Termin vereinbaren über Kontaktformular oder +49 151 42044956 anrufen
Start / Sexualgesundheit / Bessere Erektionen

Durchblutungsstörung im Penis

5 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 13. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Gefäßerkrankungen, die die Durchblutung im Penis beeinträchtigen, sind: Herz-Kreislauferkrankungen, koronare Herzkrankheit (KHK), Arterienverkalkungen (Arteriosklerose), Bluthochdruck (Hypertonie) und beispielsweise hoher Cholesterinspiegel. Etwa 60 bis 87 Prozent der Patienten mit einer Herzinsuffizienz entwickeln eine sexuelle Dysfunktion. Für viele Betroffene ist das ein Tabuthema, über das sie nicht gern mit dem Partner oder der Partnerin – und schon gar nicht mit ihrem Arzt sprechen. In diesem Zusammenhang möchte ich folgende Punkte klarstellen.

Überblick

Was ist eine penile Durchblutungsstörung?

Eine penile Durchblutungsstörung bezeichnet eine verminderte Blutzufuhr zu den Schwellkörpern des Penis. Dabei fließt entweder nicht genügend Blut in den Penis oder es kann nicht ausreichend gehalten werden. Sie gilt als häufigste organische Ursache für Erektionsstörungen.

Die Erektionsstörung kann sogar als Frühsymptom einer generalisierten Arterienverkalkung angesehen werden. Während der sexuellen Erregung ist die funktionelle Durchblutungssteigerung aufgrund der Gefäßwandveränderungen nicht ausreichend. Die erektile Dysfunktion gilt aufgrund dieser engen Verbindung zur generalisierten Arteriosklerose als anerkannter Vorbote einer koronaren Herzkrankheit (KHK).

Im Allgemeinen treten die Symptome der verminderten Erektionsfähigkeit ein bis fünf Jahre vor den durchblutungsbedingten Herzbeschwerden auf.

Die 7-Punkte-ChecklisteMehr Lust, mehr Power, bessere Werte: So optimierst du Libido, Testosteron und Spermienqualität Schritt für Schritt.

Symptome

Wie äußert sich eine mangelnde Durchblutung im Penis?

Eine mangelnde Durchblutung im Penis äußert sich durch Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten. Typisch ist auch das Fehlen nächtlicher und morgendlicher Erektionen sowie ein erhöhter Stimulationsbedarf. Begleitend können ein verringertes sexuelles Verlangen (Libidoverlust) und Gefühlstaubheit im Genitalbereich auftreten. Die Symptome entwickeln sich meist schleichend und gelten als Warnsignal für Gefäßprobleme im gesamten Körper, einschließlich des Herzens.

Ursachen

Was verursacht die Gefäßverengung?

Die Verengung der Blutgefäße im Penis entsteht meist durch Arteriosklerose – Ablagerungen aus Kalk und Fett an den Gefäßinnenwänden. Rauchen, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Bluthochdruck und Diabetes können diesen Prozess beschleunigen. Auch bestimmte Medikamente wie Betablocker, das Alter sowie Operationen im Beckenbereich können die Durchblutung beeinträchtigen. Da die Penisarterien mit nur 1–2 mm Durchmesser sehr fein sind, machen sich Verengungen hier oft Jahre früher bemerkbar als am Herzen oder im Gehirn.

Studien belegen den engen Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erektionsstörungen. Jeder zweite Patient mit einem nachgewiesenen Bluthochdruck leidet unter Erektionsstörungen (viele Männer kennen aber ihren Blutdruck überhaupt nicht). Ebenso sind rund 80 % der Herz-Kreislauf-Patienten von Erektionsstörungen betroffen.

Ungefähr 40 % der Männer mit behandelter Herz-Kreislauferkrankung leiden unter einem kompletten Erektionsverlust, wobei die Wahrscheinlichkeit einer erektilen Dysfunktion bei herzkranken Rauchern fast dreimal so hoch ist wie bei herzkranken Nichtrauchern (56 Prozent zu 21 Prozent).

Potenzsteigerung durch gesunde ErnährungLuststeigerung durch gesunde Ernährung: Sex Food fördert die Potenz.

Diagnose

Wie stellt ein Facharzt die Diagnose?

Jeder Patient mit Erektionsschwächen sollte zur Darstellung der Durchblutungsverhältnisse beim Arzt am Penis duplex-sonographisch untersucht werden - nach dem Motto: Der Penis - die Antenne des Herzens. Bei schwerer peniler Durchblutungsstörung sollten diese Männer unbedingt einer kardiologischen Diagnostik zugeführt werden.

Behandlung

Welche Therapien verbessern den Blutfluss?

PDE-5 Hemmer können unter Berücksichtigung bestimmter Faktoren zur Behandlung erektiler Dysfunktionen eingesetzt werden, sofern dies mit dem Arzt abgeklärt wurde. Was viele Patienten nicht wissen: Die mit den Mitteln verbundenen Wechselwirkungen oder Kontraindikationen haben möglicherweise teilweise gefährliche Folgen – Blutdruckabfälle, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Leberinsuffizienz zum Beispiel. Der behandelnde Arzt wird wissen, was für seinen Patienten die beste Lösung ist.

Ergänzend verbessern Vakuumpumpen-Training und gezieltes Beckenbodentraining die Durchblutung und Erektionsdauer. Langfristig bilden Ausdauersport, eine herzgesunde Ernährung und Rauchstopp die Basis für eine bessere Gefäßfunktion.

Darf man Sex, trotz Herzkrankheit haben?

Generell ist Sex für die Gesundheit förderlich. Daher dürfen auch herzkranke Patienten sexuell aktiv sein. Gemäß der American Heart Association (AHA) spricht bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz der NYHA-Klasse I oder II nichts gegen sexuelle Aktivität. Patienten, die in die NYHA-Klasse III oder IV eingestuft sind, sollten dagegen solange enthaltsam sein, bis sich ihr Zustand stabilisiert hat und der Arzt das „Go“ für Geschlechtsverkehr gibt.

Um das Risiko zu minimieren, empfehlen die Heart Failure Association (HFA) und die European Society of Cardiology (ESC) folgendes:

  • kein Sex unmittelbar nach schwerem Essen oder übermäßigem Alkoholgenuss
  • Ort und Zeitpunkt sollten nicht zu aufregend sein
  • das Vorspiel intensiv gestalten
  • nicht so anstrengende Positionen wählen
  • bei Unwohlsein, Kurzatmigkeit oder Müdigkeit innehalten

Risiken

Ist ein plötzlicher Herzstillstand infolge sexueller Aktivität möglich?

Das ist tatsächlich möglich, kommt aber nur äußerst selten vor. In einer groß angelegten Studie wurden mehr als 4.500 Männer untersucht, die einen plötzlichen Herzstillstand (Asystoli) erlitten hatten. Bei weniger als einem Prozent der Probanden war die Asystoli mit einer sexuellen Aktivität gekoppelt: Das medizinische Ereignis passierte also entweder direkt während der Sexualität oder innerhalb weniger Stunden danach. Zudem hatten viele der betroffenen Männer eine Vorgeschichte in punkto Herzerkrankungen und nahmen bereits Herzmedikamente ein.

Erstaunlich: Die wissenschaftliche Studie hat außerdem ergeben, dass nur bei einem Drittel der Patienten kardiopulmonale Rettungsmaßnahmen erfolgten (kardiopulmonal = das Herz und die Lunge betreffend). Ein möglicher Grund: Die Methode ist häufig nicht ausreichend präsent. Leider gibt es für einen plötzlichen Herzstillstand (Asystoli) meistens keine Vorwarnzeichen. Sollte das Problem auftreten, muss sofort eine entsprechende medizinische Intervention eingeleitet werden.

Empfehlung: Herzpatienten und Männer mit einem unkontrollierten hohen Blutdruck, mit Druck- bzw. Schmerzgefühlen in der Brust, einem schwachen Herz oder Arhythmien sollen mit ihrem behandelnden Arzt ihre sexuelle Aktivität unbedingt thematisieren. Für die meisten von ihnen birgt Sex aber wahrscheinlich keine Gefahr.

Prävention

Ist die erektile Dysfunktion ein Vorbote einer koronaren Herzkrankheit?

Da die Probleme im Bett meistens ein bis fünf Jahre vor den durchblutungsbedingten Beschwerden des Herzens auftreten, ist es ratsam, sich frühzeitig untersuchen zu lassen. Dadurch können lebensbedrohliche Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Makula-Degeneration (häufigste Ursache für Erblindung in Deutschland) vermieden werden.

Lesen Sie auch

Empfohlen