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Warum gibt es eigentlich Sex?

3 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 19. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Sex existiert, weil er einen entscheidenden Überlebensvorteil bietet: Er vermischt das genetische Material zweier Eltern und erzeugt Nachkommen, die genetisch einzigartig sind. Diese Vielfalt schützt Arten vor Krankheiten und Parasiten, ermöglicht schnellere Anpassung an veränderte Umweltbedingungen und hilft, schädliche Genmutationen aus der Population zu entfernen.

Überblick

Warum gibt es eigentlich Sex?

Sex stärkt durch die Ausschüttung von Oxytocin die emotionale Bindung zwischen Partnern, fördert die körperliche und psychische Gesundheit und dient als biologisches „Belohnungssystem", das die Fortpflanzung sicherstellt.

Rein evolutionär betrachtet ist die sexuelle Aktivität – zumindest auf den ersten Blick – recht unsinnig. Denn zunächst einmal wird ein Partner benötigt, der ebenfalls gewillt ist, sexuell aktiv zu werden. Die Suche nach einem solchen Partner kann dauern und auch viel Kraft oder sogar Nerven kosten. Doch selbst dann, wenn die Suche erfolgreich war, birgt die Sexualität noch etliche Gefahren. So ist damit stets das Risiko verbunden, sich mit sexuell übertragbaren Erkrankungen (STI) anzustecken.

Evolution

Warum war Sex früher ein gefährlicher Zeitvertreib?

Beim Blick noch etwas weiter zurück in die evolutionäre Geschichte waren mit dem sexuellen Akt sogar noch deutlich größere Gefahren verbunden. Denn während der Ausführung des Geschlechtsverkehrs galt ein Mensch als extrem verwundbar – und zwar sowohl für verfeindete Angreifer als auch für entsprechende Raubtiere. Ein Mensch war sozusagen „leichte Beute“, wenn er durch ein Liebesspiel abgelenkt war und plötzlich der Säbelzahntiger in der Behausung stand.

Hinzu kam in der Vergangenheit noch der Aspekt, dass - ganz nüchtern betrachtet – durch jede sexuelle Aktivität auch Zeit verloren ging, die eigentlich auch für lebenswichtige Dinge wie die Nahrungssuche hätte genutzt werden können.

Warum hat sich Sexualität trotzdem durchgesetzt?

Trotz dieser vieler Nachteile hat sich die Sexualität aber durchgesetzt – in erster Linie natürlich unter dem Gesichtspunkt der Fortpflanzung und des Erhaltens der Art. Weitere Faktoren sind in der Psyche zu finden. Denn bei einer sexuellen Aktivität wird mehr als nur ein bestimmter Trieb befriedigt, sondern es können auch weitere positive Gefühle ausgelöst werden, die dann wiederum zur Stärkung sowohl von Körper als vor allem auch von Geist beitragen. Bezogen auf das Beispiel mit der vermeintlich verlorenen Zeit bedeutet das: Nach einem erfüllenden sexuellen Akt war ein Mensch in der evolutionären Geschichte möglicherweise viel besser in der Lage, auf Jagd zu gehen beziehungsweise erfolgreich nach Nahrung zu suchen. Auch heute noch lässt sich feststellen, dass ein funktionierendes Sexleben die Leistungsfähigkeit steigern kann. Begründet liegt dies nicht zuletzt auch in einem guten Selbstbewusstsein, das bei Männern wie bei Frauen sehr oft eng mit der Sexualität verbunden ist.

Regeneration

Welche Rolle spielen Mitochondrien bei Sex und Fortpflanzung?

Aber noch einmal zurück in die evolutionäre Geschichte: Laut wissenschaftlicher Untersuchungen sind sehr wahrscheinlich die Mitochondrien dafür verantwortlich, dass der Mensch mit Erfolg die sexuelle Fortpflanzung durchführt. Bei Mitochondrien handelt es sich um sehr kleine Zellorganelle, die als Hauptaufgabe im menschlichen Körper Adenosintriphosphat (ATP) produzieren. ATP ist ein Energieträger, der von allen Zellen benötigt wird, um überhaupt richtig funktionieren zu können. Mitochondrien werden deshalb auch gerne als „Kraftwerke“ der Zellen bezeichnet.

Die Mitochondrien, die wahrscheinlich vor etwa zwei Milliarden Jahren in die Zellen eingewandert sind, lösen im menschlichen Körper aber noch etwas Weiteres, sehr Folgenreiches aus: Sie bilden reaktive Sauerstoffspezies („Sauerstoffradikale“), durch die Schäden an der DNA verursacht werden - also an dem wichtigen Molekül, in dem alle Erbinformationen gespeichert sind.

Warum hilft Sex bei der Reparatur im Körper?

Der Körper ist allerdings durch einige Mechanismen in der Lage, diese DNA-Beschädigungen zu reparieren. Um wieder einen kompletten und voll funktionsfähigen Chromosomensatz zu erhalten, ist die Paarung nötig. Deshalb gehen wissenschaftliche Untersuchungen davon aus, dass dies wohl der entscheidende Grund ist, weshalb sich die sexuelle Aktivität evolutionär durchgesetzt hat.

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