Harnsäure und Erektionsstörungen
Kurz zusammengefasst
Ein erhöhter Harnsäurewert kann beim Mann zu Erektionsstörungen führen, da er die empfindlichen Gefäße des Penis schädigt und den Stickstoffmonoxyd-Spiegel im Blut senkt – der für den Aufbau einer Erektion entscheidend ist. Ab einem Wert von über 6,4 mg/dl spricht man von einer Hyperurikämie, die in Westeuropa 20 bis 30 Prozent der Männer betrifft. Eine purinarme Ernährung, ausreichend Trinken und der Verzicht auf Alkohol können den Harnsäurewert nachweislich senken.
Überblick
Was ist Harnsäure und warum ist sie wichtig?
Harnsäure entsteht wenn der Körper Purine abbaut – Bausteine der Nukleinsäuren. Pro Tag produziert der menschliche Körper dabei etwa ein Gramm Harnsäure, die im Idealfall auch täglich wieder abgebaut wird. Gerät dieses Gleichgewicht aus den Fugen, steigt der Harnsäurespiegel im Blut. Ein erhöhter Harnsäurewert gilt als Risikofaktor für Gicht, Herzinfarkt und Schlaganfall – und kann beim Mann auch Erektionsstörungen verursachen.
Wie hängen Harnsäure und Erektion zusammen?
Die kleinen Gefäße des Penis sind wesentlich sensibler als die Herzkranzgefäße oder die Halsschlagader – sie reagieren auf Veränderungen schneller. Studien haben gezeigt dass bei erhöhten Harnsäurewerten auch der Stickstoffmonoxyd-Spiegel im Blut gesenkt wird. Dieser ist entscheidend für den Aufbau einer Erektion. Ein erhöhter Harnsäurespiegel schädigt also nicht nur die penilen Gefäße direkt, sondern beeinträchtigt auch die für eine Erektion wichtigen Botenstoffe.

Normalwerte
Ab wann ist der Harnsäurewert zu hoch?
Bei Männern spricht man ab einem Wert von über 6,4 mg/dl (Frauen: 6,0 mg/dl) von einer sogenannten Hyperurikämie. Mediziner gehen davon aus, dass in Westeuropa 20 bis 30 Prozent der Männer zu viel Harnsäure im Körper haben. Bei Frauen liegt die Zahl niedriger, mit Beginn der Wechseljahre steigt allerdings auch bei ihnen das Risiko.
Ursachen
Wie entsteht ein erhöhter Harnsäurewert?
Überwiegend ist ein erhöhter Harnsäurewert genetisch bedingt. Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen liegt der Auslöser in einem erhöhten Alkoholkonsum, einer verstärkten Medikamenteneinnahme oder einer bestimmten Erkrankung wie Niereninsuffizienz. Alkohol wirkt dabei gleich doppelt negativ: Er fördert die Bildung von Harnsäure in der Leber und bremst gleichzeitig ihre Ausscheidung über die Niere. Bier enthält darüber hinaus zusätzliche Purine – auch alkoholfreies.

Risikofaktoren
Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen hohen Harnsäurewert?
Überwiegend ist ein erhöhter Harnsäurewert genetisch bedingt. Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen liegt der Auslöser jedoch in einem erhöhten Alkoholkonsum, einer verstärkten Medikamenteneinnahme oder einer bestimmten Erkrankung wie Niereninsuffizienz, chronisch myeloischer Leukämie oder Polycythaemia vera. Auch Erkrankungen der Schilddrüse haben Auswirkungen auf die Harnsäure. Alkohol wirkt sich dabei besonders negativ aus – und zwar gleich aus drei Gründen: Er fördert die Bildung von Harnsäure in der Leber, bremst die Ausscheidung über die Niere und Bier enthält zusätzlich Purine – das gilt auch für alkoholfreies Bier. Viele Menschen bekommen ihren ersten Gichtanfall in der Nacht nach einem erhöhten Alkoholkonsum.
Diagnose
Wie wird der Harnsäurewert gemessen?
Der Harnsäurewert wird durch eine Untersuchung des Urins oder des Blutes bestimmt. Wer zu einer Risikogruppe gehört kann den Wert auch zu Hause selbst kontrollieren – mit Harnsäure-Teststreifen oder Messgeräten die oft bereits in Blutzuckermessgeräten integriert sind. Die regelmäßige ärztliche Kontrolle ist dennoch empfohlen.
Vorbeugung
Wie kann man den Harnsäurewert durch Ernährung senken?
Dreh- und Angelpunkt ist eine purinarme Ernährung. Je weniger Purin dem Körper zugeführt wird, desto weniger muss er abbauen. Die Ernährungsumstellung sollte individuell mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Zu vermeiden sind vor allem Fleisch und Wurstwaren, Innereien wie Leber und Lunge, Schalentiere sowie fettreicher Fisch wie Lachs, Thunfisch, Sardellen und Sprotten. Auch Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen und Bohnen sowie Spargel sollten gemieden werden. Empfehlenswert sind Vollkornprodukte, Kartoffeln, Eier sowie fettarme Milch und Milchprodukte. Bei Obst und Gemüse sind Tomaten, Äpfel und Kürbis besonders geeignet. Blumenkohl, Brokkoli, Spinat und Pilze nur in kleineren Mengen.
Welche Getränke beeinflussen den Harnsäurewert?
Viel trinken regt die Harnsäureausscheidung über die Nieren an – mindestens zwei Liter pro Tag sind empfohlen. Mineralwasser ist die erste Wahl. Kaffee trägt nachweislich dazu bei den Harnsäurespiegel zu senken – das gilt auch für koffeinfreien Kaffee, wobei mehr als vier bis sechs Tassen pro Tag nicht empfohlen werden.
Alkohol hingegen sollte bei erhöhtem Harnsäurewert konsequent gemieden werden – er fördert die Harnsäurebildung in der Leber, bremst die Ausscheidung über die Niere und Bier enthält zusätzlich Purine, auch in alkoholfreier Form.





