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Gutartige Prostatavergrößerung

9 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Die gutartige Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie, BPH) ist ein Krankheitsbild, das über 50 % der Männer über 60 Jahre betrifft. Sie entsteht durch hormonelle Veränderungen im Alter und führt zu typischen Beschwerden beim Wasserlassen wie schwachem Harnstrahl, häufigem Harndrang und nächtlichen Toilettengängen. Je nach Schweregrad stehen Lebensstiländerungen, medikamentöse Therapie oder operative Verfahren zur Verfügung.

Überblick

Was ist eine gutartige Prostatavergrößerung?

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet die gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse. Bei der Prostata handelt es sich um eine walnussgroße Drüse, die direkt unterhalb der Harnblase liegt und die Harnröhre umschließt. Sie ist unter anderem für die Produktion von Seminalflüssigkeit verantwortlich. Mit zunehmender Vergrößerung drückt die Prostata auf die Harnröhre und verursacht Beschwerden beim Wasserlassen. Eine normale Prostata hat die Größe einer Kastanie und wiegt etwa 20 Gramm – bei einer BPH kann sie auf die Größe einer Apfelsine mit über 120 Gramm anwachsen.

Wie häufig ist die Erkrankung?

Die gutartige Prostatavergrößerung betrifft über 50 Prozent der Männer über 60 Jahre. Die Hälfte der Männer ab dem 50. Lebensjahr entwickelt eine BPH, bei den über 80-Jährigen sind es sogar etwa 90 Prozent. Das ist grundsätzlich kein Grund zur Sorge – sofern eine gutartige Veränderung diagnostiziert wurde.

Ist eine BPH dasselbe wie Prostatakrebs?

Nein – beides sind völlig unterschiedliche Erkrankungen. Bei der BPH sind die Zellen gutartig und bilden keinen Tumor. Eine gutartige Prostatavergrößerung erhöht das Risiko für Prostatakrebs nicht. Dennoch können beide Erkrankungen anfangs ähnliche Symptome verursachen. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung immer wichtig.

Symptome

Welche Beschwerden verursacht eine vergrößerte Prostata?

Häufige Symptome einer BPH:

  • Um Urin zu lösen, muss der Betroffene stark drücken
  • Der Harnstrahl ist sehr schwach
  • Oftmals haben Männer das Gefühl, die Blase nach dem Urinieren nicht komplett entleert zu haben
  • Plötzlicher Harndrang, so dass man unverzüglich eine Toilette aufsuchen muss
  • Viele Männer „müssen“ häufiger ...
  • oder sie wachen nachts auf, weil der Harndrang so groß ist

Wie stark beeinträchtigen die Beschwerden den Alltag?

Das ist sehr individuell. Viele Männer haben leichte Symptome und kommen gut damit zurecht. Für andere wird die Erkrankung zu einer ernsthaften Belastung: Die nächtlichen Toilettengänge rauben den Schlaf, tagsüber macht sich Erschöpfung breit. Studien haben gezeigt, dass sich Männer durch die damit verbundenen sexuellen Funktionsstörungen sogar stärker beeinträchtigt fühlen als durch die Harnsymptome selbst.

Wann muss sofort ein Arzt aufgesucht werden?

Bei folgenden Zeichen sollte unverzüglich ein Arzt oder eine Notaufnahme aufgesucht werden: wenn plötzlich kein Wasser mehr gelassen werden kann (akuter Harnverhalt), bei Blut im Urin, bei starken Schmerzen im Unterbauch oder bei Fieber in Verbindung mit Harnsymptomen. Ein akuter Harnverhalt ist ein medizinischer Notfall – die Blase muss sofort durch einen Katheter entlastet werden.

Ursachen

Warum vergrößert sich die Prostata?

Die Ursachen für die Entstehung einer gutartigen Prostatavergrößerung sind im Detail noch unklar. Es wird unter anderem ein gestörtes hormonelles Zusammenspiel von Testosteron und Östrogen angenommen, zumal die Vergrößerung der Prostata in eine Lebensperiode absinkender Testosteron-Plasmaspiegel fällt. Mit zunehmendem Alter sinken die Testosteronspiegel, gleichzeitig steigt der relative Östrogenanteil. Beide Hormone fördern das Wachstum der Prostata. Es kommt vor allem zu einem Anwachsen der sogenannten ”Innendrüse”, wodurch die eigentliche Prostatadrüse nach außen verdrängt wird.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor. Darüber hinaus erhöhen folgende Faktoren das Risiko, dass eine vergrößerte Prostata Beschwerden verursacht:

  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Bluthochdruck
  • Zucker- und Fettstoffwechselstörungen
  • Chronische Entzündungen der Prostata

Zusätzlich können bestimmte Medikamente die Symptome verschlimmern – darunter Antihistaminika, Beruhigungsmittel und Erkältungspräparate. Männer mit einer BPH sollten ihren Arzt stets über alle eingenommenen Medikamente informieren.

Diagnose

Wie wird eine BPH festgestellt?

Die Diagnose der Erkrankung ergibt sich durch die typischen Beschwerden mit langsam zunehmenden Problemen beim Wasserlassen und durch die ärztliche Untersuchung. Um eine gutartige Prostatavergrößerung zu diagnostizieren, müssen verschiedene Tests durchgeführt werden.

Ein Abtasten der Prostata (Vorsteherdrüse) mit dem Finger über den Enddarm (digitorektale Untersuchung) durch einen Urologen ist unabdingbar, da auf diese Weise die Größe des Organs bestimmt und vor allem ein Prostatakrebs ausgeschlossen werden kann.

Außerdem werden die Patienten gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Damit lässt sich feststellen, wie die Symptome beim Urinieren sind. Gegebenenfalls erfolgt auch ein Urintest, das ist eine wichtige und ebenfalls völlig harmlose Untersuchung bei der die Messung des Harnstrahls und der Dauer des Wasserlassens (Uroflowmetrie) erfolgt. Normalerweise ist der männliche Harnstrahl bogenförmig und ca. bleistiftdick. In 20-30 Sekunden sollte die Blase entleert sein. Wesentlich ist die Bestimmung des Restharns (Urin, der nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt). Der Restharn wird sonographisch gemessen und beträgt normalerweise nicht mehr als 20 ml.

Eine Ultraschall-Untersuchung sollte auf jeden Fall erfolgen. Und häufig, je nach Beschwerdebild, empfiehlt es sich, den PSA-Wert im Blut zu bestimmen – insbesondere wenn ein Verdacht auf eine bösartige Veränderung besteht. Ein weiterer Test zur Abklärung der Symptome ist die Restharnbestimmung (RH). Hierbei wird ermittelt, wie viel Urin nach dem Wasserlösen in der Blase zurückbleibt. In einigen Fällen muss auch eine sogenannte Cystoskopie (auch: Zystoskopie) durchgeführt werden. Bei dieser Blasenspiegelung verwenden die behandelnden Ärzte ein endoskopisches Instrument (Zytoskop), um sich die Harnröhre und die Blase anzuschauen. Eine weitere häufige Untersuchung ist die sogenannte Uroflowmetrie. Bei diesem diagnostischen Verfahren aus der Urologie wird beispielsweisedanach geschaut, mit welcher Geschwindigkeit der Urin die Blase verlässt.

Weitere in Betracht kommende Untersuchungen, die ein Urologe durchführt, sind

  • sonographische Bestimmung der Prostatagröße
  • radiologische Untersuchung des Kontrastmittelabflusses über Nieren und Harnleiter (Urogramm)
  • radiologische Darstellung der Harnröhre (Urethrozystogramm)

Behandlung

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer BPH?

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Beschwerden und dem Ausmaß der Vergrößerung. Sie reicht von abwartendem Beobachten über Lebensstiländerungen und Medikamente bis hin zur Operation. Nicht jeder Mann muss sofort behandelt werden – entscheidend ist immer die individuelle Situation.

 

„Watchful Waiting“

Das sogenannte „Watchful Waiting“ ist eine Möglichkeit, im Angloamerikanischen ist dieser Ansatz als „Wait and see“ bekannt. Konkret bedeutet dies: Der Patient mit der Diagnose BPH muss regelmäßig zu  Untersuchungsterminen erscheinen, bei denen geklärt wird, ob sich die Prostata weiter vergrößert hat und wie es um das Urinieren steht. Besteht kein Anlass, sich Sorgen zu machen, wird der Patient verabschiedet – bis zum nächsten Termin. Tatsächlich haben manche Männer so leichte Symptome und keine beängstigenden Werte, dass sie nicht therapiebedürftig sind.

 

Lebensstiländerungen

Manchmal raten die Ärzte im Rahmen von „Watchful Waiting“ ihren Patienten auch dazu, den Lebensstil zu verändern. Es hat sich nämlich gezeigt, dass beispielsweise schon moderate Bewegung (lockeres Joggen bzw. Walken) einen positiven Einfluss auf die Prostatasymptome haben kann. Aber auch verminderte Trinkmengen vor dem Schlafengehen führen bei leichten Symptomen häufig dazu, dass die Männer nachts weniger häufig aufstehen müssen und dementsprechend besser durchschlafen können. Auch die Reduktion des Koffein- oder Alkoholkonsums führt meistens zu einer Verbesserung in der Symptomatik. Im Frühstadium sind durch pflanzliche Medikamente (beispielsweise Kürbiskernextrakte, Brennesselextrakte) und Änderung der Lebensweise (z.B. Meiden von Kälte, Alkohol sowie Gewichtsabnahme) gute Erfolge zu erzielen. Es kommt zwar nicht zu einer wesentlichen Verkleinerung der Prostata, jedoch vermindern sich meist die Beschwerden und die Häufigkeit des Wasserlassens. Die pflanzlichen Medikamente und die Änderung der Lebensweise stellen wesentliche Säulen der Frühbehandlung dar.

 

Medikamentöse Therapie

Eine mögliche Lösung für die Probleme kann auch eine rein medikamentöse Therapie sein. Am häufigsten verschrieben werden in Deutschland Alpha-1-Blocker. Diese Medikamente beeinflussen auf verschiedenen „hormonellen“ Wegen die Prostata und erzielen in den Frühstadien ebenfalls gute Erfolge bei der gutartigen Prostatavergrößerung (auch BPH oder BPS). Alphablocker verbessern den Urinharnfluss dadurch, dass die Muskulatur in der Prostata und am Blasenhals relaxiert wird. Das Ergebnis: Weniger Widerstand und ein optimierter Harnfluss. Typische Alphablocker-Medikamente sind Terazosin, Doxazosin, Tamsulosin, Alfuzosin und Sildosin. 

5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren (z.B. Finasterid oder Dudasterid) verhindern die weitere Vergrößerung der Prostatadrüse. In der Regel führt die Einnahme über Monate zu einer Verringerung des Prostatavolumens. Die Medikamente erhalten nur jene Männer mit einer sehr großen Prostata. Aber man sollte bedenken, dass 5-ARIS häufig immense Nebenwirkungen haben. Sie können sowohl die Libido reduzieren oder bedingt durch „Umbauprozesse“ im Penis auch Erektionsstörungen auslösen. Teilweise treten auch Depressionen auf, die teilweise nicht reversibel sind.

Unterschieden wird zwischen einer Mono-Therapie, bei der nur ein einziges Medikament verwendet wird, zum Beispiel Phytotherapeutika (Alpha-1-Blocker), 5-Alpha-Reduktasehemmer, Muscarinrezeptor-Antagonisten oder auch Phospordiasterase-5-Inhibitoren, und Kombinationstherapien bei denen unterschiedliche Medikamente kombiniert werden.

Bekannte Kombinationstherapien sind:

  • Alpha-1-Blocker und 5-Alpha-Reduktasehemmer
  • Alpha-1-Blocker und Muscarinrezeptor-Antagonisten
  • Alpha-1-Blocker und Phospordiasterase-5-Inhibitoren

Nicht unerwähnt lassen sollte man die Einnahme von 5 mg Tadalafil. Auch hier konnten Studien zeigen, dass die Symptome einer gutartigen Prostatavergrößerung unter regelmäßiger Einnahme verbessert werden können.

Die Behandlung sollte immer unter ärztlicher Kontrolle stattfinden und ist vor allem bei einer noch nicht zu weit fortgeschrittenen Prostatavergrößerung sinnvoll. Eine regelmäßige Kontrolle des Harnstrahls und des Restharn sind unbedingt notwendig. Bei Restharmengen über 100 ml sowie häufigen Infekten, Harnverhalt oder einer Harnstauung mit Beteiligung der Nieren ist eine operative Therapie vorzunehmen. 

Gut zu wissen: Bei der Therapie mit Alpha-1-Blockern kann es zu einer Ejakulationsstörung kommen. Diese zeigt sich in der Regel als retrograde Ejakulation: Beim Ejakulieren gelangt also Samenflüssigkeit in die Blase. Häufige Nebenwirkungen von 5-Alpha-Reduktasehemmern wie Finasterid oder Dutasterid sind sexuelle Funktionsstörungen. Diese zeigen sich als erektile Dysfunktion, Ejakulationsstörung oder verminderte Libido. Über dieses Risiko sollte man sich bewusst sein! Einige wissenschaftliche Fallberichte haben darüber berichtet, dass diese Symptome – trotz Absetzen der Therapie mit 5-Alpha-Redktaseinhibitor – länger als zehn Jahre fortbestehen. Depressive Verstimmungen oder Depressionen bzw. Suizidgedanken können bei dieser Therapie ebenfalls auftreten. Eine Phytotherapie, die übrigens sehr unterschiedlich ausfallen kann, ist nur bei geringen bzw. moderaten Beschwerden empfehlenswert. Die einzelnen Präparate können unterschiedliche Wirkmechanismen haben, aber auch eine unterschiedliche Pharmakodynamik.

 

Tibialis-Nerv-Stimulationstherapie

Eine deutliche Verbesserung sowohl der Schmerz-Beschwerden, als auch des Harndrangs kann hier die klinisch erprobte „Tibialis-Nerv-Stimulationstherapie“ bewirken. Sie wird weitgehend von Krankenkassen übernommen. Mehr dazu erfahren Sie bei Lancy-Elektromedizin.

 

Operation

Eine Operation wird im Allgemeinen erst durchgeführt, wenn es immer wieder zu sogenanntem Harnverhalt kommt, der Patient also kein Wasser lösen kann und sich obendrein immer wieder Blut im Urin findet. Eine Operation ist auch empfehlenswert, wenn häufig Harnwegsinfekte auftreten, weil die Blase nicht richtig entleert wird. Sollte das Urinieren so schwer fallen, dass viel Restharn in der Blase bleibt, und sich dazu noch aufgrund des entstehenden Drucks sogenannte Blasendivertikel (Aussackungen in der Blase) bilden, ist eine OP ebenfalls indiziert. Dies gilt auch für den Fall, dass Blasensteine auftreten. Oder wenn sich der Urin aus der Blase über die Harnleiter bis in das Nierenbecken hinein staut. Mehr zur Operation erfahren Sie hier.

Komplikationen

Hat eine BPH Auswirkungen auf die Sexualität?

Ja – und das wird häufig unterschätzt. Studien zeigen, dass mehr als 50 Prozent der Männer mit BPH unter Erektionsstörungen leiden, mehr als 66 Prozent haben Ejakulationsstörungen, und etwa 30 Prozent klagen über eine reduzierte Libido. Viele Männer fühlen sich durch diese sexuellen Einschränkungen stärker beeinträchtigt als durch die Harnsymptome selbst. Es gibt jedoch geeignete individualisierte Therapien – sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.

Können die Medikamente selbst sexuelle Probleme verursachen?

Bei der Therapie mit Alpha-1-Blockern kann es zu einer retrograden Ejakulation kommen – das Ejakulat gelangt dabei in die Blase statt nach außen. Das Orgasmusgefühl bleibt erhalten, ist aber für Männer mit Kinderwunsch problematisch. 5-Alpha-Reduktase-Hemmer können Erektionsstörungen, verminderte Libido und in Einzelfällen lang anhaltende Depressionen verursachen – teils noch Jahre nach dem Absetzen. Patienten sollten alle Therapieoptionen inklusive Nebenwirkungen mit ihrem Arzt besprechen, bevor sie eine Entscheidung treffen.