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Männerschnupfen

5 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Männer werden häufiger krank als Frauen und das ist wissenschaftlich belegt. Der Grund liegt im Immunsystem: Östrogen lässt das weibliche Immunsystem schneller und aggressiver auf Krankheitserreger reagieren. Bei Männern spielt zusätzlich Testosteron eine entscheidende Rolle. Wer gute Testosteronwerte hat, wird seltener krank.

Überblick

Was ist Männerschnupfen?

Wenn Erkältung oder Grippe angesagt sind, machen Männer gern mal schlapp. Dabei ist Männerschnupfen eine ungefährliche vorübergehende Erkrankung und nicht zu vergleichen mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung oder einer Erektionsstörung, die mitunter sehr an der Männlichkeit kratzen. Wohl aber stellt der Männerschnupfen für viele Betroffene eine Gelegenheit dar, zu leiden, sich zurückzuziehen und Mitleid sowie Fürsorge von der Partnerin oder dem Partner einzufordern. Das fällt vielen Männern ja eigentlich eher schwer.

Werden Männer wirklich häufiger krank als Frauen?

Wer sich mit dieser Frage beschäftigt, landet wohlmöglich bei Prof. Dr. Beatrix Grubeck-Loebenstein. Die Immunologin von der Universität Innsbruck untersucht seit Jahren, wie sich die Immunsysteme von Frauen und Männern unterscheiden.

Grob vereinfacht kommt sie zu dem Schluss, dass Männer durch die Unterschiede in der Immunantwort häufiger krank werden als Frauen. Damit unterstützen ihre Ergebnisse all jene Männer, die sich bei einer Erkältung oder Grippe nicht ernstgenommen fühlen. Es stimmt also, dass Männer bedingt durch die Unterschiede in der Immunabwehr häufiger erkranken.

Dringen Krankheitserreger in den Körper ein, werden diese durch körpereigene Immunzellen bekämpft. Das können spezifische oder unspezifische Immunzellen sein.

Das weibliche Hormon Östrogen unterstützt die Vermehrung der spezifischen Immunzellen. Daher reagiert das weibliche Immunsystem schneller und aggressiver auf Krankheitserreger. Eine Theorie, warum das so ist: Schon in der Steinzeit war es wichtig, dass das Immunsystem der Frauen das ungeborene bzw. neugeborene Kind besonders schützte. Frauen in der Menopause haben übrigens nicht mehr so hohe Östrogenwerte, daher ist ihr Immunsystem nicht mehr so schlagkräftig.

Der Männergesundheitsbericht belegt „Männer kümmern sich zu wenig um ihre Gesundheit“. Die Lebenserwartung des "starken Geschlechts" liegt statistisch gesehen mehr als 5 Jahre unter der von Frauen. Ende 2010 gab es den ersten Männergesundheitsbericht - fast 10 Jahre nach dem Bericht zur Frauengesundheit.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder stellte den Bericht mit namhaften Wissenschaftlern, u. a. auch Prof. Dr. Sommer, auf einer Pressekonferenz vor. Wir konnten zeigen, dass Männer unter vielen Krankheiten deutlich häufiger und in deutlich jüngeren Jahren leiden als Frauen. Internationale Daten belegen, dass es mit der Gesundheit des Mannes ab dem 40. Lebensjahr "bergab" geht. Dies konnte auch für Deutschland gezeigt werden. Nicht nur Hormone spielen eine große Rolle, sondern auch die Fettleibigkeit und das Herzinfarktrisiko! Hier ist die Schuld nicht nur in den Genen zu suchen.

Das Resümee des ersten Deutschen Männergesundheitsberichtes ist: Männer müssen sich mehr um ihre Gesundheit kümmern. Weg von der Reparaturmedizin - hin zur Prävention!

Hormone

Welche Rolle spielt Testosteron?

DGMG-Studien von 2017 haben gezeigt, dass hohe Testosteronwerte positiv für das Immunsystem sind. Untersuchungen bei hypogonadalen Männern, die also einen niedrigen Testosteronwert haben, belegten, dass sie häufiger erkältet und krank sind. Männer mit einem hohen Testosteronspiegel zeigen dagegen weniger Erkältungserscheinungen und sind seltener krank. Doch warum ist das so?

Die Antwort liefert auch hier wieder Östrogen. Testosteron wird bei Männern in das Östrogen Östradiol verstoffwechselt: Männer mit einem hohen Testosteronspiegel haben somit in der Regel auch gute Östradiolspiegel. Und dieses Östrogen fördert – wie auch bei Frauen – eine Vermehrung der spezifischen Immunzellen, was wiederum dazu führt, dass Krankheiten schneller und effektiver bekämpft werden.

Klingt zunächst einmal simpel, muss jedoch differenziert werden. Denn ein Testosteronmangel supprimiert (unterdrückt) das Immunsystem und vermindert die antibakterielle Aktivität. In einer Studie hat man überprüft, mit welcher Art von Infektion Männer ins Krankenhaus eingeliefert werden. Das Ergebnis: Am häufigsten kamen Infektionserkrankungen im Bereich der Atemwege und des Magen-Darm-Trakts vor. Dabei war die Hospitalisierungsrate mit dem Testosteronspiegel signifikant assoziiert. Männer mit einem niedrigen Testosteronspiegel waren verstärkt betroffen, außerdem war ihre Sterblichkeitsrate signifikant erhöht!

Erklärung: Testosteron, das Königshormon des Mannes, kann entzündlichen Prozessen entgegenwirken. Beispielsweise leiden Männer deutlich seltener an entzündlichen und allergischen Erkrankungen als Frauen. Rheumatoide Arthritis, Schuppenflechte oder Asthma trifft mehrheitlich das weibliche Geschlecht! Während Testosteron somit entzündungshemmend ist, ist Östradiol entzündungsfördernd. Höhere Testosteronspiegel führen somit dazu, dass die stimulierten Blutzellen von Männern weniger inflammatorische Leukotriene produzieren, die wiederum für chronische Entzündungsreaktionen verantwortlich zeichnen.

Zusammenfassend lässt sich somit sagen: Männer mit niedrigem Testosteron- und/oder Östrogenspiegel werden häufiger von Erkältungen und grippalen Infekten heimgesucht. Über gute Testosteronwerte und damit einhergehend gute Östrogenwerte verfügen vor allem Männer, die sich viel bewegen, gesund ernähren und mental stark sind. Sie haben das Glück, seltener und nicht so schnell krank zu werden.

Genetik

Welche genetischen Unterschiede gibt es?

Allem Anschein nach spielt aber auch der genetische Unterschied von Männern und Frauen eine Rolle. Frauen sind genetisch XX und Männer XY. Schaut man sich das Y-Chromosom einmal genauer an, dann sieht es so aus, als ob dem X ein „Beinchen“ ausgerissen wurde. Auf diesem Beinchen sind jedoch viele Prozesse kodiert, die antioxidativ (den Organismus vor oxidativem Stress schützend)oder antinflammatorisch (entzündungshemmend) sind. In dieser Hinsicht ist der Mann gegenüber der Frau genetisch benachteiligt.

Prävention

Was können Männer tun?

Gezielte körperliche Aktivität, eine spezielle Ernährung und die richtige Mentalität können das Königshormon des Mannes boosten. Hier finden Sie fundierte Anleitungen zur körperlichen Ertüchtigung, die auch den Testosteronspiegel auf natürliche Weise positiv beeinflusst. Der kostenlose Service beinhaltet auch verschiedene 1-zu-1-Trainingsprogramme die es jedem Man ermöglichen, ein gezieltes körperliches Training durchzuführen. Zusätzlich gibt es spezielle Ernährungstipps und Videos zum mentalen Training.