Hodenkrebs
Kurz zusammengefasst
Hodenkrebs ist eine bösartige Erkrankung der Hoden, die vor allem Männer zwischen 20 und 45 Jahren betrifft. Er entsteht meist aus Keimzellen und wächst schnell, ist aber bei früher Entdeckung mit über 95 Prozent Überlebensrate eine der heilbarsten Krebsarten überhaupt. Typisches Warnsignal ist eine schmerzlose Verhärtung oder Vergrößerung eines Hodens. Da es keine spezielle Vorsorgeuntersuchung gibt, sollte jeder Mann seine Hoden einmal monatlich selbst abtasten.
Überblick
Was ist Hodenkrebs?
Hodenkrebs ist eine bösartige Erkrankung der Hoden – und gleichzeitig eine der wenigen Krebsarten, die bei früher Entdeckung sehr gut heilbar ist. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei über 95 Prozent, wenn der Tumor früh erkannt wird. In Deutschland erkranken jährlich rund 4.500 Männer daran. Bei Männern zwischen 20 und 45 Jahren ist Hodenkrebs die häufigste Krebserkrankung überhaupt.
Wie gut sind die Heilungschancen bei Hodenkrebs?
Hodenkrebs gehört zu den am besten behandelbaren Krebserkrankungen überhaupt. Wird der Tumor früh entdeckt – bevor er Metastasen gebildet hat – liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei über 95 Prozent. Selbst in fortgeschrittenen Stadien mit Metastasen sind die Heilungschancen durch moderne Behandlungsmethoden wie Chemotherapie und Bestrahlung gut. Entscheidend ist deshalb vor allem eines: Je früher der Tumor erkannt wird, desto besser die Prognose.
Symptome
Wie macht sich ein Hodentumor bemerkbar?
Ein Hodentumor (Hodenkarzinom) verursacht zunächst keine Beschwerden. Schmerzen treten eher selten auf. Stattdessen gibt es eine Reihe möglicher Symptome, die eine gewisse Zeit lang unterschätzt werden oder sogar komplett unbemerkt bleiben können. So gilt eine deutliche Vergrößerung des Hodensacks als auffälligstes Warnsignal. Auch eine Verhärtung in den Hoden kann auf einen Hodentumor hinweisen. Weitere mögliche Symptome sind eine Schwellung im Hodenbereich oder ein hin und wieder auftretendes Ziehen in der Leistengegend.
Andere Patienten bemerken ein Brustwachstum. Bei der sogenannten Gynäkomastie wächst das Drüsengewebe der Brust, das ähnlich wie in der Pubertät bei Mädchen verschiedene Stadien durchläuft.
Ursachen
Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?
Ein bekannter Risikofaktor für Hodentumore ist der Hodenhochstand, der so genannte Leistenhoden. Hierbei ist das Risiko, einen Hodenkrebs zu entwickeln, um das 15- bis 30-fache erhöht. Ein anderer Risikofaktor, ist die genetische Komponente. So besteht ein doppeltes Risiko bei der Erkrankung des Vaters, ein vierfaches Risiko bei Erkrankung des Bruders und bis zu 20-faches Risiko bei Erkrankung eines Zwillingsbruders.
Diagnose & Untersuchungen
Wie lässt sich der Verdacht auf Hodenkrebs medizinisch abklären?
Sobald eine Verhärtung oder eine signifikante Vergrößerung eines Hodens festgestellt wird, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Die Medizin und hier auch speziell die urologische Medizin wie auch die Onkologie hat heute viele Möglichkeiten, mit Hilfe diverser Techniken (allen voran mit einer Untersuchung des Bluts oder aber auch mit einer Ultraschalluntersuchung) den Verdacht auf Hodenkrebs zu überprüfen.
Welche Rolle spielen Blutwerte und Tumormarker?
Es gibt zwar keine klassische Vorsorgeuntersuchung für Hodenkrebs. Doch Aufschluss über mögliche Veränderungen im Körper kann immer eine Untersuchung des Bluts geben. Denn einige Tumore verursachen Veränderungen bestimmter Blutwerte (Tumormarker).
Als die wichtigsten Tumormarker sind hier AFP, ß-HCG und LDH zu erwähnen.
Leider produzieren jedoch nicht alle Tumorarten diese o.g. Tumormarker und auch je nach Hodentumorart sind die einzelnen Marker unterschiedlich nachweisbar.
Dieses Problem könnte der neuartig in Hamburg entdeckte Tumormarker M371 lösen. M371 ist ein Teil der micro-RNA, welche von allen Tumorarten, bis auf das seltene Teratom, produziert wird. Seine Sensitivität und Spezifität sind den anderen Tumormarkern überlegen. Leider ist der M371-Test noch nicht routinemäßig verfügbar. Hier gilt es in Zukunft besonders kommerzielle Probleme zu lösen, da seine Bestimmung aktuell sehr aufwendig und kostspielig ist.
Behandlung
Wie kann ein Hodentumor behandelt werden?
Hodenkrebs lässt sich bei früher Diagnose sehr gut behandeln. Je früher eine Behandlung eingeleitet wird, desto höher sind die Chancen auf Heilung. Im Zweifel muss bei einer Vergrößerung des Hodens immer eine Freilegung durch eine Operation erfolgen. Je nach Art des Hodenkrebses kann es sich um eine sehr bösartige Erkrankung handeln, die rasch Tochtergeschwülste (Metastasen) in die Lymphdrüsen des hinteren Bauchraums (Retroperitoneum) und in die Lunge setzt.
Stärkere Schmerzen treten meist erst sehr spät auf. Bei rechtzeitiger Diagnose gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten. Der befallene Hoden wird durch einen Leistenschnitt entfernt und genau untersucht. Nach der Operation folgen technische Untersuchungen mittels Röntgen, Ultraschall und Computertomographie zur Klärung, ob bereits Tochtergeschwülste vorliegen. Die weitere Behandlung richtet sich nach der Tumorart und dem Ausbreitungsstadium.
Sobald sich bei einem betroffenen Mann der Verdacht auf einen bösartigen Hodentumor (Hodenkarzinom) bestätigt hat, wird als nächstes untersucht, welches Stadium die Krankheit bereits erreicht hat. Vom Stadium des Hodentumors hängt die jeweilige Behandlungsmöglichkeit ab. Ein operativer Eingriff ist aber nahezu immer unumgänglich. Sollte sich hierbei der Hodentumorverdacht histologisch bestätige, erfolgt über die Computer-Tomographie ein Scan von Lunge, Bauch und Becken.
Im besten Fall, ohne das Auftreten von Metastasen, ist die erfolgte Operation bereits als kurativ (heilend) anzusehen es erfolgt eine weitere engmaschige Überwachung (aktive Überwachung) des Patienten. In anderen Fällen sind unterschiedliche Chemotherapien oder eine Bestrahlung nötig.
Im ungünstigsten Fall – also in fortgeschrittenen Stadien – haben sich bereits Metastasen in den benachbarten Lymphknoten und/oder Organen gebildet. Im Einzelfall muss entschieden werden, ob im Anschluss auch noch eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie erforderlich ist.
Erholung & Nachsorge
Wie sieht die Nachsorge nach Hodenkrebs aus?
Wie bei jeder Krebserkrankung ist auch nach der Entfernung eines Hodentumors noch eine gewissenhafte Nachsorge dringend empfohlen. Dabei spielen sowohl die rein medizinischen Gesichtspunkte eine Rolle als auch die psychischen. Die Gefahr, dass sich ein Rezidiv bildet (also, dass der Tumor erneut auftritt), ist im Falle von Hodenkrebs relativ selten. Das höchste Risiko besteht noch in den ersten drei Jahren nach der erfolgten Behandlung. Auch die Gefahr eines sogenannten Zweittumors – also, dass sich nach der Erkrankung des einen Hoden auch noch im anderen Hoden ein Tumor bildet – ist mit etwa 2 Prozent eher gering, aber dennoch um das 20-fache der Norm erhöht. Trotzdem sollte die medizinische Nachsorge ernst genommen werden. Denn auch bei einem möglichen Rezidiv gilt wieder die Grundregel: Je früher er erkannt wird, desto besser die Heilungschancen.
Bei der Nachsorge gilt ein Hauptaugenmerk dem Blut des betroffenen Patienten. Es wird regelmäßig auf mögliche Tumormarker untersucht. Weitere Möglichkeiten der Medizin sind Ultraschalluntersuchungen, Röntgenaufnahmen sowie auch eine Computertomographie (CT). Ins Visier genommen werden dabei nicht nur die Hoden selbst, sondern auch benachbarte Organe sowie die Lymphknoten.
Außer dieser Nachsorge, die nur von einem Arzt (idealerweise von einem Urologen) vorgenommen werden kann, ist auch weiterhin eine regelmäßige Selbstuntersuchung ratsam: Es gilt, neuerlich auftretende Verhärtungen oder Schwellungen so früh wie nur möglich zu erkennen!
Generell besteht für Patienten, welche eine Chemotherapie oder Bestrahlung erhalten haben eine lebenslange, regelmäßige Nachsorge beim Urologen. Diese erfolgt nach einem festen Schema. Nur bei Patienten, die nach erfolgter Operation keine Bestrahlung oder Chemotherapie benötigten, kann die Nachsorge nach 10 Jahren beendet werden.
Doch selbst, wenn die rein medizinische Situation bei einem Patienten völlig in Ordnung ist, kann auch immer noch eine seelische Belastung für Probleme sorgen. Dies gilt beim Hodenkrebs insbesondere für den Fall, dass ein Mann nach erfolgter Behandlung mit diversen Folgeschäden wie Unfruchtbarkeit oder gar Erektionsstörungen leben muss. Das Risiko für solche Folgeschäden gilt vor allem dann als hoch, wenn noch eine Strahlentherapie erfolgt ist.
Wer Hilfe in einer psychisch belastenden Situation benötigt, kann diese in vielfältiger Form finden – wichtig ist nur, dass der Betroffene diese Hilfe auch zulässt. Ein erster guter Ansprechpartner kann noch während des Aufenthalts in einer Klinik der dortige Sozialdienst sein. Dessen Mitarbeiter kennen in der Regel alle wohnortnahen Ansprechpartner. Dabei kann es sich sowohl um konkrete Therapeuten handeln als auch um Selbsthilfegruppen. Zahlreiche Hilfestellungen bietet auch die Deutsche Krebsgesellschaft an.
Komplikationen
Welche möglichen Folgen können Behandlung und Operation haben?
Wenn ein Hoden entfernt werden muss, besteht in Sachen Potenz - im Gegensatz zur Fruchtbarkeit – grundsätzlich keine Gefahr, dass sie darunter leidet. Allerdings ist bei Operationen in diesem Bereich des Körpers immer die Gefahr vorhanden, dass Nerven verletzt werden und es dadurch zu Schädigungen der Potenz oder der Fähigkeit zur Ejakulation (Samenerguss) kommen kann.
Nicht unterschätzt werden sollten allerdings die psychischen Folgen einer Hodenentfernung. Für manche Männer kann es hilfreich sein, sich eine Hodenprothese einsetzen zu lassen, um dadurch zumindest das Gefühl einer körperlichen Vollwertigkeit zu haben. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch der jeweilige Partner. Sollte sich dieser eher an einem solchen Fremdkörper, der meist aus Silikon besteht, stören, kann es sinnvoller sein, auf eine Prothese zu verzichten.
Prognose
Wie sind die Heilungschancen bei Hodenkrebs?
Was grundsätzlich bei vielen Krankheiten gilt, trifft auf den Hodenkrebs ganz besonders zu: Je früher er entdeckt wird, desto aussichtsreicher sind die Heilungschancen. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt, wenn der Hodentumor bereits in einem frühen Stadium entdeckt wird und noch keine Metastasen entwickelt hat, bei über 95Prozent.
Vorbeugung
Wie funktioniert der regelmäßige Hoden-Check?
Jeder Mann sollte mindestens einmal monatlich seine Hoden selber abtasten! Idealerweise erfolgt dies während des Duschens, denn durch das warme Wasser entspannt sich die Haut des Hodensacks und die darin befindlichen Hoden werden leichter fühlbar. So gelingt der Hodencheck:
- Position einnehmen: Öffnen Sie die dominante Hand mit der Handfläche nach oben. Legen Sie den Hodensack in die geöffnete Handfläche, Beine schulterbreit gespreizt.
- Größe und Gewicht prüfen: Spüren Sie im Vergleich zur letzten Untersuchung Veränderungen in Größe oder Gewicht? Keine Sorge: Die beiden Hoden können sich in Größe und Gewicht unterscheiden – das ist völlig normal.
- Abtasten: Jeden Hoden einzeln zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger nehmen und vorsichtig hin- und hergleiten lassen. Spüren Sie Knoten oder Veränderungen? Nicht irritieren lassen, wenn Sie den Nebenhoden ertasten – er sitzt kappenartig auf dem Hoden und fühlt sich fester an. Der Hoden selbst ist prall-elastisch mit glatter Oberfläche. Mit etwas Übung lässt sich der Unterschied gut erkennen.
- Optische Kontrolle: Den Hoden so positionieren, dass er gut sichtbar ist – oder vor einen Spiegel stellen. Ist eine Vergrößerung oder Schwellung erkennbar?
