Termin vereinbaren über Kontaktformular oder +49 151 42044956 anrufen
Start / Krankheitsratgeber

Männervorsorge: Welche Untersuchungen sind wichtig?

6 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Überblick

Warum ist Vorsorge so wichtig?

Vorsorgeuntersuchungen können Leben retten – doch nur etwa 14 Prozent der Männer nehmen sie regelmäßig wahr. Bei Frauen sind es 35 Prozent. Dabei lassen sich viele Erkrankungen wie Prostatakrebs, Darmkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen in frühen Stadien gut behandeln oder sogar heilen. Voraussetzung ist, dass sie rechtzeitig erkannt werden.

Welche Vorsorgeuntersuchungen brauche ich?

Welche Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll sind, hängt vom Alter ab. Junge Männer sollten vor allem auf Hodenkrebs achten, da dieser häufig zwischen 20 und 40 Jahren auftritt. Ab Mitte 30 rückt das Herz-Kreislauf-System in den Fokus. Ab 45 Jahren wird die Prostata-Vorsorge wichtig, ab 50 die Darmkrebs-Früherkennung. Bei bestimmten Risikofaktoren wie Rauchen oder familiärer Vorbelastung können einzelne Untersuchungen auch früher sinnvoll sein.

Alter 18–35

Worauf sollte ich in diesem Alter achten?

In jungen Jahren fühlen sich die meisten Männer gesund – und sind es meist auch. Dennoch gibt es Risiken: Hodenkrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern zwischen 20 und 35 Jahren. Auch sexuell übertragbare Infektionen, Übergewicht und psychische Belastungen wie Stress oder Burnout treten in diesem Alter häufiger auf. Wer jetzt auf seinen Körper achtet und gesunde Gewohnheiten entwickelt, legt den Grundstein für ein langes, gesundes Leben.

Welche Vorsorgeuntersuchungen werden empfohlen?

Für Männer zwischen 18 und 35 Jahren gibt es nur wenige offizielle Vorsorgeuntersuchungen. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen in diesem Alter einen einmaligen Gesundheits-Check-up, der ein Gespräch über Vorerkrankungen und Lebensgewohnheiten, eine körperliche Untersuchung, Blutdruckmessung und Urinuntersuchung umfasst. Eine Blutuntersuchung erfolgt bei erhöhtem Risiko. Zusätzlich wird die halbjährliche Zahnkontrolle übernommen.

Die wichtigste Vorsorge in diesem Alter betrifft jedoch die Hoden. Hodenkrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern zwischen 20 und 35 Jahren. Eine ärztliche Vorsorgeuntersuchung gibt es dafür nicht – Männer sollten ihre Hoden deshalb einmal im Monat selbst abtasten. Am besten unter der Dusche, wenn die Haut entspannt ist. Jeden Hoden einzeln zwischen Daumen und Zeigefinger rollen und auf Verhärtungen, Knoten oder Schwellungen achten. Die Untersuchung dauert nur eine Minute. Bei Veränderungen sofort einen Arzt aufsuchen.

Welche Fragen sollte ich meinem Arzt stellen?

  • Ist mein Gewicht normal für mein Alter und meine Größe?
  • Sind mein Blutdruck und meine Blutwerte in Ordnung?
  • Sollte ich meine Augen untersuchen lassen?
  • Ist mein Impfstatus vollständig? Brauche ich Auffrischungen?
  • Gibt es in meiner Familie Erkrankungen, auf die ich besonders achten sollte?
  • Welche zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen empfehlen Sie mir?
  • Was kann ich tun, um langfristig gesund zu bleiben?

Alter 36–45

Was verändert sich in diesem Alter?

Ab Mitte 30 beginnt der Körper sich zu verändern. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, das Risiko für Übergewicht steigt. Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und erste Anzeichen von Diabetes treten häufiger auf. Auch der Testosteronspiegel beginnt ab etwa 40 Jahren langsam zu sinken – bei den meisten Männern ohne Beschwerden, bei einigen mit Symptomen wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder nachlassender Libido. Die gute Nachricht: Mit gesunder Ernährung, Bewegung und regelmäßiger Vorsorge lässt sich vieles verhindern oder frühzeitig erkennen.

Welche Vorsorgeuntersuchungen werden empfohlen?

Ab 35 Jahren wird das Vorsorgeprogramm deutlich umfangreicher. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen jetzt alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-up, der Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und Nierenwerte umfasst. Einmalig kann im Rahmen dieses Check-ups auch ein Screening auf Hepatitis B und C erfolgen. Zusätzlich wird alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening angeboten, bei dem ein Arzt die gesamte Haut auf auffällige Muttermale und Veränderungen untersucht. Die halbjährliche Zahnkontrolle bleibt bestehen.

Ab 45 Jahren kommt die Prostata-Vorsorge hinzu. Die Krankenkassen zahlen eine jährliche Tastuntersuchung der Prostata, bei der der Arzt auch die äußeren Genitalien und die Lymphknoten in der Leiste untersucht. Die Fachgesellschaften empfehlen allerdings zusätzlich einen PSA-Test, der aussagekräftiger ist als die Tastuntersuchung allein. Dieser kostet etwa 25 Euro und muss selbst bezahlt werden. Bei familiärer Vorbelastung – wenn Vater oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt sind – sollte die Prostata-Vorsorge bereits mit 40 Jahren beginnen.

Welche Fragen sollte ich meinem Arzt stellen?

  • Wie sind meine Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinwerte?
  • Habe ich ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
  • Sollte ich einen PSA-Test machen lassen?
  • Gibt es auffällige Muttermale, die beobachtet werden sollten?
  • Ist mein Gewicht in einem gesunden Bereich?
  • Sollte ich meine Augen untersuchen lassen?
  • Welche Impfungen sollte ich auffrischen?
  • Was kann ich tun, um mein Herz-Kreislauf-Risiko zu senken?

Alter 46–65

Welche Erkrankungen treten in diesem Alter am häufigsten auf?

In diesem Alter steigt das Risiko für viele Erkrankungen deutlich an. Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern, Darmkrebs die zweithäufigste – beide treten vor allem ab 50 Jahren auf. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck werden häufiger. Viele Männer bemerken zudem Veränderungen bei der Erektion oder beim Wasserlassen. Ein sinkender Testosteronspiegel kann zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Libidoverlust führen. Die regelmäßige Vorsorge wird jetzt besonders wichtig.

Welche Vorsorgeuntersuchungen werden empfohlen?

In diesem Alter werden die Vorsorgeuntersuchungen am umfangreichsten. Der Gesundheits-Check-up alle drei Jahre, das Hautkrebs-Screening alle zwei Jahre und die jährliche Prostata-Vorsorge laufen weiter. Neu hinzu kommt ab 50 Jahren die Darmkrebs-Früherkennung – eine der wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen überhaupt, da Darmkrebs bei Männern die zweithäufigste Krebserkrankung ist.

Für die Darmkrebs-Früherkennung gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder eine Darmspiegelung, die bei unauffälligem Befund nach zehn Jahren wiederholt wird, oder ein jährlicher Stuhltest auf verstecktes Blut. Die Darmspiegelung gilt als zuverlässiger, da sie auch Vorstufen von Krebs erkennt, die direkt entfernt werden können. Beide Untersuchungen werden von der Krankenkasse bezahlt.

Männer mit erhöhtem Blasenkrebs-Risiko – vor allem Raucher und Männer, die beruflich mit bestimmten Chemikalien in Kontakt kommen – sollten ab 50 Jahren auch ihre Blase untersuchen lassen. Die Untersuchung umfasst einen Urintest auf Blutspuren und eine Ultraschalluntersuchung. Diese Vorsorge ist keine Kassenleistung.

Ab 65 Jahren kommt eine einmalige Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader hinzu. Diese dient der Früherkennung eines Aneurysmas – einer krankhaften Erweiterung der Aorta, die unentdeckt lebensbedrohlich werden kann. Die Untersuchung wird von der Krankenkasse bezahlt.

Welche Fragen sollte ich meinem Arzt stellen?

  • Wie ist mein aktueller PSA-Wert und wie hat er sich entwickelt?
  • Habe ich ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs?
  • Wie sind meine Herz-Kreislauf-Werte – Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin?
  • Gibt es Anzeichen für Diabetes oder eine Vorstufe davon?
  • Sollte ich meine Augen untersuchen lassen?
  • Gibt es auffällige Hautveränderungen?
  • Was kann ich tun, um im Alter fit und gesund zu bleiben?

Alter 65+

Welche Vorsorgeuntersuchungen werden empfohlen?

Ab 65 Jahren kommt eine einmalige Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader hinzu. Diese dient der Früherkennung eines Bauchaortenaneurysmas – einer krankhaften Erweiterung der Hauptschlagader, die unentdeckt reißen und lebensbedrohlich werden kann. Die Untersuchung ist schmerzfrei, dauert nur wenige Minuten und wird von der Krankenkasse bezahlt.

Bei der Prostata-Vorsorge gilt: Männer über 70 mit einem PSA-Wert unter 1 ng/ml haben ein sehr geringes Risiko für Prostatakrebs. Für sie sind weitere PSA-Tests in der Regel nicht mehr notwendig. Bei höheren Werten sollte die Kontrolle fortgesetzt werden.

In diesem Alter steigt auch das Risiko für Augenerkrankungen. Eine jährliche Augenuntersuchung ist empfehlenswert, wird aber nicht von der Krankenkasse übernommen. Gleiches gilt für eine Knochendichtemessung zur Früherkennung von Osteoporose.

Welche Fragen sollte ich meinem Arzt stellen?

  • Wurde meine Bauchschlagader schon per Ultraschall untersucht?
  • Brauche ich noch weitere PSA-Tests oder ist mein Risiko gering?
  • Sollte ich meine Augen untersuchen lassen?
  • Habe ich ein Risiko für Osteoporose?
  • Sind meine Medikamente noch richtig dosiert?
  • Welche Impfungen werden in meinem Alter empfohlen?