Blut im Urin (Hämaturie)
Kurz zusammengefasst
Blut im Urin (Hämaturie) entsteht, wenn rote Blutkörperchen aus den Nieren, der Blase oder den Harnwegen in den Urin gelangen. Die Ursachen sind vielfältig und in den meisten Fällen harmlos – von Harnwegsinfektionen und Nierensteinen bis hin zu starker körperlicher Belastung. In seltenen Fällen kann auch ein Tumor dahinterstecken. Da schwerwiegende Erkrankungen nicht ohne Weiteres ausgeschlossen werden können, sollte jede Hämaturie ärztlich abgeklärt werden.
Überblick
Was bedeutet Blut im Urin?
Blutspuren im Urin bedeuten, dass dem Urin rote Blutkörperchen (Erythrozyten) beigemengt sind. Sind diese deutlich und mit bloßem Auge sichtbar, sprechen Mediziner von einer Makrohämaturie. Je nach Menge des Bluts ist der Urin bei der Makrohämaturie schwachrosa bis dunkelrot verfärbt, der Farbton kann aber auch bräunlich sein. Im Gegensatz dazu ist bei einer Mikrohämaturie das Blut mit dem bloßen Auge nicht sichtbar, es lässt sich nur mikroskopisch nachweisen.
Wichtig zu wissen: Bereits 0,2 ml reichen dafür aus, um 500 ml Harn einzufärben – der rote Blutfarbstoff Hämoglobin hat also eine erhebliche Farbwirkung. Ist der Urin verfärbt, bedeutet das also nicht unbedingt, dass ein Patient sehr große Mengen an Blut verliert.
Nicht immer steckt Blut hinter einer roten Verfärbung des Urins. So kann der Genuss von einigen Lebensmitteln – zum Beispiel von Roter Bete, Blaubeeren oder großen Mengen an Rhabarber – den Urin rötlich erscheinen lassen.
Ist Blut im Urin gefährlich?
Egal, ob das Blut mit dem bloßen Auge sichtbar ist oder nur unter dem Mikroskop erkannt werden kann – den Ursachen einer Blutung sollte auf jeden Fall auf den Grund gegangen werden. Schwerwiegende Erkrankungen können nicht ausgeschlossen werden. Sehr häufig liegt aber auch eine gutartige Ursache vor. Wer Blut im Urin bemerkt, sollte daher immer einen Arzt aufsuchen.
Ursachen
Was kann Blut im Urin verursachen?
Blut im Urin entsteht, wenn rote Blutkörperchen aus den Nieren, der Blase, den Harnleitern oder der Harnröhre in den Urin gelangen. Die Ursachen dafür sind vielfältig – und in den meisten Fällen harmlos:
- Blasenentzündung: Bakterien steigen über die Harnröhre in die Blase auf und entzünden dort die Schleimhaut. Durch die Entzündung entstehen kleine Einrisse und Verletzungen, die zu Blutbeimengungen im Urin führen.
- Nierenbeckenentzündung: Wenn Bakterien aus den unteren Harnwegen weiter in das Nierenbecken wandern, kommt es zu einer Entzündung. Auch dort kann die gereizte Schleimhaut bluten.
- Nieren- oder Blasensteine: Steine, die zu groß sind, um mit dem Wasserlassen ausgeschwemmt zu werden, reiben an der Schleimhaut von Harnleiter oder Blase und verursachen dort kleine Verletzungen und Blutungen.
- Gutartige Prostatavergrößerung: Das Venengeflecht am Blasenhals im Übergang zur Prostata kann sich – insbesondere bei älteren Männern – erweitern. Die Venenwände werden dadurch dünner und brüchiger, sodass sie leichter einreißen und in den Harnweg bluten können.
- Prostataentzündung: Bakterien oder Stress kann eine Entzündung der Vorsteherdrüse auslösen, die umliegende Blutgefäße reizt und so zu Blutungen führen kann.
- Niereninfarkt: Ähnlich wie beim Herzinfarkt verschließt sich ein Blutgefäß in der Niere. Das Nierengewebe wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und blutet.
- Tumore: Wachsendes Tumorgewebe in Prostata, Blase oder Niere schädigt umliegende Blutgefäße, die dann in den Harntrakt bluten.
- Traumata: Nierenprellung beim Sport, Autounfälle, Stürze oder chirurgische Eingriffe können die Harnwege direkt verletzen – Blutungen, die in den Urin gelangen, sind die Folge.
Diagnose
Welche Untersuchungen werden bei Blut im Urin durchgeführt?
Die Diagnose beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Gespräch über Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamente. Daran schließen sich folgende Untersuchungen an:
- Urinuntersuchung: Eine Urinprobe gibt ersten Aufschluss darüber, ob rote Blutkörperchen vorhanden sind, ob eine Infektion vorliegt und ob Eiweiß oder andere Auffälligkeiten im Harn nachweisbar sind.
- Blutuntersuchung: Überprüft die Nierenfunktion und kann bei Männern zusätzlich einen PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs umfassen.
- Ultraschall: Gibt einen ersten bildgebenden Überblick über Nieren, Blase und Prostata und kann Steine oder Vergrößerungen sichtbar machen.
- Harnröhren- und Blasenspiegelung: Eine Urethrozystoskopie wird durchgeführt, wenn die Ursache nach den ersten Untersuchungen noch unklar ist. Dabei wird ein dünner Schlauch mit Kamera über die Harnröhre in die Blase eingeführt. Erweiterte Gefäße im Übergang vom Blasenhals zur Prostata lassen sich auf diese Weise gut erkennen.
- Weitere bildgebende Verfahren: CT oder MRT kommen zum Einsatz, wenn Tumore oder komplexere Veränderungen abgeklärt werden müssen.
Behandlung
Wie wird Blut im Urin behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache und kann folgende Maßnahmen umfassen:
- Abwarten und beobachten: In manchen Fällen verschwindet das Blut im Urin von alleine wieder, ohne dass eine Behandlung notwendig ist. Ob abwarten eine Option ist, entscheidet ausschließlich der Arzt – nach einer gründlichen Untersuchung und dem Ausschluss ernsthafter Ursachen. Auf eigene Faust abzuwarten ist nicht empfohlen, da Blut im Urin immer ärztlich abgeklärt werden sollte.
- Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen wie Blasenentzündung, Nierenbeckenentzündung oder Prostataentzündung.
- Pflanzliche Wirkstoffe: Senföl aus Kapuzinerkresse und Meerrettich als Alternative oder Ergänzung zu Antibiotika bei unkomplizierten Harnwegsinfekten.
- Schmerzmittel und Anticholinergika: Zur Linderung von Schmerzen und Harndrang.
- Stoßwellentherapie oder operative Steinentfernung: Größere Nieren- oder Blasensteine können auf verschiedene Wege behandelt werden: Bei der Stoßwellentherapie werden die Steine von außen durch Schallwellen zertrümmert, sodass die kleineren Bruchstücke mit dem Urin ausgeschwemmt werden können. Alternativ können Steine minimal-invasiv über ein dünnes Instrument durch die Harnröhre entfernt werden. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von Größe und Lage des Steins ab und wird vom Arzt entschieden.
- Anpassung der Medikation: Wenn blutverdünnende Medikamente oder andere Präparate die Ursache sind.
- Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie: Bei Tumorerkrankungen je nach Art und Stadium.
Was kann man bis zum Arzttermin tun?
- Mindestens 1,5 Liter pro Tag trinken, um die Harnwege durchzuspülen
- Körperliche Anstrengung reduzieren
- Alle eingenommenen Medikamente notieren
- Begleitende Symptome so genau wie möglich dokumentieren – wann trat das Blut auf, welche Farbe, wie oft, wie stark und ob Schmerzen, Fieber oder andere Symptome dazukommen
