Hyperprolaktinämie bei Männern
Kurz zusammengefasst
Erhöhtes Prolaktin beim Mann kann Libidoverlust, Erektionsstörungen, Depressionen und im Extremfall den Austritt von Milch aus der Brust verursachen. Ursachen sind unter anderem Hypophysentumore, Schilddrüsenunterfunktion, bestimmte Medikamente und erhöhte Östradiolspiegel. Bei normalem Prolaktinspiegel hat das Hormon hingegen positive Effekte auf das Nervensystem und reduziert Stress und Angst.
Überblick
Welche positiven Effekte kann Prolaktin bei Männern haben?
Tatsache ist, dass Männer grundsätzlich niedrigere Serum-Blutkonzentrationen von Prolaktin haben als Frauen. Dennoch scheint das Hormon einen neuroprotektiven Effekt im zentralen Nervensystem (ZNS) zu haben. So ist davon auszugehen, dass Prolaktin die Entwicklung von neuen Neuronen unterstützt (Neurogenese). Zudem hat es auch einen Anti-Stress- sowie einen Angst-reduzierenden (anxiolytischen) Effekt.
Diese positiven physiologischen Auswirkungen zeigen sich allerdings nur, wenn der Prolaktinwert im Blut sich auf einem normalen Level befindet. Darüber hinaus scheint es so zu sein, dass Prolaktin auch dazu beiträgt, Männer auf ihre Elternrolle vorzubereiten. Wissenschaftlichen Studien zeigen, dass bei Männern mit erhöhten Prolaktinwerten die Bereitschaft, sich um ihre Kinder zu kümmern, ebenfalls erhöht ist.
Symptome
Was passiert, wenn der Prolaktinwert zu hoch ist?
Wenn der Prolaktinwert allerdings zu hoch ist (Hyperprolaktinämie), kann das bei Männern zu Kopfschmerzen führen – oder zu einer reduzierten Libido.
Außerdem können Erektionsstörungen auftreten – im schlimmsten Fall Impotenz. Was dann langfristig sogar dazu führen kann, dass die Knochendichte bei Männern abnimmt, da auch der Testosteronwert gesenkt und die Testosteronproduktion in den Hoden reduziert ist.
Zu hohe Prolaktinwerte können auch Depressionen hervorrufen – oder Laktation (Austritt von Milch aus der männlichen Brust).
Prolaktin inhibiert schließlich auch die Ausschüttung des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH), das im Hypothalamus gebildet wird (Al-Chalabi m et al).
Ursachen
Welche Faktoren erhöhen den Prolaktinwert?
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die zu einem erhöhten Prolaktinwert führen können.
- Makroprolaktin: Hier scheint es so zu sein, dass die Patienten erhöhte Serum-Prolaktinspiegel haben. Aber im Endeffekt ist das Prolaktinmolekül hier bedingt durch eine Fehlfunktion vergrößert. Nicht alle Labore können das übrigens feststellen (Lippi G at all, Serri O).
- Schilddrüsenunterfunktion: Eine Hyperprolaktinemie kann durch einen Hypothyreoidismus (Schilddrüsenunterfunktion) verursacht werden. Die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) sind hier reduziert.
- Hypophysen-Tumore: In der Regel sind Hypophysen-Tumore sogenannte Adenome, also gutartige Vergrößerungen. Hier wird dann mehr Prolaktin produziert. Häufige Symptome sind u.a. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, aber auch Störungen des Sehvermögens (Serri O at all). In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass auch Tumore, die vermehrt Wachstumshormone ausschütten, häufig zu einer erhöhten Sekretion von Prolaktin führen.
- Autoimmune Störungen: Autoimmune Störungen können ebenfalls zu erhöhten Prolaktinwerten führen. Manchmal hat man Glück und die Symptome verschwinden wieder – und die Störung reguliert sich von allein. (Brody S und Krüger THC at all)
- Orgasmus: Auch ein Orgasmus kann zur Folge haben, dass der Prolaktinwert im Blut signifikant erhöht wird. Aber diese Werte fallen in der Regel schnell wieder und haben normalerweise keinen negativen Effekt.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente können zu erhöhten Prolaktinwerten führen. Dazu gehören zum Beispiel Antiemetika (Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen), trizyklische Antidepressiva, selektive Serotoninrezeptor-blockende Medikamente, Opioide, aber auch manche Medikamente, die zur Blutdrucksenkung verwendet werden (Nawtroh F).
- Erhöhte Östradiolspiegel: Östradiol ist ein weibliches Hormon, das den Prolaktinwert im Blut erhöhen kann. Im Zweifelsfall sollte man immer den Östradiolwert mit bestimmen (Nawtroh F).
- Weitere Faktoren: Zur langen Liste der Faktoren, die einen hohen Prolaktinwert begünstigen können, gehören auch emotionale Faktoren. Da kann es schon reichen, Musik zu hören oder Filme zu schauen, die auf die Stimmung drücken. Aber auch Erkrankungen wie etwa eine chronische Niereninsuffizienz oder eine Leberzirrhose können ursächlich sein. In jedem Fall ist es sinnvoll, nach der entsprechenden Diagnose therapeutische Maßnahmen einzuleiten.
