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Testosteron Nebenwirkungen

4 min Lesezeit • Von Prof. Dr. med. Frank Sommer • Medizinische Prüfung: Prof. Dr. med. Frank Sommer • Aktualisiert am 15. Apr. 2026

Kurz zusammengefasst

Die Einnahme von Testosteron kann Nebenwirkungen verursachen, die von harmlosen Hautveränderungen bis zu ernsteren Risiken reichen. Gar nicht mal so selten sind Akne, ein vermehrtes Haarwachstum am Körper, Gewichtszunahme oder Spannungsgefühlen im Brustbereich, in seltenen Fällen auch eine Gynäkomastie. Testosteron kann die körpereigene Produktion drosseln, die Spermienzahl reduzieren und damit die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, weshalb Männer mit Kinderwunsch kein Testosteron zu sich nehmen sollten.

Ursachen

Warum verursacht Testosteron Nebenwirkungen?

Testosteron wirkt auf nahezu alle Zellen des Körpers. Bei einer Substitutionstherapie erkennt der Körper die erhöhten Hormonspiegel und stellt die eigene Testosteronproduktion in den Hoden ein. Die Stimulation der Blutbildung führt zur vermehrten Produktion roter Blutkörperchen. Bei Überdosierung kann dies zu einer Polyglobulie führen, die das Blut verdickt und das Thromboserisiko erhöht. Ein unsachgemäßes Behandeln, insbesondere falsche Dosierung oder Einnahme ohne nachgewiesenen Mangel, steigert das Risiko für Nebenwirkungen erheblich.

Symptome

Welche körperlichen Nebenwirkungen können auftreten?

Die häufigsten körperlichen Nebenwirkungen sind Akne, fettige Haut, Haarausfall am Kopf und verstärkte Körperbehaarung. Bei Gelen treten Hautreizungen und trockene Haut auf, bei Injektionen Schmerzen und Hämatombildung an der Einstichstelle.

Ebenfalls häufig: Das Prostatavolumen vergrößert sich leicht und die PSA-Werte steigen an. Bei langfristiger Anwendung schrumpfen die Hoden, da der Körper die eigene Testosteronproduktion einstellt. Fruchtbarkeit und Spermienqualität werden beeinträchtigt.

Seltener, aber möglich: Polyglobulie (zu dickes Blut), Wassereinlagerungen, Brustvergrößerung, Schlafapnoe und verstärkte Körperbehaarung.

Wie verändert Testosteron die psychische Gesundheit?

Bei Männern mit nachgewiesenem Testosteronmangel kann die Therapie positive Stimmungen wie Dynamik und Wohlbefinden steigern. Negative Stimmungen wie Müdigkeit und Traurigkeit nehmen ab. Depressionssymptome können sich bessern. Allerdings berichten einige Männer über erhöhte Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und verstärkte Aggressivität.

Komplikationen

Welche Risiken bestehen für das Herz-Kreislauf-System?

Bei korrekt durchgeführter Substitutionstherapie bei Männern mit nachgewiesenem Hypogonadismus ist das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall nicht signifikant erhöht. Das zeigte die große TRAVERSE-Studie mit über 5.000 Teilnehmern.

Wie wirkt sich die Testosteron-Therapie auf die Fruchtbarkeit aus?

Eine Testosterontherapie reduziert die Spermienanzahl erheblich, da der Körper die eigene Hormonproduktion einstellt. Ohne ausreichende FSH-Stimulation produzieren die Hoden deutlich weniger Spermien bis hin zur völligen Azoospermie. Männer mit Kinderwunsch sollten daher kein Testosteron zu sich nehmen. Die Einschränkung ist meist reversibel, die Erholung kann jedoch mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern.

Besteht ein Risiko für die Prostata?

Bei Männern mit einem – eventuell noch unentdeckten – Prostatakrebs kann Testosteron das Krebswachstum beschleunigen. Der so genannte PSA-Wert (Prostata-spezifisches Antigen) im Blut zeigt dabei krankhafte Veränderungen der Prostata an.

Unter Testosteron-Substitutionstherapie vergrößert sich das Prostatavolumen und die PSA-Werte steigen an. Unabhängig von einem Anstieg beider Werte vergrößert sich die Prostata bei Männern mit Unterfunktion der Keimdrüsen jedoch nicht über das normale Altersmaß hinaus, ebenso bleiben die PSA-Werte im altersspezifischen Normbereich. PSA- und transrektale Ultraschallkontrollen sowie die digitorektale Untersuchung von Prostatagröße, -oberfläche und -konsistenz müssen Bestandteile der Routinekontrollen unter einer Testosteron-Therapie sein.

Wann ist ein Abbruch der Therapie notwendig?

Ein Abbruch ist notwendig bei:

  • Hämatokrit über 54 Prozent (erhöhtes Thromboserisiko)
  • PSA-Anstieg über 1,4 ng/ml innerhalb eines Jahres
  • Entwicklung eines Prostata- oder Mammakarzinoms
  • Auftreten einer schweren Schlafapnoe
  • Schweren kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall
  • Ausgeprägter Aggressivität oder schweren Stimmungsschwankungen

Diagnose

Welche Laborwerte müssen überwacht werden?

Kontrolluntersuchungen nach 3, 6 und 12 Monaten, danach jährlich:

  • Testosteron: Zielwert im mittleren bis oberen Normbereich
  • Hämatokrit: Werte unter 54 Prozent halten (im ersten Jahr halbjährlich)
  • PSA-Wert: Im ersten Jahr vierteljährlich, danach jährlich
  • Leberwerte: Regelmäßige Kontrolle der Leberfunktion
  • Blutfette: LDL, HDL und Triglyceride Zusätzlich regelmäßig digitorektale Untersuchung der Prostata.

Vorbeugung

Wie lassen sich Risiken minimieren?

  • Testosteron nur bei nachgewiesenem Mangel und unter ärztlicher Aufsicht einnehmen
  • Ausschließlich über zugelassene Apotheken mit Rezept kaufen
  • Dosierung so wählen, dass Blutspiegel normalisiert, aber nicht überhöht werden
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen
  • Bei Gelen: Nach Auftragen Hände waschen, vor Sex duschen, Hautkontakt vermeiden
  • Gesunde Ernährung, kein Alkohol und Nikotin, regelmäßige Bewegung
  • Bei Kinderwunsch: Alternative Behandlungsmöglichkeiten besprechen

Worauf sollte man beim Kauf achten?

Für eine hormonelle Substitutionstherapie mit Testosteron wird ein Rezept benötigt. Leider finden sich im Internet immer wieder Anbieter, die kein Rezept verlangen. Ein Großteil der entsprechenden Medikamente enthält gar kein Testosteron. Schlimmer noch: Einige „Mittelchen" enthalten Verunreinigungen, die dem Körper schaden können. Kaufen Sie solche Mittel daher ausschließlich über eine zugelassene Apotheke mit ärztlichem Rezept.

Bei Verdacht auf Testosteronmangel sollten Sie unbedingt mit einem Facharzt sprechen, der Erfahrung auf diesem Gebiet hat. Er wird Ihren Hormonstatus erheben und für Sie ein individuelles Therapiekonzept erstellen, um Risiken und Nebenwirkungen zu verringern.