Elektromyographie (EMG) bei Erektionsstörungen
Kurz zusammengefasst
Die Elektromyografie (EMG) ist eine spezielle Untersuchung, mit der festgestellt werden kann, ob Nervenschäden oder eine dauerhaft erhöhte Muskelspannung die Durchblutung des Penis beeinträchtigen und damit eine Erektionsstörung verursachen. Bei dieser Untersuchung wird die elektrische Aktivität in den Schwellkörpern, im Beckenboden oder in den dazugehörigen Nerven gemessen. So lässt sich erkennen, ob die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskulatur normal funktioniert oder gestört ist. Je nach Untersuchungsergebnis kann anschließend eine gezielte, individuell abgestimmte Therapie geplant werden.
Überblick
Was ist eine Elektromyographie (EMG)?
Beim EMG werden die elektrischen Muskelaktivitäten gemessen. Nerven kommunizieren mit Muskeln über elektrische Impulse. Diese Impulse werden beim EMG gemessen. Es wird die Aktivität in Muskeln gemessen, die beispielsweise für die Erektionsfähigkeit bzw. für die Auslösung des Ejakulations-Reflexes zuständig sind. Sie gibt u.a. Aufschluss über Ursachen und Therapiemöglichkeiten der erektilen Dysfunktion. EMG ist die Abkürzung für Elektromyografie (manchmal gibt es auch eine andere Schreibweise: Elektromyographie).
Warum wird diese Untersuchung durchgeführt?
Viele unserer Patienten, die einen erhöhten Beckenbodentonus haben, berichten darüber, dass sie extrem viel Stress ausgesetzt sind – ob familiärer oder beruflicher Art. In jedem Fall stehen sie „unter Spannung". Und dieses Spannungsgefühl findet sich dann auch im Beckenboden wieder.
Aber auch chronische Erkrankungen oder Entzündungen im Körper können ein Stressfaktor sein und einen erhöhten Beckenboden-Grundtonus hervorrufen.
Die therapeutischen Maßnahmen richten sich nach der Ursache für den erhöhten Grundtonus. Entspannungsübungen beim Physiotherapeuten können hilfreich sein, um den Grundtonus des Beckenbodens zu reduzieren. Natürlich macht es auch Sinn, die Stressfaktoren abzuschwächen oder ganz aus der Welt zu schaffen. Bei chronischen Erkrankungen ist es ratsam, diese zu therapieren, um dann den Beckenbodentonus zu reduzieren.
Stellen Sie sich bitte folgendes vor: Sie nehmen einen länglichen Luftballon und füllen diesen mit Wasser – ein perfektes Modell für einen erigierten Penis. In dieser Phase fließt in den Penis viel Blut und sammelt sich dort. Der Penis wird länger, größer und nimmt an Volumen zu, ist aber noch nicht ganz hart. Mediziner bezeichnen diesen Zustand als „flazide“.
Die maximale Kraftentwicklung des Beckenbodens hat einen erheblichen Einfluss darauf, welcher Druck in einem blutgefüllten Penis erzielt werden kann.
Mit einem Beckenboden-EMG lässt sich festzustellen, wie hoch der Grundtonus ist. Das bedeutet: Wie sehen die muskulären Aktivitäten aus, ohne dass der Beckenboden willentlich angesteuert wird? Und wie hoch ist die maximale Kraft, die der Beckenboden entwickeln kann?
Ein erhöhter Grundtonus kann dazu führen, dass während der sexuellen Erregung nicht genügend Blut in den Schwellkörper fließen kann. Dabei ist der Bluteinfluss während der sexuellen Erregung eine wichtige Voraussetzung für das Groß- und Hartwerden des Penis. Ein zu hoher Grundtonus in der Beckenbodenmuskulatur kann zur Folge haben, dass die Muskelstrukturen die Gefäße komprimieren (abdrücken). Dadurch gelangt zu wenig Blut in den Schwellkörper und der Penis kann keine richtige Erektion aufbauen.

Ablauf
Wie läuft eine Ultraschall Untersuchung ab?
Die Untersuchung ist in der Regel kurz, schmerzarm und dauert etwa 15-30 Minuten.
Typischer Ablauf:
- Der Patient liegt meist in Rückenlage.
- Elektroden werden im Dammbereich angebracht oder eine kleine rektale Sonde wird eingesetzt, um die Muskelaktivität zu messen.
- Anschließend erhalten Sie einfache Anweisungen, zum Beispiel:
- den Beckenboden kurz anzuspannen
- die Muskulatur wieder zu entspannen
- die Spannung einige Sekunden zu halten.
- Zusätzlich wird die Ruheaktivität der Muskulatur gemessen.
Ergebnisse
Was sagt das Ergebnis aus?
Die Untersuchung zeigt, wie gut die Beckenbodenmuskulatur arbeitet und durch Nerven gesteuert wird.
Dabei können unter anderem folgende Aspekte beurteilt werden:
- Muskelspannung im Ruhezustand: Eine erhöhte Aktivität kann auf eine Überaktivität oder Verspannung des Beckenbodens hinweisen.
- Muskelkraft: Das EMG zeigt, ob die Muskeln ausreichend aktiviert werden können.
- Koordination der Muskulatur: Es wird sichtbar, ob Anspannung und Entspannung koordiniert erfolgen.
Welche weiteren Untersuchungen sind neben der Elektromyographie möglich?
Etwa einen Monat nach dem Eingriff, können Sie wieder sexuell aktiv sein. Wichtig ist, dass alle Wunden bis dahin verheilt sind, um das Risiko für Infektionen zu vermeiden.
- Biothesiometrie (Nervenmessung)
- Ultraschall-Untersuchung
- Doppler-Duplex-Sonographie (zur Messung der 4 Penisgefäße)
- Untersuchung zur Erfassung der Zusammensetzung des Schwellkörpers
- Dynanometrie (Messung der Muskelkraft)
- RIGIscan (Methode zur Messung der Erektionsfähigkeit)





