance nutzen, sich frühzeitig bei Erektionsstörungen vom Arzt untersuchen zu lassen. Die Diagnose durchblutungsbedingter Erektionsstörungen kann 4 bis 8 Jahre im voraus auf Herzinfarkt und Schlaganfall hindeuten, der dadurch oft mit Leichtigkeit vermieden werden kann. Hierfür führt der Arzt eine spezielle Untersuchung durch. Erkundigen Sie sich bei der Arztwahl, ob Ihr Facharzt die sogenannte Doppler-Duplex-Sonographie durchführt.

Welche Labormarker helfen einen Herzinfarktrisiko zu erkennen?

Um Einschätzen zu können, ob ein aktues Herzproblem schon vorliegt, oder auch um das individuelle Risiko zu ermitteln, ob ein Herzinfarkt in näherer Zukunft auftritt, kann es hilfreich sein, eine Vielzahl von verschiedenen Labormarkern bestimmen zu lassen. Dazu gehören unter anderem:

Risikobewertung / Prävention (Gefäßgesundheit):

  • Troponin
  • CK-MB
  • Myoglobin
  • BNP und NT-proBNP
  • Gesamtcholesterin
  • LDL
  • HDL
  • Triglyzeride
  • HbA1c / Nüchternblutzucker
  • CRP (hoch-sensitiv)

Kann ein niedriger Testosteronwert Hinweise auf einen Herzinfarkt geben?

Testosteron gilt zwar zu allererst als „Männlichkeitshormon“, das im Zusammenhang mit der Sexualität eine wichtige Rolle spielt. Doch bei Männern mit einem zu niedrigen Testosteronspiegel besteht möglicherweise auch noch das Risiko ganz anderer gesundheitlicher Probleme. So wurden in einer wissenschaftlichen Studie Patienten untersucht, die von Herzkranz-Gefäßerkrankungen betroffen sind. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit gesunden Männern wurde dabei festgestellt, dass die Männer mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK) häufig niedrigere Testosteronspiegel hatten.

In der Studie konnte ebenso gezeigt werden, dass Männer mit niedrigen Testosteronwerten oft auch erhöhte GDF-15 Werte aufwiesen. Bei GDF-15-Werten handelt es sich um einen Wachstumsdifferenzierungsfaktor, der Arteriosklerose fördern kann, also eine innere Verkalkung der Blutgefäße. Besonders anfällig für eine solche Arteriosklerose sind außer den Herzkranzgefäßen auch die Halsschlagader sowie die großen Arterien in den Beinen.

Dass es bei koronaren Herzkrankheit häufig ein wechselseitiges Zusammenspiel zwischen hormonellen Dysfunktionen und inflamatorischen, also entzündlichen Prozessen gibt, lässt sich auch am hochsensitiven C-reaktiven Protein (hs-CRP) erkennen. Dabei handelt es sich um ein Protein im Blut, dessen Konzentration bei Erkrankungen ansteigt. In der Studie waren die hs-CRP-Spiegel bei denjenigen Patienten erhöht, die niedrige Testosteronwerte hatten.

Von Herzkranz-Gefäßerkrankungen sind  in der Regel vor allem Männer in ihrer zweiten Lebenshälfte betroffen. Grundsätzlich ist es aber auch schon in jüngeren Jahren ratsam, regelmäßig den Testosteronspiegel überprüfen zu lassen – und zwar völlig unabhängig davon, ob es beim Ausüben der Sexualität möglicherweise hormonell bedingte Probleme gibt oder nicht. Denn der Verdacht, dass ein niedriger Testosteronwert auch zu Herzerkrankungen führen kann, ist durch die Studie sehr wohl bekräftigt worden.

Die Überprüfung des Testosteronwerts kann mit Hilfe kleiner Geräte (vergleichbar mit einem Blutdruck- oder einem Blutzuckermessgerät) selbst vorgenommen werden. Mit Blick darauf, dass es im Fall eines Testosteronmangels immer einen individuell passenden Therapieansatz geben sollte, ist der Besuch eines Arztes allerdings die bessere Wahl.

Was ist die Rolle des Cholesterin-Wertes?

Bei der Untersuchung wurden auch der Cholesterinwert sowie der HDL-Wert von über 3000 Männern gemessen und verglichen. Wichtig: Während der Cholesterinwert möglichst niedrig sein sollte, ist bei HDL ein hoher Wert empfehlenswert. HDL wird bezeichnet, weil es sich nicht in den Blutgefäßen absetzt, sondern im Gegenteil sogar noch mithelfen kann, überschüssiges Cholesterin abzubauen. Bei den untersuchten Männer, die sowohl einen hohen Cholesterin- als auch einen niedrigen HDL-Wert hatten, waren auch überdurchschnittlich viele von einer erektilen Dysfunktion betroffen.

In einer Analyse aus vier Studien mit insgesamt 1476 Männern, die entweder von einer (koronaren) Herzerkrankung oder einem Herzinfarkt betroffen waren oder aber eine gefäßchirurgische Operationen hinter sich hatten, lag das Vorkommen einer erektilen Dysfunktion zwischen 39 und 64 Prozent. Eine weitere Studie zeigte, dass 83 Prozent aller Männer mit einer koronaren Herzerkrankung zunächst eine erektile Dysfunktion entwickelten und durchschnittlich erst 26 Monate später  andere kardiovaskuläre Symptome auftraten.

Welche Untersuchungen prüfen die Herzgesundheit?

Folgende Untersuchungen geben Aufschluss über den Zustand des Herzens:

  • Blutdruckmessung
  • Ruhe-EKG
  • Belastungs-EKG
  • Herz-Ultraschalluntersuchung
  • spezielle Herzcomputertomographie (CT)
  • Kernspinntomographie (MRT)
  • Herzkatheteruntersuchung

Die Herzkatheteruntersuchung erlaubt neben einer Diagnostik in geeigneten Fällen eine gleichzeitige Behandlung von Herzkranzgefäßstenosen. Engen der Koronargefäße werden dabei z. B. mit speziellen Kathetern erweitert (Dilatationstherapie) oder mit speziellen Röhrchen (Stents) überbrückt. Längerstreckige und schwer zu erreichende Engen müssen nicht selten durch eine sogenannte Bypass-Operation überbrückt werden, damit das Herz ausreichend mit Sauerstoff versorgt bleibt.

Ist ein Herzinfarkt eingetreten, wird das Gerinnsel nach Möglichkeit sofort mit Medikamenten aufgelöst ( = Lysetherapie). Sofern dies rechtzeitig geschieht und Herzmuskelgewebe noch nicht abgestorben ist, kann ein größerer Herzmuskelschaden verhindert werden.

Vorsorge

Ist eine Erektionsstörung zur Früherkennung für Herzinfarkte bei Männern geeignet?

Wenn eine Arteriosklerose eintritt, was im Volksmund als „Verkalken“ der Adern bezeichnet wird, dann macht sich dies nicht selten zuerst in einer erektilen Dysfunktion bemerkbar. Dazu muss man wissen: In den Arterien wird Blut transportiert. Ausgangspunkt ist das Herz, die Empfänger sind die Organe, die Muskeln und das Gewebe. Wenn sich in den Arterien Fett und Kalk ablagern, erschwert das den Transport des Bluts, denn die Arterien werden dadurch enger. Zu Durchblutungsstörungen kann es an sämtlichen Stellen im Körper kommen. Ein kompletter Gefäßverschluss wird als Infarkt bezeichnet. Tritt dieser am Herz oder im Gehirn auf, kann er einen Herzinfarkt beziehungsweise einen Schlaganfall auslösen. Durchblutungsstörungen in den Beinen sind häufig  Ursache für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), die umgangssprachlich auch „Raucherbein" genannt wird.

Aus diesem Grund muss bei einer nachgewiesenen Minderdurchblutung z. B. des Penisschwellkörpers mit der Folge einer Impotenz auch das Herz untersucht werden, selbst wenn noch keine auffälligen Herzsymptome bestehen.

Der Mann sollte vorsorglich eine sogenannte farbkodierte Doppler-Duplex-Sonographie erhalten. Hierbei werden die 4 penilen Gefäße untersucht. Anhand der Untersuchungswerte wird der Facharzt erkennen können, ob eine generalisierte Gefäßveränderung vorliegt. Dann können entsprechende präventive Programme erstellt werden, so dass der Mann keinen Herzinfarkt erhält.

Gibt es Studien, die den Zusammenhang zwischen Erektiler Dysfunktion und vaskulären Erkrankungen aufzeigen?

Bei verschiedenen Untersuchungen wurde der Zusammenhang von einer erektilen Dysfunktion und einer vaskulären Erkrankung, also einer Erkrankung der Blutgefäße, genauer unter die Lupe genommen. Zunächst einmal wurde dabei festgestellt, dass mit zunehmendem Alter auch die Wahrscheinlichkeit einer erektilen Dysfunktion steigt. Ab dem 30. Lebensjahr ist bereits jeder fünfte Mann von einer erektilen Dysfunktion betroffen. Im Alter zwischen 40 und 70 Jahren beträgt der Anteil sogar 52 Prozent, wobei die konkrete Ausprägung der erektilen Dysfunktion von Fall zu Fall variieren kann.

Ende des letzten Jahrtausends wurde geschätzt, dass es weltweit mehr als 150 Millionen Männer mit einer erektilen Dysfunktion gibt – und es gab die Prognose, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2025 mehr als verdoppeln wird. Hintergrund ist nicht zuletzt der Umstand, dass auch die Lebenserwartung der Menschen steigt. Und ein 70-jähriger Mann hat nun einmal ein dreifach höheres Risiko, an einer erektilen Dysfunktion zu erkranken, als ein 40-Jähriger.

Eine weitere Erkenntnis der Untersuchungen war die hohe Korrelation oder Wechselwirkung der erektilen Dysfunktion mit anderen bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren wie Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck, (koronaren) Herzerkrankungen und Zuckerkrankheiten (Diabetes mellitus). Patienten mit koronarer Herzerkrankung litten demnach mit einer Wahrscheinlichkeit von 39 Prozent auch an einer kompletten erektilen Dysfunktion. Noch höher lag diese Wahrscheinlichkeit bei Rauchern  nämlich bei 56 Prozent. Eine weitere Untersuchung konnte zudem belegen, dass eine Hyperlipoproteinämie (also: zu hohe Fette im Blut) eine erektile Dysfunktion hervorrufen oder eine bereits bestehende noch verstärken kann.

Interessant auch diese Untersuchung: Männer, die von einer erektilen Dysfunktion betroffen sind, ansonsten aber bislang keinerlei Probleme an ihrem Herzen bemerkt hatten, wurden auf kardiovaskuläre Risikofaktoren untersucht. Ergebnis: Bei 80 Prozent der getesteten Männer wurden gleich mehrere solcher kardiovaskulären Risikofaktoren festgestellt, die also möglicherweise auf eine Herz- oder Gefäßerkrankung hinweisen. Außerdem schlug das Belastungs-Elektrokardiogramm in 28 Prozent der Fälle positiv an für eine koronare Herzerkrankung. Eine koronare Herzerkrankung konnte in 40% dieser asymptomatischen Männer mittels Koronarangiographie (Darstellung der Blutgefäße am Herzen) gefunden werden. Zusätzlich scheinen weitere Studien einen Zusammenhang der erektilen Funktion und dem Schweregrad der koronaren Herzerkrankung zu zeigen. So hatten Patienten mit einer Ein-Gefäß-Erkrankung deutlich weniger Probleme eine Erektion zu erreichen, als Patienten mit einer Zwei- oder Drei-Gefäß-Erkrankung.

Festzustellen bleibt, dass es sich bei der erektilen Dysfunktion um eine vaskuläre Erkrankung handelt, die von den Blutgefäßen ausgeht. Das macht sie vergleichbar mit den kardialen Erkrankungen, die das Herz betreffen, und kann somit sogar als Barometer oder „Frühwarnsystem“ fungieren.

Vorbeugung

Wie kann man das Herz gesund halten?

Wie sich eine Arteriosklerose behandeln lässt, hängt vom Ausmaß der festgestellten Gefäßverengung ab. Denkbar ist sowohl eine medikamentöse Behandlung als auch ein operativer Eingriff.

Wenn die Ablagerungen in den Gefäßen frühzeitig erkannt werden, können allen voran eine gesunde Ernährung und auch regelmäßige Bewegung dabei helfen, dass sich die Gefäße wieder ausdehnen können. Grundsätzlich sollte versucht werden, mögliches Übergewicht abzubauen.

Komplett einzustellen ist das Rauchen. Vermieden werden sollten außerdem Stresssituationen. Denn Stress führt dazu, dass der Adrenalin-Spiegel steigt und Stress-Hormone produziert werden. Diese werden vom Körper dann ebenfalls in den Gefäßen abgelagert.

Sie müssen nicht Ihr komplettes Leben umstellen, oft sind es schon kleine Umstellungen der Lebensgewohnheiten, die helfen, einem Herzinfarkt vorzubeugen.

  • Blutfettwerte: Lassen Sie einmal jährlich Ihre Blutfettwerte beim Arzt messen. Lassen Sie sich erklären, ob und welches Cholesterin (LDL bzw. HDL) erhöht ist.
  • Übergewicht: Reduzieren Sie Übergewicht. Essen Sie bewusst fettarm und abwechslungsreich. Ihr Idealgewicht lässt sich leicht mit folgender Formel (Body Mass Index) errechnen: Der Wert aus Körpergewicht in kg / Körpergröße2 in m sollte zwischen 18,5 und 25 liegen. Beispiel: Größe 180 cm, Gewicht 77 kg ergeben: 77 / 1,82 = BMI 23,7 – In diesem Fall also alles o.k.
  • Ernährung: Ernähren Sie sich abwechslungs- und vitaminreich. Eine ausreichend hohe Zufuhr von Vitamin C und E hat günstige Auswirkungen auf die Gefäßwände.
  • Bewegung: Treiben Sie Sport. Mäßig, aber regelmäßig, mindestens dreimal in der Woche etwa 30-45 Minuten. Besonders geeignet sind Laufen, Radfahren, Schwimmen, Langlaufen.
  • Blutdruck: Messen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck. Der normale Ruheblutdruck liegt bei 120/80 mmHg. Einen zu hohen Blutdruck spürt man in der Regel nicht. Eine geringe Blutdruckerhöhung lässt sich durch eine Änderung der Ernährung und der Lebensgewohnheiten ohne Medikamente behandeln. Ein deutlich erhöhter Blutdruck (Hypertonie) muss mit Medikamenten eingestellt werden.
  • Rauchen: Wenn Sie Raucher sind: Kämpfen Sie um Ihr Leben. Rauchen Sie heute die letzte Zigarette. Es gibt Möglichkeiten und Hilfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Und in vielen Fällen ist es leichter, als diejenigen vorher gedacht hätten.

Welche Ernährung ist gut für die Arterien?

Eine fettarme Ernährung ist hilfreich für die Arterien. Deshalb sollte speziell die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren reduziert werden, die vor allem in tierischen Fetten enthalten sind. Gleichzeitig ist es ratsam, deutlich mehr Arginin (enthalten zum Beispiel in Linsen, Erdnüssen und Haferflocken), Lysin (Linsen, Sojabohnen, Kichererbsen, Edamer) und Threonin (Linsen, Sojabohnen, Sonnenblumenkerne, Forelle) zu sich zu nehmen. Denn diese drei Aminosäuren wirken schützend für die Gefäße.

Zur Gesunderhaltung der Arterien und des Herzens sind grundsätzlich Lebensmittel zu empfehlen, die helfen, den Cholesterinwert zu senken. Dazu zählen Knoblauch, Avocados oder auch Mandeln. Ein echtes Power-Gemüse ist auch der Brokkoli: Weil er reich an Sulforaphan ist, kann Brokkoli möglichen Ablagerungen in den Gefäßen sogar entgegenwirken. Weil Brokkoli verfügt zudem über sehr viel Vitamin K, das die Arterien vor einer Beschädigung durch Kalzium schütz. Wichtig: Den Brokkoli nicht kochen, lieber nur dämpfen.

Auch gutes Olivenöl wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Weil es reich an Antioxidantien (Polyphenole) und einfach ungesättigten Fettsäuren ist, sollte beim Kochen und Braten kalt gepresstes extra natives Olivenöl verwendet werden. Es kann helfen, den Cholesterinwert zu senken und gleichzeitig den „guten“ HDL-Wert im Blut zu erhöhen.

Ist Sport gut für die Arterien?

Sich regelmäßig zu bewegen ist immer eine gute Empfehlung. Wer allerdings bereits unter einer koronaren Herzerkrankung leidet, muss dringend einige Dinge beachten. So sollte beim Sport das Herz nicht überlastet werden. Grundsätzlich gilt die Faustformel: nicht an die Leistungsgrenze gehen, sondern im sogenannten „grünen Bereich“ trainieren. Im Mittelpunkt der Übungseinheiten sollten die Stärkung von Kraft, Kondition und Ausdauer stehen. Ratsam sind tägliche Einheiten von 30 Minuten. Vor einer sportlichen Betätigung sollte in jedem Fall mit dem Arzt gesprochen werden. Hilfreich sind auch die organisierten Herzsportgruppen, die es überall gibt und in denen Betroffene gemeinsam und behutsam ihren Sport treiben.

Nachsorge

Darf ich nach dem Herzinfarkt Sex haben?

Viele Herzpatienten werden nicht hinreichend über die sexuelle Aktivität nach einem Herzinfarkt aufgeklärt. Selbst jüngere Patienten, die einen Herzinfarkt hatten, sind von ihren Ärzten nicht darüber aufgeklärt werden, was dies in sexueller Hinsicht für sie bedeutet. Das hat eine groß angelegte Studie in den USA und Spanien ans Licht gebracht. Die Erfahrung zeigt, dass viele Patienten nach einem Herzinfarkt Ängste bei der Wiederaufnahme sexueller Aktivitäten haben. Zum Beispiel, weil diese körperlich zu anstrengend sein könnten. Zumeist sind diese Ängste jedoch häufig unbegründet. Und doch vermeiden viele Betroffene jegliche sexuelle Aktivität.

Gemäß der Studie hätten es viele der befragten Betroffenen begrüßt, wenn die Initiative, das Thema auf den Tisch zu bringen, vom Arzt gekommen wäre. Gleichwohl haben nur 12 Prozent der Frauen und 19 Prozent der Männer die Thematik mit ihren behandelnden Ärzten besprochen. Das lässt sich besser machen: Es besteht Aufklärungsbedarf, und den gilt es zu befriedigen.

Ist Sexualität nach Implantation eines Kardioverter-Defibrillatoren noch möglich?

Implantierte Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) sind eine etablierte Therapiemöglichkeit bei Patienten, die Herzrhythmusstörungen haben. Die ICDs kontrollieren regelmäßig den Herzrhythmus, in etwa so wie es auch Herzschrittmacher tun. Sollten Herzrhythmusstörungen auftreten, zum Beispiel weil das Herz plötzlich zu schnell schlägt, werden sie aktiv und geben Elektrizität ab. Im Fachjargon wird eine krankhafte, zu hohe Herzfrequenz, die wieder in einen normalen Herzrhythmus überführt wird, Kardioversion genannt.

Viele Patienten mit einem ICD haben Schwierigkeiten, mit ihren Partnern wieder zu einer „normalen" Sexualität zurückzufinden. In einer wissenschaftlichen Studie wurde festgestellt, dass 70 Prozent der Patienten Erektionsstörungen hatten und über 80 Prozent eine Reduktion in ihrer Libido aufwiesen. Des Weiteren hatten mehr als 80 Prozent Probleme mit „unbefriedigendem“ Geschlechtsverkehr (Palm P, et al.).

Viele Paare machen sich auch große Sorgen, weil sie annehmen, dass sexuelle Aktivität den ICD auslösen könnte (Steinke EE et al.) – und setzen daher auf Enthaltsamkeit. Dabei ist dies gar nicht nötig. Gemäß der amerikanischen Herzgesellschaft (American Heart Association) ist sexuelle Aktivität für die meisten Patienten unbedenklich und sicher (Levine G et al.). Dies zeigt sich auch in mehreren wissenschaftlichen Studien. Dennoch werden immer noch viele Patienten aus dem Krankenhaus entlassen, ohne hierüber aufgeklärt worden zu sein.

Wichtiger Hinweis: Stellt man bei der Wiederaufnahme von Sex Veränderungen fest, zum Beispiel Erektionsstörungen oder eine Reduktion in der Libido, sollte dies unbedingt medizinisch abgeklärt werden. Auch hier gilt die Devise: Vor der Therapie steht die Diagnose! Es ist also wichtig, sowohl die kleinen Blutgefäße am Penis mittels einer farbcodierten Doppler-Duplex-Sonografie zu messen als auch die Zusammensetzung des Schwellkörpers. Hat sich möglicherweise Gewebe aufgebaut, das schlecht für die erektile Funktion ist? Oder hat sich vielleicht gutes, für die Erektion so wichtiges Gewebe abgebaut? Zusätzlich sollte natürlich auch die Nervenfunktion des Penis erfasst werden, ebenso die Potenzmuskulatur, die im Beckenboden verankert ist. Und sicherlich ist auch eine gezielte Blutabnahme sinnvoll, je nachdem was der Patient berichtet.

Das Auftreten von sexuellen Problemen kann übrigens auch dazu führen, dass Patienten eine Reduktion in der Therapiecompliance haben – insbesondere mit der Einnahme von Medikamenten, die zu Veränderungen in der Sexualität führen und damit einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität haben (Scranton R et al.). Ist dies der Fall, ist ebenfalls eine medizinische Abklärung angesagt.