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Hodenschmerzen

6 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Hodenschmerzen können durch verschiedene Ursachen entstehen, zum Beispiel durch Verletzungen, Entzündungen, Infektionen oder andere Erkrankungen. Die Schmerzen können als dumpfes Ziehen, Druckgefühl oder plötzlich auftretender starker Schmerz im Hoden oder im Hodensack auftreten. Sie können einen oder beide Hoden betreffen und manchmal auch in Leiste, Unterbauch oder Rücken ausstrahlen. Zusätzlich können Symptome wie Schwellung, Rötung oder Übelkeit auftreten. Wenn Hodenschmerzen länger als eine Stunde anhalten oder sehr stark sind, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Überblick

Was sind Hodenschmerzen?

Hodenschmerzen sind Schmerzen im Bereich der Hoden oder des Hodensacks. Grundsätzlich sind anhaltende Hodenschmerzen nicht normal und sollten ernst genommen werden. Die Hoden sind sehr empfindliche Organe, sodass bereits ein Stoß, eine Verletzung oder intensive körperliche Belastung kurzfristige Schmerzen verursachen können. Auch langes Sitzen oder Druck auf den Hodensack kann gelegentlich zu einem unangenehmen Ziehen führen. In vielen Fällen verschwinden solche leichten Beschwerden nach kurzer Zeit von selbst.

Manchmal kommen die Schmerzen aber gar nicht direkt aus dem Hoden, sondern aus anderen Körperregionen wie Leiste, Unterbauch oder den Harnwegen und strahlen in den Hoden aus.

Wer bekommt Hodenschmerzen?

Grundsätzlich können Männer jeden Alters Hodenschmerzen bekommen.

Das Risiko kann jedoch erhöht sein bei:

  • Männern mit körperlich anstrengender Arbeit
  • Personen, die Kontaktsportarten betreiben (z. B. Fußball, Hockey oder Kampfsport)
  • sexuell aktiven Männern mit Risiko für Infektionen

Ursachen

Was ist die häufigste Ursache für Hodenschmerzen?

Hodenschmerzen können viele Ursachen haben. Manchmal ist die Ursache klar, zum Beispiel nach einer Verletzung. In anderen Fällen ist sie weniger offensichtlich.

Häufige Ursachen sind:

Seltenere Ursachen können auch sein:

Symptome

Welche Symptome können bei Hodenschmerzen auftreten?

Neben den Schmerzen können weitere Beschwerden auftreten. Die Schmerzen können dabei helfen, die Ursache des Schmerz besser einordnen zu können.

  • Stechender Schmerz: Ein stechender, plötzlich einsetzender Schmerz wird oft als sehr intensiv und scharf beschrieben. Er tritt meist ohne Vorwarnung auf. Dieser Schmerz ist typisch für eine Hodentorsion oder kann auch durch eine Verletzung des Hodens entstehen. Bei plötzlich starken Schmerzen sollte immer sofort ein Arzt aufgesucht werden, da ein medizinischer Notfall vorliegen kann.
  • Dumpfer Schmerz: Ein dumpfer Schmerz fühlt sich meist wie ein ständiges Ziehen oder ein schweres Gefühl im Hoden an. Die Beschwerden entwickeln sich oft langsam und können über längere Zeit bestehen bleiben. Häufige Ursachen sind Nebenhodenentzündungen, Varikozelen (Krampfadern im Hodensack) oder eine länger anhaltende Reizung des Hodens.
  • Ziehender Schmerz: Ein ziehender Schmerz wird oft als unangenehmes Ziehen vom Hoden in die Leiste oder den Unterbauch beschrieben. Er tritt häufig bei Leistenproblemen, Nervenreizungen oder nach körperlicher Belastung auf. Auch eine beginnende Entzündung kann solche Beschwerden verursachen.
  • Druckschmerz: Beim Druckschmerz treten die Beschwerden vor allem auf, wenn der Hoden berührt oder gedrückt wird. Der Hoden ist dabei oft empfindlich oder schmerzhaft. Diese Form des Schmerzes tritt häufig bei Entzündungen des Nebenhodens oder Hodens sowie nach leichten Verletzungen oder Prellungen auf.
  • Brennender Schmerz: Ein brennender Schmerz wird oft zusammen mit Brennen beim Wasserlassen oder Schmerzen in der Harnröhre wahrgenommen. Häufig steckt eine Harnwegsinfektion oder eine sexuell übertragbare Infektion dahinter, die auch den Nebenhoden betreffen kann.
  • Ausstrahlender Schmerz: Bei ausstrahlendem Schmerz liegt die Ursache oft nicht direkt im Hoden, sondern in anderen Körperregionen. Die Schmerzen können zum Beispiel von Nierensteinen, einem Leistenbruch oder Problemen der Wirbelsäule ausgehen und in den Hodenbereich ausstrahlen.
  • Chronischer Schmerz: Von chronischem Hodenschmerz spricht man, wenn die Beschwerden über mehrere Monate bestehen oder immer wieder auftreten. Die Schmerzen werden oft als dauerhaftes Ziehen oder Druckgefühl beschrieben. In solchen Fällen ist eine urologische Untersuchung wichtig, um mögliche Ursachen zu finden und gezielt zu behandeln.

Neben den Schmerzen des Hodens selbst, können auch typische Begleitsymptome auftreten.

Typische Begleitsymptome sind:

  • Blutergüsse nach einer Verletzung
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwellung oder Knoten im Hodensack
  • Fieber bei Infektionen
  • Probleme beim Wasserlassen

Bei Nierensteinen können zusätzlich auftreten:

  • häufiges Wasserlassen
  • Brennen beim Wasserlassen
  • Blut im Urin

Diagnose

Wie findet der Arzt die Ursache von Hodenschmerzen heraus?

Ein Arzt beginnt in der Regel mit einer medizinischen Befragung und körperlichen Untersuchung.

Während der Untersuchung kann der Arzt Fragen stellen wie:

  • Wann haben die Schmerzen begonnen?
  • Wie lange bestehen die Beschwerden?
  • Wo genau treten die Schmerzen auf?
  • Gab es eine Verletzung im Bauch- oder Leistenbereich?
  • Werden die Schmerzen bei bestimmten Aktivitäten stärker oder schwächer?

Der Arzt kann außerdem nach der sexuellen Vorgeschichte fragen.

Weitere Untersuchungen können sein:

  • Blutuntersuchung zur Erkennung von Infektionen
  • Urinuntersuchung
  • Ultraschall des Hodens
  • weitere Tests bei Verdacht auf bestimmte Erkrankungen

Wer behandelt Hodenschmerzen?

Oft beginnt die Behandlung bei einem Hausarzt.

Falls eine spezialisierte Behandlung nötig ist, kann der Arzt an Fachärzte überweisen, zum Beispiel:

Wann sollte man zum Arzt?

Bestimmte Symptome können darauf hinweisen, dass eine ernsthafte Erkrankung oder ein medizinischer Notfall vorliegt.

Suchen Sie sofort medizinische Hilfe bei:

  • plötzlich starken Schmerzen im Hoden
  • Schmerzen zusammen mit Übelkeit oder Erbrechen
  • Schwellung des Hodensacks
  • Schmerzen, die länger als eine Stunde anhalten
  • Schmerzen, die trotz Ruhe nicht besser werden

Starke, plötzlich auftretende Schmerzen können ein Zeichen für eine Hodentorsion sein. Dabei verdreht sich der Samenstrang und die Blutversorgung des Hodens wird unterbrochen. Das ist ein medizinischer Notfall.

Behandlung

Wie werden Hodenschmerzen behandelt?

Die Behandlung hängt von der Ursache der Schmerzen ab.

Manchmal können einfache Maßnahmen helfen, zum Beispiel:

  • Kühlen des Hodensacks mit einem Kühlpack
  • Hochlagern des Hodensacks im Liegen
  • warme Bäder
  • entzündungshemmende Schmerzmittel

Wenn diese Maßnahmen nicht helfen, kann ein Arzt abhängig von der Ursache Medikamente verschreiben.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Antibiotika bei bakteriellen Infektionen
  • entzündungshemmende Medikamente
  • Medikamente gegen Nervenschmerzen

Gehen Hodenschmerzen von alleine weg?

Das hängt von der Ursache ab.

Wenn die Schmerzen durch eine leichte Verletzung entstehen, können sie nach kurzer Zeit von selbst verschwinden.

Wenn die Schmerzen jedoch:

  • länger als eine Stunde anhalten
  • stärker werden
  • mit anderen Symptomen auftreten

sollte sofort medizinische Hilfe gesucht werden.

Ist manchmal eine Operation nötig?

In einigen Fällen ist eine Operation erforderlich, insbesondere bei bestimmten Erkrankungen.

Operationen können nötig sein bei:

  • Hodentorsion
  • Leistenbruch
  • bestimmten Formen chronischer Schmerzen
  • Hodenkrebs

Mögliche Operationen sind:

  • Entdrehen des Hodens (bei Hodentorsion)
  • Operation eines Leistenbruchs
  • Entfernung des Nebenhodens bei chronischen Schmerzen
  • Entfernung eines Hodens bei Hodenkrebs

Was ist eine mikrochirurgische testikuläre Denervierung?

Bei chronischem Hodenschmerz (Testalgie) kann in bestimmten Fällen eine mikrochirurgische testikuläre Denervierung durchgeführt werden. Dieses Verfahren wird auch als Samenstrangneurolyse bezeichnet.

Dabei werden im Bereich des Samenstrangs gezielt Schmerznerven mikrochirurgisch durchtrennt, um die Schmerzleitung zu unterbrechen.

Diese Behandlung kommt in Betracht, wenn:

  • die Schmerzen chronisch bestehen
  • andere Behandlungen keine ausreichende Linderung bringen
  • eine sorgfältige Voruntersuchung und Testung erfolgt ist

Die mikrochirurgische Denervierung gilt als operative Alternative für Patienten mit therapieresistentem chronischem Hodenschmerz.