Termin vereinbaren über Kontaktformular oder +49 151 42044956 anrufen
Start / Sexualgesundheit / Sex Ratgeber

Geschlechtskrankheiten beim Mann

4 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Geschlechtskrankheiten beim Mann werden durch Bakterien, Viren oder Parasiten übertragen und verlaufen oft ohne Symptome. Typische Warnsignale sind Ausfluss aus dem Penis, Schmerzen beim Wasserlassen und Veränderungen im Genitalbereich. Die häufigsten Erkrankungen sind Chlamydien, Gonorrhoe, Syphilis und HPV. Bakterielle Geschlechtskrankheiten sind mit Antibiotika gut behandelbar, virale Infektionen wie HIV hingegen nicht heilbar. Der beste Schutz ist ein Kondom sowie die HPV-Impfung.

Überblick

Was sind Geschlechtskrankheiten?

Geschlechtskrankheiten – auch STD oder STI genannt, was im Englischen für „sexually transmitted diseases" beziehungsweise „sexually transmitted infections" steht – werden vor allem durch sexuelle Handlungen übertragen. Die Erreger sind so unterschiedlich wie die Erkrankungen selbst: Bakterien, Viren oder Parasiten können jeweils eine andere Krankheit auslösen.

Sind Geschlechtskrankheiten heilbar?

Das hängt vom Erreger ab. Grundsätzlich gilt: Je früher eine Geschlechtskrankheit erkannt wird, desto schneller und erfolgsversprechender kann die Behandlung erfolgen. Häufig ist eine vollständige Heilung möglich. Es gibt aber auch Krankheitsbilder – wie eine HIV-Infektion – bei denen es bereits als Erfolg gewertet werden muss, wenn die Symptome gelindert oder ein Fortschreiten der Krankheit abgebremst werden kann.

Arten

Welche Gruppen von Geschlechtskrankheiten gibt es?

Die Vielzahl an Geschlechtskrankheiten lässt sich in drei Gruppen unterteilen. Entscheidend für die Klassifizierung ist die Übertragungsart.

Zu den bakteriellen Geschlechtskrankheiten gehören vor allem Chlamydien, Syphilis und Gonorrhoe. Da Bakterien durch Antibiotika bekämpft werden können, sind diese Erkrankungen bei frühzeitiger Diagnose gut behandelbar.

Zu den viralen Geschlechtskrankheiten zählen HIV, Humane Papillomviren (HPV), Herpes genitalis und Hepatitis B. Da Viren nicht mit Antibiotika behandelt werden können, ist eine Therapie schwieriger – in manchen Fällen ist eine vollständige Heilung nicht möglich.

Zu den parasitären Geschlechtskrankheiten gehören Trichomoniasis, Krätze und Filzläuse, die sich bevorzugt in der Schambehaarung ansiedeln.

Symptome

Woran erkennt man eine Geschlechtskrankheit?

So unterschiedlich die einzelnen Geschlechtskrankheiten sind, so unterschiedlich sind auch ihre Symptome. Typische Warnsignale sind unkontrollierte Ausflüsse aus dem Penis, bei denen es sich weder um Urin noch um Samenflüssigkeit handelt. Unterbauchschmerzen können ebenfalls ein Hinweis darauf sein, dass im Genitalbereich etwas nicht in Ordnung ist. Grundsätzlich ist Aufmerksamkeit geboten, wenn es in diesem sensiblen Bereich zu äußerlichen Veränderungen kommt – sei es eine Rötung, die nach ein paar Tagen noch nicht verschwunden ist, Schwellungen oder gar Geschwüre. Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr sind weitere Alarmzeichen.

Können Geschlechtskrankheiten ohne Symptome verlaufen?

Ja – und das macht sie besonders gefährlich. Viele Geschlechtskrankheiten verursachen zunächst gar keine Symptome, und trotzdem kann der Träger andere Menschen damit anstecken. Deshalb sollten vor allem sexuell aktive Männer mit wechselnden Partnern sich regelmäßig von einem Arzt untersuchen lassen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Treten Rötungen, Schwellungen, Ausflüsse oder Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Sex auf, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Nur er kann eine verlässliche Diagnose erstellen und eine individuelle Therapie einleiten. Wer zu einer Risikogruppe gehört – also häufig wechselnde Sexpartner hat oder professionelle Dienstleistungen in Anspruch nimmt – sollte sich auch ohne Symptome regelmäßig untersuchen lassen. Wer eine Geschlechtskrankheit diagnostiziert bekommt, sollte außerdem alle Sexpartner informieren, damit auch diese sich untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen können.

Häufigkeit

Wie verbreitet sind Geschlechtskrankheiten?

Die jährliche Zahl der Neuerkrankungen lag laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation weltweit bei etwa 357 Millionen – bezogen auf die Altersgruppe der 15- bis 49-Jährigen. Die sich weltweit am stärksten ausbreitende Geschlechtskrankheit war Trichomoniasis mit 170 Millionen Neuerkrankungen, gefolgt von Chlamydien mit 130 Millionen. In Deutschland war die am weitesten verbreitete Geschlechtskrankheit laut Auswertungen des Robert-Koch-Instituts ebenfalls Chlamydien – bei fast 12 Prozent der untersuchten Männer wurden Chlamydien und/oder Gonokokken nachgewiesen.

Vorbeugung

Wie können Männer sich vor Geschlechtskrankheiten schützen?

Der beste Schutz ist ein Kondom – dieser Grundsatz gilt für alle Geschlechtskrankheiten. Einen hundertprozentigen Schutz können Kondome allerdings nicht bieten. Deshalb sind weitere Maßnahmen wichtig. An erster Stelle steht Hygiene. Oft werden Erreger durch das gemeinsame Benutzen von Textilien oder Gegenständen übertragen. Bettwäsche, Handtücher und Sexspielzeug sollten deshalb regelmäßig gründlich gereinigt werden. Wer Drogen konsumiert, sollte zudem darauf achten, sich keine Utensilien wie Spritzen oder Rasierklingen mit anderen zu teilen. Darüber hinaus gilt: Ein gesunder Lebenswandel stärkt das Immunsystem und macht den Körper widerstandsfähiger gegen Infektionen. Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf sowie der Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkohol tragen dazu bei.

Gibt es Impfungen gegen Geschlechtskrankheiten?

Impfungen als Schutz vor Geschlechtskrankheiten gibt es nur sehr begrenzt – aber dort, wo sie verfügbar sind, sollten sie genutzt werden. Möglich ist allen voran eine Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV). Dies ist besonders wichtig, weil Kondome das Risiko einer HPV-Infektion nur sehr begrenzt reduzieren können. Die Ständige Impfkommission empfiehlt seit 2018 die HPV-Impfung für alle Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren. Die Kosten werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Zusätzlich schützen Impfungen gegen Hepatitis A und Hepatitis B.

Lesen Sie auch