Testosteronspiegel auf natürliche Weise steigern
Kurz zusammengefasst
Viele Männer fragen sich, wie sich der Testosteronspiegel auf natürliche Weise erhöhen lässt, ohne eine hormonelle Substitutionstherapie einzusetzen. Medizinisch relevant sind dabei vor allem Lebensstilfaktoren wie körperliche Aktivität, Schlafqualität, Gewichtsreduktion, Stressabbau und eine ausgewogene Ernährung, da sie die körpereigene Testosteronproduktion und den Hormonhaushalt positiv beeinflussen können.
Extern zugefügtes Testosteron führt dazu, dass die natürliche Produktion von Testosteron im Körper stark reduziert oder sogar teilweise komplett inhibiert (gehemmt) wird. Wenn Männer die hormonelle Substitutionstherapie beenden, kann es also mehrere Wochen oder sogar Monate dauern, bis die körpereigene Testosteronproduktion wieder angeregt wird. Im Folgenden geht es um natürliche Maßnahmen und Lebensstilfaktoren, mit denen sich der Testosteronspiegel oft positiv beeinflussen lässt.
Körperliches Training
Welche Trainingsform erhöht den Testosteronspiegel am effektivsten?
Am effektivsten fürs Ankurbeln der Testosteron-Produktion ist ein hochintensives Intervall-Training. Unsere Studien haben gezeigt, dass bereits kurze Trainingseinheiten im Krafttraining an Gewichten oder ein 20- bis 40-minütiges Lauf-Intervalltraining den Stoffwechsel sehr gut anregen. Nach einem solchen intensiven Training konnte eine Testosteronspiegelerhöhung von bis zu 40 Prozent im Blut gemessen werden.
In dem Buch Der beste Sex deines Lebens werden Intervall-Trainings-Einheiten genau beschrieben, die jeder zuhause, etwa im Wohnzimmer, durchführen kann. Diese speziellen Intervall-Trainingseinheiten haben sowohl einen sehr positiven Effekt auf die penile Infrastruktur (Zusammensetzung des Penisgewebes) als auch auf die zuführenden Blutgefäße. Außerdem haben neue Studien gezeigt, dass das Intervall-Training auch einen immens positiven Effekt auf den Testosteronhaushalt hat! In dem Buch wird zum Beispiel erklärt, wie jeder auch als Einsteiger langsam die Zeiten der Intervalle und die Pausen zwischen den Intervallen steigern kann, wie viele Wiederholungen bzw. Sätze durchgeführt werden sollten und wie die optimale Herzfrequenz errechnet wird. Damit ist es möglich, herzfrequenzgesteuert das Beste aus dem individuell angepassten Intervalltraining herauszuholen und auch den Testosteronspiegel entsprechend anzuheben.
Wichtig: Übertreiben Sie es nicht mit dem Training! Wenn Sie lange keinen Sport getrieben haben oder übergewichtig sind, sollten Sie Ihr Sportprogramm langsam steigern und sich vorab ärztlich untersuchen lassen.
Hinweis: Lange Ausdauereinheiten – wie zum Beispiel ein Training für den Ultra-Marathon – führen eher zum gegenläufigen Effekt, also einer Senkung der Testosteronproduktion. Obwohl diese gut trainierten Männer zumeist auch gut ausgebildete Muskeln haben, können sie an einem Testosteronmangel mit den entsprechenden Symptomen leiden.
Bauchumfang
Welche Rolle spielt Bauchfett bei einem niedrigen Testosteronwert?
Männer, die einen Bauchumfang von über 94 cm haben, können durch gezielte Abnahme des sogenannten schlechten Bauchfetts (viszerales Fettgewebe) ihren Testosteronwert erhöhen. Dies liegt daran, dass das viszerale Bauchfett das Hormon Testosteron in das weibliche Hormon Östradiol umwandelt. Hierfür verantwortlich ist das Enzym Aromatase. Doch wie kann man durch natürliche Ernährung die Aktivität dieses Enzyms reduzieren?
Eine Möglichkeit besteht darin, zum Mittagessen zwei Hände voll Brokkoli, Blumenkohl oder Weißkohl zu sich nehmen. Darin enthalten sind sekundäre Pflanzenstoffe wie z.B. Indol-3-Carbinol. Ebenso geeignet sind aber auch anderen Kreuzblütler oder grünes Blattgemüse wie Spinat oder Grünkohl. Mit diesen natürlichen Aromatase-Hemmern ist man auf alle Fälle schon mal auf dem richtigen Weg.
Die meisten Nüsse sind ebenfalls reich an einfachen ungesättigten Fettsäuren. Ideal ist es, etwa 200 Gramm Haselnüsse, Mandeln, Paranüsse, Cashews oder Erdnüsse über den ganzen Tag verteilt zu essen. Wer sich für Nüsse als Snack für zwischendurch entscheidet, sollte zu ungesalzenen Produkten greifen – die Salzzufuhr muss ja nicht unnötig erhöht werden! Einen positiven Effekt haben auch Sonnenblumenkerne oder Sesamkörner: davon jeweils am besten eine Minihandvoll über den Tag verteilt zu sich nehmen.
Je weniger viszerales Fettgewebe vorhanden ist, desto weniger Testosteron wird entsprechend umgewandelt. Wenn der Bauchumfang über 102 cm liegt, lässt sich der Testosteronwert besonders effektiv durch eine Gewichtsabnahme steigern.
Nahrungskarenz
Wie kann eine reduzierte Kalorienzufuhr den Testosteronspiegel natürlich erhöhen?
Abends keine Kohlenhydrate mehr! Durch eine Reduzierung der täglichen Kalorienzufuhr kann der Testosteronspiegel ebenfalls auf natürliche Weise erhöht werden. Wenn ab 18 Uhr keine Kohlenhydrate mehr zu sich genommen werden – also vor allem auf Lebensmittel mit Zucker und Weißmehl verzichtet wird – werden gleich mehrere positive Effekte erreicht. Einerseits erhöht dies den Testosteronwert in den morgendlichen Stunden signifikant. Andererseits sorgt eine reduzierte Kalorienzufuhr dafür, dass vermehrt Wachstumshormone ausgeschüttet werden. Diese sorgen für eine Regeneration der Körperzellen und regen den Muskelaufbau an.
Vitamin D
Kann Vitamin D den Testosteronspiegel erhöhen?
Aktuelle wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass ein zu niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut auch zu einer Reduktion des Testosteronwertes führen kann. Sonnenlicht kann eine Erhöhung des Vitamin D-Spiegels zur Folge haben. Auch die Einnahme von Vitamin D-Tabletten führt in den meisten Fällen zu einer signifikanten Erhöhung des natürlichen Testosterons.
Gesunde Fette
Welche Rolle spielen gesunde Fette für den Testosteronspiegel?
Das Testosteronmolekül besteht biochemisch gesehen aus einer Fett-Formel. Daher ist die Aufnahme von gesunden Fetten, die zum Beispiel in Nüssen oder Avocados enthalten sind, wichtig für Ihren Testosteronhaushalt.
Haferflocken
Wie können Haferflocken den Testosteronspiegel und die Erektion unterstützen?
Jetzt kommen wir zur größten Geheimwaffe: Haferflocken. Es gibt nämlich eine bestimmte Verbindung im Hafer, die sogenannten Avenacoside. Diese treiben das biologisch aktive Testosteron so richtig in die Höhe! Also am besten jeden Morgen, mindestens fünfmal in der Woche, eine kleine Schüssel mit Haferflocken zu sich nehmen. Zusätzlich wird durch das Essen von Haferflocken das für die Erektion notwendige Stickstoffoxid positiv beeinflusst. Dieses ist wichtig, damit die Blutgefäße genügend Blut transportieren können. Noch besser ist es, Nüsse oder Früchte unter die Haferflocken zu mischen – denn doppelt hält besser.
Wichtig sind auch die bereits erwähnten ungesättigten Fettsäuren (die essentiellen). Das sind die, die vom menschlichen Körper nicht synthetisiert werden können. Ungesättigte Fettsäuren finden sich zum Beispiel im Distel- oder Sonnenblumenöl, aber auch im Hanföl, Sojaöl und in geringem Maße auch im Rapsöl.
Auch wenn der Verzehr von Eiern kontrovers diskutiert wird: Eigelb enthält nun einmal eine hohe Menge an gutem Cholesterin, dem HDL. Diese Proteine sind außerdem wichtig, um z.B. die Muskulatur – also auch die Potenzmuskulatur– gut aufzubauen.
Grundsätzlich sollte schließlich auch der Zuckerkonsum reduziert werden. Und nicht zu vergessen: Wichtig ist auch eine ausreichende Einnahme von Vitamin D. Die Bedeutung dieses Vitamins, das beispielsweise in fetten Fischsorten enthalten ist, wird auch durch die neuesten wissenschaftlichen Studien untermauert.
Bitterstoffe
Was macht Bitterstoffe so wertvoll?
Bitteres signalisiert uns, dass etwas potenziell schädlich sein könnte und dieses Empfinden ist genetisch angelegt, rein instinktiv. Dieses Empfinden ist evolutionär bedingt und soll uns vor giftigen Pflanzen schützen. Doch mit der Zeit können wir lernen, Bitterstoffe zu schätzen – ähnlich wie bei Kaffee, der oft erst im Erwachsenenalter beliebt und im Kindesalter gemieden wird. Wer regelmäßig Bitteres in die Ernährung einbaut, unterstützt damit die Gesundheit und den Testosteronspiegel.
Lebensmittel wie Chicorée, Grapefruit oder Rosenkohl enthalten natürliche Bitterstoffe, die als gesundheitsfördernd gelten. Obwohl viele Menschen diesen Geschmack zunächst ablehnen, lohnt sich die Gewöhnung. Bitterstoffe unterstützen die Verdauung, da sie die Produktion von Magensäure und Gallenflüssigkeit anregen, was insbesondere bei der Verdauung fettreicher Speisen hilft. Zusätzlich können Bitterstoffe den Appetit zügeln und die Lust auf Süßes reduzieren. Was einen positiven Effekt auf den Testosteronspiegel im Blut in der Regel hat.
Wer Bitteres in den Speiseplan integrieren möchte, kann dies schrittweise tun. Ein Beispiel für den Einstieg: ein Salat aus Feldsalat und Radicchio kombiniert mit Granatapfelkernen und einem mild-süßen Dressing.
In manchen Fällen ist Vorsicht geboten. Wenn Zucchini, Gurken oder Kürbisse bitter schmecken, kann dies auf ungewollte Pflanzenstoffe hindeuten – das Gemüse sollte in diesem Fall nicht verzehrt werden. Auch bei Grapefruits ist Vorsicht geboten, da diese die Wirkung bestimmter Medikamente beeinflussen können. Dies gilt insbesondere für Cholesterinsenker und bestimmte Herzmedikamente. Aber auch bei Potenzmedikamenten, wie den PDE-5-Hemmern gilt dies.
Obwohl es auch Nahrungsergänzungsmittel mit Bitterstoffen wie Artischockenextrakt gibt, raten wir eher zum Verzehr frischer Lebensmittel. Dass Gemüse in der Regel ist nicht nur kostengünstiger, sondern auch reichhaltiger an wertvollen Inhaltsstoffen - meistens.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Bitterstoffe sind eine wertvolle Ergänzung für eine ausgewogene Ernährung – in Maßen genossen und mit Bedacht eingesetzt, können sie einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und damit auf die natürliche Regulierung des Testosteronspiegels haben.
Stress reduzieren
Wie kann Stressabbau den Testosteronspiegel beeinflussen?
Unter Stress wird das sogenannte Stresshormon Cortisol verstärkt ausgeschüttet. Cortisol sorgt dafür, dass kurzfristig mehr Energie zur Verfügung steht. Es ist allerdings auch eine Art Gegenspieler für Testosteron und gleichzeitig schlecht für die Immunabwehr. Durch Abbau von Stress erhöhen sich die Testosteronwerte meist innerhalb kurzer Zeit.
Guter Schlaf
Welche Rolle spielt Schlaf für den Testosteronspiegel?
Ein guter und ausreichender Schlaf ist ebenfalls wichtig für den Testosteronhaushalt. Bei Schlafmangel kommt es selbst bei gesunden jungen Männern zum signifikanten Abfall des Testosteronwertes. Beim frühen Aufstehen am Morgen ist der Testosteronwert am höchsten.
Nicht ausreichender Schlaf bzw. schlechtes Schlafen führt nicht nur zu einem Absenken des Testosteronspiegels (Leproult R et al.), sondern hat auch weitere negative Effekte auf die Gesundheit. Das wichtige Hormon LH wird während des Schlafens erst ausgeschüttet, wenn man mindestens drei Stunden gut und tief schläft (natürlich sind sechs bis acht Stunden Schlaf noch besser). Schlafdefizit kann zu folgenden weiteren Symptomen führen (Joo Ey et all Tae won Kim J-HJ et al.):
- Erhöhung von Cortisol (wachsender Appetit ist die Folge)
- Erhöhung von Ghrelin (führt ebenfalls zu großem Appetit)
- Reduziertes Leptin (Leptin führt dazu, dass der Appetit gezügelt wird. Hat man also nicht genügend Leptin im Blut, steigt der Appetit)
- Erniedrigung der Insulinsekretion (der Blutzuckerlevel im Blut steigt, langfristig kommt es zu einer Erhöhung der Insulinresistenz)
- Vermehrte Ausschüttung der Schilddrüsenhormone (der Grundumsatz, die metabolische Rate, wird dadurch reduziert, ebenso die Eiweißsynthese. Die Folge: Muskulatur kann schlecht aufgebaut werden)
- Wachstumshormone werden gesenkt (das beeinträchtigt die Reparatur von Gewebe und Knochen, auch die metabolische Rate ist reduziert)
- Der Aldosteron-Wert sinkt (das bedeutet weniger Energie / einen hohen Kaliumlevel im Blut)
- Erhöhung von Epinephrin (Adrenalin) und Norepinephrin/ Noradrenalin (der Blutzuckerspiegel erhöht sich, Ängstlichkeit nimmt zu)
Hinweis: Ursächlich für ein Schlafdefizit kann auch eine Schlafapnoe sein. Diese sollte im Rahmen der Diagnose unbedingt ausgeschlossen werden.
Körperhaltung
Hat die Körperhaltung Einfluss auf den Testosteronspiegel und das Wohlbefinden?
Was machen Sie eigentlich gerade mit Ihrem Körper? Wie viele von Ihnen haben gerade die Arme vor dem Oberkörper verschränkt? Wie viele von Ihnen haben Ihre Beine oder sogar Fußgelenke über Kreuz? Wer von Ihnen sitzt in sich zusammengesunken im Stuhl? Macht sich kleiner als er eigentlich ist? Oder sitzen Sie breitbeinig, wie jemand, der etwas zu sagen hat, groß, aufrecht, vielleicht zurückgelehnt auf Ihrem Stuhl und haben sogar Ihre Hände hinter Ihrem Kopf verschränkt?
Was viele Menschen nicht wahr haben wollen: Die Körperhaltung hat einen gewaltigen Einfluss auf das Wohlbefinden und darauf, wie jemand wahrgenommen wird. Hinzu kommt, dass die Körperhaltung auch Auswirkungen auf den biologisch aktiven Testosteronwert hat.
Wir haben eine Studie durchgeführt: 31 Männer wurden in einen Raum geführt, und die Testosteron- und Cortisolspiegel wurden bestimmt. Zwei Hormone, die unterschiedlicher kaum sein können. Erstens: Testosteron, das Königshormon des Mannes, das ihn antreibt, im Bett, im Leben, im Selbstwert. Zweitens: Cortisol, das viel über den Stress verrät und müde, kränklich und abgeschlagen macht.
Unsere Studienteilnehmer haben im Anschluss zwei verschiedene Posen eingenommen:
- Mit verschränkten Armen hinterm Kopf und ganz dreist die Füße auf dem Tisch.
- Zusammengesunken wie ein Häufchen Elend, die Schultern nach vorne gezogen.
Was glauben Sie? Wie sah es mit dem Testosteron aus?
Bei der ersten Pose – der mit den verschränkten Armen hinterm Kopf – stieg das Testosteron in nur drei Minuten im Durchschnitt um mehr als das Doppelte an; gleichzeitig reduzierte sich das Cortisol. Bei der zweiten Pose - zusammengesunken wie ein Häufchen Elend – passierte alles genau umgekehrt. Das Stresshormon Cortisol stieg stark an.
Jetzt mal ehrlich: Kennen Sie ein Medikament, das innerhalb von wenigen Minuten einen so starken Einfluss auf Ihren Körper hat? Ein Medikament, das dazu führt, dass Sie sich besser, stärker, energiegeladener fühlen? Es ist aber tatsächlich so einfach: Ihre Haltung hat Einfluss auf Ihre Hormone - und auch darauf, wie Sie sich fühlen.
Warum sollten Sie das Posen lernen?
Was machen Sportler, wenn Sie gewonnen haben? Sie reißen die Arme in die Höhe, machen sich groß, schreien vielleicht sogar vor Glück. Es ist wie im Tierreich. Wer Angst hat, rennt ums Überleben. Wer stark ist, zeigt das auch gern. Bei den Primaten haben die Alphatiere hohe Testosteronspiegel und niedrige Cortisolspiegel. Primaten-Forscher haben herausgefunden, dass die Alphatiere die höchsten Testosteronspiegel und die niedrigsten Cortisolspiegel haben. Sinkt der Testosteronspiegel des Alphatiers, verliert dieses häufig die Alphaposition. Je tiefer ein Tier in der Hierarchie angesiedelt ist, desto höher ist sein Cortisolspiegel.
Ja, diese Beobachtung aus dem Tierreich können wir uns zunutze machen: Nehmen Sie regelmäßig die Haltung des Siegers ein, und lernen Sie das Posen! Wie genau Sie ihre mentale Stärke verbessern können, erfahren Sie im Buch "Der beste Sex deines Lebens".
Übrigens: Gewisse Chemikalien können ebenfalls zu einer Senkung des Testosteronspiegels führen.
Vorsicht vor Weichmachern
Können Weichmacher und BPA den Testosteronspiegel senken?
Produkte, die Phthalsäureester/Phthalate enthalten, senken den Testosteronspiegel sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Phthalate sind die sogenannten „Weichmacher“, die zum Weichmachen von Plastikprodukten verwendet werden. Verwendung finden Phthalate zum Beispiel in Duschvorhängen, in Verpackungen für Nahrungsprodukte, in Spielzeug, Kunststoff-Flaschen und manchmal auch in Shampoos und Seifen.
Auch Bisphenol-A (BPA) führt zu einer Verringerung des Testosteronspiegels. BPA ist der Ausgangsstoff bei der Synthese polymerer Kunststoffe. Beschichtungen von Konservendosen, Lacke, Farben und Klebstoffe können BPA enthalten. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Arbeiter, die regelmäßig mit diesem Stoff in Kontakt waren, niedrige Testosteronwerte aufweisen. Dies führten bei den untersuchten Personen mehrheitlich zu Erektionsstörungen, weniger Lust auf Sex, Abgeschlagenheit und Müdigkeit.
Häufige Fragen
Wie stark kann man den Testosteronspiegel ohne Hormontherapie natürlich erhöhen?
Durch gezielte Lebensstilveränderungen lässt sich der Testosteronspiegel auf natürliche Weise erhöhen – allerdings nur in einem begrenzten Umfang. Unsere Studien haben gezeigt, dass durch entsprechende Maßnahmen eine Steigerung des Testosteronspiegels um bis zu 23 Prozent möglich ist. Diese Daten haben wir erstmals 2003 auf einem Symposium beim Deutschen Urologenkongress vorgestellt.
Was bedeutet das konkret? Liegt der Gesamt-Testosteronwert beispielsweise bei 3,1 ng/ml, könnte er bei einer Steigerung um 23 Prozent auf etwa 3,8 ng/ml ansteigen. In einem solchen Fall können natürliche Maßnahmen zur Testosteronsteigerung durchaus einen relevanten Unterschied machen.
Anders sieht es bei einem ausgeprägten Testosteronmangel aus: Liegt der Ausgangswert beispielsweise bei nur 1,9 ng/ml, wäre selbst bei einer Steigerung um 23 Prozent lediglich ein Wert von etwa 2,3 ng/ml erreichbar. Bei gleichzeitig bestehenden typischen Symptomen eines Testosteronmangels reicht eine alleinige Lebensstilveränderung dann häufig nicht aus.
Wie sinnvoll eine natürliche Testosteronsteigerung ist, hängt deshalb entscheidend vom Ausgangswert, den bestehenden Beschwerden und der individuell erforderlichen Steigerung ab. Wenn sich durch Lebensstilmaßnahmen kein ausreichender Testosteronspiegel erreichen lässt und ein behandlungsbedürftiger Testosteronmangel vorliegt, kann eine ärztlich überwachte Testosteronersatztherapie (Testosteronsubstitution) erforderlich sein. Grundsätzlich gilt daher: Je geringer der Testosteronmangel ausgeprägt ist, desto eher besteht die Möglichkeit, den Testosteronspiegel durch gezielte Lebensstilveränderungen ausreichend zu verbessern. Bei einem ausgeprägten Testosteronmangel sind die natürlichen Möglichkeiten dagegen begrenzt.
Wie lässt sich der Testosteronwert am besten bestimmen?
Grundsätzlich unterscheidet man den Gesamt-Testosteronwert und das biologisch aktive Testosteron. Doch welcher Wert ist nun entscheidend dafür, wie man sich fühlt, damit beispielsweise das Gehirn oder die Muskulatur am effektivsten versorgt werden?
Der Gesamt-Testosteronwert gibt nur an, wie viele Testosteronmoleküle sich im Blut befinden. Das sagt noch nichts darüber aus, ob diese Moleküle sich an die entsprechenden Rezeptoren „andocken" und dementsprechende Informationen an die Zellen weitergeben. Diese Zellen können zum Beispiel im Kopf oder auch in der Muskulatur liegen. Die Testosteronmoleküle im Blut können beispielsweise durch zwei Eiweiße, die auch im Blut vorkommen, „geblockt" werden – dementsprechend können dann diese Testosteronmoleküle nicht ihre Aktivität an den Rezeptoren erfüllen.
Daher ist es so wichtig, das biologisch aktive Testosteron zu messen. Um es genau zu nehmen, wird dieses anhand von drei unterschiedlichen Blutparametern errechnet. Es gibt auf der Welt noch keine genauen Laborkits, mit denen sich dieser Wert genau bestimmen lässt.
Die größte Sicherheit bekommt man, indem man die drei Laborparameter (Gesamt-Testosteron, Albumin als schwacher Testosteronbinder und SHBG als starker SHBG-Binder) am selben Tag im Blut bestimmen lässt. Anhand dieser drei gewonnen Parameter kann dann das biologisch aktive Testosteron errechnet werden. Dieser Wert sollte nach den internationalen Bestimmungen mindestens bei 0,074 µg/l liegen. Alle Werte unterhalb dieses Bereiches liegen unterhalb der internationalen Normwertgrenze und sind bei entsprechenden Symptomen therapiebedürftig.
Wann ist eine Testosteronersatztherapie sinnvoll?
Eine Testosteronersatztherapie kommt häufig bei Männern zum Einsatz, deren Körper nicht mehr in der Lage ist, ausreichend eigenes Testosteron zu produzieren. Dieser Zustand und einhergehende definierte Symptome werden in der Medizin als Hypogonadismus bezeichnet.
Man unterscheidet dabei Ursachen, die vom Gehirn gesteuert sind (bspw. Störungen von Drüsen im Gehirn, die für die Testosteronproduktion im Hoden zuständig sind) und Störungen in der Hodenfunktion. Diese führen dazu, dass der Mann nicht mehr in der Lage ist, genügend eigenes Testosteron zu produzieren. Je nach Studie nimmt die Testosteronproduktion ab dem 30., spätestens ab dem 40. Lebensjahr, ab. Der Verlust an Testosteron kann dazu führen, dass die betroffenen Männer über Müdigkeit, Abgeschlagenheit und/oder sexuelle Probleme klagen. Wenn der Testosteronwert durch eine Therapie angehoben wird, kommt es häufig nach Wochen bzw. Monaten zu einer signifikanten Verbesserung der Symptome.
Doch während einer Testosteronersatztherapie gibt es mitunter auch Nebenwirkungen. Bei der Verwendung von Testosterongel können beispielsweise Hautirritationen auftreten. Denn das Gel enthält Reduktionsverstärker, die dafür sorgen, dass das Testosteron über die Haut aufgenommen wird.
Außerdem kann es bei einer Testosteronersatztherapie zu einem vermehrten Haarwachstum am Körper, zu einer Veränderung der Anzahl der roten Blutkörperchen oder zu einer Gewichtszunahme kommen. In seltenen Fällen haben Männer eine sogenannte Gynäkomastie, das ist eine Veränderung in der Brustregion. Oder die behandelte Person verspürt eine Hypersensibilität bzw. ein Unwohlsein in der Mamillen-Region, also im Bereich der Brustwarzen. Gar nicht mal so selten sind außerdem Veränderungen der Haut, teilweise tritt sogar Akne auf.
Welche Faktoren können den Testosteronspiegel senken?
Insgesamt können für einen niedrigen Testosteronspiegel viele Faktoren ausschlaggebend sein. Eine wichtige Information vorab: Anabolische androgene Steroide (AAS) können kurzfristig eine Störung hervorrufen. Bei einigen Männern bleibt die Störung trotz des Absetzens von AAS weiterhin bestehen. Manchmal ein Leben lang! (Boregowda K et al, kanayama G et al.)
Es gibt aber auch natürliche Indikationen oder Substanzen, die sich negativ auf die Testosteronproduktion auswirken können. Teilweise ist es gar nicht mal so schwer, diese aus der Welt zu schaffen bzw. zu verändern oder zu vermeiden – und damit bereits zu einer Verbesserung des Testosteronspiegels beizutragen.
Negativ auf den Testosteronspiegel wirkt sich aus:
- nicht ausreichender Schlaf: Bei Schlafmangel kommt es selbst bei gesunden jungen Männern zum signifikanten Abfall des Testosteronwertes. Beim frühen Aufstehen am Morgen ist der Testosteronwert am höchsten.
- Mangelernährung: Wenn wir zu wenig Nahrung aufnehmen, nehmen wir meistens auch zu wenig Vitamine und Mineralstoffe auf. Folglich fehlt es an wichtigen Substanzen für die körpereigene Testosteronproduktion.
- exzessive Gewichtszuname: Zu viel Körperfett führt das in der Regel dazu, dass der natürliche Testosteronlevel gesenkt und außerdem Testosteron in Östradiol konvertiert wird. Daraus resultiert vielfach eine Verweiblichung im Erscheinungsbild.
- starkes Untergewicht: Starkes Untergewicht, zum Beispiel in Folge einer Malnutrition (Mangelernährung), geht ebenfalls meistens mit einem sinkenden Testosteronspiegel einher. Selbst wenn man wieder an Gewicht zunimmt, kann der niedrige Testosteronspiegel für einen langen Zeitraum bestehen bleiben (Misra M et al.).
- überwiegend sitzende Tätigkeit: Körperliche Aktivität fördert einen normalen Testosteronlevel. Daher ist es wenig verwunderlich, dass überwiegend sitzende Tätigkeit oft mit einer Senkung des Testosteronspiegels einhergeht (Priskorn l et al.).
- chronisch hoher Stress: Über einen längeren Zeitraum führt Stress dazu, dass der Testosteronlevel gesenkt wird. Es gibt eine umgekehrte Relation zwischen Cortisol und Testosteron.
- Alkoholkonsum: Auch ein hoher Alkoholkonsum hat einen negativen Einfluss auf den Testosteronspiegel. Aber ab und zu ein Gläschen ist sehr wohl erlaubt.
- Metabolisches Syndrom oder Diabetes mellitus Typ 2: Sowohl das metabolische Syndrom als auch Diabetes Typ 2 haben einen erniedrigten Testosteronspiegels zur Folge. Hier gibt es gegenseitige Wechselwirkungen. Männer, die einen niedrigen Testosteronspiegel und Diabetes haben, benötigen viel weniger Antidiabetika, wenn ihr Testosteronspiegel wieder auf ein normales Level angehoben wird. Männer, die erst kürzlich einen Diabetes Typ 2 entwickelt haben, können diesen übrigens leicht wieder umkehren: mit bestimmten, den Lebensstil betreffenden Maßnahmen, aber auch mit normalen Testosteronwerten.
- endokrine Disruptoren: Endokrine Disruptoren, also Umwelthormone, oder hormonaktive Substanzen bzw. Xenohormone haben einen negativen Effekt auf das Hormonsystem. Gesundheitliche Schädigungen sind gar nicht mal so selten. Daher ist es ratsam, diese „Umweltgifte“ – zu denen etwa bestimmte Konservierungsstoffe zählen - unbedingt zu vermeiden!
Wie funktioniert die Testosteron-Produktion?
- Der Hypothalamus im Gehirn, der als oberstes Regulationszentrum für alle vegetativen und endokrinen Vorgängezuständig ist, schüttet sogenannnte Gonadotropin-releasing-Hormone (GnRH) aus. Diese werden über das Blut an die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse)
- Dort stimulieren die GNRH die Synthese und Sekretion von Follikel-stimulierendem Hormon (FSH) und luteinisierendem Hormon (LH).
- LH stimuliert die Leydig-Zellen des Hodens, um Testosteron zu produzieren. FSH stimuliert auch den Hoden, ist aber für die direkte Testosteronproduktion nicht entscheidend.
- Das Fettgewebe und die Leber führen eine Testosteron-Konversierung in Östradiol (das ist ein weibliches Hormon) über das Enzym Aromatase durch.
- Sowohl Testosteron als auch Östradiol haben ein negatives Feedback zum Hypothalamus, aber auch zur Hypophyse. Das führt dazu, dass sowohl die GNRH als auch die LH- und FSH- Produktion und Sekretion blockiert wird. Im Schaubild sind die entsprechenden Strukturen aufgeführt.
Sind Testosteron Booster sinnvoll und wie wirksam sind sie wirklich?
Es gibt also sehr viele Möglichkeiten, auf natürliche Weise die Testosteron-Produktion anzukurbeln und somit aktiv etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Doch obwohl in den meisten Fällen bereits mit kleinen Änderungen im Lebensalltag sehr wohl Verbesserungen zu erreichen sind, können sich viele Männer leider nicht dazu aufraffen. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass es vermeintliche Alternativen gibt, die deutlich bequemer sind. Die Rede ist von der Einnahme sogenannter Testosteron-Booster (kurz: T-Booster). Die Werbung suggeriert, dass diese Kapseln wahre Wundermittel sind. Vor allem in den USA gibt es mit ungefähr fünf Millionen von Testosteronmangel betroffenen Männern einen riesigen Markt für T-Booster. Das einfache und noch dazu diskrete Bestellen über Plattformen wie amazon.com beziehungsweise amazon.de tut ein Übriges dazu, dass dieser T-Booster-Markt regelrecht brummt.
Doch Vorsicht ist geboten. Eine Qualitätskontrolle, ob die T-Booster tatsächlich das halten, was deren Hersteller versprechen, gibt es nämlich nicht. Hinzu kommt, dass die meisten Präparate etliche Zusatzstoffe enthalten.
Dazu ein Blick auf die fünf Ergänzungsmittel (Supplemente), die bei Amazon zuletzt am häufigsten gesucht wurden. Dabei handelt es sich um:
- Prime Labs Testosteron Booster
- Dr. Martins Testosteron Booster
- Iron Brothers Testosteron Booster
- Prometheus Wellness Testosteron Booster
- Invictus Labs Testosteron Booster
Bei Untersuchungen wurden in diesen meistverkauften T-Boostern im Durchschnitt 9,8 Zusatzstoffe festgestellt. Insgesamt konnten nicht weniger als 19 verschiedene Zusatzstoffe identifiziert werden. „Geiles Ziegenkraut“? Zweifel sind angebracht
Die staatliche amerikanische Überwachungsbehörde FDA („Food and Drug Administration“) rät zwar grundsätzlich davon ab, den Testosteronspiegel mit Hilfe von T-Boostern anheben zu wollen. Eine offizielle Regulierung gibt es diesbezüglich aber nicht. So greifen speziell in den USA viele Männer weiterhin völlig ungebremst nach den vermeintlichen Powerkapseln. Im Internet wird nach allen möglichen Heilkräutern und Palmextrakten gesucht, die angeblich die Testosteron-Produktion wieder auf Trab bringen. Hersteller setzen dabei auch auf kraftvolle Namen für ihre Produkte und Zutaten. „Geiles Ziegenkraut“ (Horny Goat Weed) ist da nur ein Beispiel von vielen.
Es gibt bislang nur wenige wissenschaftliche Studien zur Wirkung (oder Nicht-Wirkung) von Testosteron-Boostern. Doch bereits diese wenigen Studien deuten darauf hin, dass Zweifel angebracht sind.
Insgesamt liegen bislang knapp 200 Studien vor. Nur jede fünfte wurde an Menschen durchgeführt; in den meisten Studien wurden die Präparate an Tieren getestet, außerdem gab es in-vitro Studien beziehungsweise Fallberichte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in einzelnen Fällen zwar marginale Veränderungen im Testosteronspiegel eingetreten sind. Allerdings muss individuell unterschieden werden: Bei Männern, deren Testosteronspiegel bereits so niedrig war, dass von einer Erkrankung gesprochen werden muss (Hypogonadismus), wurden so gut wie keine Veränderungen festgestellt. In den meisten Studien wurde untersucht, welchen Einfluss die Ergänzungsmittel ganz konkret auf die Libido, auf den Energiehaushalt, auf die Ausdauerfähigkeit oder die Kraft des jeweiligen Mannes haben. Zusätzlich wurde in einigen Studien auch noch nachgefragt, ob durch die Einnahme der T-Booster die Freude am Leben (Glücklichkeitslevel) gesteigert wurde. Weitere Inhalte der Untersuchungen waren zum Beispiel die Erektionsfähigkeit, die Arbeitsperformance, die Qualität des Schlafs und die allgemeine sportliche Leistungsfähigkeit.
Zwar wurde von den Probanden in diesen Studien durchaus eine leichte Verbesserung in den Bereichen Libido, Energie, Kraft und sportliche Leistungsfähigkeit attestiert. Inwieweit diese Probanden auch immer unbeeinflusste Auskünfte gegeben haben, ist natürlich ein anderes Thema. Um hier mehr Licht ins Dunkle zu bringen, wäre es wichtig, dass mehr doppelt blind randomisierte Studien durchgeführt werden. Das bedeutet: Weder die Probanden, noch die betreuenden Ärzte wissen, was bei der Studie eingenommen beziehungsweise verabreicht wird. Bei diesen doppelt blind randomisierten Studien wird jeweils erst danach aufgelöst, wer ein bestimmtes Präparat in welcher Dosis bekommen hat und bei wem es sich vielleicht einfach nur um ein Placebo gehandelt hat.
In einer anderen, recht aktuellen Studie wurden die Einflüsse von B12, B6, Zink, Vitamin B5 und Vitamin B3 näher untersucht. Auch bei diesen Untersuchungen gab es keine signifikanten Verbesserungen bezüglich des Testosteronwertes.
Zusammenfassung
- Natürliches Testosteron kann durch künstliche Hormone gebremst werden, und nach dem Absetzen dauert die Erholung oft Wochen bis Monate.
- Hochintensives Intervalltraining und kurzes Krafttraining können den Testosteronspiegel messbar steigern, während sehr lange Ausdauerbelastung eher senken kann.
- Bauchumfang über 94 cm spricht für viszerales Fett, das Testosteron umwandeln kann, und Abnehmen kann den Testosteronwert deutlich verbessern.
- Weniger Zucker und Weißmehl am Abend, genug Vitamin D, gesunde Fette und Haferflocken können den Testosteronspiegel und die Erektion unterstützen.
- Viele Booster sind kaum kontrolliert, enthalten viele Zusatzstoffe und zeigen in Studien oft nur geringe oder unsichere Effekte.
