Testosteron und Altern beim Mann
Kurz zusammengefasst
Im Gegensatz zu früheren Annahmen führt nicht das Alter zu Hormonmangel, sondern Hormonmangel führt zum Altern. Etwa ab dem 40. Lebensjahr nimmt der Testosteronspiegel von Jahr zu Jahr ab. Eine langfristige Testosteronbehandlung bei nachgewiesenem Mangel kann die Knochenmineraldichte und Knochenfestigkeit signifikant verbessern.
Altern ist ein unausweichlicher Prozess, dem jeder Mensch vom Augenblick seiner Geburt an bis zum Tod unterworfen ist. Im Gegensatz zu früheren Annahmen führt allerdings nicht das Alter zu Hormonmangel, sondern Hormonmangel führt zum Altern. Wenn das komplexe und fein abgestimmte Kommunikationssystem der Hormone aus dem Gleichgewicht gerät, beginnt unser Organismus zu altern.
Was hat Testosteron mit dem Altern zu tun?
Etwa ab dem 40. Lebensjahr nimmt der Testosteronspiegel – bedingt durch äußere, aber auch durch innere Einflüsse wie etwa Stress – normalerweise von Jahr zu Jahr ab. Dies gilt insbesondere für das biologisch aktive Testosteron, das unter anderem von den beiden Blutwerten SHBG (Sexual Hormon Binding Globulin) und Albumin abhängig ist.
Neben dem Testosteron spielen auch genetische Faktoren sowie Umweltbedingungen und der individuelle Lebensstil einschließlich der Ernährung eine entscheidende Rolle im Alterungsprozess. Umwelt, Genetik und Hormone sind in ständiger Wechselwirkung.
Aus diesem Grund gibt es keine wirklichen Widersprüche zwischen physischer und psychischer Alterung. Neben der altersabhängigen Abnahme der Sexualhormone kommt es auch zu einer deutlichen Aktivitätsminderung anderer Hormonsysteme wie z. B. bestimmter Nebennierenrindenhormone (Dehydroepiandrosteron = DHEA) oder Wachstumshormone. Gleichzeitig spielt Sex im Alter eine immer wichtigere Rolle.
Warum verlieren Männer ab 40 an Kraft und Körperfülle?
Testosteron ist maßgeblich an der Muskelproteinsynthese beteiligt – also dem Prozess durch den der Körper neue Muskelmasse aufbaut. Mit sinkendem Testosteronspiegel verliert der Körper zunehmend Muskelmasse und Muskelkraft – ein Prozess den Mediziner als Sarkopenie bezeichnen. Äußerlich sichtbar wird das durch schlaffere Arme und Beine, einen weniger definierten Körper und nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit. Studien zeigen dass Männer mit niedrigerem Testosteronspiegel im Alter deutlich schneller an Muskelmasse verlieren und sich das direkt in Griffstärke, Ganggeschwindigkeit und der Fähigkeit bemerkbar macht, alltägliche Bewegungen ohne Hilfe auszuführen – klassische Zeichen des körperlichen Alterns.
Wer diesem Abbau tatenlos zusieht riskiert eine gefährliche Spirale: Weniger Muskelmasse drosselt den Stoffwechsel und den Energieverbrauch, was zu weniger Appetit, körperlicher Passivität und weiterem Muskelabbau führt – und den Alterungsprozess damit zusätzlich beschleunigt. Eine NASA-Studie zeigte dabei dass erst die Kombination aus körperlichem Training und einer Testosterontherapie wirksam gegen Muskelabbau schützt – Testosteron allein reicht nicht.
Können Knochen durch Testosteronmangel brüchig werden?
Wenn der Testosteronspiegel abnimmt, führt dies zu einem Verlust an Knochenmineralsubstanz – und damit zu einem der sichtbarsten Zeichen des Alterns. Eine mögliche Folge ist ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche (Frakturen). Die Auswertung aller vorhandenen wissenschaftlichen Daten hat folgendes gezeigt: Bei einer langfristigen Testosteronbehandlung von einem bis zwei Jahren bei Männern mit einem entsprechenden Mangel hat die volumetrische Knochenmineraldichte – und die daraus resultierende Knochenfestigkeit – signifikant zugenommen.
Interessant war, dass der Effekt in der Wirbelsäule deutlich ausgeprägter war als in der Hüfte, wobei der Effekt der Hormontherapie auch im Hüftknochen signifikant war.
Warum sehen Männer mit Testosteronmangel älter aus?
Ein sinkender Testosteronspiegel korreliert nachweislich mit einem höheren Körperfettanteil – besonders im Bauchbereich. Genau diese Fettverteilung gilt als eines der äußerlich sichtbarsten Zeichen des männlichen Alterns: der sogenannte Altersbauch. Übergewicht verschlimmert das Problem zusätzlich da ein Enzym im Fettgewebe Testosteron in das weibliche Hormon Östrogen umwandelt. Dadurch sinkt der Testosteronspiegel weiter und der Körper baut noch mehr Fett auf – ein Teufelskreis der den Alterungsprozess beschleunigt und der sich auch in einer zunehmend femininen Körperform bemerkbar machen kann. Studien zeigen dass eine Testosterontherapie bei Männern mit nachgewiesenem Mangel zu einer signifikanten Abnahme des Körperfetts bei gleichzeitiger Zunahme der Muskelmasse führt – der Körper wirkt dadurch messbar jünger.
Warum fühlen sich Männer mit sinkendem Testosteron müder und schwächer?
Testosteron regt im Knochenmark die Produktion roter Blutkörperchen an. Mit sinkendem Testosteronspiegel kann diese Produktion nachlassen – was zu Blutarmut führen kann. Studien zeigen dass fast jeder zehnte ältere Mann davon betroffen ist. Typische Folgen sind anhaltende Müdigkeit, Antriebslosigkeit und verminderte körperliche Leistungsfähigkeit – Beschwerden die den Mann subjektiv deutlich älter fühlen lassen als er ist und die häufig fälschlich als unvermeidliche Alterserscheinungen akzeptiert werden. Nach einer Testosterontherapie bei nachgewiesenem Mangel lässt sich in vielen Fällen ein Anstieg der roten Blutkörperchen und eine spürbare Verbesserung der Vitalität feststellen.
