Penisverkrümmung
Kurz zusammengefasst
Eine Penisverkrümmung (auch Peyronie-Krankheit genannt) kann angeboren oder erworben sein. Sie kann sowohl beim Mann als auch bei der Frau zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen. Die Verkrümmung stellt für viele Männer einen Unsicherheitsfaktor dar und kann zu einer seelischen Belastung führen, bis hin zur Isolation vom anderen Geschlecht. Die häufigste Form der erworbenen Penisverkrümmung ist durch eine Induratio penis plastica (IPP) bedingt.
Überblick
Was ist eine Induratio Penis Plastica (IPP)?
Die Induratio penis plastica (IPP) – auch Morbus Peyronie oder Peyronie-Krankheit genannt – ist eine erworbene Erkrankung des Penis. Sie beginnt meist mit einer knotigen Verhärtung (Plaque) im Penisschaft und führt im weiteren Verlauf durch einen narbigen Schrumpfungsprozess zu einer Verkrümmung und Verkürzung des Penis. In schweren Fällen kann sie bis zur Impotenz führen. Die Erkrankung ist seit 1743 bekannt, ihre genauen Ursachen sind jedoch bis heute nicht vollständig geklärt.
Wie häufig ist die IPP?
Nach neueren Erkenntnissen sind in Deutschland etwa 6 Prozent der Männer über 30 Jahre von einer angeborenen oder erworbenen IPP betroffen. Am häufigsten tritt die Erkrankung zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf.
Symptome
Wie äußert sich eine Penisverkrümmung?
In der akuten Phase treten häufig Schmerzen am Penis auf – in der Regel während der Erektion am stärksten, aber auch im nicht-erigierten Zustand möglich. Oft bemerkt der Mann zunächst eine Knotenbildung am Penisschaft. Im Verlauf kann es zu sanduhrförmigen Einschnürungen des Penis und zu einer ungenügenden Versteifung der Schwellkörper kommen. Der Krankheitsverlauf ist meist chronisch, teilweise auch schubweise. Bei etwa 30 bis 50 Prozent der Betroffenen ist die Penisverkrümmung mit Erektionsstörungen verbunden. Sowohl die Verkrümmung als auch die nachlassende Erektionsfähigkeit können den Geschlechtsverkehr erheblich beeinträchtigen und zu einer seelischen Belastung bis hin zur sozialen Isolation führen.
Ursachen
Wie entsteht eine Penisverkrümmung?
Bei der IPP handelt es sich um eine überschießende Fibrosierung – also eine übermäßige Bildung von Narbengewebe – im Bereich der Schwellkörper des Penis. Eine verbreitete Theorie geht davon aus, dass wiederholte, unbemerkte Mikroverletzungen der Schwellkörper den Ausgangspunkt dieser Narbenbildung darstellen. Diese Mikroverletzungen entstehen häufig dadurch, dass die Erektion nicht hart genug ist und Männer trotzdem Geschlechtsverkehr haben – dabei knickt der Penis teilweise ab. In der Summe solcher kleinen Verletzungen kann sich die IPP entwickeln. Daneben werden bei einem Teil der Betroffenen immunologische und erblich bedingte Faktoren sowie eine Störung des Kollagenstoffwechsels diskutiert.
Diagnose
Wie wird eine IPP diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt durch eine körperliche Untersuchung beim Facharzt. Dabei werden die Lage und Größe der Plaque sowie der Grad der Verkrümmung beurteilt. Ergänzend können bildgebende Verfahren eingesetzt werden. Eine gründliche Diagnose ist die Grundlage für die Wahl des individuell geeigneten Therapiekonzepts.
Behandlung
Wie wird eine Penisverkrümmung behandelt
Grundsätzlich ist eine Penisverkrümmung sehr gut durch Medikamente oder Operation behandelbar. Je frühzeitiger sie erkannt wird, desto einfacher ist diese zu behandeln. Abhängig von der individuellen Symptomatik wählt der Facharzt aus den folgenden Behandlungs-Alternativen:
Medikamentöse Behandlung
Im Anfangsstadium der Erkrankung, wenn die Knoten noch nicht verkalkt sind, kann zunächst eine medikamentöse Behandlung angewendet werden. Je nachdem, was der Arzt bei der Untersuchung vorfindet, kommt dann ein orales Medikament zum Einsatz.
Hier gibt es verschiedene medikamentöse Therapieansätze von oraler Medikation bis hin zu lokal injizierten Medikamenten. Bei der Wahl der Medikamente spielt eine individuelle therapeutische Betreuung durch den Facharzt eine große Rolle.
Mechanische Therapie
Oft werden diese medikamentösen Therapien mit mechanischen Therapie-Optionen kombiniert. Hierzu gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten. Diese reichen von Vakuum-Therapie-Training bis hin zu einer über einen längeren Zeitraum andauernden mechanischen Traktion (Zug). Nach der Diagnose bespricht der Spezialist die Therapieoptionen ausführlich mit dem Betroffenen und stellt eine individuelle Therapie zusammen.
Iontophorese
Iontophorese (IPT) ist eine nichtinvasive Methode, bei der elektrische Impulse genutzt werden, um Medikamente direkt in das Gewebe zu transportieren. Sie wird als alternative Behandlungsoption für Morbus Peyronie erforscht, um die Plaquegröße zu reduzieren, Schmerzen zu lindern und die Peniskrümmung zu verbessern. Typische Medikamente, die per Iontophorese verabreicht werden, sind Verapamil und Dexamethason.
Eine systematische Analyse von 11 Studien zeigte vielversprechende Ergebnisse: Bei 53 Prozent der Patienten reduzierte sich die Plaquegröße, bei 37 Prozent verbesserte sich die Peniskrümmung, bei bis zu 96 Prozent trat eine Schmerzlinderung ein und bei 44 Prozent verbesserte sich die sexuelle Funktionsfähigkeit. Die Methode ist schmerzfrei, gut verträglich und verursacht keine systemischen Nebenwirkungen. Langzeitstudien fehlen jedoch noch – Patienten sollten die Option mit ihrem Urologen besprechen, insbesondere wenn sie invasive Eingriffe vermeiden möchten.
Stoßwellentherapie
In den letzten Jahren wurde an verschiedenen Kliniken auch der Versuch unternommen, mittels der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) den betroffenen Patienten zu helfen. Bislang stehen - wenn man diese Behandlungsmethode ausschließlich verwendet - hierzu aber überzeugende Ergebnisse noch aus.
In wenigen selektierten Fällen kann die ESWT in Kombination mit anderen konservativen Maßnahmen, wie beispielsweise Tabletteneinnahme und mechanische Traktion, zu dem gewünschten Ergebnis führen, so dass es zu einer signifikanten Penisbegradigung kommt.
Plastische Operation
Sollte die konservative, also nicht-operative Therapie, zu keinem befriedigenden Ergebnis führen und die Penisverkrümmung in einer den Geschlechtsverkehr beeinträchtigenden Penisverbiegung verbleiben, kann letztere durch eine plastische Penisoperation beseitigt werden. Eine Operation ist dann ratsam, wenn im Krankheitsverlauf nach mindestens 6 bis 12 Monaten medikamentöser und mechanischer Therapie keine Veränderungen der Knoten zu bemerken sind.
Um Folgeschäden zu vermeiden, sollten Sie bei solchen plastischen wie rekonstruktiven Operationen immer einen sehr erfahrenen Operateur auswählen. Am Penis gibt es sehr viele wichtige und sensible Nerven und Blutgefäße, die bei einer Operation verletzt werden können. Das kann unter anderem zu Taubheitsgefühl am Penis bis hin zu komplettem Erektionsverlust führen. Daher ist es empfehlenswert, solche plastischen Operationen immer unter einem Mikroskop durchführen zu lassen.
Risiken
Erhöht eine IPP das Risiko für andere Erkrankungen?
Ja – und das ist vielen Betroffenen nicht bekannt. Eine groß angelegte Studie mit 1,5 Millionen Männern hat gezeigt, dass Patienten mit einer IPP vergleichsweise häufig an Magen-, Haut- und Hodentumoren leiden. Bei 40 Prozent der betroffenen Männer wurde ein erhöhtes Hodenturmor- und Magenkarzinomrisiko festgestellt, die Wahrscheinlichkeit eines Hautmelanoms war um 29 Prozent erhöht. Männer mit einer IPP sollten sich deshalb regelmäßig durch entsprechende Fachärzte betreuen lassen. Wichtig: Dieses erhöhte Tumorrisiko gilt nur für Männer mit einer genetisch bedingten IPP. Entsteht die Penisverkrümmung durch Mikroverletzungen ohne genetische Ursache, trifft das erhöhte Risiko nicht zu.
