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Operation bei gutartiger Prostatavergrößerung

9 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Eine gutartige Prostatavergrößerung (BPH) verursacht häufig störende Symptome beim Wasserlassen (BPS) wie einen schwachen Harnstrahl oder häufiges Urinieren. Sie ist kein Prostatakrebs, sollte aber behandelt werden. Im Anfangsstadium ist eine medikamentöse Therapie möglich. Bei fortgeschrittener Vergrößerung stehen verschiedene operative und minimal-invasive Verfahren zur Verfügung – je nach Größe der Prostata. Die Potenz bleibt bei den meisten Eingriffen erhalten. Allerdings kann es zu einem trockenen Orgasmus (retrograde Ejakulation) kommen, was häufig Unfruchtbarkeit zur Folge hat.

Überblick

Welches Verfahren ist für mich am besten geeignet?

Befindet sich die BPH noch im Anfangsstadium, ist sogar eine medikamentöse Therapie möglich. Grundsätzlich hängt die Wahl der Operationstechnik vor allem davon ab, welchen Umfang die gutartige Prostatavergrößerung bereits erreicht hat. Denn daraus ergibt sich die Menge an erkranktem Gewebe, die bei dem Eingriff entfernt werden muss.

Das Prostatavolumen ist jedoch nicht der einzige Entscheidungsfaktor. Auch Begleiterkrankungen, Blutgerinnungsprobleme, der Wunsch nach Erhalt der Fruchtbarkeit sowie die Erfahrung des Operateurs spielen eine wichtige Rolle. Ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt ist deshalb in jedem Fall notwendig.

Standardverfahren

Was ist eine TURP und wie läuft sie ab?

Eine gutartige Vergrößerung der Prostata ist der häufigste Grund für eine TURP (Transurethrale Prostataresektion).Bei der transurethralen Prostataresektion muss dem Patienten noch nicht einmal eine kleine Narbe zugefügt werden, denn der Eingriff erfolgt endoskopisch durch die Harnröhre.

Dieses Verfahren ist der Standardeingriff bei der Prostatavergrößerung, zu dem sehr gute Langzeitergebnisse vorliegen. Ein Bauchschnitt ist in diesem Fall nicht notwendig. Die vergrößerten Prostataanteile werden durch die Harnröhre ausgeschält. Die TURP ist deshalb umgangssprachlich auch unter dem Begriff „Hobelung“ bekannt. Dies geschieht mittels eines Endoskops mit einer elektrischen Schlinge, wobei das Prostatagewebe durch die Harnröhre in einzelnen Spänen Stück für Stück entfernt wird. Es wird jedoch nicht die gesamte Prostata entfernt. Für eine transurethrale Resektion sollte das Gewicht der Prostata nicht mehr als 80 Gramm betragen. Der Eingriff erfolgt in Allgemeinnarkose oder Rückenmarksnarkose. Nach dem Eingriff trägt der Patient für einige Tage ein Katheter zur Spülung der Blase.

 

Schutz vor dem TUR-Syndrom

Es gibt inzwischen auch die Möglichkeit, bei TURP bipolaren Strom einzusetzen. Entscheidender Vorteil gegenüber dem Eingriff mit monopolarem Strom ist, dass auf diese Weise das sogenannte TUR-Syndrom verhindert werden kann. Dazu muss man wissen, dass während einer transurethralen Prostataresektion auch regelmäßig eine Spülflüssigkeit durch das Resektoskop fließen muss, damit der Operateur zu jeder Zeit eine gute Sicht auf die Prostata hat. Wenn diese Spülflüssigkeit über geöffnete Gefäße oder Wunden in die Blutbahn gelangt, führt dies möglicherweise zu Veränderungen im Elektrolythaushalt. Dies kann vor allem für das Herz-Kreislauf-System negative Folgen haben – diese machen sich beispielsweise durch Übelkeit und Kopfschmerzen bemerkbar und werden als TUR-Syndrom bezeichnet. Bei der Verwendung von bipolarem Strom kann auf deutlich schonendere Spülmittel zurückgegriffen werden – etwa auf eine isotonische Kochsalzlösung -, so dass keine Belastung fürs Gefäßsystem zu befürchten ist. Was die transurethrale Prostataresektion ebenfalls interessant macht, ist, dass sie mit diversen Lasertechniken kombiniert werden kann.

Was ist eine Transurethrale Inzision der Prostata (TUIP)?

Bei dieser Prozedur, die ebenfalls über die Harnröhre durchgeführt wird, erfolgen kleine Inzisionen (Einschnitte) in der Prostata. Dadurch öffnet sich diese und der Harnfluss wird besser. Die TUIP kann nur bei bestimmten Patienten durchgeführt werden.

Was ist die transurethrale Enukleation (EEP)?

Auf den ersten Blick ist die transurethrale Enukleation der transurethralen Prostataresektion sehr ähnlich. Auch hier erfolgt der Eingriff über die Harnröhre. Das krankhafte Gewebe an der Prostata wird aber nicht mit Hilfe von Strom entfernt und das Abtragen erfolgt auch nicht schichtweise. Stattdessen kommt Lasertechnik zum Einsatz, mit der das krankhafte Gewebe sozusagen als Ganzes herausgelöst und in die Blase befördert wird.

Die transurethrale Enukleation wird vor allem dann angewendet, wenn das zu entfernende Gewebe bereits größere Ausmaße angenommen hat. Bei einem Volumen ab etwa 90 Kubikzentimetern wäre das schichtweise Abtragen mittels TURP zu zeitaufwendig, auch wenn sich dadurch die damit verbundenen Risiken (vor allem für ein TUR-Syndrom) gar nicht unbedingt erhöhen würden.

Offene Operation

Was ist eine Prostata-Adenomektomie und wie läuft sie ab?

Denkbar sind drei verschiedene Vorgehensweisen bei der Prostata-Adenomektomie.

  • Da wäre zunächst die ganz klassische, „offene“ Variante: Hier erfolgt zunächst ein Schnitt zum Öffnen der Bauchdecke. Das krankhafte Gewebe entfernt der Operateur anschließend mit der Hand. Es wird mit dem Finger ausgeschält, wobei auch hier nur die vergrößerten Anteile der Prostata entfernt werden. Je nach Operationsmethode wird u. U. die Blase eröffnet, so dass gleichzeitig Blasensteine beseitigt werden können. Um eine bestmögliche Genesung zu gewährleisten, muss für die Zeit der Ausheilung ein Katheter gelegt werden. Der postoperative Katheter muss etwas länger als bei der transurethralen Resektion liegen bleiben.
  • Die Prostata-Adenomektomie kann aber auch laparoskopisch erfolgen; besser bekannt ist diese Methode unter dem Begriff „Schlüsselloch-Chirurgie“. Um das krankhafte Gewebe an der Prostata zu entfernen, muss kein Schnitt in die Bauchdecke erfolgen, sondern es reicht ein kleines Loch, durch das der Operateur den Eingriff vornimmt.
  • Bei dieser Methode ist auch der Einsatz von Robotern möglich, womit wir bei der dritten Variante wären: der robotischen Prostata-Adenomektomie.

Fazit: Selbst wenn eine offene Operation unumgänglich ist, halten sich dank der medizinischen Möglichkeiten von heute die Risiken sehr in Grenzen – auch dann, wenn das zu entfernende Gewebe bereits recht groß ist.

Alle Verfahren weisen eine niedrige Komplikationsrate auf. Mögliche, aber seltene Hauptkomplikationen der transurethralen Resektion und der Schnittoperation sind ein erhöhter Blutverlust und eine Schädigung des Schließmuskels. Die Operationsdauer liegt im Allgemeinen etwas über einer Stunde. Der Krankenhausaufenthalt beträgt nur wenige Tage. Bei den genannten Prostataoperationen bleibt die Potenz erhalten. Allerdings kommt es meist zu einem sogenannten trockenen Orgasmus, d. h., der Samen fließt in die Blase. Somit ist Unfruchtbarkeit häufig Folge dieser Prostataoperation.

Wichtig zu wissen: Bei allen Prozeduren bekommen die Männer anschließend einen Katheter, meistens für einige Tage. Dadurch wird sichergestellt, dass der Urin von der Blase ungehindert nach außen geführt wird. Der Operateur entscheidet, wann der Katheter entfernt werden kann.

Minimal-invasive Verfahren

Welche minimal-invasiven Verfahren gibt es?

Obwohl es bereits zahlreiche Möglichkeiten gibt, eine gutartige Prostatavergrößerung zu behandeln, kommen immer wieder noch neue Varianten hinzu, die aber zum Teil noch nicht abschließend erforscht sind.

  • Prostatische Urethra Lift (Urolift): Eine prostatische Urethra Lift (Prostatic urethral lift, auch: Urolift) ist eine minimal-invasive Prozedur, die bei einer vergrößerten Prostata Anwendung finden kann. Dabei werden Fäden gelegt, die das Prostatagewebe von der Harnröhre (der Urethra) fernhalten und dementsprechend den Druck reduzieren. Dadurch kann der Urin besser nach außen gelangen. Der Eingriff erfolgt minimalintensiv und wird in der Regel mit einer lokalen oder generalisierten Narkose durchgeführt. Die Fäden müssen später auch nicht mehr entfernt werden, weil sie von Schleimhaut überwachsen werden. Ein weiterer Vorteil von Urolift ist, dass die Fruchtbarkeit des Mannes nicht beeinträchtigt wird. Der Eingriff erfolgt durch die Harnröhre. Normalerweise dauert es um die zwei Wochen, bis der Patient eine Verbesserung bemerkt. Jedoch muss auch an dieser Stelle angefügt werden, dass noch keine Studien über den langfristigen Erfolg dieser Behandlungsmethode vorliegen.
  • iTIND: Sehr vielversprechend sind auch erste Ergebnisse einer Behandlungsvariante, die unter dem Namen iTIND entwickelt wurde. Wichtigstes Hilfsmittel ist hierbei ein Nitinol-Expander, den man sich wie eine kleine Feder vorstellen muss, die aus einer Nickel-Titan-Legierung beschaffen ist. Dieser Nitinol-Expander wird in die Harnröhre eingesetzt und muss dort bis zu 48 Stunden verbleiben. In dieser Zeit bewirkt der Nitinol-Expander ein Verschieben der Prostata-Seitenlappen.
  • Rezum: Wiederum auf die Methode des Verdampfens setzt das noch recht junge Verfahren Rezum. Zum Einsatz kommt hierbei Wasserdampf, der durch die Harnröhre auf die vergrößerte Prostata einwirkt. Durch die entstehende Hitze stirbt das zu entfernende Gewebe ab. Auch hier bleiben sowohl die Fruchtbarkeit als auch die Erektionsfähigkeit des Mannes unberührt.
  • Prostatische arterielle Embolisation (PAE): Eine andere operative Methode, um eine vergrößerte Prostata minimal-invasiv zu therapieren, ist die Prostatische arterielle Embolisation. Dabei werden kleine Verschlüsse in den Arterien gelegt, die die Prostata mit Blut versorgen. Durch die Reduktion des Blutflusses wird das Prostatagewebe kleiner. Man sollte die PAE nur von einem erfahrenen Operateur durchführen lassen. Denn die Verlegung einer zur Prostata führenden Arterie kann zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen führen.
  • Transurethale Mikrowellentherapie (TUMT): Bei dieser Technik verwendet man die Hitze von Mikrowellen, die das prostatische Gewebe teilweise zerstören sollen. Die Mikrowellen werden in der Regel über einen Katheder, der in der Harnröhre liegt, „gesendet“. Zusätzlich gibt es ein Kühlungssystem. Dieses verhindert, dass andere Strukturen im Urogenitaltrakt von der Hitze beschädigt werden.
  • Transurethrale Nadelablation (TUNA): Bei dieser Prozedur wird Hitze in das Prostatagewebe geführt, dabei werden Radiowellen verwendet. Diese werden über Nadeln direkt in das Prostatagewebe eingesetzt. Der Eingriff kann ebenfalls in lokaler Anästhesie durchgeführt werden.
  • Wasserinduzierte Thermotherapie (WIT): Bei dieser Technik führt der Operateur einen speziellen Katheter mit einem Positionierungsballon ein. Dann wird warmes Wasser über den Katheder in den Ballon geführt. Durch die Hitze wird das Prostatagewebe zerstört.
  • Visuelle Laserablation der Prostata (VLAP): Bei dieser Technik wird Laserenergie verwendet, um das Prostatagewebe zu reduzieren.
  • Transurethrale Vaporisation der Prostata (TUVP): Bei diesem Eingriff kommt Laserenergie zum Einsatz, um das Prostatagewebe zu vaporisieren: Das Gewebe „verdampft“. Vor allem für Patienten, die von Problemen bei der Blutgerinnung betroffen sind, stellt die transurethrale Vaporisation eine gute Alternative dar, um krankhaftes Gewebe von der Prostata zu entfernen. Bei der Vaporisation handelt es sich um eine Verdampfung, die entweder mit Hilfe von Lasertechnik oder aber bipolarem Strom erzeugt werden kann. Der Eingriff erfolgt über die Harnröhre. Vorteil dieser Methode ist, dass es praktisch zu keinerlei Blutungen kommt. Ein möglicher Nachteil dieser schonenden Vorgehensweise ist, dass ein etwas höheres Rezidiv-Risiko besteht als nach einem Eingriff mit Strom und/oder Lasertechnik.
  • Stents: Eine weitere minimal-invasive Methode besteht darin, Stents einzusetzen. Diese führen dazu, dass die Harnröhre in der Prostata offengehalten wird.

Sexualfunktion

Können operative Eingriffe die männliche Sexualfunktion beeinträchtigen?

In der Regel sollte es so sein, dass Männer, die vor der Operation gute Erektionen aufbauen konnten, diese auch nach der Operation weiter gut aufbauen können. In manchen Fällen kann es aber zu Komplikationen kommen, weil z. B. das Nervengefäßgeflecht (neurovaskuläre Bündel), das unter anderem für die Erektionsfähigkeit zuständig ist, überhitzt wird. Mit einer speziellen Ultraschalluntersuchung in Kombination mit einer Nervenmessung lässt sich feststellen, was die Ursache für eingetretene Erektionsstörungen ist.

Einige Männer bekommen es nach einer Prostataoperation mit einer retrograden Ejakulation zu tun – im Volksmund auch „trockener Orgasmus" genannt. Konkret bedeutet dies: Wenn der Mann ejakuliert, gelangt das Ejakulat nicht nach vorn über den Penis nach außen, sondern in die Blase. Die Ursache liegt darin, dass viele operative Eingriffe an der Prostata dazu führen, dass das Gewebe nahe dem Blasenhals mitoperiert wird, wodurch während des Orgasmus kein vollständiger Verschluss mehr entsteht. Somit ist Unfruchtbarkeit häufig eine Folge dieser Prostataoperationen.

Bleibt die Fruchtbarkeit erhalten?

Vor allem bei jüngeren Männern spielt der Aspekt der Fruchtbarkeit eine wichtige Rolle bei der Wahl der Behandlungsmethode. Eine Möglichkeit stellt hier die Prostataembolisation (PAE) dar, bei der ein Katheter über die Leistenarterie bis zur Prostataarterie vorgeschoben wird, um die Blutversorgung der Prostata zu unterbrechen und so die Vergrößerung zurückzudrängen. Sowohl bei der PAE als auch beim Rezum-Verfahren und beim Urolift bleiben die Fruchtbarkeit und die Erektionsfähigkeit des Mannes unberührt.

Langfristige Studien zum Rezidiv-Risiko bei einigen der neueren Verfahren liegen noch nicht vollständig vor. Das Rezidiv-Risiko sowie der Erhalt der Fruchtbarkeit sollten daher bei der gemeinsamen Entscheidung mit dem Arzt immer berücksichtigt werden.