Nebenhodenentzündung
Kurz zusammengefasst
Eine Nebenhodenentzündung entsteht meist durch eine bakterielle Infektion und betrifft vor allem Männer zwischen 20 und 30 sowie 40 und 60 Jahren. Typische Symptome sind Schwellung, Rötung und starke Schmerzen im Hodensack. Mit Antibiotika und Bettruhe ist sie gut behandelbar – unbehandelt drohen Vernarbungen und Unfruchtbarkeit.
Überblick
Was ist eine Nebenhodenentzündung?
Ihren Ursprung hat eine Nebenhodenentzündung meistens in einer bakteriellen Infektion, die wiederum durch eine Infektion der benachbarten Prostata oder der Harnwege ausgelöst werden kann. Aber auch ein Infekt der Lunge kann zu einer Epididymitis führen, hierbei „wandern“ die Bakterien über den Blutweg zum Nebenhoden und können sich dort „festsetzen“. Deshalb lässt sich grundsätzlich sagen: Ein Nebenhodenentzündung kommt fast nie allein. Überträger der Infektion ist in der Regel infizierter Urin. Somit können sich die Erreger eines infizierten Nebenhodens auch sehr schnell entlang des gesamten Samenleiters ausbreiten – wenn sie nicht sowieso schon von dort gekommen sind.
Eine Nebenhodenentzündung tritt am häufigsten bei Männern im Alter zwischen 20 und 30 Jahren sowie zwischen dem 40.und dem 60. Lebensjahr auf. Vor der Pubertät ist eine solche Erkrankung eher unwahrscheinlich.
Ist eine Nebenhodenentzündung gefährlich?
Wenn die Entzündung eines Nebenhodens nicht rechtzeitig erkannt und entsprechend behandelt wird, kann es im Nebenhoden und vor allem auch im angrenzenden Samenleiter zu Vernarbungen kommen. Diese stellen Engstellen dar, die den Transport der Spermien in den Penis behindern oder im schlimmsten Fall sogar komplett verhindern können. Doch selbst, wenn der Transport noch funktioniert: Wenn durch eine Entzündung eines Nebenhodens der Reifeprozess der Spermien beeinträchtigt wird, kann sich dies negativ auf die Qualität der Spermien auswirken und somit die Chance auf eine erfolgreiche Befruchtung deutlich schmälern.
Wird eine Nebenhodenentzündung frühzeitig erkannt, gibt es allerdings sehr gute Behandlungsmöglichkeiten. Patienten sollten sich aber darauf einstellen, dass der Heilungsprozess langwierig sein könnte.
Symptome
Woran erkennt man eine Nebenhodenentzündung?
Optisch ist eine Nebenhodenentzündung meist durch eine starke Schwellung sowie auch eine Rötung des Hodensacks zu erkennen. Beim Abtasten des Hodensacks fällt oft auch eine ungewöhnliche Wärme auf. Hinzu kommen in der Regel starke Schmerzen, beim Palpieren (untersuchen) des Hoden oder auch beim Wasserlassen. Zudem tritt recht häufig ein Harndrang, bedingt durch den Infekt auf, wobei jeweils nur relativ kleine Mengen von Urin ausgeschieden werden können. In Einzelfällen wird eine Nebenhodenentzündung von Schüttelfrost und Fieber – dann ist sie als „heftig“ ein zu Stufen - begleitet.
Warum bleibt eine Nebenhodenentzündung oft unerkannt?
Weil vielen Männern die genaue Lage ihrer Nebenhoden gar nicht bekannt ist, bleibt eine Nebenhodenentzündung zunächst häufig unerkannt. Erschwerend kommt beim Versuch einer Selbstdiagnose hinzu, dass sich die von einer Nebenhodenentzündung ausgehenden Schmerzen oft auch in der Leiste und im Unterleib zu spüren sind. Umso wichtiger ist die rasche Konsultation eines Arztes, um ein Verschleppen der meist bakteriellen Infektion zu verhindern.
Ursachen
Wie entsteht eine Nebenhodenentzündung?
Eine Nebenhodenentzündung entsteht fast immer durch eine bakterielle Infektion. Der häufigste Auslöser ist infizierter Urin, der sich vom Samenleiter aus bis zum Nebenhoden ausbreiten kann. Manchmal reicht dafür sogar keimfreier Urin aus – bleibt er nach dem Wasserlassen im Samenleiter zurück, kann er dort eine chemische Reaktion auslösen, die zu einer Entzündung führt. In seltenen Fällen wandern Bakterien auch über den Blutweg zum Nebenhoden – etwa nach einem Lungeninfekt.
Risikofaktoren
Welche Risikofaktoren gibt es für eine Nebenhodenentzündung?
Eine Nebenhodenentzündung kommt fast nie allein – verschiedene Erkrankungen, Eingriffe und Verhaltensweisen können sie begünstigen:
- Chirurgische Eingriffe im Genitalbereich (Prostata, Blase)
- Blasenkatheter
- Urinrückfluss in den Nebenhoden
- Unvollständige Blasenentleerung – auch als mögliches Zeichen für Diabetes oder Prostatakarzinom
- Chlamydien-Infektion bei Männern mit wechselnden Geschlechtspartnern
- Rheumaerkrankungen
- Virale Infekte wie Grippe oder Masern
- Bestimmte Medikamente als mögliche Nebenwirkung
- Lungeninfekt – Bakterien wandern über den Blutweg zum Nebenhoden
Diagnose
Wann sollte man zum Arzt?
Bei Schmerzen im Hoden- oder Nebenhodenbereich sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Nur wenn eine Nebenhodenentzündung rechtzeitig erkannt wird, ist eine unkomplizierte Behandlung möglich, die keinerlei negative Auswirkungen auf die Zeugungsfähigkeit hat.
Behandlung
Wie wird eine Nebenhodenentzündung behandelt?
Grundsätzlich muss festgestellt werden: Damit eine Nebenhodenentzündung wieder abklingt, ist vor allem Geduld und Disziplin erforderlich.
Wird eine Nebenhodenentzündung frühzeitig erkannt, gibt es allerdings sehr gute Behandlungsmöglichkeiten, mit denen eine Heilung erreicht werden kann. Patienten sollten sich aber darauf einstellen, dass der Heilungsprozess langwierig sein könnte.
Ist die Entzündung nicht so stark ausgeprägt, kann zwar eine medikamentöse Behandlung völlig ausreichen - in den meisten Fällen geschieht dies mit Antibiotika. Doch die damit verbundene und auch dringend empfohlene Bettruhe (wichtig dabei: den Hoden möglichst hoch lagern und ständig kühlen!) kann gut und gerne zwei Wochen in Anspruch nehmen. Erst, wenn die Schwellung sichtbar zurückgeht, wird ein Arzt die Bettruhe wieder aufheben.
Wenn eine Nebenhodenentzündung durch eine Infektion mit Chlamydien ausgelöst wurde, ist es wichtig, dass sich auch der Geschlechtspartner von einem Arzt untersuchen und in der Folge dann auch behandeln lässt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ein genesener Mann nach dem nächsten Sex gleich wieder von einer Nebenhodenentzündung betroffen ist (das ist der sogenannte Ping-Pong-Effekt, der Mann bekommt den Keim dann wieder von seinem Intimitäts-Partner „zurück“).
Wann ist eine Operation erforderlich?
Eine Operation kann bei Nebenhodenentzündungen aus zwei unterschiedlichen Gründen erforderlich werden. Zum einen aufgrund der Entzündung selbst, zum anderen, um mögliche negative Begleiterscheinungen wieder in Ordnung zu bringen.
Wenn eine Epididymitis bereits sehr stark ausgeprägt ist – insbesondere wenn es zu einer größeren Eiteransammlung (Abszess) gekommen ist - , hilft möglicherweise nur noch eine operative Entfernung des Nebenhodens (Epididymektomie) – im Extremfall muss auch der benachbarte Hoden entfernt werden. Denkbar ist, je nach Krankheitsbild, außerdem eine Durchtrennung des Samenleiters (Vasektomie). Diese gilt auch dann als eine Option, wenn ein Patient unter einer chronischen und somit einer immer wieder auftretenden Nebenhodenentzündung leidet.
Eine Operation kann aber auch dann noch erforderlich werden, wenn die eigentliche Nebenhodenentzündung bereits abgeklungen und beseitigt ist. Denn häufig werden durch die Entzündung die Samenwege regelrecht verklebt und verstopft. Um hier wieder für einen ungehinderten Durchfluss der Spermien zu sorgen, gibt es in der heutigen Medizin viele Möglichkeiten, auch mit mikrochirurgischen Eingriffen.
Weitere mögliche Begleiterscheinungen einer Nebenhodenentzündung sind Fisteln, die sich ebenfalls nur operativ entfernen lassen.
Komplikationen
Welche Folgen hat eine unbehandelte Nebenhodenentzündung?
Jeder Mann sollte sich bewusst sein, wie wichtig gesunde Nebenhoden und damit verbunden auch voll funktionsfähige Samenleiter sind. Wer eine Nebenhodenentzündung nicht erkennt oder verschleppt, riskiert Vernarbungen und damit Engstellen sowohl im Nebenhoden als auch im Samenleiter. Von möglichen Schmerzen abgesehen, wird dadurch vor allem auch die Fruchtbarkeit deutlich eingeschränkt beziehungsweise es droht am Ende sogar eine Unfruchtbarkeit. Zusätzlich kann sich die Entzündung der Nebenhoden auf die benachbarten Hoden ausbreiten. Und eine Schädigung des Hodenparenchyms kann zu einer reduzierten Produktion von Testosteron führen.
Vorbeugung
Wie kann man einer Nebenhodenentzündung vorbeugen?
Im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankungen lässt sich einer Nebenhodenentzündung nicht etwa durch regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung vorbeugen. Jedem Mann ist nur der Rat zu geben, auf Schmerzen sowohl im Hoden- als auch eben im Nebenhodenbereich sofort zu reagieren und einen Arzt aufzusuchen. Denn nur, wenn eine Nebenhodenentzündung rechtzeitig erkannt wird, ist eine unkomplizierte Behandlung möglich, die noch dazu keinerlei negativen Auswirkungen auf die Zeugungsfähigkeit haben.
Um zu vermeiden, dass die Infektion mit Chlamydien eine Nebenhodenentzündung auslöst, ist Männern mit wechselnden Geschlechtspartnern dringend „safer sex“, also das Benutzen von Kondomen empfohlen.
