Inkontinenz beim Mann
Kurz zusammengefasst
Inkontinenz beim Mann bezeichnet den unkontrollierten Verlust von Urin aus der Blase. Die häufigsten Formen sind Dranginkontinenz mit plötzlichem starkem Harndrang sowie Belastungsinkontinenz bei körperlicher Anstrengung wie Husten oder Heben. Häufige Ursachen sind eine vergrößerte Prostata, schwache Beckenbodenmuskulatur oder Operationen im Beckenbereich. Mit gezieltem Beckenbodentraining, Medikamenten oder in manchen Fällen operativen Eingriffen lässt sich Inkontinenz bei Männern gut behandeln.
Überblick
Was ist Inkontinenz beim Mann?
Harn-Inkontinenz bedeutet, dass Urin unkontrolliert aus der Blase entweichen kann. Inkontinenz wird – zumindest, was Menschen in jüngeren Lebensjahren betrifft – häufig als Frauen-Thema wahrgenommen, etwa weil Schwangerschaft und Geburt den Beckenboden belasten können. Weniger bekannt ist das Thema „Inkontinenz bei Männern“, obwohl es ebenfalls weit verbreitet ist. Wie viele Männer von einer Blasenschwäche betroffen sind, ist unklar. Denn ein Großteil der Männer verschweigt oder ignoriert, an Harninkontinenz bzw. Blasenschwäche zu leiden –meistens aus Scham oder Angst.
Dabei gilt wie bei vielen Erkrankungen auch bei Inkontinenz: Je früher man etwas dagegen unternimmt und sich von einem Arzt helfen lässt, desto schneller erhält man wieder Kontrolle über sein Leben. Denn ständig auf eine Toilette angewiesen zu sein, ist ein unerträglicher Zustand, der im Alltag sehr viele Probleme bereiten kann. So scheuen sich viele betroffene Männer vor Ausflügen und Unternehmungen, weil sie fürchten, dass der abgehende Urin „in die Hose“ gehen könnte.
Formen
Welche Formen der Inkontinenz gibt es?
Dranginkontinenz
Die Dranginkontinenz (auch Urge-Inkontinenz genannt) ist die häufigste Form der Inkontinenz bei Männern. Die Betroffenen verspüren einen extrem starken Harndrang, der urplötzlich auftritt. Eine Folge davon ist, dass Betroffene häufig nicht mehr rechtzeitig die Toilette erreichen.
Erschwerend kommt hinzu, dass dieser plötzliche Harndrang auch dann auftreten kann, wenn die Blase noch gar nicht besonders gefüllt ist. Das bedeutet: Nicht selten setzt dieser Drang in sehr kurzen Intervallen ein.
Dranginkontinenz tritt zumeist in fortgeschrittenen Jahren auf. Dies liegt daran, dass der Blasenmuskel mit dem Alter an Elastizität verliert. Häufig funktioniert auch das Zusammenspiel zwischen Gehirn und Blase nicht mehr immer einwandfrei.
Krankheiten wie etwa die Multiple Sklerose, Alzheimer, Parkinson oder ein Schlaganfall können ebenfalls zu einer Dranginkontinenz führen. In Betracht kommen auch Reizungen der Blase, zum Beispiel infolge von Blasensteinen oder einer Blasenentzündung.
Belastungs-/Stressinkontinenz
Die am meisten verbreitete Art von Harn-Inkontinenz ist die Belastungsinkontinenz, auch Stressinkontinenz genannt. Der Schließmuskel, der normalerweise verhindern soll, dass Harn unkontrolliert aus der Blase abfließt, ist bei der Belastungsinkontinenz geschwächt. Der unkontrollierte Harnverlust tritt durch plötzlichen Druck im Bereich des Beckenbodens auf – zum Beispiel beim Heben schwerer Gegenstände, bei einem heftigen Hustenanfall oder beim ausgelassenen Lachen.
Ursächlich ist meistens eine schwache Beckenbodenmuskulatur. Es kann aber auch sein, dass der Schließmuskel nicht richtig funktioniert. Das kann durch bestimmte Faktoren verursacht worden sein, beispielsweise durch eine kleinere Prostata-OP oder durch eine TURP (Transurethrale Prostataresektion). Bei diesem chirurgischen Eingriff wird die Prostata über die Harnröhre komplett oder zumindest teilweise entfernt. Häufigster Grund für eine TURP ist eine gutartige Vergrößerung der Prostata.
Stresskontinenz kann auch infolge einer Operation eines Prostata-Karzinoms auftreten. Die radikale Prostatektomie (RPE) ist bei einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom eine der Behandlungsmöglichkeiten.
Mischinkontinenz
Als Mischinkontinenz wird eine Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz bezeichnet. Diese tritt überwiegend bei Frauen auf.
Überlaufinkontinenz
Die dritte Form der Inkontinenz ist die Überlaufinkontinenz, die Blase kann dann nicht mehr vollständig entleert werden. Überschüssigen Urin scheiden Männer, die unter der Überlaufinkontinenz leiden, daher unkontrolliert aus.
Zurückzuführen ist die Überlaufinkontinenz in den meisten Fällen auf eine Verengung der Harnröhre. Diese wiederum ist häufig auf eine Vergrößerung der Prostata zurückzuführen.
Reflexinkontinenz
Ebenfalls eine sehr schwerwiegende Form von Harn-Inkontinenz ist die Reflexinkontinenz. Bei ihr liegt im Gehirn oder im Rückenmark eine Schädigung vor, wodurch die von hier aus im Normalfall erfolgende Steuerung der Blasenfunktion gestört ist.
Symptome & Ursachen
Was sind die Symptome einer Inkontinenz?
Bis zu 1,5 Liter Urin produzieren unsere Nieren pro Tag. Dieser wird normalerweise so lange in der Blase gesammelt, bis diese gut gefüllt ist. Dann wird es Zeit für den Toilettengang.
Männern im fortgeschrittenen Alter „müssen“ jedoch häufiger als junge Männer. Der häufige Harndrang ist ab etwa 45/50 Jahren keine Seltenheit und ein typisches Symptom für den Beginn einer gutartigen Prostatavergrößerung: Bei fast jedem zweiten Mann in diesem Alter kann eine vergrößerte Prostata nachgewiesen werden.
Mediziner unterscheiden übrigens zwischen zwei Formen des Harndrangs: Eine sogenannte Pollakisurie liegt vor, wenn der vermehrte Harndrang vor allem tagsüber auftritt und beim Gang aufs WC nur kleine Mengen an Urin ausgeschieden werden. Bei der Nykturie ist der Harndrang vor allem nachts sehr stark ausgeprägt. Viele Betroffene wachen mindestens zweimal in der Nacht auf und müssen dann raus aus dem Bett, um die Toilette aufzusuchen. Das bedeutet: Schluss mit Durchschlafen – und statt ausgeruht in den Tag zu starten, fühlen sie sich matt und müde. Keine gute Voraussetzung, um gut durch den Tag zu kommen!
Welche Rolle spielt die Prostata bei der Inkontinenz des Mannes?
Probleme mit der Prostata gehören zu den häufigsten Leiden des Mannes im Sexualbereich. Die Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO schätzen, dass sich in den westlichen Industrienationen fast jeder Mann mindestens einmal im Leben wegen Prostataproblemen an einen Arzt wendet und dass jeder dritte Mann irgendwann im Laufe seines Lebens an der Vorsteherdrüse operiert wird.
Wenn sich die Prostata vergrößert, übt sie Druck auf die Harnröhre aus. Dies führt zunächst dazu, dass der Harnfluss verlangsamt beginnt und/oder dass sich die Blase nicht vollständig entleert. Betroffene zieht es dann ständig auf die Toilette. Ein häufiges Begleitsymptom ist auch das Nachtröpfeln.
Welche Ursachen gibt es für Harndrang und Inkontinenz beim Mann?
Wenn Männer unter vermehrtem Harndrang leiden, muss dies nicht immer von der Prostata herrühren. Die Ursachen können nämlich sehr vielfältig sein. Wichtig zu verstehen: Harndrang ist ein Symptom, also ein Beschwerdebild. Inkontinenz hingegen ist eine Erkrankung, bei der die Kontrolle über die Blase teilweise oder ganz verloren geht. Harndrang kann also ein frühes Warnzeichen sein. Bleibt die Ursache unbehandelt, kann sich daraus eine Inkontinenz entwickeln.
Was verursacht vermehrten Harndrang?
Ursachen, die direkt mit den Harnwegen zusammenhängen:
- Harnröhrenstriktur: Das ist eine zumeist narbige Einengung der Harnröhre. Je nach Ausmaß der Einengung zeigt sich ein abgeschwächter Harnstrahl und die Harnblase wird beim Toilettengang nicht mehr vollständig entleert. Aufgrund des in der Blase befindlichen Restharns kann dies zu Entzündungen führen. Neben Veränderungen an der Harnblase sind aber auch Spätschäden an den Nieren möglich.
- Instabile Blase: Sehr weit verbreitet und in jedem Alter möglich. Sie äußert sich in Symptomen wie häufigem Wasserlassen – Betroffene müssen oftmals mehr als achtmal in 24 Stunden zur Toilette – und plötzlichem Harndrang, verbunden mit Dranginkontinenz. Zur Therapie einer instabilen Blase stehen mehrere Maßnahmen zur Verfügung: Dazu gehören ein Toiletten- und Blasentraining, medikamentöse Behandlungen und vereinzelt auch operative Interventionen. Sie alle verfolgen das Ziel, dem Patienten zu einer Verbesserung seiner Lebensqualität zu verhelfen.
- Schwache Beckenboden- und Schließmuskeln: Wenn Beckenboden- und Schließmuskeln nachlassen, fällt die Kontrolle schwerer. Gezieltes Beckenbodentraining kann helfen.
- Blasenentzündung und bakterielle Infektionen: Verursachen häufig vermehrten Harndrang. Sie lassen sich in der Regel gut behandeln.
Ursachen, die nicht direkt mit der Blase zusammenhängen:
Blasensteine, Diabetes, Nierenerkrankungen oder ein schwaches Herz können ebenfalls als mögliche Ursachen für einen allzu häufigen Besuch am WC in Erwägung gezogen werden. Und schließlich kann eine Strahlenbehandlung in der Nähe der Blase die Wand des Organs schädigen und das Urinierverhalten negativ beeinflussen.
Findet sich keine körperliche Ursache für den Harndrang, sollten seelische Ursachen in Betracht gezogen werden. Ist die entsprechende Diagnose positiv, ist eine psychosomatische Behandlung anzuraten. Ob körperliche oder seelische Ursache: Am Weg zum Arzt führt kein Weg vorbei.
Was verursacht Inkontinenz?
Die Ursachen dafür sind unterschiedlich. Oft ist eine Operation im Beckenbereich der Auslöser, zum Beispiel in Folge einer Prostataerkrankung. Grundsätzlich kann das Kontroll- und Verschlusssystems der Harnröhre, in dem auch der Beckenboden eine wichtige Rolle spielt, immer dann in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn bei einem operativen Eingriff die Nerven in diesem Bereich tangiert werden.
Auch eine neurologische Erkrankung wie beispielsweise ein Schlaganfall, Multiple Sklerose oder Alzheimer kann Auswirkungen auf den Beckenboden haben.
Häufig sind die Auslöser für eine Inkontinenz auch im psychischen Bereich zu finden. Nicht unterschätzt werden dürfen außerdem die Nebenwirkungen, die manche Medikamente auf die Blase haben können.
Bei älteren Menschen, die ohnehin dem Risiko ausgesetzt sind, dass ihre Muskulatur nach und nach abbaut, kann manchmal bereits eine harmlose Harnwegsinfektionen eine Blasenschwäche verursachen.
Je nach Art und Ausprägung der Harn-Inkontinenz sind allerdings mehrere Therapieansätze möglich. Wichtig ist es vor allem, keine Scheu zu haben und in jedem Fall einen Arzt aufzusuchen.
Diagnose & Untersuchungen
Wie wird Inkontinenz diagnostiziert?
Die Diagnose einer Inkontinenz erfolgt in der Regel durch ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Zunächst wird der Arzt Ihre Beschwerden und Ihre Krankengeschichte erfragen. Typische Fragen im Arztgespräch:
- Wann haben Sie das Problem erstmals bemerkt?
- Wie oft gehen Sie zur Toilette?
- Verlieren Sie zwischen den Toilettengängen Urin?
- Wie häufig und wie viel Urin verlieren Sie dabei?
- Welche Medikamente nehmen Sie ein oder haben Sie früher eingenommen?
Diese Informationen helfen dem Arzt, ein Muster zu erkennen und die Art der Inkontinenz zu bestimmen. Je nach Befund können zusätzliche Untersuchungen notwendig sein. Bei Männern kann eine rektale Untersuchung eine vergrößerte Prostata aufdecken. Eine Urinprobe (medizinisch Urinalyse) zeigt, ob eine Infektion oder Blut im Urin vorliegt. Mit einer Ultraschalluntersuchung der Blase lässt sich schmerzfrei prüfen, wie gut sich die Blase entleert.
In manchen Fällen wird ein sogenannter Belastungstest durchgeführt. Dabei werden Sie gebeten, bestimmte Aktivitäten wie Husten oder Springen zu wiederholen. So kann der Arzt beobachten, ob dabei Urin austritt. Weitere mögliche Untersuchungen sind die Blasenspiegelung (Zystoskopie) oder spezielle Tests zur Blasenfunktion (urodynamische Tests). Diese sind jedoch nicht bei jedem Betroffenen erforderlich.
Häufig empfiehlt der Arzt auch das Führen eines Blasentagebuchs über einige Tage. Notieren Sie darin folgende Punkte:
- Wie oft Sie zur Toilette gehen
- Wie viel Urin Sie jeweils ausscheiden
- Ob und wann Sie ungewollt Urin verlieren
- Welche Aktivitäten Sie dabei gerade ausüben
Behandlungsablauf
Wie wird Inkontinenz bei Männern behandelt?
Je nach Art der Harn-Inkontinenz gibt es unterschiedliche Therapieansätze:
- Reflexinkontinenz: Weil der Reflexinkontinenz häufig eine neurologische Erkrankung (Schlaganfall, Multiple Sklerose, Alzheimer, Parkinson) zugrunde liegt, hängt eine Behandlungsmöglichkeit vom jeweiligen Verlauf der auslösenden Erkrankung ab. In vielen Fällen kann ein Katheter helfen. Er sorgt dafür, dass die Blase regelmäßig entleert wird.
- Überlaufinkontinenz: Auch hier richtet sich die Behandlung nach der Ursache. Liegt ein Abflusshindernis vor, muss dieses beseitigt werden. Bei einer vergrößerten Prostata erfolgt dies meist operativ oder medikamentös mit Alpharezeptorblockern. Ist ein geschwächter Blasenmuskel das Problem, können Blasentraining und Elektrostimulation helfen. Oft ist zunächst ein Katheter notwendig, um die Blase regelmäßig zu entleeren. Welche Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, sollte mit einem Arzt abgeklärt werden. Wer bei sich die Anzeichen einer Überlaufinkontinenz bemerkt, sollte dies als mögliches Alarmsignal sehen und sofort zum Arzt gehen. Möglicherweise kann die Blase nämlich deshalb nicht mehr komplett entleert werden, weil die Harnröhre verengt ist – dies kann durch Harnsteine oder im schlimmsten Fall sogar durch einen Tumor ausgelöst werden. Eine weniger schlimme und deshalb auch eine leichter therapierbarere Ursache könnte auch eine gutartige Vergrößerung der Prostata sein.
- Belastungs- und Dranginkontinenz: Sowohl bei der Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) als auch bei der Dranginkontinenz kann bereits mit einem gezielten Beckenbodentraining eine deutliche Erhöhung der Lebensqualität erreicht werden. Zentrales Ziel aller Übungen ist es, den Beckenboden und damit auch die Schließmuskulatur zu kräftigen, um ein unkontrolliertes Entweichen des Urins (oder auch des Stuhls) verhindern zu können. Interessant: Das Beckenbodentraining kann auch als Elektrotherapie erfolgen. Entweder zum Intensivieren des Trainings oder in Fällen, in denen der Patienten zunächst passiv bleiben möchte (oder bleiben muss), können durch bestimmte Geräte elektrische Impulse auf die Beckenbodenmuskulatur einwirken.
Operation
Wenn Therapieansätze wie ein Beckenboden- oder ein Blasentraining keine Verbesserung der Situation gebracht haben, kann mit einem Arzt auch über einen möglichen operativen Eingriff gesprochen werden. Denkbar ist zum Beispiel, eine Art künstlichen Schließmuskel an das Ende der Harnröhre zu setzen. In manchen verhilft aber auch schon eine Stabilisierung der Harnröhre selbst zu einer Verbesserung der Situation. Ebenso gibt es heute die Möglichkeit, dem Beckenboden durch diverse Implantate zu stärken.
Medikamentöse Behandlung
Wer eine Operation scheut, mit dem klassischen Beckenboden- oder Blasentraining aber ebenfalls nicht weiterkommt, kann mit seinem Arzt über eine medikamentöse Behandlung sprechen. Hier sind die Erfolgsaussichten aber erneut sehr stark von der Art und der Ausprägung der Inkontinenz abhängig. Bei einer Überlaufinkontinenz haben sich zum Beispiel Alpharezeptorblocker durchaus bewährt, um den Harnabfluss durch eine Lockerung des Blasenverschlusses zu erleichtern. Krampflösende Medikamente sind wiederum bei Dranginkontinenz eine mögliche Option.
Trink- und Miktionsplan
In Absprache mit einem Mediziner kann auch ein Blasentraining absolviert werden. Durch das genaue Notieren, wann ein Betroffener wie viel Flüssigkeit zu sich genommen hat und wann er wie viel Urin ausgeschieden hat (kontrolliert oder unkontrolliert), kann ein sogenannter Trink- und Miktionsplan erstellt werden. Dieser dient dem von Inkontinenz betroffenen Patienten sozusagen als Leitfaden, in welchen zeitlichen Abständen er sicherheitshalber eine Toilette aufsuchen sollte – und zwar eben auch dann, wenn eigentlich gar kein Harndrang verspürt wird.
Weniger oft müssen, aber auch eine deutliche Linderung von Beckenboden-Schmerzen kann die klinisch erprobte „Tibialis-Nerv-Stimulationstherapie“ bewirken. Sie wird weitgehend von Krankenkassen übernommen. Mehr dazu erfahren Sie hier bei Lancy-Elektromedizin.
Erholung & Nachsorge
Was kann ich im Alltag selbst tun, um trotz Inkontinenz die Lebensqualität zu erhöhen?
Für viele Männer ist es hilfreich, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Ein Therapeut oder Psychologe kann hier wertvolle Hilfe leisten. Im Gespräch lassen sich Strategien entwickeln, um besser mit der Belastung umzugehen.
In manchen Fällen können auch Medikamente sinnvoll sein, um die psychische Gesundheit zu unterstützen. Wichtig ist, sich nicht zu scheuen, solche Hilfe anzunehmen. Die seelische Gesundheit ist genauso wichtig wie die körperliche. Rechtzeitig erkannt gibt es gute Möglichkeiten, sowohl die körperlichen als auch die psychischen Beschwerden zu behandeln.
Außerdem kann mit der richtigen Ernährung und vor allem einem angepassten Trinkverhalten bereits ein wichtiger Beitrag geleistet werden, um trotz Harn- oder auch Stuhl-Inkontinenz die Lebensqualität zu erhöhen.
Beim Trinken ist eine grundsätzliche Feststellung sehr wichtig: Aus Sorge vor einem unkontrollierten Harn-Verlust lieber gar nichts mehr oder nur noch sehr wenig zu trinken, wäre nicht nur falsch, sondern noch dazu kontraproduktiv. Denn wer als Erwachsener nicht die empfohlenen zwei bis drei Liter an Flüssigkeit täglich zu sich nimmt, mag zwar weniger Harn produzieren, doch dafür ist die Konzentration des wenigen Harns höher – und das hat Folgen. So kann der Harndrang dadurch sogar noch verstärkt werden. Außerdem hat Urin, der durch die Harnröhre fließt, auch eine nahezu reinigende Wirkung. Das bedeutet im Umkehrschluss: Findet dieses „Durchspülen“ deutlich seltener statt, können sich Bakterien leichter ansiedeln, was wiederum das Risiko für eine Harnwegsinfektion erhöht.
Wer unter Inkontinenz leidet, sollte vor allem zu Getränken greifen, die nicht harntreibend sind: zum Beispiel stilles Wasser oder Tee. Weniger empfehlenswert sind Getränke, die Kohlensäure, Koffein oder Alkohol enthalten. Auch Ersatzstoffe in „Light“-Getränken wirken oft harntreibend. Um die Nachtruhe möglichst wenig zu stören, sollte auf harntreibende Getränke wie etwa Tee oder Alkohol vor dem Insbettgehen verzichtet werden.
Beim Essen sollten Lebensmittel vermieden werden, die eine blähende oder stopfende Wirkung haben – dazu zählen unter anderem fast alle Kohlarten, Spargel oder auch Hülsenfrüchte sowie Bananen. Blähungen mögen auf den ersten Blick nur Auswirkungen auf den Darm haben. Doch wenn der Stuhlgang dadurch für den Körper anstrengender wird, beansprucht das auch zusätzlich den Beckenboden – und der spielt für das Halten des Harns in der Blase nun einmal ebenfalls eine wichtige Rolle. Menschen, die von einer Inkontinenz betroffen sind, wird eine ballaststoffreiche Ernährung empfohlen: Gemüse, Kartoffeln, Vollkornprodukte, Nüsse.
Welche Rolle spielt das Körpergewicht bei Inkontinenz?
Im Zusammenhang mit dem Thema Ernährung sei auch noch erwähnt, dass der Beckenboden auch durch Übergewicht zusätzlich belastet wird. Parallel zu allen bislang genannten Maßnahmen ist deshalb auch immer eine Reduzierung beziehungsweise Normalisierung des Körpergewichts ratsam.
Prognose
Ist Inkontinenz bei Männern heilbar?
Diese Frage stellen sich viele Betroffene. Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. In manchen Fällen handelt es sich um ein vorübergehendes Problem. In anderen Fällen kann sie länger andauern. Zunächst die gute Nachricht: Häufig ist Harninkontinenz nur von kurzer Dauer und verschwindet wieder, sobald die Ursache behoben ist. Ein typisches Beispiel ist eine Harnwegsinfektion. Ist diese ausgeheilt, bessert sich in der Regel auch die Inkontinenz.
Es gibt aber auch Fälle, in denen Inkontinenz länger bestehen bleibt. Dies kann vorkommen, wenn eine chronische Erkrankung die Ursache ist. Dazu zählen zum Beispiel Diabetes oder Multiple Sklerose. In solchen Situationen kann die Inkontinenz über einen längeren Zeitraum anhalten und möglicherweise sogar dauerhaft. Das klingt zunächst belastend. Es gibt aber auch hier eine gute Nachricht: Selbst bei chronischen Ursachen lässt sich Inkontinenz gut behandeln. Wichtig ist, mit einem Arzt darüber zu sprechen. Gemeinsam lassen sich Strategien entwickeln, damit die Inkontinenz den Alltag möglichst wenig beeinträchtigt. Viele Betroffene führen trotz Inkontinenz ein aktives und erfülltes Leben.
Vorbeugung
Kann man Inkontinenz bei Männern vorbeugen?
Nicht allen Ursachen von Inkontinenz lässt sich vorbeugen. Die verschiedenen Formen der Blasenschwäche können durch unterschiedliche Faktoren im Leben entstehen und manche davon liegen außerhalb der eigenen Kontrolle. Das persönliche Risiko lässt sich aber mit den folgende Maßnahmen durchaus senken:
- Beckenbodentraining: Ein starker Beckenboden stützt die Blase und hilft bei der Kontrolle des Harndrangs. Besonders empfehlenswert ist das gezielten Beckenbodentraining und die sogenannten Kegel Übungen. Dabei wird der Beckenboden bewusst angespannt und wieder entspannt. Diese Übungen lassen sich unauffällig in den Alltag einbauen.
- Gesundes Körpergewicht: Übergewicht belastet den Beckenboden zusätzlich und kann die Blasenkontrolle erschweren. Ein Gewicht im gesunden Bereich entlastet diese Region und kann so das Risiko für Inkontinenz verringern.
Wichtig ist, dass diese Maßnahmen das Risiko senken können. Eine vollständige Garantie gegen Inkontinenz bieten sie jedoch nicht. In welcher Form ein Beckenbodentraining im Einzelfall am sinnvollsten ist, sollte mit einem Arzt oder Physiotherapeuten besprochen werden.
