Termin vereinbaren über Kontaktformular oder +49 151 42044956 anrufen
Start / Krankheitsratgeber

Schilddrüsenunterfunktion beim Mann

4 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Eine Schilddrüsenunterfunktion beim Mann entsteht, wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert. Typische Symptome sind anhaltende Müdigkeit, Gewichtszunahme, Libidoverlust und ein erhöhter Cholesterinspiegel. Mit einer täglichen Hormontablette lässt sich die Erkrankung in den meisten Fällen vollständig ausgleichen.

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ mit großer Wirkung. Sie sitzt direkt vor der Luftröhre am Hals und produziert die Hormone Thyroxin und Trijodthyronin. Diese Hormone steuern den gesamten Stoffwechsel – die Verwertung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen, den Herzschlag, die Körpertemperatur und die sexuelle Funktion. Ohne Schilddrüsenhormone ist der Organismus nicht lebensfähig. Produziert die Schilddrüse zu wenig davon, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion – medizinisch Hypothyreose genannt. Sie entwickelt sich schleichend und bleibt bei Männern oft jahrelang unerkannt.

Überblick

Wie häufig ist eine Schilddrüsenunterfunktion beim Mann?

Etwa drei Prozent der Bevölkerung sind betroffen – Frauen häufiger als Männer. Bei Männern wird die Erkrankung aber besonders oft übersehen, weil die Symptome unspezifisch sind und leicht anderen Ursachen zugeschrieben werden. Wer unter anhaltender Müdigkeit, Gewichtszunahme oder nachlassender Libido leidet, sollte die Schilddrüse als mögliche Ursache nicht ausschließen.

Symptome

Woran erkennt ein Mann eine Schilddrüsenunterfunktion?

Der gesamte Stoffwechsel läuft auf Sparflamme. Typische Anzeichen sind:

  • Anhaltende Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung
  • Kälteempfindlichkeit
  • Trockene Haut, brüchige Nägel und Haarausfall
  • Verstopfung und Verdauungsprobleme
  • Verlangsamter Herzschlag und niedriger Blutdruck
  • Konzentrationsprobleme
  • Depressive Verstimmung
  • Erhöhter Cholesterinspiegel und steigendes Risiko für Arterienverkalkung
  • Nachlassende Libido und Erektionsstörungen

Ursachen

Was verursacht eine Schilddrüsenunterfunktion?

Die häufigste Ursache ist Hashimoto – eine Erkrankung, bei der das eigene Immunsystem die Schilddrüse irrtümlich angreift und ihr Gewebe nach und nach zerstört. Die Schilddrüse produziert dadurch immer weniger Hormone, oft über Jahre hinweg unbemerkt. Männer erkranken an Hashimoto deutlich seltener als Frauen – genau das ist aber ein Grund, warum die Diagnose bei Männern so häufig zu spät gestellt wird.

Daneben kann eine Schilddrüsenunterfunktion auch entstehen, wenn die Schilddrüse operativ entfernt oder bestrahlt wurde, durch bestimmte Medikamente oder als Folge einer zu intensiv behandelten Überfunktion. Reiner Jodmangel ist in Deutschland heute selten.

Diagnose

Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt?

Der Arzt tastet zunächst den Hals ab und überprüft, ob die Schilddrüse vergrößert ist oder Knoten vorhanden sind.

Die Regulation der Schilddrüse kann relativ einfach durch eine Blutuntersuchung kontrolliert werden. Es wird der sogenannte TSH-Wert bestimmt. Er gibt am genauesten Aufschluss über eine mögliche Funktionsstörung. Im Normalfall sollte der TSH-Wert zwischen 0,3 und 4.0 mg/ml liegen. Niedrigere Werte deuten auf eine Überfunktion, erhöhte Werte auf eine Unterfunktion hin.

Bei Verdacht auf sogenannte „kalte“ oder „warme“ Knoten, das heißt Regionen der Über- oder Unterfunktion innerhalb der Schilddrüse, können Ultraschalluntersuchung und Szintigraphie näheren Aufschluss geben.

Behandlung

Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei einer jodmangelbedingten Unterfunktion genügt oft eine Anpassung der Ernährung oder gezielte Jodergänzung. Bei komplexeren Ursachen – wie Hashimoto – sind Medikamente notwendig, die je nach Verlauf kurz- oder langfristig eingenommen werden. Der Wirkstoff L-Thyroxin (Levothyroxin) gleicht die fehlenden Schilddrüsenhormone aus. Nach etwa zwei bis drei Monaten normalisieren sich die Blutwerte und die Beschwerden bessern sich deutlich – bei den meisten Männern verschwinden sie vollständig. Einige wichtige Punkte zur Einnahme:

  • Einmal täglich morgens nüchtern einnehmen
  • Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht und wird individuell eingestellt
  • Bei unzureichender Wirkung kann ein Kombinationspräparat aus L-Thyroxin und T3 eingesetzt werden
  • Jährliche Kontrolle beim Arzt ist unerlässlich, da sich der Hormonbedarf im Laufe des Lebens verändern kann
  • Je nach Ursache ist die Behandlung vorübergehend oder lebenslang notwendig

Ein chirurgischer Eingriff ist bei einer Unterfunktion in der Regel nicht erforderlich.

Warum ist eine rechtzeitige Behandlung so wichtig?

Egal, durch welche Art von Schilddrüsenerkrankung der Hormonhaushalt gestört wird: Die rechtzeitige Behandlung durch einen Arzt ist auch deshalb wichtig, um mögliche Folgeschäden und –erkrankungen zu verhindern. So kann sich eine Überfunktion zum Beispiel negativ aufs Herz auswirken, weil sich durch die verstärkte Hormonproduktion die Frequenz des Herzschlags erhöht. Auch die Muskulatur kann unter einer dauerhaften Hyperthyreose leiden. Bei einer Unterfunktion kann unter anderem der Cholesterinspiegel steigen, wodurch automatisch das Risiko einer Arterienverkalkung zunimmt. Nicht zu unterschätzen sind zudem Auswirkungen auf die Libido: Menschen mit einer Hypothyreose berichten nicht selten von einer deutlich geringeren sexuellen Lust - was umgekehrt natürlich auch bedeutet, dass bei einer gesunkenen sexuellen Lust die Ursache durchaus bei der Schilddrüse zu finden sein kann.

Vorbeugung

Wie kann man einer Schilddrüsenunterfunktion vorbeugen?

Eine vollständige Vorbeugung ist nicht möglich. Was man tun kann: ausreichend Jod zuführen – täglich etwa 200 Mikrogramm. Wer jodiertes Salz verwendet und regelmäßig Seefisch isst, deckt diesen Bedarf gut. Die wichtigste Maßnahme bleibt aber die regelmäßige Kontrolle des TSH-Wertes alle zwei bis drei Jahre – denn je früher eine Unterfunktion erkannt wird, desto schneller und besser lässt sie sich behandeln.