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Erektionsstörungen durch Medikamente

6 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Die Einnahme von Medikamenten löst nicht selten Erektionsprobleme aus. Bei über 200 Arzneien ist diese Nebenwirkung bekannt. Sehr häufig kann die Erektionsstörung durch das Absetzen solcher Medikamente beziehungsweise durch die Einnahme alternativer Arzneien völlig geheilt werden. Setzen Sie sich jedoch bei einem geplanten Medikamenten-Wechsel zuvor unbedingt mit Ihrem Arzt in Verbindung und besprechen Sie Vor- und Nachteile.

Übersicht

Was sind medikamentös bedingte Erektionsstörungen?

Medikamentös bedingte Erektionsstörungen sind eine Form der erektilen Dysfunktion, bei der die Beschwerden als Nebenwirkung bestimmter Arzneimittel auftreten. Einige im Alltag häufig verschriebene Medikamente können die Erektionsfähigkeit beeinflussen, indem sie die Durchblutung des Penis, die Signalübertragung im Nervensystem oder den Hormonhaushalt des Körpers verändern.

Solche Nebenwirkungen werden vor allem bei Medikamenten beobachtet, die zur Behandlung chronischer Erkrankungen eingesetzt werden, beispielsweise bei bestimmten Blutdruckmedikamenten, Antidepressiva oder hormonell wirksamen Präparaten.

Treten Erektionsprobleme im zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme eines Medikaments auf, sollte dies stets ärztlich abgeklärt werden. In vielen Fällen kann bereits eine Anpassung der Dosierung oder ein Wechsel des Präparats innerhalb des selben Wirkspektrums zu einer Verbesserung der Symptomatik führen. Da dies jedoch immer individuell im Einzelfall entschieden werden sollte, ist es wichtig, bei neu aufgetretenen Erektionsstörungen ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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Ursachen

Welche Medikamente verursachen Erektionsstörungen?

Es gibt mittlerweile eine sehr große Anzahl von Arzneimitteln die Erektions-, Libido- und Ejakulationsstörungen hervorrufen können. In der Regel sind diese Nebenwirkungen im Beipackzettel aufgeführt. Kritische Medikamente sind:

 

Herz-Kreislauf-Medikamente

  • Betablocker (z. B. Bisoprolol, Metoprolol): Senken Blutdruck und Puls, greifen aber in das Nervensystem ein und können die Durchblutung des Penis verringern Entwässerungsmittel (z. B. Hydrochlorothiazid, Spironolacton) – schwemmen Wasser aus dem Körper und können den Blutfluss in den Schwellkörper beeinträchtigen
  • Entwässerungsmittel (z. B. Hydrochlorothiazid, Spironolacton): Schwemmen Wasser aus dem Körper und können den Blutfluss in den Schwellkörper beeinträchtigen

 

Stoffwechsel-Medikamente

  • Antidiabetika (Mittel gegen Zuckererkrankung): Können die Gefäß- und Nervenfunktion zusätzlich belasten

 

Psychopharmaka

  • Antidepressiva (z. B. Sertralin, Citalopram, Venlafaxin, Paroxetin): Heben die Stimmung, dämpfen aber häufig auch die sexuelle Lust. Gut zu wissen: Medikamente wie Bupropion, Agomelatin oder Moclobemid haben seltener sexuelle Nebenwirkungen.
  • Beruhigungs- und Schlafmittel (z. B. Lorazepam, Diazepam, Zolpidem): Wirken entspannend auf das Nervensystem, auch auf die für eine Erektion nötigen Signale.
  • Antipsychotika (z. B. Haloperidol, Clozapin, Risperidon): Können den Hormonhaushalt beeinflussen. Aripiprazol und Quetiapin lösen seltener Störungen aus.

 

Prostata- und Hormonpräparate

  • 5-Alpha-Reduktasehemmer (z. B. Finasterid, Dutasterid): Werden bei Prostatavergrößerung und Haarausfall eingesetzt. Sie greifen in den Hormonhaushalt ein, was langfristig zu Gewebeveränderungen im Penis führen kann.
  • Alphablocker (z. B. Tamsulosin): Entspannen die Prostatamuskulatur, können aber auch die Ejakulation beeinflussen.
  • Antiandrogene (z. B. Bicalutamid, Leuprorelin, Goserelin): Blockieren männliche Hormone, Erektionsstörungen sind eine häufige Folge.

 

Schmerzmittel

  • Opioide (z. B. Morphin, Oxycodon, Fentanyl): Lindern starke Schmerzen, senken aber oft den Testosteronspiegel und die Libido.

 

Krebsmedikamente

  • Chemotherapeutika (z. B. Cisplatin, Docetaxel, Cyclophosphamid): Erektionsstörungen können während und nach der Behandlung auftreten.

 

Sonstige Substanzen

  • Aufputschmittel und Drogen: Können die Erektionsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.

Wie beeinflussen Medikamente die Erektion?

Damit eine Erektion entsteht, müssen viele körperliche Prozesse reibungslos ablaufen. Es beginnt damit, dass Nerven aus dem Gehirn Signale senden, wodurch sich Blutgefäße im Penis erweitern und die Schwellkörper mit Blut füllen. Gleichzeitig spielen unterschiedliche Botenstoffe im Nervensystem sowie bestimmte Hormone im Körperkreislauf eine wichtige Rolle. Medikamente können diese sehr komplexen und fein abgestimmten Abläufe auf unterschiedliche Weise beeinflussen und damit schnell durcheinander bringen.

Einige Arzneimittel wirken auf das Herz-Kreislauf-System und verändern damit den Blutfluss in den Gefäßen des Penis. Wird beispielsweise die Durchblutung der Schwellkörper vermindert oder die Gefäße reagieren weniger flexibel, kann sich der Penis nicht mehr ausreichend mit Blut füllen. Die Folge daraus ist, dass die Erektion schwächer wird oder sich schwieriger aufrechterhalten lässt.

Andere Medikamente greifen stärker in das Nervensystem direkt ein. Sie verändern die Aktivität bestimmter Botenstoffe im Gehirn und können dadurch die sexuelle Erregung oder die Signalübertragung negativ beeinflussen. Wenn dadurch die entsprechenden Nervensignale abgeschwächt werden, wird der Prozess, der normalerweise zur Erweiterung der Blutgefäße im Penis führt, nicht mehr ausreichend ausgelöst und Erektionsstörungen sind die Folge.

Auch unterschiedliche hormonelle Veränderungen können eine Rolle spielen. Einige Medikamente beeinflussen den Hormonhaushalt des Körpers und können dadurch den sexuellen Antrieb an sich oder die körperlichen Voraussetzungen für eine Erektion verändern. Dem Betroffenen wird somit entweder die Lust oder die Möglichkeit zur Errektion genommen.

In der Praxis entsteht eine medikamentös bedingte erektile Dysfunktion häufig nicht durch einen einzigen Mechanismus allein. Vielmehr greifen viele Medikamente gleichzeitig in mehrere dieser Prozesse ein. Darum ist es auch oftmals Schwierig ein Medikament allein oder eine genaue körperliche Ursache für die Entstehung der Erektionsstörung verantwortlich zu machen und gezielt zu behandeln.

Symptome

Woran erkenne ich, dass ein Medikament die Ursache ist?

Ob ein Medikament für Erektionsstörungen verantwortlich ist, lässt sich oft am zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme erkennen. Treten die Beschwerden erstmals nach Beginn einer neuen Medikation auf oder verschlechtern sie sich nach einer Dosiserhöhung, kann dies unmittelbar ein Hinweis darauf sein, dass das Arzneimittel eine Rolle spielt.

Typisch für eine durch bestimmte Medikamente ausgelöste Erektionsstörung ist außerdem, dass die Probleme relativ plötzlich auftreten, obwohl zuvor keine entsprechenden Beschwerden bestanden haben. Ein weiterer Hinweis ist, wenn sich die Probleme nach absetzen des Medikamentes oder dem Wechsel innerhalb einer Medikamentenklasse, abrupt bessern.

Der Zusammenhang ist leider nicht immer so deutlich. Viele Männer nehmen Medikamente aufgrund von Erkrankungen ein, die an sich bereits Einfluss auf die Erektionsfähigkeit haben können. Deshalb sollte bei neu auftretenden Erektionsstörungen immer auch an eine medikamenteninduzierte Problematik denken. Für eine sichere Einschätzung ist eine ärztliche Abklärung unbedingt indiziert.

Treten die Probleme sofort nach der ersten Einnahme auf?

Ob eine Erektionsstörungen bereits nach der ersten Einnahme eines Medikaments auftritt, hängt stark vom jeweiligen Wirkstoff und vom individuellen Körper des Betroffenen ab. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass sich solche Nebenwirkungen aber nicht unmittelbar nach der ersten Tablette oder Spritze, sondern erst im Laufe der Zeit, während einer spezifischen Therapie entwickeln.

Häufig berichten Betroffene, dass sich die Erektionsfähigkeit schleichend über Tage oder Wochen verändert, nachdem eine neue Medikation begonnen wurde. Das liegt vor allem daran, dass viele Medikamente ihre vollständige Wirkung erst nach einer gewissen Zeit vollständig entfalten und der Körper sich an den Wirkstoff anpasst.

Sollte es jedoch auffällig sein, dass die Errektionsfähigkkeit unmittelbar nach der Einnahme eines neuen Medikamentes auftritt, spricht dies stark für einen direkten Zusammenhang. Besonders häufig kann dies bei Medikament vorkommen, die stark auf das Nervensystem oder den Hormonhaushalt wirken. In diesen Fällen ist es wichtig, dass dies mit dem behandelnden Arzt besprochen wird, um gegebenenfalls die Dosierung anzupassen oder auch das Präparat zu wechseln.

Was tun als Betroffener?

Gegebenenfalls ist es möglich, die Medikamente nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt umzustellen und Medikamente aus dem gleichen Wirkspektrum zu wählen, die weniger Nebenwirkungen hinsichtlich der sexuellen Funktion haben. Ebenso kann eine Reduktion der Dosis Abhilfe schaffen, denn höhere Dosen zeigen bekanntlich häufiger Nebenwirkungen. Außerdem besteht noch die Möglichkeit, ein Medikament kurzzeitig auszusetzen (Drug Holiday) oder alternativ Phosphodiesterase-V-Hemmer (PDE-5-Hemmer) einzusetzen. Dies ist allerdings sehr Individuell bei jedem Betroffenen unterschiedlich und nur nach Absprache mit dem Arzt ratsam. Ein selbständiges Absetzen von Medikamenten kann gegebenenfalls sehr gefährlich sein!

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