Termin vereinbaren über Kontaktformular oder +49 151 42044956 anrufen
Start / Sexualgesundheit / Bessere Erektionen

Erektionsstörungen nach einer Operation

5 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Durch Operationen im Beckenbereich kann es, durch Nerven- oder Gefäßschädigungen, häufig zu Erektionsstörungen kommen.

Überblick

Was ist eine operationsbedingte Erektionsstörung?

Operationen an der Vorsteherdrüse (Prostata), am Darm oder an der Harnblase sowie andere Eingriffe im Beckenbereich können Nerven und Blutgefäße beschädigen, was zu Erektionsstörungen führen kann.

Um zu verstehen, warum das geschieht, ist es wichtig zu wissen, dass eine Erektion kein isolierter Vorgang im Penis ist. Sie entsteht durch ein Zusammenspiel von Gehirn, Rückenmark, Nervenbahnen, Blutgefäßen und dem Schwellkörpergewebe. Wird bei einer Operation im kleinen Becken auch nur ein Teil dieser Strukturen beeinträchtigt, kann die Signalübertragung zwischen Gehirn und Penis gestört sein.

Eine operationsbedingte Erektionsstörung bedeutet daher nicht, dass das sexuelle Verlangen fehlt. Viele Männer berichten, dass Lust und sexuelle Gedanken weiterhin vorhanden sind, der Körper jedoch nicht mehr wie gewohnt reagiert. Der Grund liegt meist in einer vorübergehenden oder dauerhaften Schädigung der Nerven oder der Durchblutung.

Welche Operationen verursachen am häufigsten Probleme?

Insbesondere nach Operationen an Prostata, Darm, Harnblase oder im Beckenbereich können diese Nerven geschädigt sein und Erektionsstörungen hervorrufen.

Zu diesen Eingriffen gehören z. B. Enddarm-Operationen oder radikale Prostatektomien (auch als retropubische radikale Prostatovesikulektomie bekannt). Dies ist der operative Standard-Eingriff zur Entfernung eines bösartigen Prostata-Tumors.

Die Prostata liegt anatomisch sehr nah an den Nerven, die für die Erektionsfähigkeit verantwortlich sind. Diese sogenannten neurovaskulären Bündel verlaufen rechts und links direkt an der Prostata entlang. Sie enthalten die Nervenfasern, die die Signale vom Gehirn zum Penis weiterleiten, sowie kleine Blutgefäße, die den Schwellkörper versorgen.

Bei einer Krebsoperation muss das Tumorgewebe vollständig entfernt werden. Dabei arbeiten Chirurgen in einem Bereich, in dem sich wichtige Nervenstrukturen auf engstem Raum befinden. Heutzutage achten sehr erfahrene und geschickte Operateure bei solchen Eingriffen im Beckenraum des Mannes darauf, dass die Nervenschädigungen so gering wie möglich ausfallen. Moderne, nervenschonende Operationstechniken können das Risiko reduzieren. Dennoch lassen sich Reizungen oder vorübergehende Funktionsstörungen nicht immer vollständig vermeiden.

Die 7-Punkte-ChecklisteMehr Lust, mehr Power, bessere Werte: So optimierst du Libido, Testosteron und Spermienqualität Schritt für Schritt.

Ursachen

Welche Rolle spielen die Nerven bei der Erektion?

Eine Erektion wird in der Regel im Kopf des Mannes ausgelöst. Es erfolgen Stimuli (das sind Reize), diese können optischer Art sein oder auch durch Fantasien, Gerüche oder andere „Reize“ ausgelöst werden. Vom Kopf werden die Nervenimpulse über das Rückenmark an die Nerven des hinteren Bauchraums geführt.

Im Gehirn werden sexuelle Reize verarbeitet und in elektrische Signale umgewandelt. Diese Signale gelangen über das Rückenmark in das kleine Becken. Dort erreichen sie die Erektionsnerven, die direkt in den Penis ziehen.

Die für die Erektionsfähigkeit besonders wichtigen Nerven führen direkt in den Penis. Die Nervenimpulse, die am Penis ankommen, lösen bei gesunden Männern eine Erektion aus.

Im Penis setzen diese Nerven einen Botenstoff frei, der dafür sorgt, dass sich die Muskulatur in den Schwellkörpern entspannt. Dadurch erweitern sich die Blutgefäße, mehr Blut strömt ein und der Penis wird steif. Gleichzeitig wird der Blutabfluss gedrosselt, sodass die Erektion stabil bleibt.

Zwei wichtige Nerven, die dafür zuständig sind, dass die sexuellen Impulse vom Kopf zum Penis fließen, laufen rechts und links im kleinen Becken neben der Prostata (männliche Vorsteherdrüse). Bei allen operativen Eingriffen, wo das Becken des Mannes mitbetroffen ist, besteht die Gefahr, dass diese Nerven verletzt werden. Dies kann anschließend zu einer schlechteren Erektionsfähigkeit führen bzw. zur kompletten Impotenz.

Sind diese Nerven gereizt, gedehnt oder beschädigt, kommt das Signal nicht mehr ausreichend im Penis an. Dann wird weniger von dem notwendigen Botenstoff freigesetzt, die Gefäße erweitern sich nicht genügend und es fließt nicht genug Blut in die Schwellkörper. Das Ergebnis ist eine schwache Erektion oder das vollständige Ausbleiben der Erektion.

Behandlung

Wie lange dauert die Nervenregeneration typischerweise?

Nur in wenigen Fällen stellt sich die volle Erektionsfähigkeit auch ohne zusätzliches Training nach der Operation wieder ein. Mithilfe einer individuellen Therapie besteht jedoch eine gute Chance, entstandene Erektionsprobleme wieder zu beheben.

Nervengewebe regeneriert nur sehr langsam. Selbst wenn die Nerven nicht vollständig durchtrennt wurden, kann ihre Funktion durch Schwellungen oder operative Belastung vorübergehend eingeschränkt sein. Die Erholung kann mehrere Monate dauern und ist von verschiedenen Faktoren abhängig, etwa vom Alter des Patienten, der Ausgangssituation vor der Operation und davon, ob die Nerven ein- oder beidseitig geschont werden konnten.

Daher ist es sinnvoll für die Betroffenen, dass sie sich nach den oben genannten Operationen an einen Spezialisten für rehabilitatives Schwellkörpertraining wenden. Dieses spezielle Training ermöglicht eine Wiederherstellung der Erektionsfähigkeit.

Bleiben Erektionen über längere Zeit aus, wird das Schwellkörpergewebe schlechter mit Sauerstoff versorgt. Sauerstoff ist jedoch notwendig, um die Elastizität und Funktionsfähigkeit des Gewebes zu erhalten. Ohne ausreichende Durchblutung kann es zu strukturellen Veränderungen kommen, die die spätere Erektionsfähigkeit zusätzlich erschweren.

Bei dem rehabilitativen Schwellkörpertraining kommen sowohl spezielle körperliche Übungen, medikamentöse Therapien in den verschiedensten Arten, als auch apparative Maßnahmen zum Tragen. Dabei wird immer individuell auf den Patienten eingegangen. Je nachdem, wie die Operation verlaufen ist, erfolgen dann die Kombinationen aus den verschiedensten Maßnahmen. Auch hier gilt: Vor der Therapie steht die ausführliche Diagnose!

Eine operationsbedingte Erektionsstörung ist daher keine seltene, aber in vielen Fällen behandelbare Folge eines notwendigen chirurgischen Eingriffs. Eine frühzeitige Abklärung und eine gezielte Therapie verbessern die Chancen deutlich, die Erektionsfähigkeit wiederzuerlangen oder zu stabilisieren.

Lesen Sie auch

Empfohlen