Depression bei Männern
Kurz zusammengefasst
Eine Depression bei Männern wird oft nicht erkannt, da sie sich anders zeigt als bei Frauen. Statt Traurigkeit stehen häufig Gereiztheit, Aggression, Rückzug und Erektionsstörungen im Vordergrund. Viele Männer führen ihre Symptome auf Stress zurück und gehen erst spät zum Arzt. Weltweit erkranken Frauen offiziell zwei- bis dreimal häufiger, doch Experten vermuten bei Männern eine hohe Dunkelziffer. Die Behandlung erfolgt durch Psychotherapie und Antidepressiva. Bei Männern mit Testosteronmangel kann auch eine Hormontherapie die Symptome lindern.
Überblick
Was ist eine Depression?
Eine Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, die mehrere Wochen oder Monate andauert. Sie beeinflusst das Denken, Fühlen und Handeln. Betroffene sind dauerhaft traurig, antriebslos oder verzweifelt. Sie verlieren das Interesse an Dingen, die ihnen früher wichtig waren. Eine Depression verursacht massives Leiden und geht oft mit negativen Gedanken einher – teilweise auch mit Suizidgedanken.
Eine Depression ist etwas anderes als eine vorübergehende Phase der Niedergeschlagenheit. Schlechte Stimmung wegen Stress im Job oder Problemen in der Beziehung ist normal. Wenn diese Gefühle jedoch über Wochen anhalten und den Alltag beeinträchtigen, kann eine Depression vorliegen.
Wie häufig ist Depression bei Männern?
Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit mehr als 120 Millionen Menschen an einer Depression erkrankt sind und dass 50 Prozent der Deutschen entweder selbst von Depressionen betroffen sind oder durch Angehörige oder Freunde bereits Kontakt zur Krankheit hatten. Angesichts der Zahlenlage ist es nicht verwunderlich, dass die Depression inzwischen zu einer Volkskrankheit geworden ist. Offiziell erkranken Frauen zwei- bis dreimal häufiger als Männer. Experten vermuten jedoch eine hohe Dunkelziffer bei Männern, da die Erkrankung bei ihnen oft nicht oder erst spät erkannt wird.
Bemerkenswert: Die Anzahl der Krankschreibungen wegen psychischer Probleme hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdreifacht. Das geht aus einer Langzeituntersuchung einer großen Krankenkasse hervor.
Warum wird Depression bei Männern oft nicht erkannt?
Tatsache ist, dass viele Männer grundsätzlich deutlich seltener und meistens später als Frauen einen Arzt aufsuchen und sich oftmals erst behandeln lassen, wenn bei ihnen massive Probleme auftreten. Dazu kommt, dass Männer im Gegensatz zu Frauen dazu neigen, eine Depression zu verdrängen bzw. diese zunächst einmal auf Stress und berufliche Belastungen zurückzuführen. Ein Mann mit einer psychischen Erkrankung? Das ist für viele Männer „unmännlich“!
Symptome
Welche Symptome treten bei Männern auf?
Depression zeigt sich bei Männern oft anders als bei Frauen. Während Frauen eher über Traurigkeit berichten, stehen bei Männern häufig Gereiztheit, Aggression und Rückzug im Vordergrund. Typische Symptome bei Männern:
- Wenig bis kein sexuelles Interesse
- Freudlosigkeit
- Gereiztheit
- Plötzliches Auftreten von Wut und Aggressivität
- Herabgesetzte Stresstoleranz
- Sucht
- Unkontrolliertes Verhalten / teilweise erhöhte Risikobereitschaft
- Qualvolle Unruhe
- Antisoziales Verhalten
- Antriebsschwäche und wenig Energie
- Allgemeine Unzufriedenheit / Enttäuschung
- Gedrückte Stimmung, Niedergeschlagenheit
- Sozialer Rückzug
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Mangelndes Selbstbewusstsein
- Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme
- Schlafstörungen /Müdigkeit
- Herzklopfen, Kurzatmigkeit und Schwindelgefühle
- Gedanken kreisen um den Tod
Kann eine Depression zu Erektionsstörungen führen?
Ja. Erektionsstörungen sind ein häufiges Symptom einer Depression bei Männern. Die Erkrankung beeinflusst sowohl die Libido als auch die körperliche Erregung. Viele Männer bemerken zuerst die Erektionsprobleme – und erkennen erst später, dass eine Depression dahintersteckt.
Der Zusammenhang wirkt in beide Richtungen: Eine Depression kann Erektionsstörungen verursachen, und Erektionsprobleme können eine Depression verstärken oder auslösen. Auch Antidepressiva können als Nebenwirkung die sexuelle Funktion beeinträchtigen. Wenn Erektionsprobleme unter der Behandlung auftreten, sollte das mit dem Arzt besprochen werden.
Was ist eine Altersdepression?
Bei depressiven Patienten ab 65 Jahren spricht man von einer Altersdepression. Bei älteren Betroffenen überwiegen oft unspezifische Symptome wie Kopf- und Rückenschmerzen, Schwindelanfälle oder Magen-Darm-Beschwerden, die für die Krankheit eigentlich typische Stimmungsveränderung erfolgt meist schleichend und nicht so dominant. Etwa 20 Prozent der Senioren leiden an einer Altersdepression. Im Bereich der Bewohner von Senioren- oder Pflegeheimen steigt der Anteil auf 30 bis 40 Prozent. Bei Menschen, die bereits in jüngeren Jahren erkrankt sind, besteht die Depression häufig im höheren Lebensalter fort. Damit ist die Altersdepression neben der Demenz die häufigste psychische Erkrankung im Alter.
Ursachen
Was sind Ursachen einer Depression bei Männern?
Die Ursachen der Depression sind bislang noch unerforscht. Einig ist man sich in der Wissenschaft darüber, dass zumeist mehrere Faktoren zusammenkommen, um eine Depression entstehen zu lassen. Unterschieden wird zwischen genetischen Faktoren, die eine Depression begünstigen können, und psychischen Faktoren. Das können Gewalt- und Missbrauchserfahrungen, Misserfolge oder auch Schuldgefühle sein. Mögliche Ursachen:
- Genetische Veranlagung
- Traumatische Erlebnisse wie Gewalt oder Missbrauch
- Anhaltender Stress
- Schwere Verluste oder Misserfolge
- Körperliche Erkrankungen
- Hormonelle Veränderungen, zum Beispiel Testosteronmangel
- Einsamkeit und soziale Isolation
Bei Männern spielt oft auch der Umgang mit Belastungen eine Rolle. Wer Probleme verdrängt statt sie zu verarbeiten, erhöht das Risiko für eine Depression.
Diagnose
Muss man mit einer Depression zum Arzt?
Wenn depressive Symptome länger als zwei Wochen anhalten und den Alltag beeinträchtigen, ist ein Arztbesuch sinnvoll. Das gilt besonders bei Gedanken an Suizid – dann sollte sofort Hilfe gesucht werden.
Eine richtige und qualifizierte Diagnose kann nur ein versierter Arzt oder Psychotherapeut stellen. Im Internet gibt es Selbsttests zur Eigenkontrolle, jedoch können diese Tests höchstens Anhaltspunkte liefern, aber keinesfalls die ärztliche Diagnose ersetzen. Wichtig ist vor allem, dass physische Ursachen für die auftretenden Symptome oder Verhaltensweisen ausgeschlossen werden. Hier bieten sich körperliche Untersuchungen an, beispielsweise eine Blutanalyse oder eine Computeruntersuchung des Gehirns.
Behandlung
Wie wird eine Depression behandelt?
Zu den wichtigsten Bausteinen der Behandlung gehört neben der medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva die Psychotherapie. Zu den psychotherapeutische Verfahren zählt zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie. Beide Therapieformen werden meistens miteinander kombiniert. Hilfreich können auch andere therapeutische Angebote sein, sofern sie zur Verbesserung der Symptomatik, der Alltagsbewältigung und der Lebensqualität beitragen.
Um besser mit der belastenden Situation umzugehen, kann ein gut strukturierter Wochenplan hilfreich sein. Wichtig ist auch ein regelmäßiger Schlaf-Wachrhythmus mit Bettzeiten zwischen acht und neun Stunden. Längere Bettzeiten und ausgedehnte Schläfchen am Tag können bei vielen depressiv Erkrankten zu einer Verschlechterung der Depression und zunehmenden Schlafstörungen führen. Das zeigen aktuelle Studien.
Kann Testosteron in der Behandlung eingesetzt werden?
Mit zunehmendem Alter haben viele Männer ein Testosteron-Defizit. Und wissenschaftliche Daten zeigen, dass Männer mit einem Testosteronmangel häufiger depressive Symptome haben. Wenn diese sehr gut eingestellt werden, lassen sich die Symptome häufig wirksam reduzieren. Mittlerweile vermutet man, dass durch die Gabe von Testosteron vermehrt Serotonin ausgeschüttet wird. Das ist eine Substanz, die antidepressiv wirken kann. Und eine erhöhte Serotoninkonzentration in den Synapsen im Gehirn kann dazu führen, dass depressive Verstimmungen weniger werden und Patienten eine Stimmungsaufhellung sowie einen größeren Antrieb zeigen.
Um die besten Ergebnisse zu erzielen, ist jedoch immer eine individuelle Therapie erforderlich. Denn die antidepressive Wirkung des Testosterons hängt immer auch von Dosis ab. Die Erfahrung zeigt, dass Männer häufig zu niedrig dosiert werden. Dies gilt nicht nur für die Behandlung von depressiven Störungen, sondern kommt auch bei einer hormonellen Substitutionstherapie häufiger vor. Umso wichtiger ist es, regelmäßig zu kontrollieren, wie gut die Substitution vom Körper aufgenommen wird und wie schnell sie verstoffwechselt wird.
Für die Testosteronersatztherapie stehen heute verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Testosteron und andere Hormone können durch Injektionen, Kapseln, Depots, Cremes und Gels verabreicht werden. Welche Herangehendweise individuell vorzuziehen ist, lässt sich im Arztgespräch klären.
