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Osteoporose

9 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 14. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Osteoporose ist eine Erkrankung bei der die Knochen durch Substanzverlust geschwächt werden. Bereits leichte Stürze oder geringe Belastungen wie Bücken oder Husten können zu Brüchen führen. Besonders betroffen sind Hüfte, Handgelenk und Wirbelsäule. In Deutschland leiden etwa 4 Millionen Frauen und 2 Millionen Männer an Osteoporose. Mit kalziumreicher Ernährung, Vitamin D, regelmäßiger Bewegung und gegebenenfalls Medikamenten lässt sich dem Knochenverlust vorbeugen und bereits geschwächte Knochen wieder kräftigen.

Überblick

Was ist Osteoporose?

Bei Osteoporose handelt es sich um eine Erkrankung, bei der die Knochen geschwächt werden (Verlust an Knochensubstanz). Durch diesen Substanzverlust werden die Knochen so schwach, dass selbst ein leichter Sturz zu einem Bruch führen kann. In manchen Fällen reicht sogar eine geringe Belastung aus wie zum Beispiel das Bücken oder sogar nur das Husten. Besonders häufig betroffen sind die Hüfte, das Handgelenk und die Wirbelsäule.

Die Osteoporose gilt als typische Frauenerkrankung, besonders gefährdet sind ältere Frauen nach den Wechseljahren. Dementsprechend wird diese Erkrankung bei Männern unterschätzt und nur selten behandelt. Tatsächlich leiden in Deutschland ca. 4 Millionen Frauen und 2 Millionen Männer an Osteoporose.

Männer sind davon zunehmend im höheren Alter betroffen. Es ist erschreckend, dass nur ca. 20 % der Männer mit ausgeprägter Osteoporose behandelt werden. Der häufig abgebildete, typisch gebückt gehende „alte Mann“ leidet an Osteoporose und muss auch behandelt werden.

Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich dem Knochenverlust vorbeugen und selbst bereits geschwächte Knochen lassen sich wieder kräftigen. Folgende Ansätze haben sich bewährt:

Symptome

Welche Symptome hat Osteoporose?

Das Tückische an Osteoporose ist, dass sie sich im frühen Stadium oft gar nicht bemerkbar macht. Der Knochenverlust schreitet zunächst unbemerkt voran sodass viele Betroffene lange Zeit nichts von der Erkrankung spüren. Erst wenn die Knochen bereits deutlich geschwächt sind, treten Beschwerden auf.

Die häufigsten Folgen einer Osteoporose sind Knochenbrüche und die Sinterung der Wirbelkörper. Wirbelkörperbrüche gehen mit fast unerträglichen und langanhaltenden Schmerzen einher.

Folgende Symptome können auf Osteoporose hindeuten:

  • Rückenschmerzen: Sie entstehen häufig durch einen gebrochenen oder zusammengesunkenen Wirbelkörper in der Wirbelsäule (treten auch ohne erkennbaren Auslöserauf).
  • Abnehmen der Körpergröße: Über die Jahre hinweg werden Betroffene messbar kleiner (geschieht oft schleichend und unbemerkt).
  • Gebeugte Haltung: Der sogenannte Rundrücken entwickelt sich häufig durch mehrere kleine Wirbelbrüche wodurch sich die Wirbelsäule zunehmend nach vorne krümmt.
  • Knochenbrüche: Ein Knochen bricht bei einer Belastung, die eigentlich harmlos sein sollte.

Wichtig ist, dass diese Symptome nicht bei jedem Betroffenen gleich stark auftreten. Bei Verdacht auf Osteoporose sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Rechtzeitig erkannt gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Ein ärztliches Gespräch zur Abklärung einer möglichen Osteoporose ist insbesondere bei Risikofaktoren sinnvoll. Dazu zählen ein frühzeitiger Eintritt der Menopause sowie eine längerfristige Therapie mit Glukokortikoiden (z. B. Kortison), da diese den Knochenstoffwechsel beeinträchtigen und das Frakturrisiko erhöhen können. Auch eine positive Familienanamnese ist relevant, vor allem bei Osteoporose oder Hüftfraktur bei Eltern oder Geschwistern. Bei Beschwerden wie Knochenschmerzen, Größenverlust oder Bewegungseinschränkungen sollte zeitnah eine medizinische Abklärung erfolgen. Eine frühzeitige Diagnostik ermöglicht wirksame Maßnahmen zur Prävention und Therapie des Knochenverlusts.

Ursachen & Risikofaktoren

Wie entsteht Osteoporose?

Dazu muss man wissen, dass Knochen kein starres Gerüst sind und sie sich in einem ständigen Erneuerungsprozess befinden. Neues Knochengewebe wird aufgebaut, während altes abgebaut wird. Dieser Kreislauf läuft ein Leben lang. In jungen Jahren überwiegt der Aufbau. Der Körper bildet neues Knochengewebe schneller, als er altes abbaut. Die meisten Menschen erreichen ihre maximale Knochenmasse etwa im Alter von 30 Jahren. Medizinisch spricht man von der sogenannten Peak Bone Mass (PBM).

Ab dem 30. Lebensjahr kehrt sich das Verhältnis langsam um und mit zunehmendem Alter wird mehr Knochenmasse abgebaut als neu gebildet. Bis etwa zum 35. Lebensjahr wird Knochensubstanz individuell optimiert aufgebaut. Danach übertrifft der Abbau den Aufbau.

Man kann sich die Knochenmasse wie ein Bankkonto vorstellen. Je mehr man in seinen jungen Jahren eingezahlt und aufgebaut hat, desto länger reicht das Guthaben (Knochenmasse) im Alter. Wer also eine höhere Peak Bone Mass (PBM) erreicht, ist im Alter besser vor Osteoporose geschützt.

Welche Risikofaktoren gibt es für eine Osteoporose?

Grundsätzlich kann jeder Mensch an Osteoporose erkranken. Das Risiko wird jedoch von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Manche davon lassen sich nicht ändern. Andere hingegen hat man selbst in der Hand.

 

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren

  • Geschlecht: Frauen erkranken deutlich häufiger an Osteoporose als Männer. Das hängt unter anderem mit den hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren (Östrogenabfall) zusammen.
  • Alter: Je älter man wird, desto höher steigt das Risiko an Osteoporose zu erkranken.
  • Genetik: Wer Eltern oder Geschwister mit Osteoporose hat, trägt selbst ein erhöhtes Risiko. Besonders aussagekräftig ist ein Hüftbruch (Hüftfraktur) bei Mutter oder Vater.
  • Ethnische Herkunft: Menschen mit weißer oder asiatischer Abstammung sind stärker gefährdet als andere Bevölkerungsgruppen.
  • Körperbau: Menschen mit einem zierlichen Körperbau haben tendenziell ein höheres Risiko. Sie verfügen von Natur aus über weniger Knochenmasse. Im Alter steht ihnen daher weniger Knochensubstanz als Reserve zur Verfügung.
  • Vorzeitige Wechseljahre: Tritt die Menopause vor dem 45. Lebensjahr ein, erhöht sich das Risiko an Osteoporose zu erkranken deutlich.

 

Hormonelle Einflüsse

Der Hormonspiegel hat einen erheblichen Einfluss auf die Knochengesundheit. Ein Abfall des Östrogenspiegels in den Wechseljahren zählt zu den stärksten Risikofaktoren überhaupt. Auch Behandlungen, die den Testosteronspiegel bei Prostatakrebs senken, können den Knochenabbau beschleunigen. Gleiches gilt für Therapien, die den Östrogenspiegel reduzieren.

Auch die Schilddrüse ist relevant: Ein Überschuss an Schilddrüsenhormonen kann Knochenverlust begünstigen – etwa bei einer Überfunktion oder bei zu hoch dosierten Schilddrüsenmedikamenten. Zusätzlich wird Osteoporose mit erhöhten Hormonen der Nebenschilddrüse und der Nebennieren in Zusammenhang gebracht.

 

Medikamente

Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung den Knochenabbau fördern. Vor allem eine langfristige Einnahme von Kortikosteroiden hemmt den Knochenaufbau und erhöht damit das Risiko eine Osteoporose zu bekommen. Auch andere Arzneimittel können das Risiko steigern, darunter:

  • Antiepileptika (Mittel gegen Krampfanfälle)
  • Entwässerungsmittel (Diuretika)
  • Blutverdünner
  • Protonenpumpenhemmer (gegen Sodbrennen)
  • Bestimmte Hormontherapien (bei Krebserkrankungen)
  • Immunsuppressiva (Medikamente gegen Transplantatabstoßung)

 

Erkrankungen

Verschiedene Grunderkrankungen können das Risiko erhöhen:

  • Hormonstörungen (wie z.B. Diabetes oder Schilddrüsenüberfunktion)
  • Magen-Darm-Erkrankungen (wie z.B. chronisch Darmerkrankungen oder Zöliakie)
  • Autoimmunerkrankungen (wie z.B. rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew)
  • Nieren- und Lebererkrankungen
  • Krebserkrankungen und Bluterkrankungen

 

Ernährung

  • Zu wenig Kalzium: Senkt die Knochendichte und kann zu frühem Knochenabbau führen.
  • Zu wenig Vitamin D: Dann kann der Körper Kalzium schlechter nutzen.
  • Essstörungen: Wenig Essen und starkes Untergewicht machen die Knochen schwächer.
  • Operationen am Magen/Darm: Nach manchen OPs werden Nährstoffe schlechter aufgenommen.

 

Lebensstil

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Einige Risikofaktoren lassen sich durch den eigenen Lebensstil beeinflussen. Bewegungsmangel erhöht das Osteoporose-Risiko deutlich. Wer viel sitzt, gefährdet seine Knochen. Regelmäßige Bewegung hingegen stärkt sie. Übermäßiger Alkoholkonsum ist ebenfalls ein Risikofaktor. Wer regelmäßig mehr als zwei alkoholische Getränke pro Tag trinkt, erhöht sein Osteoporose-Risiko. Auch Rauchen und Tabakkonsum tragen nachweislich zu schwachen Knochen bei. Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig geklärt. Der Zusammenhang ist jedoch wissenschaftlich belegt.

Diagnose & Untersuchungen

Wie wird Osteoporose diagnostiziert?

Osteoporose wird meist mit einer Knochendichtemessung diagnostiziert. Die Untersuchung heißt medizinisch DXA (auch DEXA) und wird auch Knochendichtescan genannt. Dabei werden niedrig dosierte Röntgenstrahlen eingesetzt, um den Mineralgehalt der Knochen zu bestimmen (z. B. Kalzium). Die Untersuchung ähnelt einer normalen Röntgenaufnahme: Man liegt auf einer Liege, während ein Scanner über den Körper fährt. Die Untersuchung ist schmerzfrei und erfolgt ohne Nadeln oder Spritzen. Gemessen werden meist Hüfte und Wirbelsäule.

Osteoporose wird nicht selten im Rahmen von Routineuntersuchungen oder auch zufällig im Zuge radiologischer Diagnostik entdeckt, etwa bei Abklärung einer Fraktur oder bei Röntgenaufnahmen aus anderem Anlass (z. B. Thoraxaufnahme).

Behandlungsablauf

Wie wird Osteoporose behandelt?

Das wichtigste Ziel bei der Behandlung von Osteoporose ist es Knochenbrüche zu vermeiden. Dafür gibt es heute verschiedene Ansätze, die sich gut kombinieren lassen. Der Arzt wird gemeinsam mit dem Patienten einen Behandlungsplan erarbeiten, der die Knochenstruktur stärkt und den weiteren Abbau der Knochendichte verlangsamt.

 

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Ausreichende Versorgung mit Kalzium (ca. 1500mg/Tag): Kalzium ist für den Knochen und die Muskulatur essentiell. Typische Kalzium-Lieferanten sind Milch und Milchprodukte.
  • Ausreichende Versorgung mit Vitamin D: Ohne Vitamin D kann das Kalzium nicht in den Körper aufgenommen und somit nicht in den Knochen eingebaut werden. Bei ausgewogener Ernährung und genügend Sonneneinstrahlung kann der Körper Vitamin D selbst bilden; es wird in der Haut quasi durch Licht „aktiviert“. Vitamin D kann aber auch über die Nahrung (Dosis für Erwachsene ca. 200 IE) zugeführt werden. Typische Vitamin-D-haltige Speisen sind Seefisch, Milchprodukte und Pilze.
  • Testosteronspiegel, der im Normbereich liegt: Testosteron und dessen Stoffwechselprodukte sind für die Knochen wichtige Hormone. Ein Testosteronmangel kann dazu führen, dass es zu Osteoporose kommt. Bei Verdacht auf Testosteron-Mangel sollten Sie diesen unbedingt vom Facharzt testen lassen und prüfen, welche Maßnahmen zur Steigerung des Testosteronspiegels für Sie in Betracht kommen.
  • Weniger Kochsalz: Kochsalz kann nicht nur den Blutdruck negativ beeinflussen, sondern es fördert auch die Kalziumausscheidung der Nieren. Unsere mitteleuropäische Nahrung ist meist salzreich, so dass in der Regel nicht nachgewürzt werden sollte.
  • Nicht zu viele Genussmittel: Hohe Mengen an Alkohol und Kaffee führen zur einer Kalziumausschwemmung über die Nieren und zu einer verminderten Bildung des körpereigenen Vitamin D. Man sollte darum nicht mehr als 2 bis 3 Tassen Kaffee pro Tag zu sich nehmen.
  • Regelmäßig Bewegung: Kalzium wird nur dann in den Knochen eingebaut, wenn dieser auch belastet wird. Dies bedeutet, dass eine hohe Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr mit der Nahrung keinerlei Nutzen bringt, solange der Mensch körperlich inaktiv bleibt. Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Knochen und das umliegende Gewebe wie Muskeln, Sehnen und Bänder stärken. Besonders empfehlenswert sind sogenannte gewichtstragende Übungen wie z.B. Spaziergänge, Yoga, Pilates oder Tai Chi. Diese trainieren die Muskulatur und verbessern das Gleichgewicht. Der Körper arbeitet dabei gegen die Schwerkraft, ohne die Knochen zu stark zu belasten.

 

Medikamentöse Behandlung

Welche Medikamente infrage kommen, hängt von der Schwere der Osteoporose und dem persönlichen Frakturrisiko ab. Oft werden Hormontherapien eingesetzt, etwa als Ersatz von Östrogen oder Testosteron. Eine weitere bewährte Option sind Bisphosphonate. Bei ausgeprägter Osteoporose oder hohem Risiko für Knochenbrüche können zusätzlich andere Wirkstoffe wie Parathormon-Analoga, Denosumab oder Romosozumab notwendig sein. Diese werden meist per Injektion verabreicht. Welche Behandlung im Einzelfall am besten passt, sollte gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden werden.

Prognose

Was kann ich erwarten, wenn ich Osteoporose habe?

Wer an Osteoporose erkrankt ist, benötigt eine regelmäßige ärztliche Betreuung. Diese umfasst in der Regel folgende Punkte:

  • Regelmäßige Kontrolltermine beim behandelnden Arzt
  • Wiederkehrende Knochendichtemessungen zur Überwachung
  • Anpassung der Behandlung je nach Befund

Wie oft diese Termine notwendig sind, wird individuell festgelegt.

Vorbeugung

Kann man Osteoporose vorbeugen?

Eine Osteoporose ist kein Schicksal oder eine unausweichliche Alterserscheinung – Osteoporose und ihre Folgen können vermieden werden. Wichtigste vorbeugende Maßnahmen sind eine ausgewogene Ernährung (Vitamin D, Kalzium) und viel Bewegung im Freien.

Notfälle & Warnsignale

Welche Komplikationen können auftreten?

Knochenbrüche können immer Komplikationen nach sich ziehen und das gilt besonders mit zunehmendem Alter. Manche Brüche haben erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben:

  • Hüftbrüche erfordern oft eine lange Genesungszeit
  • Die Beweglichkeit kann dauerhaft eingeschränkt sein
  • Selbstständigkeit im Alltag kann vorübergehend verloren gehen