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Gynäkomastie

6 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Gynäkomastie bezeichnet die Vergrößerung der Brustdrüse beim Mann und betrifft bis zu 70 Prozent der Jungen in der Pubertät sowie 30 bis 50 Prozent der erwachsenen Männer. Ursachen sind häufig hormonelle Veränderungen, bestimmte Medikamente oder Übergewicht. In vielen Fällen hilft gezieltes Training und Ernährungsumstellung. Sprechen konservative Maßnahmen nicht an, kann das überschüssige Brustdrüsengewebe durch eine Andromastektomie operativ entfernt werden.

Symptome

Wie äußert sich eine Gynäkomastie?

Wenn sich beim Mann die Brustdrüsen vergrößern und die Brust eine weibliche Form annimmt, sprechen Ärzte von einer Gynäkomastie. Diese kann sich negativ auf die Psyche des Mannes auswirken. Viele Betroffene, vor allem Jugendliche, empfinden ein ausgeprägtes Schamgefühl und fühlen sich nicht in der Lage, eine Partnerschaft einzugehen. Manchmal klagen sie auch über Spannung in der Brust oder über extreme Empfindlichkeit, wenn die Brustwarzen berührt werden. Starke Schmerzen sind im Zusammenhang mit der vergrößerten Brustdrüse allerdings eher selten.

Ursachen

Welche Ursachen kann eine Gynäkomastie haben?

  • Hormonelle Veränderungen, z.B. eine verminderte Testosteronproduktion oder ein Östrogen-Überschuss
  • Medikamente, z.B. Spironolacton, ACE-Hemmer und Antidepressiva
  • Krankheiten, z.B. eine chronische Leber- oder Niereninsuffizienz oder Brustkrebs
  • Übergewicht / Adipositas
  • Ernährung, z.B. Aufnahme großer Mengen an östrogenhaltigem Fleisch oder viel Bier
  • Drogen
  • Kosmetika mit östrogenhaltigen Substanzen, z.B. Teebaumöl oder Lavendel

Warum bekommen Jungen in der Pubertät manchmal eine Gynäkomastie?

Es ist ganz normal, dass es bei Neugeborenen kurzfristig zu einem Wachstum der männlichen Brust kommt. Dieses ist häufig durch das Plazentahormon bedingt. In der Pubertät kann eine Gynäkomastie ebenfalls auftreten. Die sogenannte „Pubertäts-Gynäkomastie“ (auch: Adoleszente Gynäkomastie, Jugendlichen-Gynäkomastie) entsteht aufgrund eines Ungleichgewichts zwischen weiblichen und männlichen Geschlechtshormonen. Sie zeigt sich meistens beidseitig, die Brustentwicklung kann sogar der einer Frau ähneln. Die gute Nachricht: Viele Jungenbrüste entwickeln sich später zurück!

Warum sind Bodybuilder häufiger von einer „Männerbrust“ betroffen?

Immer wieder hört man die Frage, warum Bodybuilder häufiger als andere Männer von dem Phänomen der „Männerbrust“ betroffen sind. Es soll jetzt bitte nicht der Eindruck entstehen, dass alle Kraftsportler dopen.Tatsächlich kommt es aber bei Bodybuildern häufig zur Ausbildung von „Männertitten“, wenn diese Anabolika eingenommen haben. Hier liegen zwei unterschiedliche Mechanismen zu Grunde.

Nach dem Absetzen anaboler Steroide wird oftmals ein Überschuss an weiblichen Hormonen im Männerkörper gemessen. Daraus resultiert dann die Entwicklung der Gynäkomastie.

Aber auch sehr hohe Dosen an Testosteronpräparaten können dazu führen, dass diese über das Enzym Aromatase in Östradiol (ein weibliches Hormon) verstoffwechselt werden. Wenn die Testosteronpräparate über einen längeren Zeitraum genommen werden, steigt dementsprechend auch der Östrogenspiegel. Und das kann langfristig zur Entwicklung und Ausprägung von Veränderungen im Brustbereich führen.

Diagnose & Untersuchungen

Wie wird eine Gynäkomastie festgestellt?

Der Arzt wird zunächst das Gespräch mit dem Patienten suchen, um eine Medikamenteneinnahme oder Alkoholkonsum als Ursache auszuschließen, und er wird die Brust abtasten. Dabei erfolgen eine Einschätzung der Hautqualität, des Ausmaßes der Fibrosierung und eine Überprüfung der Brustfalte. So lässt sich eine echte von der „falschen“ Gynäkomastie (Pseudogynäkomastie) unterscheiden. Ergänzend kann eine Untersuchung mittels Ultraschall erfolgen.

Um die Ursache der Gynäkomastie zu ermitteln, werden nach einer Blutentnahme die Leber-, Nieren- und Hormonwerte untersucht. Teilweise können auch Computertomographien und Röntgenaufnahmen notwendig sein.

Neben der Bestimmung des Hormonstatus und anderer Blutparameter kann unter Umständen auch eine Untersuchung der Hoden ratsam sein. Diese sollten nicht nur optisch betrachtet, sondern auch palpatorisch untersucht werden. Um sicherzustellen, dass keine krankhaften Veränderungen bestehen, bietet sich zusätzlich noch eine Ultraschalluntersuchung an. Sollten Veränderungen im Hoden vorliegen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Kostenübernahme der Krankenkassen sehr hoch.

Nur in den wenigsten Fällen wird eine hormonelle Erkrankung diagnostiziert. Hormonelle Auffälligkeiten können meistens medikamentös behandelt werden. Oftmals führt auch eine Ernährungsumstellung zum gewünschten Erfolg.

Welcher Arzt ist bei Gynäkomastie der richtige Ansprechpartner?

Andrologen kennen sich auf dem Gebiet der Gynäkomastie gut aus. Aber auch Endokrinologen und die meisten Urologen sollten in der Lage sein, entsprechende diagnostische Maßnahmen durchzuführen.

Wenn es dann um den operativen Eingriff geht, sind die Chirurgen gefragt. Es ist ratsam, einen erfahrenen Chirurgen aufzusuchen. Außerdem sollte bei operativen Eingriffen eine Dokumentation mit Vor- und Nachher-Fotos erfolgen.

Behandlung

Hilft Sport und Ernährung gegen eine Gynäkomastie?

Ja! Ein gezieltes Ausdauer- und Krafttraining kann zu einer Reduktion des Körperfetts führen. Besonders wichtig ist dabei ein spezielles Brustmuskeltraining. Zum Beispiel sind Liegestütze ideal. Dabei sollte die Brustmuskulatur in verschiedenen Winkeln trainiert werden, etwa indem die Beine auf einem Tisch oder Stuhl oder aber höher als der Oberkörper platziert werden.

Zur Reduktion der Lipomastie sind auch fliegende Bewegungen mit Kurzhanteln hilfreich – sowohl auf der Flachbank als auch auf der Schrägbank im Fitnessclub. Wird ein Kabelzug genutzt, kommt es nicht zu sogenannten „toten Punkten“. Die Verwendung des Kabelzugs hat zusätzlich noch den Vorteil, dass man eine Höchstkontraktion der Brustmuskulatur erreicht. Um noch mehr Spannung aufzubauen, die Hände übereinander kreuzen.

Neben dem körperlichen Training sollte auch darauf geachtet werden, einen erhöhten Körperfettanteil zu reduzieren. Besser als Crashdiäten ist eine langfristige Umstellung auf eine gesunde Ernährung, die dem täglichen Energiebedarf des Körpers angepasst ist. Alkohol und stark gezuckerte Getränke sind zu meiden.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Wird mit den genannten Therapien keine Besserung erzielt, besteht auch die Möglichkeit, das Brustdrüsengewebe sowie umgebenes Fett operativ zu entfernen (Andromastektomie). Eine Brustkorrektur empfehlen Ärzte normalerweise erst, wenn das Brustwachstum den Mann stark psychisch belastet und/der mit anderen Therapieformen keine befriedigenden Erfolge erzielt wurden. Mögliche Risiken und Nebenwirkungen einer OP sollten mit dem Arzt erörtert werden. Grundsätzlich gilt jedoch: Je früher man die Gynäkomastie behandelt, desto besser.

Der operative Eingriff der Sanierung einer Gynäkomastie, bei dem das vermehrte Brustdrüsengewebe entfernt werden muss, ist ein aufwendiger Eingriff. Daher erfolgt dieser in der Regel in Vollnarkose. Zunächst wird ein halbmondförmiger Schnitt unterhalb des Warzenhofes der Brustwarze (Mamille) gesetzt. Über diesen Schnitt entfernt der Operateur das überschüssige Brustdrüsengewebe. Um auszuschließen, dass eine krankhafte Veränderung – z.B. ein Brusttumor – vorliegt, führt ein Pathologe eine feingewebliche Untersuchung des Gewebes durch. Damit das Wundsekret gut abfließen kann, wird häufig eine Drainage in das operierte Gebiet eingelegt. Auch ein straffer Brustverband ist sehr hilfreich, um postoperativ eine bessere Fixierung der neuen Gewebekontur zu erzielen.

Die Kosten für den Eingriff hängen von seiner Größe und Dauer ab. Wird zusätzlich eine Liposuktion durchgeführt, sind die Kosten höher. Falls die Krankenkasse die Kostenübernahme ablehnt, fallen für den Patienten normalerweise Kosten zwischen 1.500 und 3.500 Euro an. Um keine bösen Überraschungen zu erleben, ist es ratsam, sich vor dem Eingriff mit dem Operateur über die anfallenden Kosten auszutauschen.

Nachsorge

Was muss nach einer Gynäkomastie-Operation beachtet werden?

Nach dem Eingriff wird ein starker Kompressionsverband angelegt, der mehrere Wochen getragen werden muss, um die neue Gewebekontur zu stabilisieren. Mit dem Krafttraining sollte erst nach sechs Wochen begonnen werden – vorausgesetzt, der Operateur hat grünes Licht gegeben.

Kann die Gynäkomastie nach der Operation wiederkehren?

Leider lässt sich durch eine Fettabsaugung nicht verhindern, dass dem Mann nach dem Eingriff wieder Brüste wachsen. Um dem entgegenzuwirken, sollte der Mann nach der OP nicht nur auf seine Ernährung achten bzw. diese gezielt umstellen, sondern auch spezielle Übungen für den Aufbau der Brustmuskulatur durchführen. Diese beeinflussen den optischen postoperativen Eindruck positiv. Mit dem Training sollte man jedoch erst 6 Wochen nach dem Eingriff beginnen – vorausgesetzt, der Operateur hat das Training freigegeben.

Teilweise kommt es nach der Operation auch zu einer Dellen-Bildung. Denn das Unterhautfettgewebe wird durch eine Schicht in oberflächliches und tiefes Unterhautfettgewebe geteilt. Eine Dellen-Bildung ist eher unwahrscheinlich, wenn die Fettabsaugung in den tiefen Unterhautfettschichten erfolgt.