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Prostatitis (Prostataentzündung)

8 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Prostatitis ist eine Entzündung der Vorsteherdrüse, die Männer jeden Alters betreffen kann und sich durch starke Schmerzen im Beckenbereich, Beschwerden beim Wasserlassen und sexuelle Funktionsstörungen äußert. Man unterscheidet vier Formen: die akute und chronische bakterielle Prostatitis, das chronische Beckenschmerzsyndrom sowie die asymptomatische Prostatitis. Unbehandelt kann sie zu schweren Komplikationen führen. Je früher die Diagnose, desto besser die Heilungschancen.

Überblick

Was ist Prostatitis und warum sollte man sie ernst nehmen?

Eine Prostatitis ist eine Entzündung der Prostata – der Vorsteherdrüse des Mannes – und kann Männer jeden Alters treffen. Sie ist in den meisten Fällen gut behandelbar, sollte aber nicht unterschätzt werden. Wer die Symptome ignoriert und zu lange mit dem Arztbesuch wartet, riskiert schwere Komplikationen: Eine unbehandelte akute Prostatitis kann chronisch werden, sich auf benachbarte Organe ausbreiten oder zu einem Abszess führen. Je früher die Diagnose, desto einfacher und erfolgreicher ist die Behandlung.

Welche Formen der Prostatitis werden klassischerweise unterschieden?

Prostataentzündungen wird in vier Kategorien unterschieden. Ausschlaggebend für diese Unterscheidung sind die Ursachen, die Symptome und die Dauer der Prostatitis:

  • Akute (bakterielle) Prostatitis (AP): Hier sind Bakterien die Ursache des entzündlichen Prozesses, der dann für die akute Schmerzauslösung verantwortlich zeichnet.
  • Chronische (bakterielle) Prostatitis (CP): Diese Form der Prostataentzündung wird ebenfalls durch Bakterien ausgelöst. Die Schmerzen in der Prostata- bzw. Beckenregion dauern zumeist über mehrere Monate hinweg an oder kehren immer wieder.
  • Chronisches Beckenschmerzsyndrom (CBSS) / chronische (abakterielle) Prostatitis: Hier gibt es als Ursache keinen Bakteriennachweis. Unterschieden werden zwei Formen – die entzündliche Form (A) und die nicht-entzündliche Form (B). Bei der Therapie der nicht-entzündlichen Variante, die die Lebensqualität der Patienten oftmals sehr stark einschränkt, gibt es mit der Neuromodulation einen sehr interessanten Therapieansatz. Dieser beeinflusst das Schmerzauftreten, die Schmerzintensität und das Schmerzempfinden. Wir empfehlen folgendes Komplettpaket zur Therapie (externer Link).
  • Asymptomatische entzündliche Prostatitis: Bei dieser Form der Prostataentzündung klagen die meisten Betroffenen nicht über Symptome wie Schmerzen in der Beckenregion oder Brennen in der Harnröhre. Aus diesem Grund wird die Asymptomatische entzündliche Prostatitis normalerweise rein zufällig entdeckt. Zum Beispiel, indem im Prostatasekret oder im Ejakulat entzündliche Zellen aufgefunden werden. Auch bei operativen oder diagnostischen Eingriffen in der Prostata kann die Asymptomatische entzündliche Prostatitis quasi „en passant“ ein Befund sein. In den meisten Fällen wird dann ein mikroskopischer histologischer Nachweis erforderlich. Daher wird diese Form der Prostataentzündung auch als „histologische Prostatitis“ bezeichnet.

Symptome

Welche Symptome treten bei einer Prostatitis auf?

Für alle Formen der Prostataentzündung gilt: Da, wo Symptome vorhanden sind, kann das für den Betroffenen große Konsequenzen haben. Die Schmerzen schränken die Lebensqualität derart ein, dass das Aufsuchen eines versierten Arztes unumgänglich wird. Wie bei vielen Indikationsstellungen in der Medizin gilt auch für die Behandlung der Prostatitis: Vor der Therapie sollte eine ausführliche diagnostische Untersuchung stehen.

 

Akute bakterielle Prostatitis

Die akute Form macht sich mit deutlichen, oft heftigen Beschwerden bemerkbar:

  • Starke Schmerzen in der Dammregion
  • Fieber und Schüttelfrost
  • Häufiger, schmerzhafter Harndrang – das Wasserlassen brennt und bringt kaum Erleichterung
  • Abgeschwächter Harnstrahl
  • Gefühl, die Blase nicht vollständig entleeren zu können
  • Gelegentlich Ausfluss aus der Harnröhre
  • Schmerzen beim Samenerguss

 

Chronische bakterielle Prostatitis

Die Beschwerden ähneln denen der akuten Form, sind aber deutlich abgeschwächter. Sie halten über Monate an oder kehren immer wieder zurück:

  • Dumpfe Schmerzen im Damm, Hodensack, an der Penisspitze oder im Unterbauch
  • Veränderungen beim Wasserlassen
  • Erektionsstörungen und andere sexuelle Funktionsstörungen

 

Chronisches Beckenschmerzsyndrom

Dieselben Symptome wie bei der bakteriellen Prostatitis – jedoch ohne Nachweis von Bakterien. Die Ursachen sind oft unklar:

 

Asymptomatische entzündliche Prostatitis

Diese Form verursacht keine spürbaren Beschwerden und wird meist zufällig entdeckt – etwa bei einer Blutuntersuchung oder einem Eingriff an der Prostata. Obwohl keine Schmerzen auftreten, sind in manchen Fällen Maßnahmen notwendig:

  • Erhöhter PSA-Wert als zufälliger Befund
  • Verschlechterte Spermienqualität oder Unfruchtbarkeit als mögliche Folge

Ursachen

Welche Ursachen hat eine Prostataentzündung?

  • Akute bakterielle Prostatitis: Die Ursache sind fast immer Bakterien oder andere Krankheitskeime wie Pilzinfektionen. Sie gelangen auf verschiedenen Wegen in die Prostata – über die Harnröhre oder Harnblase, über die Samenleiter, Samenblase, Nebenhoden oder Hoden, über das Blut von Entzündungsherden an anderen Körperstellen wie etwa Zahnfleischentzündungen, oder über die Lymphgefäße bei Entzündungen im Darmbereich. Auch beim Geschlechtsverkehr können sexuell übertragbare Erreger die Harnröhre hochsteigen und die Prostata infizieren. In seltenen Fällen kann eine Infektion auch durch medizinische Eingriffe wie eine Blasenspiegelung, eine Prostatabiopsie oder das Legen eines Katheters ausgelöst werden. Begünstigende Faktoren sind außerdem eine Vorhautverengung, Verengungen der Harnröhre sowie mangelnde Penishygiene.
  • Chronische bakterielle Prostatitis: Die Ursachen sind dieselben wie bei der akuten Form. Häufig entsteht sie, wenn eine akute Prostatitis nicht vollständig ausheilt und in ein chronisches Stadium übergeht.
  • Chronisches Beckenschmerzsyndrom: Die Ursachen des chronischen Beckenschmerzsyndroms sind weitgehend ungeklärt – ein Bakteriennachweis liegt bei dieser Form nicht vor. Diskutiert werden Funktionsstörungen des Beckenbodens, eine erhöhte Muskelspannung im Beckenbereich sowie Störungen der Blasen- und Schließmuskulatur. Auch psychogene Faktoren spielen eine Rolle: Körperliche Symptome, die über einen langen Zeitraum anhalten, können sich mit der Zeit auch auf psychischer Ebene manifestieren und den Beschwerdedruck zusätzlich verstärken.
  • Asymptomatische entzündliche Prostatitis: Die Ursachen sind unklar – die Erkrankung verursacht keine Symptome und wird meist zufällig entdeckt.

Diagnose & Untersuchungen

Wie wird eine Prostataentzündung festgestellt?

Viele Männer haben ganz falsche Vorstellungen von der Untersuchung der Prostata. Schamgefühle sind an der Tagesordnung, jedoch fehl am Platz. Der Arzt tastet zunächst die Prostata ab – liegt eine Prostatitis vor, kommt es dabei häufig zu Druckschmerzen. Wichtig ist, dass andere Ursachen für die Beschwerden wie Tumorerkrankungen ausgeschlossen werden.

 

Tests zur Diagnose bakterieller Infektionen

Um festzustellen, ob Bakterien oder andere Keime die Ursache der Prostatitis sind, führt der Arzt folgende Untersuchungen durch:

  • Urinuntersuchung: Der Urin wird auf Bakterien und Entzündungsparameter untersucht. Bei Verdacht auf eine Infektion der Harnröhre sollte die Untersuchung mindestens dreimal durchgeführt werden.
  • Ejakulatuntersuchung: Das Ejakulat wird ebenfalls auf Keime untersucht.
  • Blutuntersuchung: Im Blut werden weiße Blutkörperchen, Entzündungseiweiß und der PSA-Wert bestimmt.
  • Viergläserprobe: Eine spezielle Urinuntersuchung bei chronischer Prostatitis, bei der verschiedene Harnportionen getrennt aufgefangen und analysiert werden.

 

Weitere Untersuchungen

Je nach Schwere und Verlauf der Beschwerden können zusätzliche Untersuchungen notwendig sein, um das genaue Ausmaß der Erkrankung zu beurteilen:

  • Ultraschall: Zeigt Veränderungen der Prostata und schließt einen Abszess aus.
  • Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie): Misst die Geschwindigkeit und Menge des Urins beim Wasserlassen.
  • Miktionsprotokoll: Der Patient dokumentiert, wie häufig und in welchen Mengen er Urin löst.
  • Blasenspiegelung (Zystoskopie): Der Arzt betrachtet Harnröhre und Blase von innen – vor allem bei chronischen Beschwerden sinnvoll.

Behandlung

Wie wird eine Prostataentzündung behandelt?

Die Behandlung der Prostatitis richtet sich nach den vorliegenden Symptomen und sollte stets auf das individuelle Patientenprofil zugeschnitten sein. Bei chronischen Formen ist in der Regel eine Kombinationstherapie notwendig, die medikamentöse, physikalische und psychotherapeutische Verfahren umfasst.

 

Behandlung der Infektion

Bei einer bakteriellen Prostatitis sind Antibiotika das Mittel der Wahl. Die Einnahme sollte mindestens 10 Tage erfolgen. Bei schwerem Verlauf kann das Antibiotikum direkt über die Vene verabreicht werden.

 

Behandlung der Schmerzen

Zur Linderung der Schmerzen stehen je nach Schweregrad verschiedene Optionen zur Verfügung:

  • Krampflösende und schmerzstillende Medikamente: Werden häufig ergänzend zu Antibiotika verschrieben
  • Entzündungshemmer: Nicht-steroidale Antirheumatika wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend
  • Phytotherapeutika: Pflanzliche Arzneimittel ohne chemische Substanzen
  • Pentosanpolysulfat: Ein pflanzlicher, aus Buchenrinde synthetisierter Schleimstoff
  • Stoßwellentherapie: Mechanische Therapie bei chronischen Schmerzen
  • Akupunktur: Kann ergänzend eingesetzt werden
  • Tibialis-Nerv-Stimulationstherapie: Beeinflusst das Schmerzauftreten, die Schmerzintensität und das Schmerzempfinden und wird weitgehend von den Krankenkassen übernommen. Mehr dazu erfahren Sie hier bei Lancy-Elektromedizin.

 

Behandlung der Harnwegsbeschwerden

Bei Beschwerden beim Wasserlassen kommen folgende Behandlungen in Betracht:

  • Alphablocker: Entspannen die Muskulatur und erleichtern das Wasserlassen
  • Antihypertonika: Gefäßerweiternde Wirkstoffe, die den Druck im Bereich der Harnwege reduzieren
  • Katheter: Ist die Prostata so stark angeschwollen, dass das Wasserlassen über die Harnröhre nicht mehr möglich ist, wird ein Bauchdeckenkatheter gelegt
  • Tibialis-Nerv-Stimulationstherapie: Verbessert neben den Schmerzen auch den Harndrang durch gezielte Stimulation der Nerven, die für die Blasen- und Beckenbodenfunktion verantwortlich sind

 

Behandlung psychischer Beschwerden

Körperliche Symptome, die über eine lange Zeit andauern, können sich mit der Zeit auch auf psychischer Ebene manifestieren. Deshalb sollte bei der Behandlung immer auch eine psychogene Therapie mit einbezogen werden:

  • Psychotherapeut oder Verhaltenstherapeut: Bei chronischen Schmerzen empfiehlt sich eine begleitende ambulante Psychotherapie, in schweren Fällen auch stationär
  • Physiotherapeut mit Beckenboden-Spezialisierung: Kombiniert körperliche und psychische Ansätze durch gezieltes Beckenbodentraining und Entspannungstherapie

Komplikationen

Welche Komplikationen kann eine unbehandelte Prostatitis verursachen?

Wer die Symptome einer Prostatitis ignoriert oder zu lange mit dem Arztbesuch wartet, riskiert ernsthafte Folgeerkrankungen. Die häufigsten Komplikationen sind ein Abszess in der Prostata – also eine Eiteransammlung, die in manchen Fällen operativ behandelt werden muss – sowie ein akuter Harnverhalt, bei dem die stark angeschwollene Prostata die Harnröhre so stark einengt, dass kein Wasserlassen mehr möglich ist. Bleibt eine akute Prostatitis unbehandelt, kann sie sich auf benachbarte Organe ausbreiten und zu einer Hodenentzündung, Nebenhodenentzündung oder Samenblasenentzündung führen – all diese Erkrankungen erfordern eine sofortige Behandlung.

Heilt eine akute Prostatitis nicht vollständig aus, besteht die Gefahr einer Chronifizierung. Die chronische Form geht häufig mit Erektionsstörungen, verschlechterter Spermienqualität und in manchen Fällen sogar mit Unfruchtbarkeit einher. Chronische Schmerzen, die über Monate oder Jahre anhalten, können sich langfristig auch auf psychischer Ebene manifestieren – viele Betroffene entwickeln Erschöpfung, Rückzug aus dem Sozialleben und in schweren Fällen Depressionen.

Vorbeugung

Wie kann man einer Prostatitis vorbeugen?

Eine vollständige Vorbeugung ist nicht möglich – insbesondere bei der abakteriellen Form, deren Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, die das Risiko einer Prostataentzündung deutlich reduzieren können:

  • Immunsystem stärken: Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, kein Nikotin, wenig Alkohol und ausreichend Schlaf
  • Ausreichend trinken: Genug Flüssigkeit spült Keime aus der Harnblase und beugt Entzündungen vor
  • Intimhygiene: Täglicher Wäschewechsel und regelmäßige Reinigung des Genitalbereichs halten Bakterien fern
  • Kälte meiden: Unterleib warm halten, nicht auf kalten Böden sitzen, nach dem Schwimmen zügig umziehen
  • Stress reduzieren: Chronischer Stress verkrampft die Beckenbodenmuskulatur und reizt die Prostata
  • Schutz beim Sex: Kondome schützen vor Erregern, die über die Harnröhre in die Prostata gelangen können