Erektionsstörungen als Anzeichen für Herzerkrankungen
Kurz zusammengefasst
Erektionsstörungen können das erste Warnsignal für einen drohenden Herzinfarkt oder Schlaganfall sein – und das bis zu acht Jahre im Voraus. Ursache ist häufig eine verminderte Durchblutung des Penisgewebes, die auf verengte Herzkranzgefäße hinweist. Männer mit durchblutungsbedingten Erektionsstörungen sollten daher dringend ihren Herzkreislauf untersuchen lassen.
Überblick
Was hat das Herz mit der Erektion zu tun?
Das Herz ist ein dickwandiger Hohlmuskel, der sich rhythmisch je nach Belastung kontrahiert. Es schlägt in Ruhe ca. 70-mal pro Minute – 4.200-mal pro Stunde – über 100.000-mal pro Tag und pumpt dabei ca. 15.000 Liter Blut durch den Körper. Die Energie- und Sauerstoffzufuhr erfolgt über die so genannten Herzkranzarterien (Koronargefäße). Verengungen dieser Gefäße führen zu einer Verminderung der Pumpleistung des Herzens und damit zu einer Unterversorgung von anderen lebenswichtigen Organen. Genau diese Gefäßverengungen sind es, die auch Erektionsstörungen verursachen können.
Können Erektionsstörungen auf einen Herzinfarkt hinweisen?
Ja – und das ist wissenschaftlich belegt. Erektionsstörungen können die ersten Anzeichen eines drohenden Herzinfaktes bzw. Schlaganfalls sein – und das 4 bis 8 Jahre im voraus. Der Grund ist, dass Erektionsstörungen in vielen Fällen durch eine verminderte Durchblutung des Penisgewebes entstehen, woraus sich auf ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt beziehungsweise einen Schlaganfall schließen lässt.
Dieses Ergebnis wird durch Studien aus den Jahren 2004/2005 belegt, die von Prof. Dr. Sommer und seiner Arbeitsgruppe vorgenommen wurden. Männer, die unter durchblutungsbedingten Erektionsstörungen leiden, erlitten vier bis acht Jahre nach der Erstdiagnose der durchblutungsbedingten Erektionsstörungen einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Risikofaktoren
Welche gemeinsamen Risikofaktoren gibt es?
Herzkreislauferkrankungen und Erektile Dysfunktion (ED) haben viele gemeinsame Risikofaktoren, z.B. Übergewicht, Rauchen und Zuckererkrankungen, die z.B. die kleinen Blutgefäße verändern und damit den Blutfluss im gesamten Körper stören können.
Unter dem Strich sind es also die durch die Grunderkrankung hervorgerufenen Veränderungen an den Gefäßen und Durchblutungsstrukturen, die sich negativ auf die Sexualität auswirken.
Diagnose
Welche Untersuchungen werden empfohlen?
Jeder Mann mit Verdacht auf durchblutungsbedingte Erektionsstörungen sollte den Blutfluss seiner vier wichtigsten Penisgefäße messen lassen. Diese Untersuchung kann Leben retten – denn so lässt sich einem Herzinfarkt oder Schlaganfall rechtzeitig vorbeugen, oftmals bereits durch eine Änderung des Lebensstils.
Eine groß angelegte US-amerikanische Studie hat gezeigt, dass das Screening von Männern mit Erektionsstörungen auf kardiovaskuläre Erkrankungen innerhalb von 20 Jahren Gesundheitskosten von rund 28,5 Milliarden US-Dollar einsparen könnte – und 1,1 Millionen kardiovaskuläre Ereignisse verhindern würde.

Behandlung
Verbessert die Behandlung von Herzproblemen auch die Erektion?
Da stellt sich die Frage, ob die Therapie eines erhöhten Blutdrucks (Hypertonus) oder erhöhter Fettstoffwechselwerte im Blut (bspw. Hyperlipidämie) die erektile Funktion verbessert? Leider nein. Das behaupten jedenfalls die Wissenschaftler einer Studie mit fast 13.000 Männern. Sie kamen zu dem Schluss, dass eine Therapie mit Blutdruck senkenden Medikationen bzw. Medikamenten, die den Fettstoffwechsel positiv beeinflussen sollten, keine signifikanten Verbesserungen der erektilen Funktion zeigte.
Blutdruck und Fett-Blutwerte wurden durch die Medikamenteneinnahme zwar positiv beeinflusst, die erektile Funktion jedoch zeigte keine Verbesserung. Über die Zeit beobachteten die Wissenschaftler sogar eine Tendenz zur leichten Verschlechterung der erektilen Funktion im Vergleich zum Ausgangswert. Dabei wiesen die an der Studie teilenehmenden Männer mit einem relativ hohen LDL-Wert (über 126 pro dl) eine besonders stark ausgeprägte erektile Dysfunktion auf.
In jedem Fall sollten Männer mit Störungen in der erektilen Funktion diese bei einem Arzt ihres Vertrauens abklären lassen, um dann passende therapeutische Maßnahmen zu ergreifen.
Nachsorge
Was müssen Männer mit Herzmedikamenten beachten?
Potenzfördernde Medikamente – wie etwa PDE5-Inhibitoren – sollten maximal 6 Monate nach einem Schlaganfall bzw. Herzinfarkt eingenommen werden! Männer, die Herzmedikamente nehmen, die Nitrate enthalten, dürfen keine Tabletten nehmen, die PDE5-Hemmer als Substanzgruppe haben.
Die entsprechende Medikation bitte immer mit dem betreuenden Arzt absprechen! Dieser wird auch darüber Auskunft geben, ob sexuelle Aktivitäten erlaubt sind.
Ist Sex nach einem Herzinfarkt wieder möglich?
Eine Faustregel besagt: Wer in der Lage ist, 20 Minuten lang forsch zu gehen oder problemlos 5 Stockwerke emporzusteigen und dabei immer zwei Treppenstufen auf einmal zu nehmen, ist körperlich fit genug, um Sex in den verschiedensten Stellungen zu haben (wobei der Sex für den Mann in der Rückenlage kardiovaskulär am wenigsten anstrengend ist).
Leider hat eine Studie von uns folgendes gezeigt: Weniger als die Hälfte der Männer und weniger als ein Drittel der Frauen werden von ihren Ärzten nach einem Herzinfarkt über ihr Sexualleben „danach“ aufgeklärt. Hier gilt es, mehr Aufklärungsarbeit zu leisten!
Vorteile & Risiken
Kann man beim Sex einen Herzinfarkt bekommen?
Sexuelle Aktivität fördert die Gesundheit. Männer und Frauen, die regelmäßig sexuell aktiv sind, haben normalerweise einen stabileren und besseren Hormonhaushalt und befinden sich in einem körperlich besseren Zustand. Denn sexuelle Aktivität ist auch körperliche Aktivität.
In der Presse oder im Freundeskreis wird dennoch immer mal wieder darüber berichtet, dass Männer beim Sex einen plötzlichen Herzstillstand bzw. einen plötzlichen Herztod erleiden. Die gute Nachricht ist: Das kommt sehr selten vor! In einer wissenschaftlichen Studie kam heraus, dass nur 0,7 Prozent aller Herzstillstände im Zusammenhang mit einer sexuellen Aktivität auftreten.
Professor Sommer hat sich dem Thema ebenfalls angenommen. In einer groß angelegten Studie fand er heraus, dass der plötzliche Herztod bei sexueller Aktivität von einigen Faktoren abhängt:
- Sexuelle Aktivität in einer ungewohnten Umgebung führt eher zu einem kardiovaskulären Ereignis.
- Sex mit einer neuen Partnerin erhöht das Risiko eines Herzinfarktes, und zwar etwa um das Doppelte. Bei der Kombination von 1. und 2. erhöht sich das potenzielle Risiko ebenfalls.
Wichtig ist aber im Kopf zu behalten, dass sexuelle Aktivität grundsätzlich positiv für den Körper ist. Die Hormonproduktion wird angeregt, außerdem erfolgt ein gewisses Herz-Kreislauftraining. Und zusätzlich werden bei den meisten Menschen auch noch Glückshormone ausgeschüttet.





