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Erektionsstörungen im Alter

8 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 3. Aug. 2026

Kurz zusammengefasst

Erektionsstörungen sind im höheren Alter sehr häufig und betreffen etwa ein Drittel der Männer ab 60 sowie mehr als die Hälfte aller über 70 jährigen. Dabei ist nicht das Alter die Hauptursache sondern die begleitenden gesundheitlichen Veränderungen. Durch diese kommt es zu einer schlechteren Durchblutung des Penis und zu einem Abfall des Testosteronspiegels. Die Therapie richtet sich nach der Ursache und schließt spezielle Trainings, Medikamente wie Viagra® oder Cialis® sowie medizinische Hilfsmittel zur Unterstützung der Erektionsfähigkeit ein.

Sex bedeutet Lebensqualität und Lebensfreude und spielt auch für eine intakte Beziehung eine große Rolle. Auch Sex im Alter spielt heute eine wichtige Rolle.[1][2] Sex im Alter spielt heute eine weit größere Rolle als noch vor einigen Jahrzehnten.

Eine Studie von Prof. Dr. Sommer zeigte u. a., dass für 98 Prozent aller 50- bis 60-jährigen Männer Sexualität sehr wichtig ist oder zumindest die "Würze des Lebens" bedeutet. Bei den 70- bis 80-Jährigen sind noch 70 % dieser Meinung.

Gleichzeitig nimmt mit zunehmendem Alter auch die Häufigkeit von Erektionsproblemen zu. Das Alter allein erklärt Erektionsprobleme jedoch nicht. Eine ärztliche Untersuchung kann helfen, die Ursache zu erkennen und eine passende Behandlung zu finden.

Ist eine Erektionsstörung im Alter normal?

Mit zunehmendem Alter kann es ganz normal sein, dass Erektionen langsamer entstehen, weniger spontan auftreten oder eine stärkere sexuelle Stimulation benötigen. Manche Männer bemerken außerdem, dass der Penis nicht mehr ganz so steif wird wie früher. Auch die Refraktärzeit – also die Zeit bis zur nächsten Erektion – verlängert sich häufig.

Zwar nimmt die Häufigkeit von Erektionsstörungen mit zunehmendem Alter zu, sie sollten jedoch nicht als normale oder unvermeidbare Folge des Älterwerdens angesehen werden. Solche altersbedingten Veränderungen bedeuten nicht automatisch, dass eine Erektionsstörung vorliegt.

Von einer erektilen Dysfunktion spricht man, wenn es über einige Wochen bis zu drei Monate hinweg wiederholt nicht gelingt, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten, die für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreicht. Entscheidend ist dabei nicht das Lebensalter, sondern die Ausprägung der Beschwerden und der Leidensdruck.

Ob altersbedingte Veränderungen oder eine behandlungsbedürftige Erektionsstörung vorliegen, lässt sich nur durch eine sorgfältige Diagnostik sicher beurteilen. Dabei werden unter anderem die Durchblutung, die Nervenfunktion, die Potenzmuskulatur, der Hormonhaushalt sowie mögliche Begleiterkrankungen untersucht.

Wichtig: Viele Männer halten ihre Beschwerden fälschlicherweise für eine normale Alterserscheinung und verzichten deshalb auf eine ärztliche Abklärung. Dabei lassen sich in vielen Fällen behandelbare Ursachen finden. Eine frühzeitige Diagnostik kann dazu beitragen, das Fortschreiten der zugrunde liegenden Erkrankung zu verhindern und die Erektionsfähigkeit langfristig zu erhalten oder zu verbessern.

Wie häufig treten Erektionsstörungen im Alter auf?

Eine deutsche Studie aus Köln zeigt, wie häufig Erektionsstörungen in verschiedenen Altersgruppen auftreten. Untersucht wurden 4.489 Männer zwischen 30 und 80 Jahren. Die Ergebnisse im Überblick:

 

Altersgruppe

Männer mit ED

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30–39 Jahre

2,3 %

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40–49 Jahre

9,5 %

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50–59 Jahre

15,7 %

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60–69 Jahre

34,4 %

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70–80 Jahre

53,4 %

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Eine australische Studie aus 62 allgemeinmedizinischen Praxen zeigt, wie verbreitet Erektionsprobleme in verschiedenen Altersgruppen waren und ob sie gelegentlich, häufig oder ständig auftraten. Untersucht wurden 1.240 Männer zwischen 18 und 91 Jahren. Die Ergebnisse im Überblick:

 

Altersgruppe

Gelegentliche ED

Häufige ED

Ständige ED

Insgesamt

30–39 Jahre

5,9 %

1,7 %

0,8 %

8,4 %

40–49 Jahre

6,5 %

4,5 %

2,0 %

13,1 %

50–59 Jahre

13,5 %

11,2 %

8,4 %

33,5 %

60–69 Jahre

14,0 %

13,7 %

21,2 %

51,5 %

70–79 Jahre

8,0 %

12,6 %

44,9 %

69,2 %

ab 80 Jahren

8,3 %

6,0 %

52,4 %

76,2 %

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Welche Ursachen können hinter Erektionsproblemen im Alter stecken?

Erektionsstörungen im Alter können viele verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen ist nicht nur ein einzelner Faktor verantwortlich, sondern mehrere Ursachen wirken gleichzeitig zusammen. Deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik entscheidend, um die individuell richtige Behandlung zu finden.

Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Durchblutungsstörungen der Schwellkörper, beispielsweise infolge einer Arteriosklerose.
  • Nervenschäden, etwa durch Diabetes mellitus, Operationen oder neurologische Erkrankungen.
  • Veränderungen der Potenzmuskulatur, die für das Halten der Erektion eine wichtige Rolle spielt.
  • Hormonelle Veränderungen, beispielsweise ein Testosteronmangel.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, unter anderem bestimmter Blutdruckmedikamente oder Antidepressiva.
  • Chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Psychische Faktoren wie Stress, Ängste, depressive Verstimmungen oder Partnerschaftsprobleme, die körperliche Ursachen zusätzlich verstärken können.

Entscheidend ist, die genaue Ursache zu kennen. Deshalb reicht es häufig nicht aus, lediglich ein Potenzmittel einzunehmen. Erst wenn festgestellt wurde, ob beispielsweise die Gefäße, die Nerven, die Potenzmuskulatur, der Hormonhaushalt oder mehrere dieser Faktoren betroffen sind, kann eine gezielte und ursachenorientierte Behandlung erfolgen. Ziel ist es, nicht nur die Symptome kurzfristig zu verbessern, sondern das Fortschreiten der zugrunde liegenden Erkrankung zu verhindern und die Erektionsfähigkeit langfristig möglichst zu erhalten oder wieder zu verbessern.

Wie werden Erektionsstörungen im Alter ärztlich abgeklärt?

Eine erfolgreiche Behandlung beginnt immer mit einer gründlichen Diagnostik. Denn nur wenn die genaue Ursache der Erektionsstörung bekannt ist, kann eine individuell abgestimmte und langfristig erfolgreiche Therapie erfolgen. Eine Erektionsstörung kann durch unterschiedliche Faktoren verursacht werden – deshalb reicht eine reine Verordnung von Potenzmitteln häufig nicht aus.

Anamnese

Zu Beginn des Sprechstunden-Besuches erfolgt ein ausführliches Gespräch (Anamnese). Dabei wird zunächst erfasst, welche Begleiterkrankungen oder Risikofaktoren vorliegen, die mit einer Erektionsstörung in Zusammenhang stehen können. Ebenso wird detailliert besprochen, seit wann die Beschwerden bestehen, in welchen Situationen sie auftreten, ob sie dauerhaft oder nur gelegentlich vorhanden sind und welche weiteren Faktoren möglicherweise eine Rolle für die Erektionsprobleme spielen. Im Rahmen der Anamnese können unter anderem folgende Fragen gestellt werden:

  • Seit wann besteht die ED?
  • Wie waren Erektionen in der Jugend?
  • Wie zeigt sich die Veränderung?
  • Ist diese auch beim Solo Sex?
  • Was wurde bisher unternommen?
  • Wie reagieren Sie auf PDE5?
  • Gibt es noch morgendliche Erektionen?
  • Gab es einen zeitlichen Zusammenhang mit einem Trauma oder chronischer Erkrankung oder einer Operation?
  • Liegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder kardiologische Vorfälle vor?
  • Kennt er die Situation von früher?
  • Wie ist die Schlafqualität?
  • Bestehen beruflicher oder privater Stress?
  • Bestehen Partnerschaftskonflikte oder unterschiedliche Vorstellungen von Nähe, Sexualität und Beziehungsform?
  • Kinderwunsch seitens der Frau?
  • Beziehung zum anderen Geschlecht?
  • Gab oder gibt es sexuell übertragbare Erkrankungen?
  • Wie sind die Ernährungsgewohnheiten?
  • Wie viel Bewegung und Sport gehören zum Alltag?
  • Wird Alkohol konsumiert?
  • Wird geraucht?
  • Werden Drogen oder andere Substanzen konsumiert?

Ein offenes und vertrauensvoll geführtes Erstgespräch ist die Grundlage jeder Diagnostik und der anschließenden Behandlung bei Erektionsstörungen. Dafür nehmen wir uns viel Zeit. Diese Anamnese kann alleine oder auf Wunsch mit der Partnerin oder dem Partner erfolgen.

Ergänzend zu einem ausführlichen, individuellen Gespräch kommen international validierte Fragebögen zum Einsatz. Einer der wichtigsten ist der IIEF-Score (International Index of Erectile Function). Dieser Fragebogen evaluiert objektiv den Schweregrad der Erektionsstörung. Zusätzlich kann mit diesen Ausgangswert der Behandlungserfolg objektiv im Verlauf nach vollzogen werden.

Untersuchungen

Im Rahmen der Diagnostik wird unter anderem untersucht, ob die Nerven, die Blutgefäße oder die Potenzmuskulatur normal funktionieren. Dazu können beispielsweise Nervenmessungen (Biothesiometrie), Untersuchungen der Potenzmuskulatur sowie spezielle Ultraschalluntersuchungen der Schwellkörpergefäße (penile Doppler-Duplexsonographie) durchgeführt werden. Dabei lässt sich beurteilen, wie gut das Blut in den Schwellkörper einströmt, wie es sich dort verteilt und ob es ausreichend im Schwellkörper gehalten wird oder vorzeitig wieder abfließt.

Darüber hinaus können – je nach Fragestellung – die Struktur und Zusammensetzung des Schwellkörpergewebes, der Hormonhaushalt sowie mögliche Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht werden.

Das Ziel der Diagnostik ist nicht nur, eine Erektion kurzfristig zu ermöglichen, sondern die eigentliche Ursache der Erektionsstörung zu erkennen und gezielt zu behandeln. Nur so kann das Fortschreiten der zugrunde liegenden Erkrankung möglichst verhindert und eine langfristige Verbesserung der Erektionsfähigkeit erreicht werden. Eine sorgfältige Diagnostik bildet deshalb die Grundlage jeder erfolgreichen Therapie.

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Wie wird eine Erektionsstörung im Alter erfolgreich behandelt?

Das Ziel der meisten betroffenen Männer ist es, spontane Sexualität zu erleben, ohne dass sie sich vorher ausgiebig darauf vorbereiten müssen, wie beispielsweise eine Tabletteneinnahme oder das Aufpumpen des Schwellkörpers unter Verwendung eines Penisringes etc.[3]

Hier kann gerade mit neuen therapeutischen Ansätzen sehr viel erreicht werden. Diese Ansätze verfolgen das Ziel, eine Heilung der Erektionsstörungen zu erzielen. Das individuelle Heilungskonzept kann beispielsweise ein regelmäßiges spezielles Beckenboden-Training beinhalten, um die spezifische Beckenbodenmuskulatur aufzubauen. Zusätzlich - je nach diagnostischen Werten – kann auch die Einnahme spezieller Tabletten zur Nacht sinnvoll sein oder ein gezieltes Vakuumpumpen-Training.[3][4]

Lässt sich eine Erektionsstörung im Alter durch den Lebensstil beeinflussen?

Die altersbedingte Zunahme von Erektionsstörungen bedeutet de facto, dass fast zwei Drittel aller Männer im Laufe ihres Lebens mit Erektionsstörungen konfrontiert werden. Andererseits muss das Alter nicht grundsätzlich bzw. immer mit Potenzproblemen verbunden sein: Denn jeder vierte Mann über 80 Jahren erfreut sich noch an einer unbeeinträchtigten Erektionsfähigkeit.

Ein gesunder Lebensstil und regelmäßiges Erektionstraining können dabei helfen, einer Erektionsstörung vorzubeugen.[3][5]

Viele körperliche und psychische Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Folgende Maßnahmen können helfen:

  • regelmäßig bewegen
  • bei Übergewicht Gewicht reduzieren
  • nicht rauchen
  • Alkohol begrenzen
  • Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin kontrollieren lassen
  • Bei Stress, Ängsten oder sexuellem Leistungsdruck geeignete Bewältigungsstrategien erlernen
  • offen mit der Partnerin oder dem Partner über sexuelle Probleme sprechen

Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von der Ursache ab. Treten Erektionsprobleme wiederholt auf, sollten sie ärztlich abgeklärt werden. Medikamente dürfen nicht eigenmächtig abgesetzt oder verändert werden.

Häufige Fragen

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