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Ursachen für Erektionsstörungen

8 min Lesezeit Von Prof. Dr. med. Frank Sommer Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer Aktualisiert am 15. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Früher ging man davon aus, dass Erektionsstörungen meist psychische Ursachen haben. Heute weiß man, dass in 55 bis 90 Prozent der Fälle körperliche Ursachen dahinterstecken. Dazu gehören unter anderem Durchblutungsstörungen, Veränderungen am Penis oder Nervenschäden, zum Beispiel durch Diabetes. Körperliche Erektionsstörungen führen außerdem häufig zu psychischen Belastungen wie Sorgen, Stress oder Depressionen, was die Beschwerden zusätzlich verstärken kann.

Körperliche Ursachen

Welche körperlichen Ursachen führen zu Erektionsstörungen?

Erektionsstörungen können verschiedene körperliche Ursachen haben. Insgesamt wird unterschieden zwischen organischen Ursachen, psychogenen Ursachen (z.B. Depression) und dem Alter als Störungsursache. Bei vielen Männern stehen jedoch organische Veränderungen im Vordergrund, die vor allem die Durchblutung, die Struktur des Schwellkörpers oder die nervale Steuerung der Erektion betreffen.

Eine wichtige Rolle spielen Veränderungen im Schwellkörper selbst. Bei vielen Männern treten die Ursachen für Erektionsstörungen kombiniert auf. Häufig liegen mehrere Faktoren gleichzeitig vor. Beispielsweise gehen Durchblutungsstörungen häufig gleichzeitig mit dem Verlust von glatten Muskelzellen im Schwellkörper einher. Diese Muskelzellen sind entscheidend dafür, dass sich der Schwellkörper mit Blut füllen und dieses während der Erektion halten kann. Wenn ihre Anzahl oder Funktion abnimmt, kann das Blut nicht ausreichend gespeichert werden, wodurch die Erektion weniger stabil wird.

Auch die Muskulatur des Beckenbodens kann eine Rolle spielen. Eine Beckenbodenschwäche kann zum einen die Stabilität der Erektion beeinträchtigen, da diese Muskelgruppe an der Regulation des Blutabflusses beteiligt ist. Andererseits kann eine Beckenbodenschwäche auch der Auslöser einer kompletten Erektionsstörung sein, insbesondere wenn diese in Kombination mit nervalen Veränderungen auftritt. Nerven steuern sowohl die Durchblutung als auch die Muskelspannung im Penis. Werden diese Signale gestört, kann die Erektion abgeschwächt sein oder ganz ausbleiben.

Sehr häufig stehen Erektionsstörungen außerdem im Zusammenhang mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. So sind Erektionsstörungen in vielen Fällen auch wichtige Frühsymptome von Herz-Kreislauferkrankungen. Die Blutgefäße des Penis sind besonders klein und reagieren daher empfindlich auf Veränderungen der Gefäßfunktion.

Eine häufige Ursache solcher Durchblutungsstörungen ist die Arteriosklerose. Dabei lagern sich Fette und andere Substanzen in den Gefäßwänden ab. Und genau diese arteriosklerotischen Veränderungen können dazu führen, dass der Blutfluss in den Arterien reduziert oder sogar blockiert wird. Wenn weniger Blut den Schwellkörper erreicht, kann sich dieser nicht ausreichend füllen. Im Penis führt das dann zu einer schwächeren Erektionsfähigkeit – bis hin zum Unvermögen, überhaupt Erektionen aufzubauen.

Letztlich liegt eine erektile Dysfunktion häufig daran, dass der Penis weniger gut durchblutet ist. Verschiedene Faktoren können diese Durchblutungsstörung begünstigen. Dazu gehören vor allem Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie Veränderungen der Gefäße, die den Blutfluss zum Penis einschränken.

Aus diesem Grund kann eine Erektionsstörung manchmal ein frühes Anzeichen für zugrunde liegende Gefäßerkrankungen sein. Eine medizinische Abklärung bei anhaltender Erektionsstörung ist demzufolge nicht nur wichtig, um dieses Symptom zu behandeln, sondern auch um eine mögliche, körperliche Ursache frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln.

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Psychische Ursachen

Können psychische Belastungen zu Erektionsstörungen führen?

Männer, die körperliche Erektionsstörungen haben, entwickeln oft im Nachhinein eine psychogene Problematik (wie etwa eine Depression), die sie und die Partnerin belasten. Dieses ist einfach nachzuvollziehen: der Mann, der feststellt, dass er mehrfach nicht in der Lage war, eine gute Erektion aufzubauen, beginnt damit, sich Gedanken und Sorgen zu machen im Hinblick auf den nächsten intimen Austausch. Diese Gedanken sind hemmend und wirken natürlich verstärkend auf Erektionsstörungen. Man spricht in diesem Fall von einem so genannten Mischbild. Die Grundursache ist in der Regel eine organische Problematik des Patienten, eine psychogene Problematik hat sich zusätzlich daraus entwickelt. Ursachen für psychogene Erektionsstörungen können beispielsweise eine erhöhte Arbeitsbelastung sein, insbesondere bei Zeitdruck und Stress oder auch private Probleme (wie z.B. in der Partnerschaft oder familiäre Probleme).

Zudem gehört auch Stress zu den wichtigsten, psychogenen Ursachen für Erektionsprobleme. Wer beruflich oder privat unter hohem Druck steht, kann die negativen Folgen auch im Liebesleben zu spüren bekommen. Obwohl nur 10 Prozent aller Potenzprobleme rein psychisch bedingt sind hängen Psyche und Körper eng zusammen. Was im organisch beginnt, kann später auch zum psychischen Problem werden, umgekehrt gilt dies allerdings auch.

Stress führt zu einer Ausschüttung von (Stress)Hormonen, die sich negativ auf die Testosteronproduktion des Mannes auswirken. Das führt dazu, dass sowohl der sexuelle Antrieb (Libido) abnimmt als auch negative Umbauprozesse im Penis stattfinden. So führt Testosteronmangel zum Beispiel dazu, dass die glatten Muskelzellen im Schwellkörper abgebaut werden, die allerdings sehr wichtig sind, um eine gute und feste Erektion zu erreichen.

Hormonelle Ursachen

Führt Testosteronmangel zu Erektionsstörungen?

Stress führt zudem auch zu einer Ausschüttung von (Stress)Hormonen, die sich negativ auf die Testosteronproduktion des Mannes auswirken. Das führt dazu, dass sowohl der sexuelle Antrieb (Libido) abnimmt als auch negative Umbauprozesse im Penis stattfinden. So führt Testosteronmangel zum Beispiel dazu, dass die glatten Muskelzellen im Schwellkörper abgebaut werden, die allerdings sehr wichtig sind, um eine gute und feste Erektion zu erreichen.

Zusätzlich wird "schlechtes Bindegewebe" wie beispielsweise Kollagen im Schwellkörper aufgebaut, was anfänglich dazu führt, dass die Erektionen nicht mehr hart genug werden und es im späteren Verlauf gar nicht mehr zu einer guten, penetrationsfähigen Erektion kommt.

Organisch bedingte Erektionsstörungen werden also primär durch hormonelle Veränderungen wie beispielsweise der Testosteronveränderung, verursacht. Der Alterungsprozess führt ebenfalls dazu, dass gewisse Organstrukturen nicht mehr genügend Hormone wie zum Beispiel Testosteron produzieren können.

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Medikamente

Können bestimmte Medikamente zu Erektionsstörungen führen?

Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Erektionsstörungen verursachen oder bereits bestehende Beschwerden verstärken. Besonders häufig wird dieser Zusammenhang bei einigen blutdrucksenkenden Medikamenten, Antidepressiva oder auch hormonell wirksamen Präparaten beobachtet. Diese sehr häufig verschriebenen Medikamente können beispielsweise die Durchblutung beeinflussen, die Signalübertragung der Nerven verändern oder den Hormonhaushalt des Körpers stören.

Auch Medikamente, die auf das zentrale Nervensystem wirken, können die sexuelle Funktion beeinträchtigen. In solchen Fällen kann es sowohl zu einer verminderten Libido als auch zu Schwierigkeiten kommen, eine ausreichend feste Erektion zu erreichen oder ausreichend aufrechtzuerhalten.

Wichtig ist jedoch: Betroffene sollten Medikamente niemals eigenständig absetzen, wenn sie einen Zusammenhang mit Erektionsproblemen vermuten. Stattdessen empfiehlt sich ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Häufig lässt sich durch eine Anpassung der Dosierung oder einen Wechsel des Medikaments eine deutliche Verbesserung der Beschwerden erreichen.

Medikamente, die gelegentlich Erektionsstörungen verursachen können:

  • Antidepressiva (z. B. Sertralin, Citalopram, Paroxetin, Fluoxetin)
  • Blutdruckmedikamente, insbesondere Betablocker (z. B. Metoprolol, Bisoprolol, Propranolol)
  • Diuretika / Entwässerungsmittel (z. B. Hydrochlorothiazid, Furosemid)
  • Hormonpräparate (z. B. Finasterid, Cyproteronacetat)
  • Neuroleptika / Antipsychotika (z. B. Risperidon, Haloperidol )

Kaffeekonsum und Erektionsstörungen?

Dem Kaffee werden viele positive Eigenschaften zugeschrieben. So beeinflusst er allem Anschein nach zum Beispiel chronische Erkrankungen positiv. Außerdem soll die Wahrscheinlichkeit für Kaffee-Vieltrinker, an Krebs zu erkranken, 18 Prozent geringer sein als bei Menschen, die wenig Kaffee trinken. Das gilt allerdings nur für bestimmte Krebsarten, unter anderem für Prostatakrebs, Leukämie und Leberkrebs. Studien zeigen auch, dass ein hoher Kaffeekonsum mit einem vergleichsweise geringeren Risiko für Parkinson, Alzheimer und Depressionen einhergehen soll. Die Leber und der Stoffwechsel sollen ebenfalls profitieren, zudem entwickeln Kaffeetrinker Studien zufolge seltener Diabetes Typ 2.

Doch hat häufiger Kaffeekonsum auch einen Einfluss auf die Erektionsfähigkeit? Dieser Frage sind Wissenschaftler in einer groß angelegten wissenschaftlichen Studie mit mehr als 20.000 Männern im Alter zwischen 40 und 75 Jahren nachgegangen. Im Ergebnis konnten sie keine Korrelation zwischen Kaffeekonsum (mehr als 4 Tassen pro Tag) und Erektionsstörungen feststellen. Anders stellte sich das Studienergebnis in Bezug auf den Konsum von entkoffeiniertem Kaffee dar. Hier zeigte sich, dass Männer, die pro Tag mindestens vier Tassen entkoffeinierten Kaffee trinken, ein um 37% erhöhtes Risiko für Erektionsstörungen haben als Nicht-Kaffeetrinker. Warum das so ist, muss wissenschaftlich noch weiter evaluiert werden.

Risikofaktoren

Welche Risikofaktoren begünstigen eine erektile Dysfunktion?

Bestimmte Faktoren können die Entstehung einer erektilen Dysfunktion begünstigen, auch wenn sie nicht zwangsläufig direkt die alleinige Ursache darstellen. Häufig handelt es sich um unterschiedliche Einflüsse, die über längere Zeit wirken und dadurch körperliche oder auch psychische Veränderungen hervorrufen.

Ein möglicher Risikofaktor ist eine anhaltend hohe psychische Belastung. Stress gehört zu den wichtigsten, psychogenen Ursachen für Erektionsprobleme. Besonders bei dauerhaftem beruflichem Druck oder privaten Belastungssituationen kann sich dies auch auf die sexuelle Funktion auswirken.

Darüber hinaus können allgemeine Lebensstilfaktoren eine Rolle spielen. Denn Erektionsstörungen können verschiedene Ursachen haben, etwa das Alter, die Ernährung, der Lebensstil oder Erkrankungen wie Diabetes oder Herzerkrankungen.Eine unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel oder langfristige gesundheitliche Belastungen können den Körper insgesamt schwächen und damit auch die Erektionsfähigkeit beeinflussen.

Auch bestimmte Erkrankungen stehen im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Erektionsstörungen. Dabei handelt es sich vor allem um chronische Krankheiten, die den Stoffwechsel oder den allgemeinen Gesundheitszustand beeinflussen können. Indirekt kann dabei auch die behandelnde Medikation eine Rolle bei der Ausbildung der Erektionsstörung spielen. Solche Erkrankungen wirken sich häufig nicht nur auf ein einzelnes Organsystem aus, sondern betreffen verschiedene Funktionen des Körpers gleichzeitig.

Da mehrere Risikofaktoren häufig gemeinsam auftreten, ist es wichtig, mögliche Einflüsse frühzeitig zu erkennen. Dazu gehört auch, bei bestehender Erektionsstörung, diese unbedingt medizinisch Abklären zu lassen. Eine gesunde Lebensweise, ausreichend Bewegung sowie die Behandlung bestehender Erkrankungen können dazu beitragen, das Risiko für eine erektile Dysfunktion zu reduzieren.

Ist meine Blutgruppe ein Risikofaktor für Erektionsstörungen?

In einer italienischen Studie aus dem Jahr 2016 hat tatsächlich ergeben, dass Männer mit Blutgruppentyp 0 eine wesentlich bessere erektile Funktion haben, als Männer mit anderen Blutgruppen. Doch kein Grund zu Sorge: Das bedeutet nicht, dass Männer mit den Blutgruppentypen A, B oder AB Erektionsstörungen bekommen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit hierfür höher ist. Warum das so ist, weiß man nicht.

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