Welche Wirkung haben Cannabis und CBD auf die Sexualität?
Kurz zusammengefasst
CBD und Cannabis kann Anspannung verringern, Entspannung fördern, Schmerzen lindern und die Durchblutung unterstützen. Wenn Stress und körperliche Beschwerden nachlassen, fällt es vielen Menschen leichter, sich zu entspannen und Nähe bewusst zu erleben. Seine Wirkung entfalten CBD und Cannabis über das körpereigene Endocannabinoid-System, das unter anderem an der Regulation von Stress und Lust beteiligt ist. Die wissenschaftliche Datenlage am Menschen ist bislang jedoch begrenzt, sodass derzeit noch keine eindeutig gesicherten Aussagen zur Wirksamkeit getroffen werden können – insbesondere vor dem Hintergrund möglicher Nebenwirkungen und individueller Unterschiede in der Verträglichkeit.
Übersicht
Was ist Cannabis?
Ausgangspunkt für das so berauschend wirkende Marihuana ist die Hanfpflanze. Der wissenschaftliche Name für Hanf lautet Cannabis. Verantwortlich für die berauschende Wirkung von Marihuana ist – ebenso wie bei Haschisch – vor allem der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC). Die Hanfpflanze enthält rund 500 verschiedene Substanzen, darunter ungefähr 160 cannabinoide Wirkstoffe (Cannabinoide).
An diese Cannabinoid-Rezeptoren können beim Konsum von Marihuana diverse Cannabinoide wie THC oder auch Cannabidiol (CBD) und Cannabinol (CBN) andocken und entsprechend Einfluss nehmen. Neben THC spielt auch Cannabidiol (CBD) eine Rolle. CBD wirkt nicht berauschend, wird aber ebenfalls an Cannabinoid-Rezeptoren wirksam. Ihm werden entzündungshemmende, muskelrelaxierende und beruhigende Eigenschaften zugeschrieben.
Was ist CBD?
CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol. Es ist – wie THC – ein Bestandteil der Hanfpflanze und gehört ebenfalls zu den Cannabinoiden. Der entscheidende Unterschied: CBD wirkt nicht berauschend. Es macht also nicht „high“. Stattdessen werden CBD eher beruhigende, entzündungshemmende und muskelentspannende Eigenschaften zugeschrieben. Viele Menschen verwenden CBD-Produkte deshalb zur Entspannung oder bei körperlichen Beschwerden.
Sowohl THC als auch CBD können im Körper an sogenannte Cannabinoid-Rezeptoren andocken. Diese Rezeptoren sind Teil des sogenannten Endocannabinoid-Systems – eines körpereigenen Regulationssystems, das unter anderem Stimmung, Schmerzempfinden, Schlaf und Stressreaktionen beeinflusst.
Der Unterschied liegt also weniger darin, wo sie wirken, sondern wie sie wirken:
- THC wirkt stark auf das zentrale Nervensystem und verändert die Wahrnehmung.
- CBD wirkt eher ausgleichend und regulierend, ohne eine Rauschwirkung zu erzeugen.

Sexualität
Wie beeinflusst Cannabis und CBD die Sexualität?
Der Beckenboden – ein kleiner Muskel, der aber einiges bewirkt. Gut trainiert, verbessert er das Körpergefühl, die Kontinenz und auch den Sex.
Folgende drei Hauptfunktionen hat der Beckenboden:
- Anspannen,
- Entspannen und
- reflektorisch Gegenhalten.
Doch manchmal funktioniert die Beckenbodenmuskulatur nicht so, wie es eigentlich sein soll. Beispielsweise haben viele Menschen Schmerzen oder Verspannungen in der Beckenbodenregion. Ist die Muskulatur fest, werden die Blutgefäße abgedrückt. Der Beckenboden wird dann nicht mehr ausreichend versorgt.
Manche Männer berichten, dass sie bei entsprechenden Verspannungen Rückenschmerzen im Dammbereich, im After- oder Hodenbereich haben. Manchmal ziehen diese Schmerzen auch bis in den Penis hinein. Andere Männer haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder beim Wasserlösen. Aber auch häufiger Harndrang kann durch Beckenbodenverspannungen ausgelöst werden. Mediziner sprechen dann von einer chronischen Prostatitis oder Prostatodynie. Hier liegen häufig myofasziale Veränderungen vor, also Veränderungen im Muskel-Sehnen-Apparat.
Beim normalen Atmen erfolgt eine Synchronisation zwischen Unterbauch und Beckenboden. Wenn diese Synchronisation aufgehoben wird, kann es ebenfalls zu Verspannungen und anderen Symptomen kommen.
Damit der Urin möglichst lange gehalten werden kann, ist es wichtig, dass die Beckenbodenmuskulatur sich anspannen kann. Das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. Ein Teil der Beckenbodenmuskulatur umschließt auch die Harnröhre.
Wo Spannung aufgebaut wird, sollte natürlich Entspannung folgen. Beim Wasserlassen und beim Stuhlgang etwa muss sich die Beckenbodenmuskulatur entspannen. Auch in der Sexualität spielen Anspannung und Entspannung des Beckenbodens eine große Rolle. So entstehen zum Beispiel beim Orgasmus Wellen von Anspannung und Entspannung im Beckenboden. Und wenn man hustet, lacht oder niest, muss die Beckenbodenmuskulatur reflektorisch gegenhalten, so dass kein Urin ungewollt abgeht.
Natürlich hat der Konsum von Marihuana auch Einfluss auf Männer. So berichten Männer, dass sich unter der Wirkung des Rauschmittels ihre sexuelle Performance verbessert habe, dass sie leichter entspannen konnten und auch eine bessere Kontrolle über ihre Ejakulation hatten und somit zu einem deutlich längerem Sex in der Lage waren.
Doch Männer, die vor dem Sex Marihuana einnahmen, haben zum Teil auch negative Erfahrungen gemacht. In einigen Fällen führte die Droge zu einer niedrigeren Libido. Auch von Erektionsstörungen wurde berichtet. Denn um eine sehr gute und feste Erektion zu erhalten, müssen die glatten Muskelzellen im Penis komplett relaxieren, damit genügend Blut in den Schwellkörper hineinfließen kann. Doch einige Rezeptoren im Schwellkörper reagieren auf den Konsum von Marihuana und erschweren dieses Relaxieren und damit auch das Erigieren des Penis.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass vor allem bei Männern die richtige Dosierung von Marihuana sehr entscheidend ist. So kann das Rauschmittel sehr wohl dabei helfen, die Erektion und damit auch den Orgasmus zu verbessern – es kann aber leider auch genau das Gegenteil erreicht werden. Eine wichtige Rolle spielt immer auch die individuelle Beschaffenheit, wie ein Körper auf Marihuana reagiert. Die Verwendung von Marihuana sollte deshalb immer unter Aufsicht eines Arztes erfolgen.
Wirkt Cannabis und CBD auf den Libido ?
Immer wieder berichten Frauen, aber auch Männer, dass sie nach der Verwendung von Marihuana (umgangssprachlich verkürzt auch „Cannabis“ oder einfach nur „Gras“ genannt) einen „besseren“ Sex hätten. Diese Beurteilung beruht in erster Linie auf einer veränderten Wahrnehmung, die durch diese Droge erzielt wird. Wissenschaftliche Untersuchungen zu den Auswirkungen von Marihuana auf die Sexualität gab es bislang kaum.
2019 wurde eine Studie präsentiert, an der 373 Frauen im Alter von durchschnittlich 36 Jahren teilnahmen und die zu dem Ergebnis kam: Nach der Einnahme von Marihuana erlebten die Frauen, so ihre Schilderung, tatsächlich einen intensiveren Orgasmus. Zusätzlich berichteten die Probandinnen, dass sie ein erhöhtes sexuelles Interesse verspürten und zudem weniger Schmerzen hatten. Ein signifikanten Einfluss auf die vaginale Lubrikation – grob gesagt also auf die Erregung, die sich durch das Feuchtwerden der Vagina bemerkbar macht – wurde allerdings verneint.
Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich nicht genau erklären warum es zu den von den Frauen geschilderten Effekten kommt. Aber es gibt zumindest einige theoretische Ansätze. So kann der Konsum von Marihuana beispielsweise dazu führen, dass Stress weniger wahrgenommen wird und auch mögliche Angstgefühle reduziert werden. Dies wiederum ermöglicht eine höhere Selbstsicherheit.
Hinzu kommt, dass durch die Verwendung von Marihuana die verschiedenen Sinneseindrücke (Berührungen, Geruch, Geschmack) verstärkt werden. Auch wird vermutet, dass Marihuana in denjenigen Regionen des Gehirns wirkt, in denen Sexualhormone wie Oxytocin (das sogenannte „Liebeshormon“) oder der Neurotransmitter Dopamin produziert werden.
Cannabis wirkt nicht bei allen Menschen gleich. Die besagte Studie hat allerdings auch gezeigt, dass nicht bei allen Frauen dieselben Effekte auftraten. Eine entscheidende Rolle spielt es, in welcher Frequenz und vor allem in welcher Dosierung Marihuana zu sich genommen wird und auch, in welcher Darreichungsform: Am gängigsten ist es, Marihuana (Cannabis) zu rauchen oder zu inhalieren; ebenso ist aber eine orale Aufnahme möglich.
Davon abgesehen, dass Experten davor warnen, Marihuana in zu hohen Dosen zu verwenden: Es sollte sich auch jeder bewusst sein, dass Drogen alleine noch lange keinen guten Sex garantieren.
Die beschriebenen Effekte beziehen sich überwiegend auf THC-haltiges Cannabis. Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Wirkweise der beiden wichtigsten Bestandteile der Hanfpflanze: THC und CBD.
THC ist der Stoff, der für die „Rauschwirkung“ verantwortlich ist. Er beeinflusst bestimmte Bereiche im Gehirn, die mit Lust, Belohnung, Motivation und Gefühlen zu tun haben. Genau dort entstehen auch sexuelle Erregung und das Empfinden von Lust.
Durch THC kann sich die Wahrnehmung verändern: Berührungen fühlen sich intensiver an, Zeit wird anders erlebt, Emotionen werden stärker wahrgenommen. Außerdem kann THC Botenstoffe wie Dopamin beeinflussen – ein Stoff, der eng mit Lust und Belohnung verbunden ist. Diese Veränderungen erklären wahrscheinlich, warum manche Menschen unter THC von intensiverer Lust oder stärkeren Orgasmen berichten.
CBD wirkt ganz anders. CBD macht nicht „high“ und verändert die Wahrnehmung nicht in dieser Weise. Es beeinflusst andere Signalwege im Körper, die eher mit Entspannung, Stressabbau und Entzündungshemmung zu tun haben. Es aktiviert nicht direkt die Hirnregionen, die für das Lust- und Belohnungsempfinden verantwortlich sind.
Deshalb gibt es bisher keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass CBD direkt die Libido steigert oder Orgasmen intensiviert.
Wirkung
Wie verbessert Cannabis die Erektion?
Warme Sitzbäder, spezielle Massagen oder Entspannungsübungen tragen dazu bei, die Muskulatur im Beckenboden zu lockern. Wenn die Schmerzen sehr groß sind, können schmerzstillende Zäpfchen Linderung verschaffen.
Neue Studien haben gezeigt, dass die Verspannungen und Verkrampfungen auch mithilfe von Cannabis (Marihuana) gelöst werden können. Denn die Hanfpflanze enthält Inhaltsstoffe, die eine analgetische, also schmerzlindernde, Wirkung haben. Zudem wirken die Inhaltsstoffe antiphlogistisch, also entzündungshemmend, muskelrelaxierend und seditativ. Natürlich muss eine Cannabis-Therapie vom Arzt indiziert und beobachtet werden. Auch die Dosisfindung ist hier ein wichtiger therapeutischer Schritt.
Hilft CBD bei Schmerzen beim Geschlechtsverkehr?
CBD kann bei Schmerzen beim Geschlechtsverkehr möglicherweise unterstützend wirken.
Viele Betroffene mit Dyspareunie oder Vulvodynie berichten über positive Erfahrungen mit CBD-Produkten.
Die schmerzlindernde Wirkung von CBD hängt mit dem Einfluss auf das endocannabinoide System zusammen.
Besonders CBD-Gleitgel wird häufig zur lokalen Anwendung im Intimbereich genutzt.
CBD kann entzündungshemmend wirken und Muskelverspannungen im Beckenboden reduzieren.
Auch Stress und Angst, die Schmerzen beim Sex verstärken können, werden durch CBD teilweise gemindert.
Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von CBD bei Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind jedoch noch begrenzt. Eine ärztliche Abklärung der Ursachen von Dyspareunie ist bei anhaltenden Beschwerden wichtig.
CBD sollte als ergänzende Maßnahme und nicht als alleinige Therapie betrachtet werden.
Hochwertige, geprüfte CBD-Produkte sind entscheidend für Sicherheit und optimale Wirkung.

Vorteile & Risiken
Hat Cannabis und CBD noch andere positive Effekte?
Im Einzelfall wird Marihuana auch medizinisch eingesetzt. So kann es vor allem zur Linderung beziehungsweise zum weniger Wahrnehmen starker Schmerzen beitragen. Weitere Einsatzgebiete sind zum Beispiel bei Multipler Sklerose oder auch bei Übelkeit nach einer Chemotherapie.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Männer berichten, dass sie nach dem Konsum von Marihuana gar keinen Orgasmus erreichten. Andere klagten über einen vorzeitigen Samenerguss (Ejakulatio praecox).
Zudem kann es der Einsatz von Marihuana zu Fertilitäts- also zu Fruchtbarkeitsproblemen kommen. Denn die Droge enthält Chemikalien, die die männlichen Spermien regelrecht bremsen, so dass diese es nicht mehr schaffen, zur weiblichen Eizelle zu gelangen, um diese zu befruchten.
Alternativen
Sind Opioiden eine Alternative zu CBD oder Marihuana?
In der Medizin stellen Opioide eine wirksame Alternative zu Marihuana dar. Bei Opioiden handelt es sich um Medikamente beziehungsweise Drogen/Rauschmittel, die aus dem Opium genannten Saft der Mohnblume hergestellt werden. Die bekanntesten Wirkstoffe, die man sich speziell in der Schmerztherapie zunutze macht, sind Fentanyl, Hydrocodone, Oxycodon, Morphin und Codein.
Genauso wie beim Marihuana ist aber Vorsicht geboten: Es kommt auf die Dosis und vor allem auf die individuelle Situation an. Ob der Einsatz ratsam ist, muss deshalb immer erst mit einem Arzt besprochen werden.





