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Krätze (Skabies)

5 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Krätze (Skabies) ist eine durch Krätzmilben verursachte Hauterkrankung, die sich durch starken nächtlichen Juckreiz und Hautausschlag bemerkbar macht. Sie wird durch direkten Hautkontakt übertragen und befällt bevorzugt den Genitalbereich, Achseln sowie Finger- und Zehenzwischenräume. Mit einer Creme, Salbe oder Tablette ist sie gut behandelbar – je früher die Diagnose, desto schneller die Heilung.

Überblick

Was ist Krätze?

Der lateinische Name ist bei der Krätze Programm: „Scabere“ bedeutet nämlich „kratzen“. Und wer von der Krätze betroffen ist, wird nun einmal in den meisten Fällen zunächst mit Kratzen darauf reagieren.

Ein unangenehmer Juckreiz am Körper kann viele Ursachen haben. Seit einigen Jahren wieder deutlich auf dem Vormarsch ist zum Beispiel die Krätze (auch Skabies oder Scabies genannt). Es handelt sich dabei zwar um eine Haut- und keine klassische Geschlechtskrankheit. Doch sie kann unter anderem bei intimen Kontakten übertragen werden.

Außerdem  zählt der Genitalbereich zu den von Krätzmilben (Sarcoptes scabiei) ganz besonders bevorzugten Körperregionen. Nicht vergessen werden darf auch der Aspekt, dass Menschen mit einer Immunschwäche (ausgelöst etwa durch eine HIV-Infektion) besonders anfällig für Krätze sind.

Zwei wichtige Grundsätze gelten auch bei der Krätze: Je eher sie erkannt und diagnostiziert wird, desto schneller und erfolgreicher kann sie behandelt werden. Und: Sie sollte niemals unterschätzt werden, weil die mit ihr verbundenen Symptome auch ein Alarmzeichen für andere, schwerwiegendere Erkrankungen sein können.

Symptome

Welche Symptome sind typisch für Krätze?

Wer von der Krätzmilbe heimgesucht wurde, bemerkt dies oft erst nach mehreren Wochen. Außer zu einem Juckreiz, der besonders nachts auftritt, kann es zu einem Ausschlag (Pickel) sowie kleinen Wunden kommen.

Wenn sich die für Krätze verantwortlichen Milben erst einmal auf der menschlichen Haut niedergelassen haben, kratzen sie gerne die oberste Hautschicht auf. Denn dort wollen sie ihre Eier ablegen.

Als besonders beliebte Körperregionen gelten vor allem jene, wo die oberste Hautschicht besonders dünn ist und wo es zudem recht warm und/oder feucht ist. Dazu zählen allen voran der Genitalbereich sowie zum Beispiel auch die Achseln, der Bauchnabel sowie die Zwischenräume von Fingern und Zehen. Während die Milben aktiv sind, gelangt auch ihr Kot in die aufgekratzte Haut. Genau das löst dann beim Menschen einen Juckreiz aus.

Ursachen

Wie kann Krätze übertragen werden?

Für eine Übertragung der Krätze braucht es keinen Geschlechtsverkehr. Oft genügt bereits ein einfacher Hautkontakt. Wird der Hautkontakt intensiver (Kuscheln, Petting), steigt das Übertragungsrisiko.

Ein bloßer Händedruck oder eine kurze Umarmung sind nur dann gefährlich, wenn die Skabies bei der betroffenen Person bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat – bei der sogenannten „krustigen Skabies“ (Scabies crustosa oder auch „Borkenkrätze“ sowie „norwegische Krätze“) bilden sich Schuppen und Borken auf der Haut. Betroffen sein können davon auch der Nacken und der Kopf.

Ein besonders hohes Ansteckungsrisiko besteht grundsätzlich dort, wo viele Menschen aufeinandertreffen und auch direkten Hautkontakt haben. So trat die Krätze, die in Europa eigentlich bereits als ausgerottet galt, zuletzt wieder vermehrt in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen sowie Kindergärten auf. Ebenso ist eine Übertragung durch Textilien (Bettwäsche, Handtücher) möglich.

Durchaus tückisch ist an der Krätze, dass eine infizierte Person auch dann – unbewusst – zum Überträger werden kann, wenn bei ihr selbst noch gar keine Symptome aufgetreten sind. Denn bis es bei einer erstmals von der Krätzmilbe befallenen Person zu bestimmten Symptomen kommt, vergehen mitunter bis zu acht Wochen.

Diagnose & Untersuchungen

Wann sollte man mit Verdacht auf Krätze zum Arzt gehen?

Wer bei sich mögliche Anzeichen für eine Krätze entdeckt, sollte schnellstens einen Arzt aufsuchen. Dies ist alleine schon deshalb wichtig, um festzustellen, ob es sich um Läuse, Flöhe oder eben Krätzmilben handelt. Ein ärztlicher Rat ist auch deshalb von Bedeutung, um etwaigen Verbindungen zu anderen, vielleicht schwerwiegenderen Erkrankungen auf den Grund zu gehen.

Behandlung

Wie lässt sich Krätze behandeln?

In den meisten Fällen wird nach einer entsprechenden Diagnose eine Creme oder Salbe verschrieben. Seit 2016 sind in Deutschland auch Tabletten zugelassen. Je nach individueller Situation wird ein Arzt eventuell auch eine Kombination aus äußerer und innerer Behandlung empfehlen.

Begleitend dazu werden bei einem Krätzmilben-Befall dieselben Hygiene-Regeln wie beim Kampf gegen Filz- und Kopfläuse dringend empfohlen. Also regelmäßiges Austauschen beziehungsweise Waschen aller Textilien, mit denen die Haut im Laufe des Tages (und der Nacht!) in Berührung kommt.

Prognose

Wie lange dauern Beschwerden an?

Für eine Behandlung ist Geduld erforderlich. Selbst wenn die Milben sehr schnell abgetötet werden können und oft bereits nach einem Tag kein Ansteckungsrisiko mehr besteht: Der Juckreiz hält häufig noch einige Zeit an.

Vorbeugung

Wie kann man sich am besten vor Krätze schützen?

Ein 100-prozentiger Schutz vor Krätze ist nicht möglich. Hygiene kann zwar bei der Vermeidung einer Ansteckung helfen – mehr aber auch nicht. So wirkt sich eine übertriebene Körperhygiene manchmal sogar kontraproduktiv aus. Dazu muss man wissen, dass sich die Krätzmilbe besonders auf trockener Haut sehr wohl fühlt. Wer sich also zu oft wäscht, läuft durchaus Gefahr, seine Haut anfälliger zu machen für eine Ansiedlung der Krätzmilbe.

Weil vor allem auch in unhygienischen Betten ein großes Risiko lauert, sich mit der Krätzmilbe anzustecken, sollten vor allem Reisende genau auswählen, welchen Standard sie bei der Übernachtung wählen.

Notfälle & Warnsignale

Warum sollte man Juckreiz und Hautveränderungen nie unterschätzen?

Egal, ob es sich um Flöhe, Läuse oder (Krätz-)Milben handelt: Die kleinen Tierchen, die sich am menschlichen Körper festsaugen, sind vor allem lästig. Eine größere gesundheitliche Gefahr geht von ihnen allerdings eher selten aus. Doch dies darf kein Grund sein, einen unangenehmen Juckreiz nicht ernst zu nehmen. Eine wie auch immer geartete Hautveränderung sollte im Zweifelsfall immer von einem Arzt überprüft werden. Denn selbst ein vermeintlich harmloser Ausschlag kann immer auch ein Hinweis auf eine weitere Erkrankung sein – oder er kann im unbehandelten Zustand eine schwerwiegendere Infektion begünstigen.

Nicht vergessen werden darf zudem, dass sich auch Stoffwechsel- und Immunsystemerkrankungen zunächst dadurch bemerkbar machen, dass die Haut sehr trocken ist und juckt. In diesem Zusammenhang sind vor allem Schuppenflechte (Psoriasis) und Diabetes sowie diverse Leber- und Schilddrüsenerkrankungen zu nennen.