Verursacht Corona (Covid-19) Erektionsstörungen?
Kurz zusammengefasst
Studien zeigen, dass eine Corona Infektion die sexuelle Gesundheit beeinflussen kann. Untersuchungen weisen auf einen deutlichen Zusammenhang zwischen COVID-19 und erektiler Dysfunktion (ED) hin. Als Ursachen gelten gefäßbedingte Schäden, Entzündungsprozesse sowie psychische Belastungen. In vielen Fällen sind die Beschwerden jedoch vorübergehend und gut behandelbar.
Überblick
Wie wirkt sich die Pandemie auf das Sexualleben aus?
Auch mehrere Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie beschäftigen mögliche Langzeitfolgen von SARS-CoV-2 die Medizin. Dabei rückt zunehmend auch die Frage in den Fokus, ob und wie sich eine Infektion auf die Potenz auswirken kann.
Welcher Art diese Auswirkungen sind, wollte Professor Dr. Frank Sommer genau wissen. Deshalb hat er eine in Deutschland bisher einzigartige Studie durchgeführt, für die 1.026 Männer telefonisch befragt wurden. Die Ergebnisse der Befragung lieferten so manche Überraschung.
Im Schnitt waren die Befragten 46 Jahre alt und seit mindestens sechs Monaten in einer festen Beziehung. Außerdem gaben knapp zwei Drittel der Befragten an, fast ausschließlich im Homeoffice zu arbeiten.
Die Zeit für Sex und Zweisamkeit hat gemäß der Studie durch die Ausbreitung des Virus und den verstärkten Rückzug in die Wohnungen deutlich zugenommen. 78 Prozent machen aus der Pandemie das Beste und nutzen die Krise als Beginn einer oft neu erlebten Sexualität. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Durch das ständige Aufeinanderhocken ergibt sich mehr Gelegenheit für den Austausch von Gefühlen und Nähe. Anders ist die Situation, wenn im Haushalt Kinder oder weitere Verwandte leben. Homeschooling und lärmender Nachwuchs stören vielfach die Zweisamkeit und können die Lust im Schlafzimmer schnell zum Erliegen bringen.
Viele befragte Männer gaben an, dass Sex ihnen Sicherheit bringt und dass sie zunehmend mit Sexspielzeugen experimentieren. Doch wenn Erektionsstörungen auftreten, sind die Folgen noch schwerwiegender als sonst. Wie soll jemand in der Krise Stärke zeigen, wenn es nicht einmal gelingt, eine ausreichende Erektion für den Geschlechtsverkehr zu erreichen? Gefragt wurde auch nach dem Verständnis der Partnerin bzw. des Partners. Die Antworten hängen stark vom Alter ab: Je älter die Partnerin bzw. der Partner ist, desto mehr Verständnis und Einfühlungsvermögen wird aufgebracht. Männer ab 40 neigen eher dazu, einer Erektionsstörung weniger Bedeutung beizumessen. Bei jüngeren Paaren kommt es häufiger zu Spannungen.
Zu einem „Shutdown“ beim Sex kommt es, wenn sich ein Partner mit dem Virus ansteckt. Aus Angst vor einer Infektion wird dann auf Geschlechtsverkehr verzichtet. Die Angst vor dem Virus drückt auf die Stimmung und die Libido. Auch Sorgen um Arbeit und Geld lassen oft keine richtige Lust aufkommen. Insgesamt werden 32 Prozent der Männer von diesen äußeren Faktoren in ihrer Lust auf Sex beeinflusst.

Ursachen
Wie entsteht eine erektile Dysfunktion nach Corona?
Auch wir sehen in unserer Klinik, dass Männer, die mit Corona infiziert waren, besondere Krankheitsverläufe hatten. Je ausgeprägter die Krankheitsverläufe waren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Männer anschließend an erektiler Dysfunktion leiden.
Eine Theorie benennt als Ursache für die Potenzprobleme einen infektionsbedingt gestörten Stickoxidausstoß (NO) aus dem Innenbereich der Gefäßzellen. Stickoxid ist ein wichtiger Bestandteil in der Reaktionskette, damit es zu einer Erektion kommt. Zudem deutet sich an, dass das Coronavirus möglicherweise die Bildung des Sexualhormons Testosteron beeinträchtigt und zu erhöhten Östradiolwerten (weiblichen Hormonwerten) führen kann. Dieses Phänomen haben wir selbst schon im Rahmen unserer Forschung beobachtet und in Studien festgestellt, dass die Östradiolwerte bei Infektionen generell nach oben getrieben werden können und gleichzeitig Testosteronwerte sinken.
Erektionsstörungen können die Folge sein. Chronische Erektionsstörungen nehmen mit dem Alter überproportional zu. Mit 60 Jahren leidet bereits jeder vierte Mann an dauerhafter Impotenz, mit 70 Jahren jeder dritte. Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch weitaus höher liegt, denn die erektile Dysfunktion (ED) ist noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Ein natürlicherweise sinkender Testosteronspiegel kann mit zunehmendem Alter Probleme mit der Potenz bereiten. Hauptursache ist oft ein ungesunder Lebensstil: Rauchen, Alkohol, Übergewicht und Bewegungsmangel können die Blutgefäße schädigen und in der Folge die Durchblutung im Schwellkörper des Penis behindern. Manchmal ist die Dysfunktion auch eine Folge der Einnahme von Medikamenten, von Verletzungen oder Operationen. Schließlich können Stress, Depressionen, Angsterkrankungen oder belastende Ereignisse – wie etwa die Corona-Pandemie – eine erektile Dysfunktion auslösen.
Langzeitfolgen
Können auch milde Verläufe Folgen haben?
Zurück zu den Theorien und wissenschaftlichen Erkenntnissen im Zusammenhang mit SARS-CoV-2. Diese kreisen natürlich auch um das Thema Langzeitfolgen. Bislang weiß man noch vergleichsweise wenig darüber, weil das Virus so neu ist. Doch die bisherige Praxis und etliche Studien von Forscherinnen und Forschern weltweit zeigen, dass auch Erkrankte mit einem eher moderaten Verlauf teilweise noch Wochen oder sogar Monate später unter den Nachwirkungen der Infektion leiden. Ein milder Verlauf ist also keine Garantie dafür, von Langzeitfolgen verschont zu bleiben.
Betroffene sind oftmals in ihrer Leistungsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Sie haben mit Fatigue (chronischer Müdigkeit) und Konzentrationsschwierigkeiten oder mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Atembeschwerden sowie Kopf-, Glieder- und Gelenkschmerzen zu kämpfen. Erkrankungen der Lunge, des Nervensystems, der Blutgefäße oder der Muskulatur zählen zu den häufigsten Langzeitfolgen. Auffällig: Berichte über Corona-bedingte Erektions- und Potenzstörungen (erektile Dysfunktion) oder sogar Fälle von Impotenz mehren sich ebenfalls.

Diagnose
Wann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll?
Bestehen die Erektionsstörungen langfristig, ist eine genaue Diagnose unbedingt erforderlich. Geschulte Männerärzte und Urologen helfen dabei, die Hintergründe aufzudecken und ein passendes Therapiekonzept zu entwickeln.
Im Rahmen der Diagnose bietet sich neben einem detaillierten Anamnese-Gespräch, einer Blutabnahme und einer umfassenden Untersuchung der Genitalien beispielsweise eine Ultraschalluntersuchung oder eine farbcodierte Doppler-Duplex-Sonografie an. Diese spezielle Form der Ultraschalluntersuchung liefert deutlich detailliertere Informationen als eine herkömmliche Sonografie. Im Zentrum steht die Untersuchung der vier Hauptblutgefäße des Penis. Dabei wird geprüft, ob Verengungen oder Verschlüsse vorliegen und wie schnell das Blut in den Penis ein- und wieder abfließt.
Mithilfe eines sogenannten Biothesiometers wird ermittelt, wie es um die Nervensensibilität bestellt ist. Die Untersuchung erfolgt am Penis und zusätzlich an einer Referenzstelle, meist am Zeigefinger. So lässt sich feststellen, ob Nervenstörungen an der Potenzstörung beteiligt sind. Zudem sollte die Zusammensetzung der Schwellkörper beurteilt werden. Im Idealfall besteht der Penis zu mindestens 55 Prozent aus glatten Muskelzellen. Überwiegen Bindegewebe oder Kollagen, verliert der Penis an Rigidität (Erektionshärte) und an der Fähigkeit, eine ausreichende Härte für den Geschlechtsverkehr aufrechtzuerhalten. Mit speziellen Geräten lässt sich diese Gewebezusammensetzung schmerzfrei analysieren.
Die gute Nachricht zum Schluss: Nach sorgfältiger Diagnose stehen zahlreiche Therapieansätze zur Verfügung. Die Chancen, dass es im Bett bald wieder klappt, sind somit gut – unabhängig vom Alter und von Corona.
Behandlungsablauf
Sind die durch COVID verursachten Erektionsstörungen heilbar?
Erektionsstörungen nach einer COVID-19-Infektion können sich in vielen Fällen von selbst zurückbilden – Geduld ist jedoch gefragt. Die Ursachen liegen häufig in einer Schädigung der Blutgefäße (endotheliale Dysfunktion) oder in psychischem Stress, weshalb die Erholung mehrere Monate dauern kann. Sollten die Probleme länger anhalten, stehen bewährte Therapieoptionen zur Förderung der Durchblutung zur Verfügung:
Bei anhaltenden Beschwerden empfehlen wir eine urologische Abklärung, um unterstützende Behandlungsoptionen zu prüfen.





