Termin vereinbaren über Kontaktformular oder +49 151 42044956 anrufen
Start / Krankheitsratgeber

Varikozele (Krampfadern im Hodensack)

6 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 19. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Eine Varikozele ist eine Schwellung im Hodensack, die meist nur linksseitig auftritt und oft zu einer Überwärmung des Hodens führen kann. Ursache ist eine Blutstauung in den Venen des Samenstrangs. Ungefähr 15 % der erwachsenen Männer haben eine Varikozele. Bei Jugendlichen sind zumeist fünf Prozent betroffen.

Überblick

Ist eine Varikozele gefährlich?

Eine Varikozele ist in den meisten Fällen harmlos – viele Männer haben eine, ohne es zu wissen, und ohne dass sie jemals Beschwerden verursacht. Trotzdem sollte sie ernst genommen werden. Bleibt eine ausgeprägte Varikozele unbehandelt, kann der anhaltende Blutstau im Hoden zu einer Temperaturerhöhung führen, die die Spermienproduktion langfristig schädigt. Die Folgen können ein verkleinerter Hoden, verminderte Spermienqualität und im schlimmsten Fall Unfruchtbarkeit sein. Tatsächlich ist die Varikozele für etwa 20 bis 40 Prozent aller Fälle eines unerfüllten Kinderwunsches mitverantwortlich. In seltenen Fällen kann eine neu aufgetretene Varikozele auch ein Hinweis auf einen Tumor der Niere sein – ein weiterer Grund, auffällige Befunde immer ärztlich abklären zu lassen.

Welche Schweregrade gibt es bei einer Varikozele?

Insgesamt unterscheidet man drei Schweregrade der Varikozele:

  • Varikozele Grad I: Eine Varikozele Grad 1 liegt vor, wenn diese während des Valsalva-Manövers palpatorisch zu erfassen ist. Der Arzt kann die Krampfader also tasten, obwohl diese optisch unsichtbar ist.
  • Varikozele Grad II: Davon spricht man, wenn die nicht sichtbare Varikozele durch die Erhöhung des abdominalen Drucks oder auch unter Ruhebedingungen tastbar ist.
  • Varikozele Grad III: Der Schweregrad 3 liegt vor, wenn die Varikozele extrem ausgeprägt ist. Sie ist dann gut zu sehen und zu tasten. Dazu kommt häufig, dass der Hoden atrophiert ist, also an Volumen abgenommen hat – insbesondere in Relation zum Hoden ohne Varikozele. In diesem Zusammenhang sei ein wichtiger Hinweis erlaubt: Es ist normal, dass die Hoden unterschiedlich groß sind.

Symptome

Welche Symptome hat eine Varikozele?

Wie beim Wasserbruch des Hodens kann es zu Hodenschwellungen und dumpfem Spannungsgefühl sowie Schmerzen beim Stehen oder Laufen kommen. Meistens wird die Varikozele jedoch als Zufallsbefund vom Arzt entdeckt oder infolge einer Abklärung der männlichen Zeugungsunfähigkeit, denn eine Varikozele kann negativen Einfluss auf die Qualität der Spermien haben und zu Infertilität führen. Diese kann sich in manchen Fällen durch eine Therapie der Varikozele wieder verbessern.

Ursachen

Wie kommt es zu einer Varikozele?

Ursache der Varikozele (auch Krampfaderbruch genannt) ist meistens ein erschwerter Blutabfluss der Hodenvene in die linke Nierenvene, da hier ein für den Fluss ungeeigneter Winkel zwischen den beiden Gefäßen besteht. Sie tritt meist nur linksseitig auf, da das Blut aus der Vene am rechten Hoden unmittelbar in die untere Hohlvene fließt, in einem für die Flusseigenschaften günstigeren Winkel.

Infolge einer Druckerhöhung können die Venenklappen der Hodenvene geschwächt werden. Das Blut kann nicht mehr komplett in die linke Nierenvene abfließen. Es kommt zu einer Aussackung des Venenkomplexes, welche von außen sichtbar werden kann (z. B. „Sack voll Würmer“).

Darüber hinaus gibt es weitere mögliche Ursachen für die Entstehung eines erschwerten Blutabflusses:

  • Verengung der Nierenvene durch die Hauptschlagader oder einen ihrer Abgänge
  • Zystische, gutartige und bösartige Raumforderungen (Tumoren) in der Niere
  • Gefäßeinreißungen und Blutgerinnsel im Venenkomplex des Samenstrangs

Diagnose & Untersuchungen

Wie wird eine Varikozele diagnostiziert?

Die Diagnose beginnt mit einer körperlichen Untersuchung – der Arzt tastet den Hodensack ab und beurteilt, wie ausgeprägt die Aussackung ist. Anschließend erfolgt eine Ultraschalluntersuchung der Niere, um Tumoren als mögliche Ursache auszuschließen. Für eine genaue Beurteilung der Hodenvenen wird eine Doppler-Duplex-Sonographie des Samenstrangs durchgeführt. Dabei wird der Patient gebeten, kurz gegen die geschlossene Mund- und Nasenöffnung zu pressen – dadurch erhöht sich der Druck im Bauchraum, die Krampfader füllt sich stärker und lässt sich besser darstellen. Besteht ein unerfüllter Kinderwunsch, sollte zusätzlich eine Spermienuntersuchung erfolgen.

Behandlungsablauf

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Varikozele?

Ausmaß und Schweregrad der Varikozele sind entscheidend für die Auswahl der Behandlungsform. Generell kann eine Operation oder eine Sklerosierung (Verödung) der Venen vorgenommen werden.

Viele Studien haben zum Ergebnis, dass zur Behebung der Varikozele ein operativer Eingriff nötig ist. Ein gängiges Verfahren ist die Embolisation, bei der die betroffenen Venen verschlossen werden. Bei der Sklerosierung werden die entsprechenden Gefäße verödet. Ziel jeglicher Operationen ist es, das Blut über „fitte“ Venen abzuführen, ohne dass es zu einem Rückstau des Bluts kommt.

Bei der Operation sind die Zugangswege vielfältig. Es gibt die Möglichkeit, direkt am Hoden zu operieren, die Leiste freizulegen oder die Operation vom Bauch her zu beginnen.

  • Die klassische Operationstechnik ist die Unterbindung der Venen oberhalb des Leistenkanals (in der Leiste).
  • Auch klassisch ist ein kleiner seitlicher Bauchschnitt, wobei die Hodenvene hier im Bereich des mittleren Harnleiters unterbunden wird.
  • Die Sklerosierungstherapie (antegrad – vom Hoden her oder retrograd – von oben) ist ein etwas neueres Verfahren. Durch einen kleinen Schlauch wird ein spezielles Mittel zur Verödung der Krampfadern injiziert.
  • Eine neue Operationsmethode ist die laparoskopische (Schlüssellochtechnik) Varikozelektomie. Welcher Stellenwert ihr zuzuordnen ist, wird in Langzeitstudien zu überprüfen sein.

Welche Behandlung wird bei Kindern empfohlen?

Bei Kindern sollte grundsätzlich die mikrochirurgische Varikozelenbeseitigung durchgeführt werden. Dieses Verfahren wird ebenfalls Erwachsenen angeboten. Durch die mikroskopische Vergrößerung ist es einfacher, die Krampfadern zu identifizieren und die Durchblutung des Hodens zu erhalten.

Wie wird entschieden, welche Therapie die richtige ist?

Die Entscheidung, welche Therapieform am geeignetsten ist und welche Operationstechnik im Falle einer Operation gewählt werden sollte, treffen wir nach der ausführlichen Diagnose gemeinsam mit dem Patienten. Unser Operationsteam beherrscht das komplette Spektrum der Behandlung der Varikozele.

Erholung & Nachsorge

Wie lange dauert die Erholung nach einer Varikozele-Behandlung?

Dies ist von Patient zu Patient unterschiedlich. In der Regel dauert die Erholungsphase nach einer Varikozele-Operation nicht länger als sechs Wochen an.

Welche Nachkontrollen sind sinnvoll?

Wenn die Fruchtbarkeit betroffen ist oder ein Kinderwunsch besteht, sollte eine erneute Spermienuntersuchung durchgeführt werden. Bei der Verlaufskontrolle lässt sich so gut erkennen, ob sich die Parameter verbessert haben.

Prognose

Verbessert sich die Spermienqualität nach einer Behandlung?

Studien zeigen, dass die Spermienqualität nach einer erfolgreichen Behandlung der Varikozele deutlich besser werden kann. Und ja – das erhöht auch die Schwangerschaftsrate, allerdings nur dann, wenn die Varikozele tastbar und gut ausgeprägt war. Bei einer sehr kleinen Varikozele, die nur im Ultraschall sichtbar ist, bringt eine Operation in der Regel keinen Vorteil für die Fruchtbarkeit.

Vorbeugung

Kann man eine Varikozele verhindern?

Die Ursachen sind nicht immer eindeutig, daher ist auch nicht sicher, wie man die Entstehung von Varikozelen zuverlässig verhindern kann.

Notfälle & Warnsignale

Wann sollte ich eine Varikozele dringend abklären lassen?

Sie sollten bei folgenden Symptomen einen Arzt aufsuchen:

  • neu auftretende oder schnell zunehmende Schwellung,
  • starke Schmerzen,
  • auffällige einseitige Veränderung (insbesondere wenn untypisch),
  • oder wenn zusätzlich allgemeine Symptome auftreten