Hodentorsion (Hodenverdrehung)
Kurz zusammengefasst
Bei einer Hodentorsion (Hodenverdrehung) verdreht sich der Samenstrang im Hodensack, dadurch wird die Blutversorgung des Hodens unterbrochen oder stark vermindert. Eine Hodenverdrehung ist ein medizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden.
Überblick
Was passiert bei einer Hodenverdrehung genau?
Um zu verstehen, warum bei einer Hodenverdrehung eine sofortige Behandlung sehr wichtig ist, lohnt ein genauerer Blick auf die Komplikation in diesem so sensiblen Bereich. Geht es um die Fruchtbarkeit eines Mannes, spielen zwei Dinge eine entscheidende Rolle: In den Hoden erfolgt die Produktion der Spermien – und diese Spermien wiederum gelangen über den Samenleiter (Samenstrang) in die Harnröhre und somit in den Penis, um von dort aus bei sexuellen Kontakten eine weibliche Eizelle zu befruchten.
Beim Samenleiter handelt es sich um ein dünnes, schlauchartiges Hohlorgan. Seinen Anfang hat der Samenleiter im Hodensack und geht vom Nebenhoden aus. Um den Samenleiter herum befinden sich Gewebe und einige Gefäße. Diese zusammen bilden den Samenstrang. Wenn sich nun die Hoden um diesen Samenstrang herum verdrehen, spricht man von einer Hodentorsion.
Die Schmerzen, die bei einer Hodentorsion sofort entstehen, machen aufmerksam auf das eigentliche Problem: Am Samenleiter verlaufen auch die Gefäße, die sowohl für die Blutversorgung der Hoden zuständig sind als auch für den Abtransport von venösem Blut. Kommt es also zu einer Hodenverdrehung, besteht die Gefahr, dass diese wichtige Versorgung und auch der Abfluss unterbrochen werden. Dies kann weitreichende Folgen für die Funktionsfähigkeit der Hoden und somit für die Spermienproduktion haben. Im schlimmsten Fall ist eine dauerhafte Unfruchtbarkeit (Zeugungsunfähigkeit) die Folge.
Meist ist nur ein Hoden betroffen. In nur etwa 2% der Fälle tritt eine Hodenverdrehung auf beiden Seiten auf.
Wie häufig ist eine Hodenverdrehung?
Etwa 1 von 4.000 Männern unter 25 Jahren hatten in ihrem Leben bereits eine Hodenverdrehung. Am häufigsten handelt es sich um eine spontane Hodenvedrehung, d.h. sie tritt ohne einen erkennbaren Auslöser auf.
Symptome
Welche Symptome hat eine Hodenverdrehung?
Wenn plötzlich die Hoden schmerzen, ist das ein Alarmsignal. Oft werden die Schmerzen in den Hoden unterschätzt. Sobald im Bereich der Hoden Schmerzen auftreten, ist deshalb erhöhte Vorsicht geboten.
Man(n) sollte zum Beispiel den Hodensack vorsichtig abtasten. Nehmen dadurch die Schmerzen noch zu, kann dies der Hinweis auf eine Hodenverdrehung sein; ebenso könnte es sich aber auch um eine Entzündung handeln. Weitere Symptome, die begleitend zu den Schmerzen auftreten können, sind Unwohlsein, das sich bis zum Erbrechen steigern kann, sowie starke Schweißbildung. Ebenso wurden bei Betroffenen Kreislaufprobleme festgestellt. Optisch kann sich eine Hodentorsion bei einigen Männern durch ein Anschwellen der Hoden bemerkbar machen. In Folge dessen kommt es auch häufig zu einer rötlichen Verfärbung des Hodensacks. Spätestens dann sollte so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden – denn bei der Behandlung einer Hodenverdrehung darf keine Zeit verloren werden.
Ursachen
Was löst eine Hodenverdrehung aus?
Die häufigste Ursache einer Hodentorsion ist eine angeborene Fehlbildung, bei der die Hoden nicht ausreichend im Hodensack fixiert sind. Fehlt das sogenannte Gubernakulum – das Band, das den Hoden beim Abstieg in den Hodensack führt – kann sich der Hoden frei im Hodensack bewegen und leichter verdrehen. Auslöser können sein:
- Ungünstige Bewegung im Schlaf: Weshalb der Schmerz oft erstmals am Morgen wahrgenommen wird
- Intensives Fahrradfahren: Die Hoden sind auf dem Sattel steter Erschütterung und Reibung ausgesetzt
- Sportarten mit schnellen Drehbewegungen wie Fußball, Basketball oder Kampfsport
- Kälte: Sie kann eine Kontraktion des Kremastermuskels auslösen und so eine Verdrehung begünstigen
- Verletzungen oder Schläge auf den Hodensack
Wichtig: Eine Hodentorsion kann auch völlig ohne erkennbaren Auslöser entstehen – besonders bei Neugeborenen und Säuglingen.
Risikofaktoren
Wer ist besonders gefährdet?
Jeder Mann kann von einer Hodenverdrehung betroffen sein. Besonders häufig tritt sie allerdings im Kleinkindalter sowie in der Pubertät auf. Das liegt daran, dass sich die Hoden zunächst entwickeln und im wahrsten Sinne des Wortes auch erst noch „ihren Platz im Hodensack finden“ müssen. In dieser Entwicklungszeit bewegen sich die Hoden im Hodensack noch flexibler hin und her. Diese Beweglichkeit gilt als eine der Hauptursachen für eine Verdrehung.
Ein weiterer Grund für zu viel Bewegungsfreiheit der Hoden kann auch in anatomischen Fehlbildungen beziehungsweise nicht ausreichenden Ausbildungen liegen. So sind etwa kräftige Keimdrüsenbänder hilfreich, um den Hoden einen bestmöglichen Halt zu verschaffen.
Zur Risikogruppe für eine Hodenverdrehung müssen auch alle Männer gezählt werden, die bereits auf irgendeine Weise im Bereich des Hodensacks operiert worden sind. Denn jeder Eingriff schwächt nun einmal die entsprechende Stelle. Als Klassiker gilt in diesem Zusammenhang eine Flüssigkeitsansammlung im Hodensack, die sich nicht von selber wieder zurückbilden konnte, sondern operative behandelt werden musste (Wasserbruch).
Diagnose & Untersuchungen
Wie wird eine Hodenverdrehung diagnostiziert?
Ein Arzt kann eine Hodenverdrehung anhand deiner Beschwerden, deiner Vorgeschichte und einer körperlichen Untersuchung einschätzen. Häufig wird zusätzlich ein Ultraschall des Hodensacks (skrotaler Ultraschall) eingesetzt, um zu prüfen, ob Blut im Hoden ausreichend fließt. Bei starkem Verdacht wird sehr schnell urologisch weiterbehandelt, weil bei einer Hodenverdrehung Zeitverlust das Risiko erhöht, den Hoden zu verlieren.
Behandlung
Kann sich eine Hodenverdrehung von alleine wieder lösen?
Bei leichteren Hodenverdrehungen ist es möglich, dass sich die Verdrehung von alleine wieder korrigiert. Auch die Schmerzen sind dann ersteinmal verschwunden. Doch im Wiederholungsfall kann die Hodenverdrehung umso gefährlicher werden. Eine operative Behandlung, die jedoch einen verhältnismäßig „kleinen“ Eingriff bei der Hodenverdrehung darstellt, ist dann kaum mehr auszuschließen.
Wie wird eine Hodenverdrehung behandelt?
Fast immer muss eine Hodenverdrehung operativ behandelt werden –idealerweise bereits wenige Minuten bis Stunden nachdem sie eingetreten ist. Es gibt zwar auch Fälle, in denen sich eine Hodenverdrehung zunächst ohne OP korrigieren lässt. So kann ein erfahrener Mediziner durch gezielte Griffe von außen die Verdrehung auflösen. Aber: Um sicher zu sein, dass der Hoden auch wirklich wieder sehr gut durchblutet ist und keinen Schaden genommen hat, sollte er operativ freigelegt und betrachtet werden. Um zusätzlich zu verhindern, dass es schon bald wieder zu einer Hodenverdrehung kommt, sollte eine (beidseitige) Ochidopexie vorgenommen werden. Als Orchidopexie wird das Fixieren der (beiden) Hoden am Inneren des Hodensacks bezeichnet.
Viele Ärzte raten bei einer Hodenverdrehung sofort zur OP. Bei dieser wird der Hodensack vorsichtig geöffnet, um die darin befindlichen Hoden wieder in ihre angestammte Position zu bringen. Anschließend erfolgt die Ochidopexie, um eine weitere Hodentorsion zu verhindern. Denn: Wer einmal von einer Hodenverdrehung betroffen war, gilt fortan als besonders gefährdet für weitere Komplikationen dieser Art. Was jedoch leider auch gesagt werden muss: Eine Orchidopexie minimiert zwar signifikant das Risiko einer erneuten Hodenverdrehung – komplett ausschließen kann sie diese allerdings – auch wenn es nur wenige Männer betrifft - nicht.
Erholung & Nachsorge
Wie schnell geht es mir nach einer Operation besser?
Die ersten Tage nach einer Operation wegen Hodenverdrehung sind oft am schmerzhaftesten. Es kann für etwa eine Woche zu Schwellungen oder Blutergüssen im Bereich von Hodensack oder Leiste kommen. Nach etwa einer Woche nehmen die Schmerzen meist ab, und viele können wieder zu normalen Aktivitäten wie Arbeit oder Schule zurückkehren. Schweres Heben und anstrengende Aktivitäten (einschließlich Sport) solltest du mindestens drei bis vier Wochen vermeiden und erst nach ärztlicher Rücksprache wieder beginnen.
Wann sollte ich nach einer Operation wieder zum Arzt?
Nach der Operation solltest du einen Kontrolltermin wahrnehmen, damit der Arzt die Wundheilung begutachten kann. Auch wenn deine Beschwerden zunehmen oder etwas „nicht normal“ wirkt, solltest du deinen Arzt kontaktieren. Typische Anzeichen sind z.B. stärkere Blutungen an der Wunde, Fieber, zunehmende Schmerzen oder eine starke Schwellung.
Wie kann ich dem Hoden etwas Gutes tun?
Wer seinen Hoden etwas Gutes tun möchte, sollte vor allem auf eine gesunde Ernährung achten. So wirken sich Gemüse, Obst und Vollkornprodukte sehr positiv auf den Testosteronspiegel aus. Ebenfalls zu empfehlen sind Nüsse. Schauen Sie sich die Ernährungsvideos in unserem Video-Training an, hier bekommen Sie die wichtigsten Informationen. Negativen Einfluss auf die Hoden und somit auch auf die Spermienproduktion und die damit verbundene Zeugungsfähigkeit haben Übergewicht, übermäßiger Alkoholkonsum sowie eine regelmäßige Nikotin-Zufuhr.
Prognose
Was kann ich erwarten, wenn ich eine Hodenverdrehung habe?
Selbst, wenn eine Behandlung schnell erfolgt ist: Bei etwa jedem dritten Mann, der eine Hodenverdrehung hatte, war anschließend eine zumindest eingeschränkte Zeugungsfähigkeit festzustellen.
Was passiert, wenn man eine Hodenverdrehung ignoriert?
Der Hoden kann bei einer länger bestehenden Verdrehung komplett „absterben“. Dann würde dieser betroffene Hoden gar kein Testosteron mehr produzieren. In diesem Fall würde dieser Hoden langfristig auch signifikant an Volumen abnehmen. Ein ungleicher Hodensack, der auf einer Seite regelrecht platt erscheint, wird von manchen Männern als extrem störend und belastend empfunden.
Vorbeugung
Kann man eine Hodenverdrehung verhindern?
Es gibt praktisch keine Möglichkeiten, etwas vorbeugend gegen eine Hodenverdrehung zu machen. Auch keine gute Nachricht, aber zumindest ein guter Rat ist es, seinen Hoden regelmäßig etwas Aufmerksamkeit zu schenken und mögliche Schmerzen in diesem Bereich immer ernst zu nehmen. Wer bereits Vorerkrankungen oder sogar operative Eingriffe rund um den Hodensack hatte, sollte ohnehin sensibilisiert sein für dieses Thema.
Wer als Kind von einem Hodenhochstand betroffen war, kann mit seinem Arzt darüber sprechen, ob gegebenenfalls prophylaktisch eine Orchidopexie vorzunehmen ist. Bei einem Hodenhochstand handelt es sich um eine rückständige Entwicklung noch in Embryonalzeiten. Denn die Hoden, die sich zunächst im Bauchraum bilden und befinden, müssen sich über den Leistenkanal erst noch „nach unten“ in den späteren Hodensack schieben. Wenn dies aus irgendwelchen Gründen nicht vollständig geschieht, befinden sich die Hoden somit noch „zu hoch“.
Notfälle & Warnsignale
Wann sollte ich sofort in die Notaufnahme gehen?
Bei einer Hodenverdrehung (auch Hodentorsion genannt) werden Blutgefäße abgeschnürt. Erfolgt hier keine schnelle Behandlung, droht ein Absterben der Keimdrüse – mit fatalen Folgen unter anderem für die Fruchtbarkeit des betroffenen Patienten. Aber auch die Produktion des Testosterons, das auch als „Königshormon des Mannes“ bezeichnet wird, können negativ beeinflusst werden – und zwar insbesondere dann, wenn der Hoden, der keine Torsion hatte, die Funktion des geschädigten, verdrehten Hodens nicht mit übernehmen und somit ausgleichen kann.
Bei einer Hodenverdrehung handelt es sich um einen medizinischen Notfall, insbesonderen wenn plötzlich starke Schmerzen in einem oder beiden Hoden auftreten. Aber auch wenn die Schmerzen scheinbar nachlassen, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.
