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Vorsorgeuntersuchung der Prostata

7 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 19. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Auch wenn die Vorsorgeuntersuchung der Prostata bei Männern nicht immer so beliebt ist, hat sie eine große Chance die Prostatakrebserkrankung in einem Stadium zu entdecken, in dem die Erkrankung noch komplett heilbar ist. Die Untersuchung besteht aus einem PSA Bluttest und einer Tastuntersuchung der Prostata. Manchmal kommt auch ein Ultraschall oder eine Gewebsprobe zum Einsatz.

Überblick

Ab wann sollte ich zur Prostata-Vorsorge?

Männer sollten ab 45 Jahren zur Prostata-Vorsorge gehen. Bei familiärer Vorbelastung – wenn Vater oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt sind – sollte die Vorsorge ebenfalls mit 45 beginnen. Männer mit bestimmten erblichen Risikogenen (etwa BRCA2) sollten sich bereits ab 40 Jahren beraten lassen.

Wie oft sollte ich zur Vorsorge?

Die Häufigkeit richtet sich nach dem PSA-Wert. Bei sehr niedrigen Werten (unter 1,5 ng/ml) reicht eine Kontrolle alle fünf Jahre. Bei Werten zwischen 1,5 und 3 ng/ml wird eine Kontrolle alle zwei Jahre empfohlen. Bei Werten über 3 ng/ml erfolgt eine weitere Abklärung mit MRT und gegebenenfalls Biopsie.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs?

Das Lebensalter gilt bei Prostatakrebs als größter Risikofaktor. Während Männer unter 40 Jahre nur selten davon betroffen sind (Risikofaktor 0,1 Prozent), steigt die Zahl der bekannten Fälle bereits mit 50 Jahren deutlich an. Bei Männern ab 70 Jahren liegt der Risikofaktor bei etwa 5 Prozent.

Besondere Vorsicht ist auch bei allen Männern geboten, bei denen eine familiäre Vorbelastung vorliegt oder es auch schon in jüngeren Jahren zu krankhaften Entzündungen an der Prostata gekommen ist. Die grundsätzliche Erkenntnis, dass sich ein bewusster Lebenswandel positiv auf die Gesundheit auswirkt, gilt natürlich auch für die Prostata. Als besonders belastend für die Prostata gelten vor allem ein hoher Fleischkonsum sowie der übermäßige Genuss von Alkohol und Nikotin.

Untersuchung

Wie läuft die Prostata-Vorsorge Untersuchung ab?

Die moderne Prostata-Vorsorge basiert auf dem PSA-Test. Der Ablauf:

  • Beratungsgespräch: Der Arzt klärt über Vor- und Nachteile der Früherkennung auf. Nur wer sich nach der Beratung für die Früherkennung entscheidet, erhält den PSA-Test.
  • Vorbereitung: In den 24 bis 48 Stunden vor der Blutabnahme sollte auf Radfahren, Geschlechtsverkehr und körperliche Belastung im Beckenbereich verzichtet werden, da diese Aktivitäten den PSA-Wert vorübergehend erhöhen können.
  • PSA-Test: Eine einfache Blutabnahme, bei der der PSA-Wert bestimmt wird. PSA steht für prostataspezifisches Antigen – ein Eiweiß, das ausschließlich in der Prostata gebildet wird.
  • Risikobewertung: Je nach PSA-Wert wird das weitere Vorgehen festgelegt. Bei niedrigen Werten reicht eine Kontrolle nach fünf Jahren. Bei erhöhten Werten folgt eine weitere Abklärung.
  • MRT (bei Verdacht): Bei einem PSA-Wert über 3 ng/ml empfiehlt die Leitlinie eine MRT der Prostata. Diese Untersuchung kann einen Tumor sichtbar machen und unnötige Biopsien vermeiden.
  • Biopsie (nur bei begründetem Verdacht): Wenn diegenannten Untersuchungen auf Prostatakrebs hindeuten, erfolgt eine Biopsie zur Sicherung der Verdachtsdiagnose. Diese wird mit einer Hohlnadel über den Enddarm durchgeführt. Nur durch die mikroskopische Untersuchung des Gewebes, das bei dieser gering belastenden Punktion entnommen wird, kann die Diagnose ”Prostatakarzinom” gestellt werden. Weiterhin ermöglicht die Biopsie Aussagen über den Ausbreitungsgrad und die Bösartigkeit (Grading) des Tumors.

Was bedeutet ein erhöhter PSA-Wert?

Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet nicht automatisch Krebs. Der PSA-Wert steigt mit zunehmendem Alter natürlich an, da sich die Prostata vergrößert. Auch Geschlechtsverkehr, Radfahren, intensive körperliche Belastung, Prostata- oder Harnwegsentzündungen können den Wert vorübergehend erhöhen.

Bestimmte Medikamente gegen Prostatavergrößerung oder Haarausfall (Finasterid, Dutasterid) senken den PSA-Wert hingegen und sollten dem Arzt mitgeteilt werden. Bei einem erstmals erhöhten Wert wird nicht sofort eine MRT durchgeführt.

Zunächst erfolgt eine Kontrollmessung nach 6 bis 12 Wochen, um vorübergehende Ursachen auszuschließen. Bestätigt sich der erhöhte Wert, folgt eine MRT der Prostata. Wichtiger als ein einzelner Wert ist der Verlauf über die Zeit – ein schneller Anstieg innerhalb weniger Monate ist besorgniserregender als ein langsam steigender Wert.

Wird noch eine Tastuntersuchung gemacht?

Die Tastuntersuchung wird zur Früherkennung nicht mehr empfohlen. Sie bleibt aber Teil der urologischen Diagnostik, wenn bereits ein Verdacht besteht oder andere Beschwerden vorliegen.

Bei der Tastuntersuchung zieht der Arzt einen Einmalhandschuh an und trägt etwas Gleitmittel auf. Dann führt er seinen Zeigefinger in den Enddarm ein, um die Prostata abzutasten. Dabei beurteilt er Größe und Beschaffenheit der Drüse. Ein Tumor fällt als knotige Verhärtung gegenüber dem normalen Gewebe auf. Die Untersuchung dauert nur wenige Sekunden und ist in der Regel nicht schmerzhaft, kann aber als unangenehm empfunden werden.

Das Problem der Tastuntersuchung: Sie erkennt frühe Stadien des Prostatakrebs nicht zuverlässig. Kleine Tumoren sind nicht tastbar, und auch größere Tumoren werden häufig übersehen. Gleichzeitig führt die Tastuntersuchung zu vielen falschen Alarmen. Deshalb empfehlen die Fachgesellschaften seit 2025 den PSA-Test als Standard.

Komplikationen

Welche Risiken birgt eine Prostatauntersuchung?

Die Prostata-Vorsorge selbst – also die Blutabnahme für den PSA-Test – ist harmlos. Die Risiken liegen woanders: in dem, was danach passieren kann.

Das größte Problem ist die sogenannte Überdiagnose. Bei etwa 40 von 100 Männern mit einem durch Früherkennung entdeckten Prostatakrebs hätte der Tumor im Laufe ihres Lebens nie Beschwerden verursacht. Diese Männer erhalten eine Krebsdiagnose, die sie psychisch belastet – und möglicherweise eine Behandlung, die sie nicht gebraucht hätten. Operation und Bestrahlung können zu dauerhafter Inkontinenz und Impotenz führen.

Hinzu kommt das Risiko falsch-positiver Befunde. Bei drei von vier Männern mit erhöhtem PSA-Wert zeigt die Biopsie keinen Tumor. Diese Männer durchleben Wochen der Angst und eine Gewebeentnahme, die mit Schmerzen, Blutungen und Infektionsrisiko verbunden ist – ohne dass tatsächlich Krebs vorliegt.

Die Kombination aus PSA-Test und MRT, wie sie die aktuelle Leitlinie empfiehlt, kann diese Risiken deutlich verringern. Die MRT hilft, unnötige Biopsien zu vermeiden und aggressive von harmlosen Tumoren zu unterscheiden.

Kosten

Was zahlt die Krankenkasse?

Die Situation ist derzeit im Umbruch: Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen ab 45 Jahren noch die jährliche Tastuntersuchung – obwohl diese laut aktueller Leitlinie zur Früherkennung nicht mehr empfohlen wird. Der PSA-Test, der jetzt als Standard gilt, ist noch keine Kassenleistung. Der Gemeinsame Bundesausschuss prüft derzeit eine Anpassung der Früherkennungsrichtlinien. Eine Übernahme des PSA-Tests durch die Kassen wird voraussichtlich nicht vor 2028 erfolgen. Bei einem auffälligen PSA-Befund übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten für die weitere Diagnostik.

Was kostet der PSA-Test?

Der PSA-Test kostet etwa 25 Euro und muss derzeit selbst bezahlt werden. Angesichts der überlegenen Aussagekraft gegenüber der Tastuntersuchung ist diese Investition sinnvoll. Manche Krankenkassen erstatten die Kosten im Rahmen von Bonusprogrammen oder als individuelle Gesundheitsleistung.

Prävention

Kann man Prostatakrebs vorbeugen?

Die Empfehlungen, wie sich das Risiko einer Tumorerkrankung an der Prostata minimieren lässt, ähneln den generellen Empfehlungen in der Krebs-Vorsorge: Jeder Mensch sollte darauf achten, seinem Körper regelmäßig etwas Gutes zu tun. Das umfasst sowohl die Ernährung (viel Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte!) als auch die Bewegung (Sport oder zumindest Spazierengehen und Treppensteigen) und den Lebenswandel (Stress vermeiden).

Studien zeigen, dass speziell für die Prostata auch Sojaprodukte eine positive Auswirkung haben können. Es wird vermutet, dass dies am hohen Isoflavone-Gehalt in Sojaprodukten liegt. Isoflavone sind sekundäre Pflanzenstoffe, die über eine hormonaktive Wirkung verfügen. Sie haben sich deshalb bei Frauen als sehr nützlich erwiesen, wenn es um Beschwerden in den Wechseljahren geht. Aber auch bei bestimmten Krebsarten wird von einer positiven Wirkung ausgegangen. 

Ausdrücklich gewarnt werden muss aber vor einer unkontrollierten Einnahme von Sojaprodukten und damit auch von Isoflavonen. Denn eine zu hohe Dosis kann sich negativ auf den Körper auswirken. Empfehlenswert ist deshalb das Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin. Aus medizinischer Sicht kann dann eine individuelle Lösung aufgezeigt werden, wie mit dem Thema Krebsvorsorge umgegangen werden sollte. Was eine Tumorerkrankung an der Prostata betrifft, wird der Arzt oder die Ärztin dann auch immer eine Vorsorgeuntersuchung empfehlen. Denn nicht zuletzt die erschreckenden Beobachtungen in den USA sollten zeigen: Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind immer noch die beste Möglichkeit, um ein Prostatakarzinom frühzeitig erkennen und dann erfolgreich behandeln zu können.