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Erektionsstörungen bei jungen Männern

6 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 5. Juli 2026

Kurz zusammengefasst

Etwa ein Viertel der Männer unter 40 Jahren ist von einer Erektionsstörung betroffen. Neben körperlichen Ursachen wie Gefäßverengungen sowie Störungen der Nerven, Muskeln oder Hormone können auch psychologische Faktoren wie Stress, Leistungsdruck, Angst oder Depressionen eine Rolle spielen. Gerade junge Männer haben jedoch sehr gute Chancen, mit der geeigneten Behandlung ihre Erektionsfähigkeit wieder zurückzuerlangen.

Überblick

Ab welchem Alter beginnt eine erektile Dysfunktion?

Auch bei den unter 40 jährigen sind temporäre Erektionsstörungen keine Seltenheit mehr. Die Potenzprobleme sind bei jungen Männern oft einmalig und nicht von Dauer. Ursachen können psychische Belastungen wie im Job oder der Beziehung sein. Es kann allerdings auch organische Gründe für auftretende Impotenz geben.

Eine erektile Dysfunktion (ED), auch als Potenzstörung bzw. Erektionsstörung bezeichnet, kann Männer jeden Alters betreffen. Sofern die Erektion einmal oder nur gelegentlich versagt bleibt, liegt noch keine zu behandelnde Störung vor. Gründe hierfür können Stress, Abgeschlagenheit oder Müdigkeit sein. Sollte eine erektile Dysfunktion allerdings über mehrere Wochen bestehen, muss Ursachenforschung betrieben werden.

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Ursachen

Warum haben junge Männer unter 40 Erektionsstörungen?

  • Psychologische Ursachen: Heutzutage werden die Anforderungen im Beruf immer höher. Viele junge Männer powern sich tagsüber aus und haben am Abend keine Energie mehr, um Sexualität zu erleben. Sie fallen nach der Arbeit todmüde auf die Couch bzw. ins Bett. In diesem Fall ist es kein Wunder, dass keine Erektion auftritt bzw. das diese zu schwach ist, um einen befriedigenden Geschlechtsverkehr durchzuführen. Die Angst, im Bett „zu versagen“ oder den Partner nicht zu befriedigen (Versagensangst), kann einen Teufelskreis auslösen, der die Erektion regelmäßig verhindern kann.
  • Medikamente: Auch bestimmte Medikamente können Erektionsstörungen verursachen. Dazu gehören zum Beispiel einige Mittel gegen Bluthochdruck, Depressionen oder Angststörungen. Diese Medikamente können die Durchblutung beeinflussen, das Nervensystem verändern oder das sexuelle Verlangen verringern. Nicht jeder Mann reagiert jedoch gleich. Wenn der Verdacht besteht, dass ein Medikament die Erektionsfähigkeit beeinträchtigt, sollte dies immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Oft lässt sich eine alternative Behandlung oder eine Anpassung der Dosierung finden.
  • Ungesunder Lebensstil: Auch der Lebensstil spielt eine wichtige Rolle für die Erektionsfähigkeit. Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel oder starkes Übergewicht können die Blutgefäße schädigen und die Durchblutung verschlechtern.
  • Unentdeckte Vorerkrankungen: Bei Männern in den 30ern können Erektionsstörungen ein frühes Warnsignal für einen beginnenden Diabetes Typ 2 oder Bluthochdruck sein, da die feinen Gefäße im Penis oft zuerst auf Durchblutungsstörungen reagieren. Anhaltend erhöhte Blutzuckerwerte können über Jahre hinweg zu einer Schädigung der Nerven und Blutgefäße führen. Diese Veränderungen wirken sich schrittweise auf die Erektionsfähigkeit aus. Häufig zeigt sich zunächst, dass die Erektion beim Geschlechtsverkehr nicht mehr so stabil ist wie früher. Im weiteren Verlauf kann es zunehmend schwieriger werden, eine ausreichende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten, bis Geschlechtsverkehr schließlich kaum noch möglich ist.

Diagnose

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Auch wenn viele junge Männer den Gang zum Arzt gern vermeiden möchten, sollten sie auf jeden Fall abklären lassen, ob zu behandelnde organische Probleme vorliegen.

Erektionsprobleme sind heutzutage in der Medizin sehr gut behandelbar und oftmals sogar heilbar. Auch bei rein psychogenen Ursachen kann temporär ein Medikament wie z.B. Viagra verschrieben werden. Erlangt der Mann das Selbstvertrauen zurück, dass er in der Lage zu guten, penetrationsfähigen Erektionen ist, lösen sich psychische Blockaden meist schnell auf.

Wenn Dauerstress auf der Arbeit, mit dem Partner, im familiären Bereich oder auch Freizeitstress die Erektionsprobleme hervorrufen, können begleitend stressreduzierende Maßnahmen wie autogenes Training, eine Änderung der Lebensweise oder gezieltes Anti-Stress-Coaching sehr hilfreich sein.

Wird der Arzt mir Fragen stellen?

Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt. Dabei werden folgende Aspekte thematisiert:

  • Beginn und Dauer der Beschwerden
  • Morgenerektionen vorhanden? (das bedeutet übrigens nicht, dass organisch alles im grünen Bereich ist – das ist ein weitverbreiteter Trugschluss. Trotz morgendlicher Erektionen, kann eine organische Schädigung - beispielsweise der Nerven oder der Gefäße oder der Muskulatur, um einige Beispiele zu benennen – vorliegen.)
  • Besteht die Erektion bei Selbstbefriedigung oder nur mit Partnerin/Partner?
  • Welche Medikamente werden eingenommen?
  • Gibt es Hinweise auf Stress, Depression oder Angst?

Ein wichtiger Bestandteil ist der IIEF-Fragebogen (International Index of Erectile Function), ein validierter Fragenkatalog zur Bewertung der sexuellen Funktion.

Wie läuft eine körperliche Untersuchung beim Arzt genau ab?

Die körperliche Untersuchung umfasst:

  • Sonographie des Penis, mit Evaluation der Pensigefäße (4 x farbcodierte Doppler-Duplex-Sonographie)
  • Untersuchung der Samenstränge (2x farbcodierte Doppler-Duplex-Sonographie)
  • Darstellung des neurovaskulären Bündels
  • Beidseits Nieren- und Blasen-Sonographie
  • Messung der Infrastruktur des Penis (Zusammensetzung der Schwellkörper)
  • Messungen wieviel Blut in den Penis reinfließt und wieviel davon im Penis gehalten wird und ob zu viel Blut aus dem Penis rausfließt.
  • EMG, Elektr. Ableitung der Potenzmuskulatur und deren Evaluation •
  • Muskelfunktionsdiagnostik
  • Spezielle Nervenmessungen: Biothesiometrie vom Penis und Referenzorgan (je drei Messungen) Biothesiometrie Temperatur
  • Ultraschall und Abtastung beider Hoden und Nebenhoden
  • Ultraschall und Abtastung der Brust
  • Ggf. Bestimmung des Bauchumfanges
  • Untersuchung der Genitalien – u.a. Ausschluss von strukturellen Problemen (wie z. B. Peniskrümmung)

Welche Laborwerte kann der Arzt bestimmen?

Um ein umfassendes Bild zu der Erektionsstörung zu gewinnen, wird der Arzt häufig Blut abnehmen. Dafür genügt eine normale Blutentnahme, bei der spezielle Werte aus den üblichen Röhrchen bestimmt werden. Wichtige Blutwerte sind unter anderem:

  • Testosteron: Testosteronspiegel, am besten morgens gemessen. Noch besser ist es bis 11:00 Uhr das freie, biologisch aktive Testosteron zu bestimmen. Das gibt einen besseren Aufschluss darüber wieviel von dem gemessenem Testosteronspiegel aktiev ist.
  • Blutzucker zur Erkennung von Diabetes
  • Blutfette (Cholesterin): Blutfette haben einen wichtigen Einfluss auf die Gefäßgesundheit.
  • Schilddrüsenwerte bei Verdacht auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung als Ursache
  • Hormone: Prolaktin, LH, FSH zur hormonellen Abklärung
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Behandlung

Wonach richtet sich die Behandlung bei jungen Männern?

Je nach Ursache kann die passende Behandlung ganz unterschiedlich aussehen – und wir möchten genau das finden, was für Sie persönlich am besten hilft. Und die Ursache (oder Ursachen) der Erektionsstörung gezielt angehen.

Ohne eine gezielte Therapie kann es leider sein, dass sich die Erektionsfähigkeit mit der Zeit weiter verschlechtert – oft schleichend über Monate oder sogar Jahre, bis es irgendwann gar nicht mehr funktioniert. Deshalb ist es unser Ziel, Ihre körperlichen Abläufe wieder möglichst in den Normalbereich zu bringen – und Ihnen zu helfen, wieder eine spontane und erfüllende Sexualität erleben zu können.

Um eine gute Erektion zu bekommen, brauchen auch junge Männer einen guten Blutdurchfluss im Penis. Daher ist eine gesunde, vitaminreiche und cholesterinarme Ernährung sehr förderlich. Rauchen ist eines der wichtigsten Umweltgifte und kann zu Erektionsstörungen führen.

Um die Standfestigkeit des Penis sowie das Durchhaltevermögen während des sexuellen Aktes zu verbessern, eignet sich ein spezielles Beckenbodentraining. Darüberhinaus steigert regelmäßige sexuelle Aktivität sowohl die Penisdurchblutung als auch den Testosteronspiegel, der die Libido beeinflusst.

Welche Gewohnheiten fördern meine Erektion?

Lebensstiländerung ist die erste Maßnahme. Viele Fälle von ED verbessern sich durch:

  • Gewichtsreduktion
  • Gesunde Ernährung
  • Sport und Bewegung
  • Verzicht auf Rauchen und Alkohol
  • Stressbewältigung und ggf. psychologische Beratung

Welche Medikamente kommen in Frage?

Die bekanntesten Mittel gegen ED gehören zur Gruppe der PDE-5-Hemmer:

  • Sildenafil (Viagra)
  • Tadalafil (Cialis)
  • Vardenafil
  • Avanafil

Diese Medikamente verbessern die Durchblutung des Penis, wenn sexuelle Stimulation erfolgt. Sie wirken bei vielen Männern, auch bei solchen mit Diabetes oder Bluthochdruck.

Welche weiteren Optionen gibt es?

Wenn Tabletten nicht ausreichen sind u.a.:

  • Injektion eines Medikaments direkt in den Penis (z. B. Alprostadil)
  • Intraurethrale Applikation über die Harnröhre
  • Alprostadil-Creme
  • Vakuumpumpen
  • Penisprothesen (chirurgisch implantiert, bei schweren Fällen)

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